Hintergrund. Es wurde gezeigt, dass negative Effekte von Stereotypen durch eine einmalig durchgeführte, fünfminütige Achtsamkeitsübung neutralisiert werden konnten (Weger, Hooper, Meier & Hopthrow, 2012). Beim Abbau von Vorurteilen durch Kontakt erwies sich Angst als wichtigster Mediator (Pettigrew & Tropp, 2008). Folglich sollten Achtsamkeitsübungen Angst und Intergruppenangst auf interpersonaler Ebene reduzieren und zur Minimierung von Vorurteile beitragen und sinnvoll in Diversity Trainings eingesetzt werden können. In der Studie führten heterosexuelle Personen einmalig eine fünfminütige Achtsamkeitsübung durch. Deren Wirkung auf sexuelle Vorurteile in einer imaginierten Kontaktsituation mit homosexuellen Personen wird beschrieben. Geschlechtsspezifische Effekte wurden erwartet (Herek, 2007).
Methode. Online-Experiment mit Kontrollgruppe.
Ergebnisse. Die Achtsamkeitsübungen zeigten keine signifikanten Effekte (p > .05). Jedoch wiesen Personen mit höherer Trait-Achtsamkeit signikant niedrigere Werte in Trait-Angst gefolgt von State-Angst, Intergruppenangst und sexuellen Vorurteilen auf. Intergruppenangst korrelierte signifikant mit sexuellen Vorurteile und postulierte geschlechtsspezifische Effekte wurden gefunden. Intergruppenangst korrelierte geringer und eher mit den emotinalen als den kognitiven Komponenten von State- und Trait-Angst.
Schlussfolgerungen. Unabhängig von der Unwirksamkeit der Achtsamkeitsübungen war Achtsamkeit als Trait wirksam und zeigte vor allem auf Trait-Angst einen negativen Effekt. Über signifikante positive Korrelation von Trait-Angst und Intergruppenangst könnte so durch Erhöhung von Achtsamkeit Vorurteilsreduktion mit Diversity Trainings abgestrebt werden.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Abstract
Einleitung
Ziele und Fragestellung der vorliegenden Studie
Methode
Stichprobe und Ablauf der Untersuchung
Stimulusmaterial
Erhebungsinstrumente
8 ITEMS / MESSUNG INTERGRUPPENANGST
STADI / MESSUNG STATE- UND TRAIT-ANGST
FFMQ-D / MESSUNG TRAIT-ACHTSAMKEIT
8 ITEMS / MESSUNG EXPLIZITE EINSTELLUNG GEGENÜBER HOMOSEXUALTITÄT
Datenanalyse
Ergebnisse
ERGBNISSE ACHTSAMKEITSÜBUNG
ERGBNISSE INTERAKTION GESCHLECHT
Diskussion
Einschränkungen
Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht experimentell, ob eine einmalige, fünfminütige Achtsamkeitsübung (Bodyscan oder Atemmeditation) die Intergruppenangst, allgemeine Angst und sexuelle Vorurteile bei heterosexuellen Personen in einer imaginierten Kontaktsituation mit homosexuellen Menschen minimieren kann.
- Wirksamkeit kurzfristiger Achtsamkeitsinterventionen in Diversity Trainings
- Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Vorurteilsreduktion
- Einfluss von Intergruppenangst als Mediator bei der Bewertung von Fremdgruppen
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Einstellung gegenüber Homosexualität
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Vorurteile zu reduzieren ist kein einfaches Unterfangen. Um eine Einstellung zu ändern, müssen Menschen das auch wollen. Es wurde gezeigt, dass sich heterosexuelle Männer und Frauen bezüglich ihrer sexuellen Vorurteile unterscheiden: Frauen hatten weniger sexuelle Vorurteile als Männer, die negativsten Einstellungen hatten heterosexuelle gegenüber homosexuellen Männern, die Einstellungen zu Schwulen waren feindseliger als die zu Lesben und Menschen mit Kontakterfahrungen zeigten signifikant weniger sexuelle Vorurteile (Herek, 2007).
Die Modifikation eines Vorurteils hängt von der individuellen Verarbeitungskapazität, Motivation und Zielen ab und führt über bewusste psychologische Prozesse (Devine, 1989). Brauer, Er-rafiy, Kawakami und Phills (2012) fanden, dass Vorurteile effektiver reduziert wurden, wenn eine Gruppe in positiven und negativen Begriffen beschrieben wurde und nicht nur in positiven. Zudem fanden Brewer und Pierce (2005), dass die Komplexität von salienten sozialen Identitäten mit mehr Toleranz und positiveren Einstellungen der Fremdgruppe gegenüber assoziiert war.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten der Vorurteilsreduktion und diskutiert theoretische Ansätze wie die Kontakthypothese und die Bedeutung von Angst als Mediator bei der Bewertung von Fremdgruppen.
Ziele und Fragestellung der vorliegenden Studie: In diesem Kapitel werden die experimentelle Zielsetzung sowie die aus der Literatur abgeleiteten Hypothesen zur Wirkung von Achtsamkeitsübungen auf Intergruppenangst und Vorurteile dargelegt.
Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das Online-Experiment mit 257 Studierenden, das Stimulusmaterial (Bodyscan, Atemmeditation, Kontrollgedicht) sowie die verwendeten psychometrischen Erhebungsinstrumente.
Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die statistische Auswertung, die zeigt, dass die Kurzintervention keine signifikanten Effekte aufwies, jedoch Achtsamkeit als Persönlichkeitsmerkmal (Trait) negativ mit Angst und Vorurteilen korreliert.
Diskussion: Hier werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, insbesondere die Diskrepanz zwischen der Wirksamkeit von Achtsamkeit als Trait und der Unwirksamkeit der experimentellen Kurzintervention.
Einschränkungen: Es werden methodische Aspekte wie die Konstruktion der Kontaktsituation und die Stichprobenzusammensetzung als mögliche Einflussfaktoren für die Ergebnisse diskutiert.
Schlussfolgerungen: Die Autorin resümiert, dass Achtsamkeitsübungen zwar nicht als einmalige Intervention, aber als langfristige personale Ressource sinnvoll in Diversity Trainings integriert werden können, um Empowerment und kognitive Flexibilität zu fördern.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Angst, imaginierter Kontakt, Intergruppenangst, Intergruppenkontakt, sexuelle Vorurteile, Diversity Trainings, Stereotypen, soziale Identität, Trait-Achtsamkeit, State-Angst, Trait-Angst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob kurzzeitige Achtsamkeitsübungen dazu beitragen können, Vorurteile und Intergruppenangst bei heterosexuellen Personen gegenüber homosexuellen Menschen zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Achtsamkeitstraining, Vorurteilspsychologie, soziale Kategorisierung, Intergruppenkontakthypothese und die Rolle von Angst als psychologischer Mediator.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel war es, unter experimentellen Bedingungen zu prüfen, ob eine einmalige, fünfminütige Bodyscan- oder Atemmeditations-Übung die psychologische Einstellung in einer imaginierten Kontaktsituation positiv beeinflussen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein Online-Experiment mit drei Gruppen (zwei Experimentalgruppen und eine Kontrollgruppe) sowie einer Stichprobe von 257 Psychologiestudierenden durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einleitung, die Darstellung der methodischen Vorgehensweise (Stichprobe, Stimulusmaterial, Fragebögen) sowie die detaillierte statistische Analyse und Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Achtsamkeit, Intergruppenangst, sexuelle Vorurteile, Diversity Trainings und imaginierter Kontakt.
Zeigten die Achtsamkeitsübungen den erwarteten Erfolg?
Nein, die experimentell durchgeführte einmalige fünfminütige Achtsamkeitsübung zeigte in dieser Studie keine statistisch signifikanten Effekte auf die gemessenen Variablen.
Welchen Einfluss hat Achtsamkeit als persönliches Merkmal (Trait)?
Personen, die generell achtsamer sind (hohe Trait-Achtsamkeit), zeigten signifikant niedrigere Werte in Trait-Angst, State-Angst, Intergruppenangst und sexuellen Vorurteilen.
Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede wurden beobachtet?
Es konnten teilweise geschlechtsspezifische Effekte nachgewiesen werden, wobei Männer in der Untersuchung tendenziell höhere Intergruppenangst und stärkere sexuelle Vorurteile aufwiesen als Frauen.
- Quote paper
- Andrea Frisch (Author), 2013, Ein Weg zur Minimierung von Vorurteilen? Einmalige, fünfminütige Achtsamkeitsübungen als Element in Diversity Trainings., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264380