Konstruktion von Geschlecht am Beispiel der dichotomen Geschlechtergleichstellung in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstrukt von Geschlecht
2.1 Dichotome Gesellschaft und das Problem von Geschlechter-konstruktionen
2.1.1 Männliche – weibliche Geschlechterkategorisierung
2.1.2 Geschlechterkonstruktionen und dessen vielfältige Konzepte
2.2 Fazit

3. Gleichstellung der Geschlechter ‚Mann’ und ‚Frau’ auf dem Arbeitsmarkt?!
3.1 Erwerbstätigkeit
3.2 Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt
3.2.1 Horizontale Segregation
3.2.2 Vertikale Segregation
3.3 Fazit

4. Schlussbemerkung

1.Einleitung

Dass das Thema Gleichstellung nicht nur in Diskursen postmoderner Literatur und Philosophen steht‚ sondern auch nicht weniger in der Politik prägnant diskutiert und debattiert wird‚ dementieren erhaltende Schriftstücke bereits aus antiker Zeit. In dieser ideologiekritischen Perspektive zeigen sich zwar markante Unterschiede im Ansatz und Zuschnitt der philosophischen Geschlechterdiskurse und die von ihren gesellschaftlichen Positionen losgelöste‚ maßgeblich durch ihren Geschlechts-charakter definierte Subjekte‚ welche erst im Zuge der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft konzeptualisiert wurden‚ doch werden bereits Kerngedanken einer realisierbaren Geschlechterordnung von verschiedenen Sichtweisen dargestellt.

Eine bekannte politisch‚ philosophische Publizierung von Platon „Der Staat“ (Hervorhebung d.V.) fokussiert zum Thema Geschlechterdifferenz und Geschlechterordnung grundlegende Standpunkte‚ welche ich als Einstieg zu dieser Arbeit kurz aufzeigen möchte. Dies soll lediglich verdeutlichen‚ dass sich bereits vor über 2000 Jahren die Gesellschaft Gedanken menschlichen Zusammenlebens im Hinblick auf Haus und Staat nach dem Prinzip der Rechtsgleichheit entsprechende Ordnungsvorstellungen macht. Natürlich wäre in diesem Zusammenhang auch der konträre Standpunkt Aristoteles zu nennen‚ welcher ebenso in der Theoriebildung im Bezug auf Geschlechtergleichheit eine bedeutsame Ansicht vertritt‚ doch möchte ich darauf in dieser Arbeit nicht näher eingehen.

Im fünften Buch des Philosophenstaates liefert Platon eine raffinierte Begründung für die These der Gleichheit der Naturen von Mann und Frau (vgl. Doyé/Heinz/Kuster 2002‚ S.73ff). Dabei sieht er die Auflösung des Hauses zugunsten staatlicher Institutionen generativer Reproduktion und tagtäglicher Lebenserhaltung als Entwurf des Idealstaates (ebd.). Die Rechtfertigung der sozialen und politischen Ungleichheit unter den Menschen soll durch die Verwirklichung und Vervollkommnung der eigenen Natur gelöst werden (ebd.) Daraus folgt‚ dass diejenige Ordnung gut genannt zu werden verdient‚ welche die Herrschaft der Besten vorsieht‚ unabhängig des Geschlechts. Diese antike Sichtweise der Gleichheit rechtfertigt demnach nicht länger den Rekurs auf die Natur. Für Platon ist das richtige Verhältnis der Geschlechter ein politisches Problem‚ das unter Zugrundelegung der für politische Ordnung allgemein maßgeblichen Prinzipien zu lösen ist (ebd.).

Die entscheidende Frage bezüglich des Verhältnisses der Geschlechter lautet daher‚ ob es eine spezifische Natur der Frau beziehungsweise des Mannes und dem entsprechend geschlechtsspezifische Tätigkeiten und Fähigkeiten gibt oder nicht. Die Zulassung von Frauen zu allen Ständen je nach Beschaffenheit ihrer individuellen Natur impliziert die platonische Antwort‚ weshalb die Geschlechterdifferenz allein in Hinsicht auf die Fortpflanzung nicht aber in Hinsicht auf die Verfasstheit der Seele relevant ist.

Vor diesem Hintergrund‚ der lang diskutierten Geschlechtergleichheit zwischen Mann und Frau‚ wobei Platon hier nur exemplarisch kurz dargestellt wurde‚ möchte ich nachfolgend das Konstrukt von Geschlecht thematisieren. Denn es darf und sollte nicht davon ausgegangen werden‚ dass das Geschlecht sich eindeutig nur in eine Binarität‚ sprich Mann und Frau unterscheidet. Bislang werden geschlechtliche Eindeutigkeit und Heterosexualität als Maß aller Menschen angesetzt und gemessen daran manche Transgender1 Ausdrucksweisen als Abweichungen markiert und als Störungen behandelt. Doch die Veränderungen‚ die im Gange sind‚ zeigen‚ dass das Gesetz der Zweigeschlechtlichkeit kein Naturgesetz ist‚ sondern vielmehr eine historisch gewachsene und politisch gewollte Realität. Dieser Werdegang der Ansichten und Denkweisen wurde beispielhaft‚ für die Zeit zwar fortschrittlich‚ an der von Platons sichtbar. Auf dieser Zeit aufbauend und bis in jüngsten Jahren erkennbar‚ wurden andere sozialen Geschlechter weder politisch noch sozial in Ordnungsmuster aufgenommen beziehungsweise einbezogen und integriert oder etwaiges.

Den größten Anteil der Arbeit werde ich mich mit der Konstruktion des sozialen Geschlechts zwischen Mann und Frau‚ welche historisch spezifiziert und konstruiert wurden, auseinandersetzen. Dabei gehe ich besonders auf die Ursachen dichotomer Gesellschaft ein. Begründet darauf, weshalb die rigide Gesellschaft sich noch weiterhin darauf stützt, möchte ich mich im folgenden Punkt nur auf die Zweigeschlechtlichkeit in der Ökonomie stützen und eine überblicksartige Bestandaufnahme der widersprüchlichen Entwicklungen hinsichtlich sozialer Angleichungsprozesse zwischen Frauen und Männern in der Erwerbstätigkeit geben. Als letzten Punkt wird abschließend ein Fazit gezogen.

1 Der Begriff Transgender wird von einzelnen AutorInnen in unterschiedlicher Weise verwendet. Als Identitätsbegriff bezeichnet und sortiert Transgender Personen‚ konkrete Körper und ihre Beziehungen zueinander‚ welche als das vermeidlich Andere der heterosexuellen Norm gedacht und herausgestellt werden. Somit suchte ein Teil der Transgender -Bewegung die Gleichstellung‚ rechtliche Anerkennung und Standardisierung von bestimmten Lebensentwürfen mit geschlechtlich eindeutigen und heterosexuellen Lebenskonzepten zu erlangen. Auf einer anderen Ebene wird mit dem Begriff Transgender eine generelle Kritik an den bestehenden Institutionen der Zweigeschlechtlichkeit entfaltet. Diese Perspektive wendet sich weniger an‚ sondern gegen die zweigeschlechtliche Norm‚ durch deren Wirken bestimmte Lebensweisen überhaupt erst als „abweichend“ wahrgenommen und behandelt werden (vgl. polymorph 2002‚ S.13ff).

2. Konstruktion von Geschlecht

„Die Unterscheidung von Individuen nach dem Geschlecht ist

selbstverständlich – und genau darin liegt das Problem. In der

Selbstverständlichkeit des Geschlechterdimorphismus steckt

zugleich auch seine Konstruktion.“ (Braun/Pasero 2001‚ S.7)

2.1 Dichotome Gesellschaft und das Problem von Geschlechterkonstruktionen

Dieses gesellschaftliche Problem ist natürlich von seiner Zeit und dessen Historie geprägt‚ welches erkennbar der Geschlechterdimorphismus in gesellschaftlichen Normen und Gesetzen widerspiegelt. Der gesellschaftliche Rigorismus auf dichotome Ordnungsmuster in der Gesellschaft hat diese zweigeteilte‚ in der Gemeinschaft verwurzelte‚ Konstruktion von Geschlecht als Auswirkung inne‚ welcher die Vielfalt möglicher Formen ausschließt (vgl. Braun/Pasero 2001‚ S.7). Führt dies nicht geradewegs zu dem Befund‚ dass Geschlechter konstruierbar sind?

Das Geschlecht wird interaktiv hergestellt und die Regeln der Herstellung sind wandelbar (ebd.). Das heißt‚ indem Individuen miteinander handeln‚ konstruieren sie zugleich Männer‚ Frauen‚ Arrangements zwischen den Geschlechtern sowie Ordnungsmuster von Dominanz und Subordination. Demnach gilt auch noch heute als Leitdifferenz forschender Beobachtung der Unterschied der Geschlechter. Daran schließt sich die Frage an‚ ob eine solch rigide Aufteilung zwischen Männer und Frauen überhaupt noch zeitgemäß ist.

Ob man diese weit umfassende Frage überhaupt in ihrem ganzem Ausmaße beantworten kann‚ ist fraglich. Doch soll darauf folgend kurz ein Einblick in mehrere mögliche Perspektiven der Beschreibung und Beobachtung von Frauen‚ Männern und deren Arrangements aufgezeigt werden. Dabei soll das Thema Konstruktion von Geschlecht aus humanbiologischer‚ soziologischer‚ empirischer und konstruktivistischer Sicht einer Neubeschreibung von Frauen‚ Männern und Geschlechterverhältnissen recht nahe kommen. Zuvor allerdings‚ soll jedoch noch die Kategorienbildung‚ gerade im Hinblick auf Männer und Frauen‚ dargestellt werden. Denn das Denken in dichotomer Weise begründet sich auf ein prozesscharakteristisches Gedankengut‚ welches sich durch kategorischer Denkweise herausbildet hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Konstruktion von Geschlecht am Beispiel der dichotomen Geschlechtergleichstellung in Deutschland
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Sexualpädagogik/Gender Studies
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V264318
ISBN (eBook)
9783656534969
ISBN (Buch)
9783656535683
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konstruktion, geschlecht, beispiel, geschlechtergleichstellung, deutschland
Arbeit zitieren
Sabrina Werber (Autor), 2010, Konstruktion von Geschlecht am Beispiel der dichotomen Geschlechtergleichstellung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264318

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