Wachablöse in Mailand

Wie Francesco Sforza eine neue Dynastie begründete


Seminararbeit, 2011

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ende der Visconti

3. Ambrosianische Republik

4. Francesco Sforza

5. Die Machtübernahme

6. Die „glücklichen“ Jahre

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Wachablöse in Mailand

Wie Francesco Sforza eine neue Dynastie begründete

„Wollten wir den Ruhm der Taten des Francesco Sforza in Wort und Schrift angemessen wiedergeben und mit unserem Lobe nicht hinter seinen Verdiensten zurückbleiben, so brauchten wir nicht nur die Beredsamkeit eines Cicero, sondern eine weit glücklichere und reichere, die imstande wäre, nicht bloß seine Tüchtigkeit zu schildern, sein Ansehen und seine Kriegserfahrung, - Eigenschaften, die vor allem von einem obersten Heerführer gefordert werden - sondern in erster Linie das Glück und die Güte dieses Fürsten zu preisen.“ [1]

1. Einleitung

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war Mailand die angesehenste und wirtschaftlich bedeutendste Stadt in der Po-Ebene. Die Stadt fungierte als natürlicher Verkehrsknotenpunkt für die Handelsbeziehungen Venedigs und Genuas in das Hinterland, welches schon damals zu den fruchtbarsten Gebieten Italiens zählte. Weiters zog die Stadt einen erheblichen Vorteil aus der Eröffnung des neuen Alpenübergangs über den Gotthard um das Jahr 1270. Laut dem Buch „De Magnalibus urbis Mediolani“ von Bonvesin de la Riva bestand das Mailand des 13. Jahrhunderts bereits aus 200.000 Einwohnern, 11.500 Häusern, 200 Kirchen sowie 150 „villae“ mit Burgen im Umland. Weiters gab es 10 Spitäler, 300 Backstuben, mehr als tausend Handwerksbetriebe und eine immens große Zahl von Kaufleuten und Gewerbetreibenden. Ob diese Zahlen nun stimmen mögen oder nicht, so wird mit Hilfe dieser Auflistung zweifellos der Gesamteindruck einer intensiven Wirtschaftstätigkeit vermittelt. Der Reichtum Mailands beruhte hauptsächlich auf seiner landwirtschaftlichen und gewerblichen Produktion.[2]

In diesem 13. Jahrhundert begann in Norditalien die Umbildung der Stadtgemeinde in eine Signoria. Spätestens im 14. Jahrhundert fand diese Entwicklung ihren Abschluss und dehnte sich auf Mittelitalien aus.[3] Was Mailand betrifft, so war es die Adelsfamilie Visconti welche ca. 170 Jahre (1277-1447) das Zepter in der lombardischen Metropole in der Hand hatte. Im Rahmen dieser Proseminararbeit möchte sich der Autor mit den letzten Jahren dieser Herrschaft beschäftigen, auf die danach folgende kurze Zeit der Republik eingehen und sein Hauptaugenmerk auf Francesco Sforza und die unter seinem Namen begründete Dynastie legen.

Die vorliegende Proseminararbeit wurde im Rahmen des - an der Universität Salzburg abgehaltenen - Proseminars Kulturgeschichte (Italienische Stadtkultur) am Fachbereich Geschichte verfasst. Ziel der Arbeit ist es, dem Beginn der mailändischen Herrschaftsdynastie der Adelsfamilie Sforza auf den Grund zu gehen und die Frage aufzuwerfen, wie es dem damals 48-jährigen Francesco Sforza gelang, die Stadt Mailand sowie die Herzogswürde in seine Hände zu bekommen.[4] Zeitlich gesehen ist diese Arbeit in die italienische Frührenaissance einzuordnen und möchte sich mit dem 15. Jahrhundert (oftmals auch als Quattrocento bezeichnet) der mailändischen Geschichte, konkret mit der Zeit zwischen 1447 - dem Jahr, an dem der letzte Visconti Filippo Maria sein Leben verlor - und 1466 - dem Jahr, in dem Francesco Sforza sein Leben lassen musste - beschäftigen. Dieser Zeitraum wird vom Autor deshalb als besonders bemerkenswert erachtet, weil es innerhalb der genannten 19 Jahre zum Ende der langen Herrschaft der Adelsfamilie der Visconti, zur Entstehung einer drei Jahre dauernden Stadtrepublik sowie zum Aufbau einer neuen „Signoria“ der Familie Sforza kam.

Was den Aufbau der Arbeit betrifft, so beschäftigt sich Kapitel zwei mit der Ära der Visconti. Hierbei werden die beiden Söhne Giangaleazzo Viscontis und letzten Herrscher dieser Dynastie besonders genau durchleuchtet. Kapitel drei der vorliegenden Proseminararbeit widmet sich der 30 Monate andauernden Ambrosianischen Republik, welche nach dem Tod des letzten Visconti, Filippo Maria ausgerufen wurde. Kapitel vier möchte Francesco Sforzas Leben näher beleuchten, während sich das fünfte Kapitel dieser Arbeit mit der Machübernahme Francesco Sforzas auseinandersetzt. Im sechsten Kapitel wird ein Blick auf die außergewöhnlich friedliche Phase Norditaliens nach dem Frieden von Lodi 1454 geworfen um darauffolgend im siebten und letzten Kapitel das Erörterte noch einmal kurz zusammenzufassen.

2. Das Ende der Visconti

Die große Zeit der italienischen Stadtrepubliken des Hochmittelalters fand - wie in fast allen italienischen Stadtrepubliken dieser Zeit - auch im Mailand des 13. Jahrhunderts ein Ende. Das Mailand des 13. Jahrhunderts war geprägt vom Kampf der einflussreichen Familien um die Macht. Schlussendlich dauerte es bis zum Jahr 1277, als nach vielen Streitigkeiten und auch so manchen Kriegen die erste erhebliche Dynastie begründet werden konnte. Dies war die Dynastie der ghibellinischen Adelsfamilie Visconti, die 1277 durch einen militärischen Sieg gegen die Torriani an die Macht kam.[5] Die Visconti waren erzbischöfliche Ritter gewesen, aus diesem Grund auch ihr Name: „Vice comites“.[6]

Auf diese Art und Weise war Mailand schon sehr bald keine Republik mehr, sondern hatte bereits eine „Signoria“. Unter der „Signoria“ verstand man jenen Typus der Stadtherrschaft, in der durch Gewalt oder Konsens an die Stelle der alten gewählten Kollegialorgane die Herrschaft eines „Signore“ und seines Geschlechtes trat.[7]

„Die Signoria der Visconti sollte die Geschichte Oberitaliens nachhaltig bestimmen. Bis 1447, als der letzte Visconti Filippo Maria ohne männliche Erben starb, behaupteten sie sich mit den üblichen Gewalttaten und stiegen, gestützt auf den immensen Reichtum der Stadt, zu einem der mächtigsten Fürstengeschlechter Italiens auf.“ [8]

Kapitel zwei und drei dieser Proseminararbeit sollen sich vor allem der Vorgeschichte vor der Machtübernahme Francesco Sforzas 1450 widmen und dabei besonders auf die letzten Jahrzehnte der Visconti-Herrschaft sowie auf die dreijährige „ambrosianische“ Republik (1447-1450) eingehen.

Die Mailänder Stadttyrannen namens Visconti zeichneten sich vor allem durch ihren Hang zum Kolossalen aus. Dies ließ sich erkennen in der Ungeheuerlichkeit ihrer Verbrechen sowie der Großartigkeit ihrer Bauwerke. Es gibt kaum perfektere Beispiele für diese Aussage wie Giangaleazzo Visconti und seine beiden Söhne. Giangaleazzo nahm beispielsweise nach dem Tod seines Vaters seinen Onkel gefangen und ließ ihn im Burgverlies verhungern, um selbst an die Macht zu kommen. Legendär war unter anderem auch der riesige Dammbau bei Valeggio, mit dem Giangaleazzo den Fluss Mincio stauen wollte, und zwar deshalb, um die Seen auszutrocknen, die Mantua uneinnehmbar machten. Darüber hinaus gibt es zwei Bauwerke, welche zu dieser Zeit errichtet wurden, die heute noch die lombardische Hauptstadt prägen wie kaum andere. So gab Giangaleazzo Visconti erstens den Auftrag zum Bau des Mailänder Domes, der eine übersteigerte Kopie einer französischen Königskathedrale darstellen sollte und zweitens ließ er die heute als „Castello Sforzesco“ (die Burg wurde allerdings 1447 zerstört und danach von Francesco Sforza wieder aufgebaut) bekannte Residenz am Rande der Stadt errichten.[9] Für Werner Goez stellt der Mailänder Dom die größte und bedeutendste gotische Kirche der Apenninen-Halbinsel dar.[10] Es ist auch überliefert, dass Giangaleazzo mit dem Mailänder Dom die größte Kirche der Welt errichten wollte.[11]

Giangaleazzo Viscontis Machtstreben war so groß, dass er ständig darum bemüht war, sein Herrschaftsgebiet auszuweiten. So kam es unter seiner Führung u.a. zu einem Eingreifen in Mittelitalien und zu Kämpfen gegen Florenz, gegen Venedig, gegen Genua sowie auch gegen den Kirchenstaat. In seiner Amtszeit wurden u.a. Pisa, Perugia und Assisi übernommen. Darüber hinaus gab es gewaltige Siege gegen Florenz und Bologna, um nur einige zu nennen.[12] Weil er über sehr große Geldmittel verfügte, wusste er seine Gegner auf das Empfindlichste zu schädigen.[13] Allerdings verstarb Giangaleazzo Visconti 1402 in einem Feldlager. Nach dem Tod Giangaleazzos zerbrach die Macht der Visconti binnen kurzer Frist. Die noch minderjährigen Söhne waren anfangs noch regierungsunfähig und dies nützten viele Feinde, um den Visconti die Eroberungen der letzten Jahre wieder abzujagen.[14]

Heinrich Julius Holtzmann[15] schildert in seinem 1899 über Mailand verfassten Werk, dass über die letzten Sprösslinge der Visconti nicht besonders rühmlich zu berichten ist. Am Ende der Visconti-Dynastie standen die beiden nacheinander regierenden Söhne von Giangaleazzo Visconti. Giovanni Maria Visconti wurde 1402 zum Herzog von Mailand erkoren, nachdem sein Vater an der Pest verstorben war. Agnes Gosche sieht mit dem Tod Giangaleazzos und der Unfähigkeit seiner Söhne, seine Pläne weiter auszuführen, bereits den endgültigen Verfall des Hauses der Visconti.[16] Holtzmann bezeichnet den in unreifem Alter an die Macht gekommenen Giovanni Maria Visconti als überaus „blutdürstig“. So soll der Machthaber und Tyrann seine Hunde beispielsweise nur mit Menschenfleisch gefüttert haben.[17] Darüber hinaus liebte er es, Verurteilte von der Meute seiner Bluthunde zerreißen zu lassen. Durch den Schrecken, den er verbreitete, gelang es ihm aber nach einiger Zeit, die zerrüttete Macht der Visconti zu konsolidieren. Nichtsdestotrotz atmete das verängstige Volk auf, als man ihn 1412 in der Mailänder Kirche San Gottardo ermordete.[18] Die Ermordung war der letzte Schritt einer Verschwörung des Mailänder Adels gegen den Herzog.[19]

[...]


[1] Pier Candido Decembrio, Leben des Filippo Maria Visconti und Taten des Franzesco Sforza, Jena 1913, 59.

[2] Vgl. Giuliano Procacci, Geschichte Italiens und der Italiener, aus dem Italienischen übersetzt von Friederike Hausmann, München 1983, 42.

[3] Vgl. Luigi Salvatorelli, Geschichte Italiens, Berlin 1942, 293.

[4] Vgl. Peter Blastenbrei, Die Sforza und ihr Heer. Studien zur Struktur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Söldnerwesens in der italienischen Frührenaissance, Heidelberg 1987, 38.

[5] Vgl. Ida Pallhuber u. Walter Pippke, Lombardei und Emilia Romagna. Oberitalien zwischen Lago Maggiore und Rimini, Stuttgart (u.a.) 1994, 127.

[6] Vgl. Agnes Gosche, Mailand, Leipzig 1904, 27.

[7] Vgl. Procacci 1983, 43

[8] Pallhuber u. Pippke 1994, 127.

[9] Vgl. Pallhuber u. Pippke 1994, 128.

[10] Vgl. Werner Goez, Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance. Grundzüge, Darmstadt 1988, 242.

[11] Vgl. Gosche 1904, 29.

[12] Vgl. Goez 1988, 243f.

[13] Vgl. Gosche 1904, 28.

[14] Vgl. Goez 1988, 244.

[15] Vgl. Heinrich Julius Holtzmann, Mailand. Ein Gang durch die Stadt und ihre Geschichte, Leipzig 1899, 88.

[16] Vgl. Gosche 1904, 29.

[17] Vgl. Holtzmann 1899, 88.

[18] Vgl. Goez, 1988, 249f.

[19] Vgl. Salvatorelli 1942, 343.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wachablöse in Mailand
Untertitel
Wie Francesco Sforza eine neue Dynastie begründete
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V264524
ISBN (eBook)
9783656539346
ISBN (Buch)
9783656541486
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wachablöse, mailand, francesco, sforza, dynastie
Arbeit zitieren
Josef Schopf (Autor), 2011, Wachablöse in Mailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264524

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