Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning. Ein didaktischer Mehrwert?

Ein Praxisexempel über medienpädagogische Instruierung und Individualisierung mittels des LMS Moodle


Hausarbeit, 2013

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die arbeitsleitende Forschungsfrage
2.1 Verortung der arbeitsleitenden Forschungsfrage in die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurse
2.2 Die Praxisrelevanz der Thematik – E-Learning: Der Umgang mit Neuen Medien in der Schule
2.2.1 Learning Management System – Das LMS Moodle

3 Exemplarische Praxisfelder
3.1 Der Einsatz von E-Learning in der Schule
3.2 Individualisierung im Unterricht & Heterogenität – der Normalfall in der Schule
3.3 Medienpädagogische Erziehung und die Vermittlung von Medienkompetenz als Bildungsauftrag

4 Kleine empirische Erhebung
4.1 Fragestellungen & Hypothesen
4.2 Ergebnisse der empirischen Erhebung

5 Das Aufzeigen von pädagogischen Perspektiven

6 Zusammenfassende Bewertung & Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Lerngewohnheiten, nicht nur von Schülerinnen und Schülern, haben sich in den letzten Jahren signifikant verändert. Galt es beispielsweise vor mehr als zehn Jahren noch als unkonventionell Informationen aus dem Internet anstatt aus Büchern zu verifizieren, gilt diese Vorgehensweise heutzutage als vollkommen selbstverständlich. Diese neue Generation, welche als Netzwerkgeneration oder als digital learners bezeichnet wird, weist andere Präferenzen und Kompetenzen als vorhergehenden Generationen auf. In einer vernetzten Welt zu leben und ständig erreichbar zu sein ist eines der bedeutendsten Merkmale der neuen Netzwerkgeneration, welche ferner als „instant generation“ bezeichnet wird. Des Weiteren haben sich generell die Wege der Kommunikation in den letzten Jahren deutlich amplifiziert (Bastiaens, Schrader, & Deimann, 2011, S. 18). Auch Pädagogik geht einen Schritt weiter und adaptiert sich den neuen Umständen und neuen Möglichkeiten des Lernens. Denn erachtet man Döbeli Honeggers Annahme (2012, S. 14) für richtig, so werden gedruckte Schulbücher zukünftig verschwinden und elektronische Lehrmittel werden die gesamte Bildung revolutionieren. Vernetztes Lernen unterstützt mithilfe des Internets die Umsetzung der angestrebten Individualisierung und inneren Differenzierung des Unterrichts. E-Learning fördert selbsttäti­ges, forschendes Lernen und trägt nebenbei zur Entwicklung von Schule als lernende Organisa­tion bei. Weiters stellt die Heterogenität von Lern- und Bildungsvoraussetzungen eine Grundbedingung in allen pädagogischen Handlungsfeldern dar, wie Sautner und Schroeder (2012, S. 14) feststellen.

Im Rahmen des sechsten Moduls „Gesellschaftliche Rahmenbedingungen“(WS 2012/13) des Masterstudiengangs Bildung und Medien – eEducation wurden zwei Problemfel­der bearbeitet. Das erste Problemfeld behandelte die Internationalisierung und Virtualisie­rung von Bildung, das zweite Problemfeld den barrierefreien Zugang und Heterogeni­tät von Bildungsvoraussetzungen - im Mittelpunkt stand die soziologische Analyse der Auswirkungen gesellschaftlicher Differenz und Heterogenität auf den Zugang und die Nut­zung Neuer Medien.

In vorliegender Hausarbeit welche den Titel „Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning“ trägt, erfolgt zu Beginn eine eingehende Erklärung wie es zur Wahl des Hausarbeitsthemas und der arbeitsleitenden Forschungsfrage „Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning – ein didaktischer Mehrwert?“ kam. Die Forschungsfrage wird zunächst in die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurse verortet, anschließend wird die Praxisrelevanz der Thematik, nämlich E-Learning und der Umgang mit Neuen Medien in der Schule behandelt. Es folgt ein Exkurs zu Learning Management Systemen. Anschließend werden exemplarische Praxisfelder wie beispielsweise der Einsatz von E-Learning in der Schule, Individualisierung im Unterricht, Heterogenität – der Normalfall in der Schule und medienpädagogische Erziehung und die Vermittlung von Medienkompetenz als Bildungsauftrag erläutert. Nachfolgend werden Fragestellungen, Hypothesen und Ergebnisse einer kleinen empirischen Erhebung deklariert. Schließlich werden pädagogische Perspektiven aufgezeigt und zum Schluss erfolgt eine zusammenfassende Bewertung sowie ein kurzer Ausblick.

2 Die arbeitsleitende Forschungsfrage

Seit drei Jahren bin ich an einer Neuen Mittelschule in Österreich tätig. Dort fungiere ich nicht ausschließlich als Lehrerin für Englisch, Musik und Informatik, zudem bin ich auch Klassenvorständin einer Integrationsklasse mit 21 SchülerInnen und leite diese Klasse der 7. Schulstufe gemeinsam seit dem Schuljahr 2010/2011 unter anderem mit meiner Kollegin, einer Integrationspädagogin. Neue Medien und das Internet sind bereits seit der 5. Schulstufe Bestandteil des Unterrichts in unserer Klasse. Seit Beginn haben wir die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt beim Umgang mit dem Computer begleitet und unterstützt. Bestanden die Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler in der damaligen 5. Schulstufe hauptsächlich darin mit Lernsoftware zu arbeiten, Links zu Onlineübungen oder die Nutzung des Internets zu Recherchezwecken zu verwenden, verfügt unsere Klasse heute in der 7. Schulstufe über ein äußerst intaktes Virtuelles Klassenzimmer mit individuellen Lern- und Fördermöglichkeiten für die SchülerInnen.

Aufgrund meines beruflichen Hintergrunds, meiner Praxiserfahrung und gegebener Situation entschied ich mich für das Hausarbeitsthema „Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning“. Der Untertitel „Ein Praxisexempel über medienpädagogische Instruierung und Individualisierung mittels des LMS Moodle für SchülerInnen einer 7. Schulstufe“ spricht gewissermaßen für sich selbst. Im Zuge der Hausarbeit wird unter anderem die Unterrichtspraxis im Hinblick auf E-Learning sowie insbesondere die Handhabung des Virtuellen Klassenzimmers welches mittels des LMS (Learning Management System) Moodle ausgeübt wird, dargelegt. Weiters ist Heterogenität eine zentrale Grundbedingung in allen pädagogischen Handlungsfeldern (Sautner & Schroeder, 2012) und auch E-Learning zählt dazu und wird im Zuge der Forschungsfrage definiert. Folglich entwickelte sich die arbeitsleitende Forschungsfrage für vorliegende Hausarbeit: „Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning – ein didaktischer Mehrwert?“

Schulen sind heutzutage vorwiegend mit ausreichend medialer Infrastruktur ausgestattend und ermöglichen somit computergestützte Lernformen welche das Lernen verbessern sollten. Vor allem Individualisierung spielt im Schulwesen gegenwärtig eine immer bedeutendere Rolle. Mit Einsatz des Virtuellen Klassenzimmers geht Individualisierung einen Schritt weiter. Anhand vorliegender Forschungsfrage werden nicht nur Funktionsweisen des Virtuellen Klassenzimmers dargelegt, vielmehr wird auf dessen Effizienz sowie etwaige Nachteile bzw. Komplexität eingegangen. Weiters wird infolge der Forschungsfrage die Möglichkeit von Individualisierung mit E-Learning mittels des Learning Management Systems Moodle genauer analysiert. Grundsätzlich wird jedoch die Frage behandelt, wie es um den didaktischen Mehrwert virtueller Lernplattformen bzw. E-Learning im Allgemeinen an Schulen steht. Kann E-Learning tatsächlich einen didaktischen Mehrwert aufweisen?

2.1 Verortung der arbeitsleitenden Forschungsfrage in die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurse

„Schülerinnen und Schüler sind verschieden. Sie sind eigenständige Persönlichkeiten, sie unterscheiden sich nach Muttersprache, Geschlecht und sozialer Herkunft, nach Interessen und Begabungen, Vorwissen und Leistungsfähigkeit. Sie lernen auf unterschiedlichste Weise und ’Heterogenität’ ist in der Schule der Normalfall“ (Schmied, 2010, S. 7).

Es ist es nichts Neues, dass sich Kinder und Jugendliche in ihren Lernvoraussetzungen und Bedürfnissen in vielerlei Hinsicht unterscheiden und das eben diese Ungleichheit die Schule bzw. Lehrerinnen und Lehrer vor große Herausforderungen stellt (Trautmann & Wischer, 2011, S. 7). Trautmann und Wischer widmen sich einem bedeutenden Gegenstand, welcher die Schulpädagogik bereits seit geraumer Zeit beschäftigt; der Frage wie Lehrende es schaffen eine größere Gruppe von ganz unterschiedlichen SchülerInnen zeitgleich zu unterrichten, ohne die Bedürfnisse der Einzelnen zu vernachlässigen. Wie Lehrerinnen und Lehrer mit heterogenen Lerngemeinschaften umgehen ist seit jeher ein brisantes Thema der Schulpädagogik. Mit dem Einsatz von Neuen Medien und des Internets hat sich nicht nur unsere Gesellschaft und Arbeitswelt verändert, der elektronische Fortschritt brachte auch einen Aufschwung in die Klassenzimmer. Haben Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit ihre Schulzeit ohne Aufgebot von Neuen Medien absolviert, besteht heute die Möglichkeit in heterogenen Lerngemeinschaften mit Hilfe von E-Learning Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben. Durch E-Learning werden Schülerinnen und Schüler nämlich zum selbstgesteuerten und eigenverantwortlichen Lernen angeleitet (efit21.at). Laut Schmied (2010, S. 7) bietet eLearning viele Chancen für zeitgemäßen und spannenden Unterricht. Sie vertritt außerdem die Meinung, dass eLearning insbesondere individuelles Lernen unterstützt, mit modernen Kommunikationsmedien die Bildung von Lerngemeinschaften über den Unterricht hinaus gefördert wird und auch Sie betont, dass SchülerInnen in ihrer Selbstorganisation gestärkt werden. Nach Reinmann (2009), ist selbstorganisiertes Lernen jedoch eine beachtenswerte Herausforderung denn Lernende müssen sich dazu erst eine ganze Reihe kognitiver Fähigkeiten (z.B.: Vorwissen, Interesse, Strategien) aneignen. Sie betont, dass der Wille zur Selbstorganisation auf jeden Fall vorhanden sein muss.

Im Schulwesen müssen Schülerinnen und Schüler selbstverständlich zunächst dahingehend instruiert werden. Auch wenn die sogenannte instant Generation mit dem Internet und den Neuen Medien aufwächst, ist dies noch lange keine Garantie, dass sie damit einen bewussten Umgang zu pflegen weiß.

Laut Dexheimer (2012, S. 68) wächst das Interesse von Schulen an der Nutzung virtueller Lernplattformen ständig, denn die Idee einer Plattform auf der Schülerinnen und Schüler orts- und zeitunabhängig lernen und Unterrichtsmaterialien zur Wiederholung und Vertiefung der Unterrichtsinhalte auffinden können wird von einigen Lehrkräften als nützliche Ergänzung zum Schulunterricht angesehen. Auch Hummer, Oberlerchner, Olensky, Rick und Schöggl (2008, S. 1) geben an, dass das Arbeiten in virtuellen Lernumgebungen im Internet in vielen Schulen bereits zum Schulalltag gehört.

Wenngleich E-Learning stark im Trend zu sein scheint deklariert Petko (2010, S. 9) hingegen das der Begriff E-Learning im schulischen Kontext des deutschsprachigen Raums kaum verbreitet ist. Er ist der Meinung, dass diese Problematik nicht an mangelnder technologischer oder didaktischer Entwicklung von Schulen liegt sondern an den Konnotationen des Begriffs von E-Learning welcher trotz seiner großen Konjunktur relativ unscharf geblieben ist.

2.2 Die Praxisrelevanz der Thematik – E-Learning: Der Umgang mit Neuen Medien in der Schule

„Die Informationstechnik wird eine Revolution in den Klassenzimmern auslösen. Wir müssen die Pädagogik für das Informationszeitalter aber erst noch erfinden. Ich weiß, dass über neue Formen des Unterrichtens schon so lange gestritten wird, wie es Schu­len gibt. Heute aber stehen wir, durch die revolutionäre Entwicklung der Informationstechnik, vor einer grundlegend neuen Situation. Der Computer wird für eine wirkliche Neugestaltung unserer Lerninhalte und Unterrichtsformen ein zentraler Kristallisationskern sein. Er muss dann aber auch integraler Bestandteil von didakti­schen Konzepten für alle Fächer werden“ (Herzog, 1999).

Der Computer soll uns jedoch nicht das Denken abnehmen, vielmehr soll er Lernende beim Prozess des Lernens und der Wissenskonstruktion gezielt und sinnvoll unterstützen (Blumrich, 2007, S. 8-9). Blumrich erwähnt in seinem Beleg außerdem, dass die Wissensbeschaffung über das Internet ein wichtiger Bestandteil informatischer Bildung geworden ist und aus diesem Grund verstärkt sich seiner Meinung nach die Notwendigkeit, dass Schülerinnen und Schüler schon früh lernen mit diesen Werkzeugen umzugehen.

In der Schule ist die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler tatsächlich bereits sehr versiert im selbstständigen Umgang mit dem Computer, sei es die Handhabung von Suchmaschinen bzw. Online-Wissensdatenbanken und der Recherche nach gezielten Informationen im Internet oder das Arbeiten mit Microsoft Office. Dies basiert möglicherweise auf der Selbstverständlichkeit und Allgegenwärtigkeit des Computers und Internets da die Schülerinnen und Schüler dies bereits seit Geburt vorfinden (Media Awareness Network, 2005, zitiert nach Schulmeister, 2009, S. 146). Tully (2004, S. 159) führt den bewussten Umgang auf die „Normalität des Aufwachsens mit Technik“ zurück und erwähnt des weiteren, dass für jemanden der mit neuer Technologie aufwächst dies keine Innovation ist sondern etwas Vorgefundenes „Computer und andere technische Errungenschaften haben die Aura des Außergewöhnlichen verloren und finden sich überall im Alltag“ (2004, S. 160). Er bezeichnet sie als „eine Art notwendige Infrastruktur, um die wichtigeren Aktivitäten in die Realität umzusetzen“ (S. 172).

Mit diesen scheinbar besten Voraussetzungen ist es mehr als naheliegend als Lehrperson die E-Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler nicht bloß wahrzunehmen sondern diese insbesondere in den Schulalltag zu integrieren, die Lernenden zu fördern und ihre Kenntnisse zu erweitern. Sinnvoll ist die Integration von E-Learing in die Präsenzlehre, das sogenannte Blended Learning (Schulmeister, 2006). Schulmeister (2008, S. 2) zitiert überdies die Aufmerksamkeit erzeugende Behauptung von Prensky (2001) „Our students have changed radically. Today’s students are no longer the people our educational system was designed to teach.“ Diese kritische Aussage regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Das sich Schülerinnen und Schüler in vielerlei Hinsicht, besonders jedoch im Bildungsbereich geändert haben führen ebenso Bastiaens et al. (2011, S. 18) an. Sie deklarieren nämlich, dass sich nicht nur die Veränderungen bei den Lernenden selbst, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen die Lerngewohnheiten von Lernenden substanziell verändert haben.

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning. Ein didaktischer Mehrwert?
Untertitel
Ein Praxisexempel über medienpädagogische Instruierung und Individualisierung mittels des LMS Moodle
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V264132
ISBN (eBook)
9783656532378
ISBN (Buch)
9783656538929
Dateigröße
6470 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gutachten zur Hausarbeit: "Dir Arbeitsperspektive wurde eigenständig entwickelt und spezifiziert. Die Textteile sind in einem flüssigen und gut lesbaren Schreibstil verfasst. Die herangezogene Literatur wurde eigenständig recherchiert u bearbeitet. Der Literaturkanan ist umfangreich u repräsentiert eine gute Grundlage für die Bearbeitung des Themenfelds. Die formalen Anforderungen einer Hausarbeit werden erfüllt. Darüber hinaus zeigt die Verfasserin einen sicheren Umgang mit den Ihr zur Verfügung stehenden Quellen und kann diese gut in ihre Argumentation einarbeiten…"
Schlagworte
lernen, lerngemeinschaft, e-learning, mehrwert, praxisexempel, instruierung, individualisierung, moodle
Arbeit zitieren
BEd Nora Ulbing (Autor), 2013, Lernen in heterogener Lerngemeinschaft mit E-Learning. Ein didaktischer Mehrwert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264132

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