Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo

La morte del principe Don Fabrizio in confronto alla morte di Thomas Buddenbrook e Iwan Iljitsch


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,7

Franziska Schmidt (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Der Tod Don Fabrizios
2.2. Die Buddenbrooks
2.3. Der Tod des Iwan Iljitsch

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Il Gattopardo ist der einzige Roman des italienischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957). Er wurde 1957 nach Lampedusas Tod bei Feltrinelli in Italien veröffentlicht und gilt seitdem als „der größte Sizilienroman der Weltliteratur“1. Il Gattopardo schildert in acht Aufteilungen aus dem Leben der sizilianischen Fürstenfamilie Salina - insbesondere aus dem Leben des Protagonisten Don Fabrizio - während der Jahre 1860 und 1910.2

Im Folgenden werde ich mich mit der Todesszene von Don Fabrizio im siebtenTeil des Romans beschäftigen und dieses gravierende Kapitel mit der Sterbeszenevon Thomas Buddenbrook aus die Buddenbrooks und der Erzählung Der Tod des Iwan Iljitsch vergleichen. Da die Erzählung Der Tod des Iwan Iljitsch zu denwichtigsten der Sterbeliteratur gehört, werde ich mich nicht nur mit dereigentlichen Sterbeszene beschäftigen, sondern mit der Erzählung imAllgemeinen und sie auf die Todesszene von Don Fabrizio beziehen.

Nicht nur in den beiden von mir ausgewählten Vergleichswerken hat der Tod unddie Sterblichkeit eine zentrale Rolle: Der Tod ist eines der faszinierendsten undmeistdiskutiertesten Themen in der internationalen Literatur. Dabei muss dasThema nicht zwingend mit den Religionen verbunden sein. Der Tod istwahrscheinlich auch wegen der Angst davor und die damit verbundeneUngewissheit in vielen Werken ein elementares und beliebtes Thema.

Auch im Il Gattopardo ist der Tod ein allgegenwärtiges Thema, welches sichnicht nur mit der Sterblichkeit Don Fabrizios beschäftigt, sondern sich in derLandschaft Siziliens und ihrer Todessehnsucht wiederfindet. Die detaillierteLandschafts- und Klimabeschreibung bietet dem Leser die Möglichkeit, sich nochbesser die Dürre und die durch die Hitze geprägte und somit leblos wirkendeLandschaft vorzustellen. Auch die Stadt Palermo wird als eine eher triste undtodessehnsüchtige Stadt von Lampedusa beschrieben. Der Tod von Don Fabrizioim siebten Teil ist eines der wichtigsten Kapitel des Romans und ist somit dasfinale Ende des Todesthemas, welches im Roman stets präsent war.

2. Hauptteil

2.1 Der Tod Don Fabrizios

Im siebten Teil des Gattopardo nimmt Don Fabrizio Abschied vom Leben. EndeJuli 1883 unternimmt er eine Reise nach Neapel um den Professor Sèmmola zukonsultieren. Während der An- und Abreise fühlte er sich bereits geschwächt undwährend der Rückfahrt fiel er des Öfteren in Ohnmacht. Es wurde beschlosseneine Rast im Hotel Trinacria einzulegen. Seine Tochter Concetta und sein EnkelFabrizietto begleiteten den Fürsten bei dieser Reise. In Palermo und anschließendim Hotel stoßen noch weitere Familienmitglieder hinzu, darunter Tancredi undAngelica. Alle hatten bereits die Vermutung, dass der Fürst dem Ende nahe steht,sie entschuldigen jedoch seine schlechte körperliche Verfassung mit deranstrengenden Reise.

Bereits zu Beginn des siebten Teils schildert Don Fabrizio, dass er fühlte wie seine Lebenskraft seit Jahrzehnten aus ihm herausströmte. Er vergleicht dies mit dem Bild der Sanduhr aus Dürers Ritter, Tod und Teufel3 aus dem der Sand durch den engen Hals stetig hinaus floss:

„Erano decenni che sentiva come il fluido vitale, la facoltà di esistere, la vitainsomma, e forse anche la volontà di continuare a vivere andassero uscendo dalui lentamente ma continuare come i granellini che si affollano e sfilano ad un aduno, senza fretta e senza soste, dinanzi allo stretto orifizio di un orologio asabbia.”4

Doch war es für ihn kein unangenehmes und beängstigendes Gefühl: Für Don Fabrizio war der Verlust seiner Lebensenergie Beweis dafür, dass er sein Leben im vollem Bewusstsein gefühlt und genutzt hat.5 Je nach Situation empfand er das Gefühl des Hinausströmens seiner Lebenskraft unterschiedlich intensiv.

Wie auch Thomas Buddenbrook stirbt Don Fabrizio am Meer. Auch der Fürst sieht die Kraft der Wellen als Bild seiner Lebenskraft- und Energie. Er hält „das Rauschen des Meeres für den reißenden Strudel der letzten Partikel vitaler Substanz, die dem Gefäß seines Körpers entweichen.“6

Eine weitere Ähnlichkeit zwischen Don Fabrizio und Thomas Buddenbrook ist die Rolle der Hygiene während ihres Sterbens aber auch zu Lebzeiten. Beide sindMänner von Eleganz und beide legen Wert auf Ästhetik und Sauberkeit. DassThomas Buddenbrook nach seinem Herzinfarkt in einer dreckigen Fischergrubegefunden wird, grenzt somit fast an Ironie. Don Fabrizio verlangt im Hotel nachdem Barbier, verzichtet dann jedoch darauf, da sie ihn nach seinem Tod sowiesorasieren würden. Hierbei handelt es sich bei Don Fabrizio und ThomasBuddenbrook um folgendes:

„[…] una morte che contraddice lo stile di vita die protagonisti. Sia in Don Fabrizio, sia in Thomas Buddenbrook la morte viene presenta nelle sue forme umilianti, in stridente contrasto con la loro vita, con il loro aristocratio e nobile portamento e modi di sentire.”7

Nachdem der Arzt im Hotel eingetroffen war und den Fürsten versorgt hatte, wurde Don Fabrizio gewaschen. Seiner Situation bewusst, kam Don Fabrizio diese Waschung wie die Waschung eines Kindes bzw. eines Toten vor.

Nach der Waschung setzten sie den Fürsten auf den Balkon seines Zimmers. Dortließ er seine Erinnerungen an Donnafugata und an all die u. a. materiellenKostbarkeiten seines Lebens Revue passieren. Ebenfalls dachte er an seineFamilie und an deren Nachkömmlinge. Für Don Fabrizio war er der letzte undeinzige wahre Salina, da für ihn die Bedeutung eines Adelsgeschlechts auf derTradition und somit auf der Erinnerung beruht. Seine Enkel würden jedoch nichtdie gleichen ruhmreichen und besonderen Erinnerung haben wie er. Sie würdenauch nicht mehr solch traditionsbewusste Erfahrungen sammeln wie DonFabrizio.8

Das Eintreffen des Geistlichen Pater Balsàno kurz danach wollte Don Fabriziozuerst abstreiten, ließ es dann aber zu, da er wie ein Fürst sterben wollte: „Era ilprincipe di Salina e come un principe di Salina doveva morire con tanto di preteaccanto.“9 Für Don Fabrizio gab es jedoch keine wirklichen oder materiellenSünden mehr zu beichten; für den Fürsten war vielmehr das Leben eine Sündeund die Erbsünde, was seine Todessehnsucht nur noch mehr unterstreicht. Ihmwurde die Absolution erteilt.

[...]


1 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Gattopardo, Piper-Verlag, 2008, Rücken.

2 http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Gattopardo, letzter Zugriff am 04.05.12 um 13:30.

3 Karsten Essen, Standhafte Zinnsoldaten, Königshausen & Neumann, 2007, S.171.

4 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Il Gattopardo, Universale Economica Feltrinelli, S.215.

5 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, der Gattopardo, Piper-Verlag, 2008, S.275.

6 Karsten Essen, Standhafte Zinnsoldaten, S.171.

7 Maria Pagliara-Giacovazzo, Thomas Mann - Lampedusa: affinità elettive? In: Il Gattopardo. Atti del covegno internazionale dell‘ Università di Lovanio, Rom, 1991, S.88.

8 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Der Gattopardo, S.283.

9 Giuseppe Tomasi di Lampedusa, Il Gattopardo, S.222.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo
Untertitel
La morte del principe Don Fabrizio in confronto alla morte di Thomas Buddenbrook e Iwan Iljitsch
Hochschule
Universität Hamburg  (SLM II)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V264143
ISBN (eBook)
9783656534662
ISBN (Buch)
9783656536284
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
giuseppe, tomasi, lampedusa, gattopardo, fabrizio, thomas, buddenbrook, iwan, iljitsch
Arbeit zitieren
Franziska Schmidt (Autor), 2012, Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264143

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