Die erheblichen Renditeversprechen bei Unternehmensbeteiligungen führten dazu, dass immer mehr Anleger in geschlossene Immobilienfonds und in venture-capital- Gesellschaften investierten, was eine erhebliche Herausforderung für die deutsche Rechtsprechung darstellt, wenn das jeweilige Anlageziel nicht erreicht werden konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Anlagefonds, wie insbesondere Immobilienfonds
a) Anforderung an die ordnungsgemäße Aufklärung
b) Anforderung an die ordnungsgemäße Beratung
c) Anforderung an den Inhalt des Prospekts
2. Vermittlung von amerikanischen Unternehmensbeteiligungen, wie insbesondere die Beteiligung an so genannten venture-capital- Gesellschaften
a) Abhängigkeit von Market-Makern
b) Kursmanipulationen
c) Fehlen zuverlässiger Kursangaben
d) große Differenz zwischen Kauf-und Verkaufspreis dem sogenannten „spread“
e) die Nichthandelbarkeit der Aktien wegen der in der Regulation S enthaltenen Sperrfrist
f) schriftliche Aufklärungspflicht
g) Durchgriffshaftung gemäß § 826 BGB
h) Besondere Aufklärungspflicht auch bei Aktien, welche an der amerikanischen Computerbörse NASDAQ gehandelt werden und auch beim Verkauf von inländischen vorbörslichen Aktien
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Aufklärungspflicht und Haftung beim Vertrieb von Unternehmensbeteiligungen, insbesondere im Kontext von geschlossenen Immobilienfonds und riskanten amerikanischen venture-capital-Gesellschaften.
- Rechtliche Anforderungen an die Aufklärung durch Anlagevermittler und -berater
- Ansprüche aus Prospekthaftung und die Rolle von Informationsquellen
- Risiken beim Vertrieb von OTC-Aktien und die Notwendigkeit von Durchgriffshaftung
- Bedeutung der schriftlichen Aufklärung bei komplexen Finanzgeschäften
- Herausforderungen bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen für Anleger
Auszug aus dem Buch
a) Anforderung an die ordnungsgemäße Aufklärung
Zur Haftung bei der bloßen Anlagevermittlung wurde nach höchstrichterlicher Rechtsprechung festgestellt, dass im Rahmen einer Anlagevermittlung stillschweigend zwischen den Anlageinteressenten und dem Anlagevermittler ein Auskunftsvertrag mit Haftungsfolgen zustande kommt, wenn der Interessent deutlich macht, dass er, auf eine bestimmte Anlageentscheidung bezogen, die besonderen Kenntnisse und Verbindungen des Vermittlers in Anspruch nehmen wolle und der Anlagevermittler die gewünschte Tätigkeit beginnt (BGH III ZR 122/05, NJW-RR 2007,348).
Dabei kommt es nicht darauf an, dass der Vermittler zugleich Repräsentant eines Unternehmens ist, für das er die Vermittlung betreibt (BGH III ZR 193/05, NJW 2007,1003).
Der Auskunftsvertrag verpflichtet den Vermittler zu einer richtigen und vollständigen Information über diejenigen tatsächlichen Umstände, die für den Anlageentschluss des Interessenten von besonderer Bedeutung sind (BGH III ZR 25/91; NJW-RR 2000,998; BGH III ZR 381/02, RNJW-RR 2003, 1006).
Nimmt der Zeichner einer Vermögensanlage den Anlagevermittler auf Schadensersatz wegen unzureichender Aufklärung in Anspruch, so trägt er aber für die Behauptung, vom Vermittler keinen - Risikohinweise enthaltenden - Anlageprospekt erhalten zu haben, die Beweislast (BGH III ZR 205/05, NJW-RR 2006,1345).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Anlagefonds, wie insbesondere Immobilienfonds: Dieses Kapitel analysiert die rechtliche Einordnung von Publikumsgesellschaften und die daraus resultierenden Aufklärungs- und Beratungspflichten sowie Anforderungen an die Prospekthaftung.
2. Vermittlung von amerikanischen Unternehmensbeteiligungen, wie insbesondere die Beteiligung an so genannten venture-capital- Gesellschaften: Der Abschnitt befasst sich mit den spezifischen Risiken und erforderlichen Aufklärungspflichten beim Vertrieb von ausländischen OTC-Aktien.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Problematik der mangelnden rechtlichen Durchnormierung zusammen und betont die Notwendigkeit der Durchgriffshaftung zum Schutz der Anleger vor Anlagebetrug.
Schlüsselwörter
Aufklärungsverschulden, Anlagevermittlung, Prospekthaftung, Immobilienfonds, Venture-Capital, Rechtsprechung, Schadensersatz, Anlageberatung, OTC-Markt, Durchgriffshaftung, Kapitalanlage, Aufklärungspflicht, Anlegerschutz, Risikohinweise, Innenprovision.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen Herausforderungen und die Entwicklung der Rechtsprechung im Bereich der Haftung bei fehlerhafter Aufklärung beim Vertrieb von Unternehmensbeteiligungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Aufklärungspflichten bei Anlagefonds, die Prospekthaftung sowie spezifische Risiken bei US-amerikanischen OTC-Aktien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die rechtlichen Voraussetzungen für Schadensersatzansprüche von Anlegern gegen Vermittler und Berater aufgrund mangelhafter Aufklärung darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer juristischen Analyse höchstrichterlicher Rechtsprechung und der Auswertung relevanter gesetzlicher Regelungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert detailliert die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Aufklärung und Beratung sowie die Besonderheiten der Prospekthaftung im grauen Kapitalmarkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Aufklärungsverschulden, Prospekthaftung, Anlagebetrug, Durchgriffshaftung und Anlegerschutz.
Welche Bedeutung kommt der "Innenprovision" zu?
Der Vermittler ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung verpflichtet, an ihn gezahlte Innenprovisionen gegenüber dem Anleger offenzulegen, um Irreführungsgefahren zu vermeiden.
Warum ist die Durchgriffshaftung gegenüber Vermittlungsgesellschaften so relevant?
Da Vermittlungsgesellschaften nach einem Anlagebetrug oft liquidiert werden, ist die persönliche Haftung des Geschäftsführers essenziell, um Schadensersatzansprüche überhaupt realisieren zu können.
- Quote paper
- Dr. Lieselotte Brucklacher (Author), 2013, Die Entwicklung der Rechtsprechung zum Aufklärungsverschulden beim Vertrieb von Unternehmensbeteiligungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264407