Was in Deutschland kaum möglich ist, ist in Israel Alltag. Potentiell behinderte Kinder werden abgetrieben, ohne rechtliche und moralische Bedenken: "Mein Kind wäre vielleicht behindert auf die Welt gekommen, also habe ich es lieber abgetrieben". Sollte doch ein behindertes Kind geboren werden, so kann es den Arzt verklagen, der es zur Welt gebracht hat. Der Grund für die Klage: ich muss leben, weil man mich nicht abgetrieben hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Rechtliche Grundlagen
1.1 Schwangerschaftsabbruch in Deutschland
1.2 „Wrongful Birth“ und „Wrongful Life“
2 Fallstudie Yanir Schlussel
3 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die juristischen und ethischen Dimensionen von „Wrongful Birth“- und „Wrongful Life“-Klagen im Kontext von Schwangerschaftsabbrüchen, wobei insbesondere die unterschiedlichen Rechtsauffassungen in Deutschland und Israel sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen auf das Verständnis von menschlichem Leben analysiert werden.
- Rechtliche Rahmenbedingungen des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland (§218 ff. StGB).
- Differenzierung zwischen „Wrongful Birth“- und „Wrongful Life“-Klagen.
- Analyse des Falls „Yanir Schlussel“ als konkretes Fallbeispiel aus Israel.
- Ethische Reflexion über die Kommerzialisierung und Abstraktion menschlichen Lebens durch Schadensersatzforderungen.
Auszug aus dem Buch
1 Rechtliche Grundlagen
Der Begriff „Wrongful Life“ entstammt dem juristischen Sprachgebrauch; er bezeichnet die Klage von Eltern behinderter Kinder bzw. der behinderten Kinder selbst gegen den behandeln den Arzt sowie das zugehörige Krankenhaus, dass die Behinderung des Fötus’ während der Schwangerschaft nicht erkannt und in Folge dessen nicht abgetrieben worden ist. Gegenstand der Klage ist somit das Leben eines behinderten Menschen, der bei korrekt durchgeführten medizinischen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft nicht hätte leben sol len. Die rechtliche Grundlage für solche Klagen ist in jedem Land unterschiedlich, daher soll zunächst die Rechtslage in Deutschland erläutert werden. Im Anschluss wird eine Fallstudie eines „Wrongful Life“-Prozesses aus Israel vorgestellt.
Die rechtlichen Grundlagen für eine Abtreibung sind in §218-219 StGB des Strafgesetzbuches aufgeführt. Ein Schwangerschaftsabbruch ist grundsätzlich rechtswidrig. Wer einen Schwan gerschaftsabbruch durchführt oder den Versuch unternimmt einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, verstößt in jedem Fall gegen das Gesetz und kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren bestraft werden. Die umgangssprachliche Aussage, eine Abtreibung bis zum drit ten Monat verstoße nicht gegen das Gesetz, ist demnach falsch. Die Regelgung für einen straf freien, allerdings nach wie vor rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruch, ist in §218a StGB festgelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Rechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die gesetzliche Situation des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland und definiert die juristischen Fachbegriffe „Wrongful Birth“ sowie „Wrongful Life“.
1.1 Schwangerschaftsabbruch in Deutschland: Hier werden die Paragraphen 218 bis 219a des Strafgesetzbuches sowie die Bedingungen für einen straffreien, aber rechtswidrigen Abbruch detailliert dargelegt.
1.2 „Wrongful Birth“ und „Wrongful Life“: Dieser Abschnitt differenziert zwischen den Klagen der Eltern (Wrongful Birth) und des Kindes (Wrongful Life) und beleuchtet die internationale Rechtslage sowie die israelische Rechtsprechung.
2 Fallstudie Yanir Schlussel: Die Fallstudie beschreibt den konkreten Rechtsstreit um Yanir Schlussel, beleuchtet die medizinischen Hintergründe seiner Behinderung und analysiert das darauf folgende Urteil.
3 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Gesetze und weiterführenden medizinischen Informationen.
Schlüsselwörter
Wrongful Life, Wrongful Birth, Schwangerschaftsabbruch, Behinderung, StGB, medizinische Ethik, Fallstudie, Pränataldiagnostik, Menschenwürde, Schadensersatz, Blasenekstrophie, Rechtsprechung, Israel, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der juristischen und ethischen Problematik von Klagen, bei denen die Geburt eines behinderten Kindes als „Schaden“ eingeklagt wird, nachdem eine Behinderung pränatal übersehen wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das deutsche Abtreibungsrecht, die Begriffe Wrongful Birth und Wrongful Life sowie der Umgang mit Behinderungen im Kontext der modernen Pränatalmedizin.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die ethische Diskrepanz zwischen juristischen Schadensersatzforderungen und der Anerkennung menschlicher Würde aufzuzeigen, illustriert an einem konkreten Fall aus Israel.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine juristische und ethische Analyse der Gesetzeslage sowie eine fallbasierte Untersuchung eines spezifischen Gerichtsprozesses.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen Rechtslage, die theoretische Einordnung der Klagearten und die detaillierte Fallstudie zu Yanir Schlussel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Wrongful Life, Schwangerschaftsabbruch, medizinische Ethik, Schadensersatz und Menschenwürde.
Warum ist der Fall Yanir Schlussel für die Argumentation wichtig?
Der Fall zeigt, wie eine rein juristische Abstraktion von Lebenswerten in einer Millionenklage endet und stellt die Frage, inwieweit ein Leben in Geld bemessen werden kann.
Welche Rolle spielt die Rechtsprechung in Israel?
Israel hatte lange Zeit eine liberalere Rechtspraxis bezüglich Wrongful-Life-Klagen, revidierte diese jedoch im Jahr 2012, da auch dort der gesellschaftliche Konsens über die Unbezahlbarkeit menschlichen Lebens wuchs.
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- Markus Jansen (Author), 2013, "Wrongful Life". Juristische Klagen bei der Geburt von Kindern mit Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264122