Die Leiden der indigenen Bevölkerung im 16. Jahrhundert

Und Bartolomé de Las Casas Kampf’ für ihre Rechte


Seminararbeit, 2010
24 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Amerika um die Zeit seiner Entdeckung
2.1. Amerika vor Kolumbus
2.2. Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus

3. Conquista und ihre Folgen

4. Bartolomé de Las Casas
4.1. Geburt, Jugendtage und Leben in Mittelamerika
4.2. Umdenken
4.3. Die Leistungen des Dominikanerbischofs
4.4. Disput von Valladolid
4.5. Die letzten Jahre

5. Wirkung

Die Leiden der indigenen Bevölkerung im 16. Jahrhundert

Und Bartolomé de Las Casas’ Kampf für ihre Rechte

„Die Geschichte Lateinamerikas ist die Geschichte der Niederlage eines Kontinents, ist die Geschichte der Zerstörung seiner Kulturen, ist die vielhundertjährige Geschichte seiner Ausbeutung, seiner Armut, seiner Unfreiheit, ist die diskret beiseite geschobene Geschichte vom Leiden der Indios, ist die Geschichte eines hartnäckigen und enttäuschenden Ringens um politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit und ist nicht zuletzt die Geschichte eines eurozentrischen Weltbildes, das lange Zeit den Blick für die Realitäten verstellte.“[1]

1. Einleitung

Als Christoph Kolumbus im Jahr 1492 zum ersten Mal den Fuß auf ein Stückchen Land der „Neuen Welt“ setzte, konnte wohl keiner erahnen, was kommen sollte. Nach und nach drangen immer mehr spanische Konquistadoren in die „Neue Welt“. Was mit der hoffnungsvollen Entdeckung und Erkundung der amerikanischen Gebiete begann, wurde recht schnell zu einer Eroberung von noch nie da gewesenem Ausmaß. Anfang des 16. Jahrhunderts begann dann der wohl größte Völkermord in der Geschichte der Menschheit.

Die vorliegende Proseminararbeit beschäftigt sich mit der, zum Großteil ermordeten oder versklavten indigenen Bevölkerung im 15. und 16. Jahrhundert nach Christus. Mit ihren neuartigen Waffen und der moderneren Technik sowie aufgrund von – für die indigene Bevölkerung bisher unbekannten - Krankheitserregern war es für die Europäer ein leichtes, die existierenden amerikanischen Urvölker zu besiegen oder gar auszurotten. Diese Arbeit will nun ein Auge auf die Ureinwohner Amerikas sowie auf das Zusammentreffen der Spanier und der indigenen Bevölkerung werfen.

Des Weiteren stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der Rechtfertigung der Vorgehensweise der Konquistadoren der damaligen Zeit. Diesbezüglich kommt ein Mann ins Spiel, der es sich zeitlebens zur Aufgabe gemacht hat, sich für die Rechte der Indios einzusetzen, nämlich Bartolomé de Las Casas. Warum und wie sich der Dominikanerbischof Las Casas für die Menschen in Mittel- und Südamerika eingesetzt hat, soll im Laufe der Arbeit noch genauer beleuchtet werden.

Generell wurde die vorliegende Proseminararbeit im Rahmen des Proseminars Neuere Geschichte (Politische Feindbilder in der Frühen Neuzeit) an der Universität Salzburg im Sommersemester 2010 erstellt. Der inhaltliche Aufbau der Arbeit schildert sich wie folgt: Zunächst soll in Kapitel zwei die Ausgangslage mit der Kolumbus und die Entdecker die nach ihm kamen konfrontiert waren, erläutert werden. Dabei soll dargestellt werden, welche Völker vor dem Zusammentreffen der „Alten Welt“ mit der „Neuen Welt“ am heutigen amerikanischen Kontinent existierten. Danach soll in Kapitel zwei die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus kurz geschildert werden.

Kapitel drei befasst sich darauffolgend mit der Zeit nach Kolumbus, also mit dem Ende des 15. Jahrhunderts und dem 16. Jahrhundert. Dabei soll beschrieben werden, wie die Spanier die einzelnen Gebiete der Neuen Welt eroberten, wie sich Portugal und Spanien mit Hilfe des Papstes die entdeckten Gebiete untereinander aufteilten, wie das System der encomienda eingeführt wurde und wie es die Spanier schafften in relativ kurzer Zeit ganze Völker auszurotten bzw. Völker massiv zu minimieren.

Das vierte Kapitel der Arbeit widmet sich dem Mann, der als Verteidiger der Indios in die Geschichte eingegangen ist. Bartolomé de Las Casas hat wohl viel unternommen, um die Lage der indigenen Bevölkerung zu verbessern. Ob seine Bemühungen Früchte trugen, soll im Laufe dieser Arbeit auch aufgedeckt werden. Generell beschäftigt sich Kapitel vier mit dem Leben des Bartolomé de Las Casas von seiner Geburt weg, über seine Ausbildung und seine erste Reise nach Amerika bis zu dem Zeitpunkt seines Umdenkens und dem damit verbundenen unermüdlichen Einsatz für die amerikanischen Ureinwohner bis zum Ende seines Lebens.

Im fünften und letzten Teil dieser Arbeit, soll die Wirkung der unzähligen Schriften von Bartolomé de Las Casas genauer unter die Lupe genommen werden. Dabei sollen die Fragen beantwortet werden, wie Las Casas damals wahrgenommen wurde, wie in und außerhalb von Spanien mit seinen Texten umgegangen wurde und welche Wirkung seine Werke heute noch haben. Abschließend soll auch kurz eine Auge auf die Frage geworfen werden, wie die Werke von Las Casas zur Kreation einen Feindbildes bzw. zur Untermauerung der leyenda negra genutzt wurden.

2. Amerika um die Zeit seiner Entdeckung

Im folgenden Kapitel soll nun ein Blick auf die Ureinwohner Amerikas (im speziellen der Karibik) geworfen werden. Dabei soll dargestellt werden, wie viele Menschen im Prä-Kolumbianischen Amerika beheimatet waren und wie sie gelebt haben. Im zweiten Teil dieses Kapitels soll auf die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus eingegangen werden. Dabei sollen seine ersten Gedanken, die ersten Begegnungen mit amerikanischen Ureinwohnern und die Jahre danach näher beschrieben werden.

2.1. Amerika vor Kolumbus

Zu einer der größten Fiktionen, die wir meist gedankenlos wiederkäuen, zählt die Annahme, dass Amerika vor seiner Entdeckung durch Kolumbus von „Indianern“ bewohnt gewesen ist. Eigentlich verdanken die amerikanischen Ureinwohner diese Bezeichnung nur dem Irrtum von Christoph Kolumbus, der die ihm begegneten Ureinwohner für Bewohner von den der indischen Halbinsel vorgelagerten Inseln ansah.[2]

Die europäischen Entdecker trafen gegen Ende des 15. Jahrhunderts und im 16. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Amerika auf geographisch und klimatisch extrem unterschiedlich geprägte Regionen. Diese Regionen waren zwar größtenteils besiedelt, die Bewohner dieser Regionen lebten aber auf teils völlig verschiedenartigem Zivilisationsniveau.[3] So bot zum Beispiel das Gebiet nördlich des Río Grande eine große Zahl unterschiedlicher Lebensräume, die nicht unwesentlich zur Differenzierung der indigenen Bevölkerung beitrugen. Konnte man im Gebiet zwischen Grönland und Alaska von einer polaren Tundra sprechen, so grenzte im Süden daran eine breite Zone subarktischer Nadelwälder, die sich von der Atlantikküste bis zu den Rocky Mountains quer über Kanada ausdehnt. Westlich des Mississippi gab es wiederum Hochgrassteppen und je mehr man sich den Rocky Mountains annäherte, Kurzgrassteppen. Darüber hinaus weißt das Gebiet Nordamerikas bis Mittelamerika noch eine Vielzahl von lebensfeindlichen Wüsten und von Flüssen durchzogenen Gebieten auf.[4]

Für die Einwohnerzahl der zuerst entdeckten Region Lateinamerikas bewegen sich die Schätzungen zwischen 10 und 80 Millionen. Egal wie hoch man die Zahl auch einschätzt, fest steht auf alle Fälle, dass sich die Bevölkerungszahl extrem ungleich über die Region verteilte. Am dichtesten besiedelt waren das andine Hochland, Zentralmexiko, die mittelamerikanische Landbrücke sowie Haiti und Kuba, wo etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Gesamtbevölkerung lebten.[5]

Die Rede von der viel zitierten „Neuen Welt“ ist auch verräterisch und zeugt von einer eurozentrischen Wahrnehmung. Bei diesem Begriff geht man fast stillschweigend davon aus, das die amerikanische Welt vor Kolumbus zwar existierte, aber auf keinen Fall mit der geistigen und kulturellen Wertigkeit des „alten“ Abendlandes konkurrieren konnte. Dem war aber sicher nicht so. So ist Kolumbus 1492 mit Sicherheit auf einem Kontinent gelandet, der schon eine reiche Kulturgeschichte vorweisen konnte.[6]

Bei der Untersuchung der amerikanischen Geschichte lässt sich ein Nord-Süd-Gefälle erkennen. Der Norden des Kontinents wurde von den Vorfahren der heutigen Eskimos besiedelt. Diese Vorfahren lebten vom Fischfang und hatten eine vergleichsweise relativ einfache Lebensweise. Weil die im heutigen USA lebenden Ureinwohner verschiedenen Stämmen angehörten, war ihre Kultur auch keine einheitliche. Viele unterschiedliche Sprachen waren im Norden des Kontinents gebräuchlich.[7] Gerade die Sprache weißt gut auf die Verschiedenheit der indigenen Bevölkerung hin.

„Zu Beginn der kolonialen Erschließung durch Europa lebten im Raum nördlich von México Sprecher von etwa einem Dutzend Sprachverbänden, während in Europa neben den indogermanischen Sprachen nur Baskisch, Finno-Ugrisch und Turksprachen gesprochen wurden. Die nordamerikanischen Sprachen waren untereinander teilweise nicht nur genetisch, sondern auch im Hinblick auf den Sprachbau und die Lautsysteme verschieden: Eine typisch „indianische“ Sprache gab es nicht.“ [8]

Was Zentralamerika betraf, so gab es im mittleren Andenraum mit dem Inkareich und in Zentralmexiko mit dem Aztekenreich große Staatswesen mit sehr hohem Zivilisationsniveau und stark gegliederter Gesellschaftsordnung. Die auch berühmte Mayakultur in Mittelamerika war zur Zeit der Ankunft Kolumbus’ bereits verfallen. Die moderne Forschung geht davon aus, dass die hohe Bevölkerungsdichte in den geographisch ungünstigen Hochlandgebieten dazu führte, dass die indianischen Hochkulturen eine ungewöhnlich labile Ernährungsgrundlage besaßen. Die Versorgung mit Proteinen dürfte besonders schwierig gewesen sein.[9] Diese Faktoren dürften eine durchaus bedeutende Rolle bei der Eroberung Amerikas durch die Spanier gespielt haben, aber dazu später mehr.

Gehen wir nun etwas näher auf die beiden Großvölker ein, auf die die Spanier bei ihrer Ankunft in Amerika getroffen sind: die Azteken und die Inka. Eigentlich nannte sich das Volk in Zentralmexiko „Mexica“, berühmt und bekannt wurden sie aber unter dem Namen „Azteken“. Die Sprache der Azteken war das „Nahuatl“. Ihre Hauptstadt war die Stadt Tenochtitlan auf dem Texcocosee, dort, wo heute die Millionenmetropole Mexico-City liegt. Das aztekische Herrschaftsgebiet reichte vom Pazifik bis zum Atlantik nordwestlich des heutigen Guatemala. Das Aztekenreich war als zentralistisch ausgerichteter Militärstaat organisiert. Im Inneren beruhte das Aztekenreich auf einer feudalherrschaftlichen Ordnung. Im Laufe der Zeit besiegten und unterwarfen die Azteken eine Großzahl von mittelamerikanischen Völkern. „Moctezuma“, der Herrscher der Azteken gegen Ende des 15. Jahrhunderts, achtete besonders genau auf eine scharfe Trennung zwischen den verschiedenen sozialen Schichten der aztekischen Gesellschaft. Er selbst wurde vom Volk der Azteken fast schon als Gott gesehen.[10] Es wäre laut den Historikern Eggensperger und Engel [11] allerdings falsch, das Aztekenreich von Moctezuma ausschließlich als blutiges Terrorregime darzustellen. So zeugen literarische Werke und poetische Schriften der damaligen Zeit von der hohen Kultur des Aztekenreiches.

Laut einer Sage schickte der Sonnengott Inti seine Kinder auf die Erde, damit sie die Welt verbessern sollen. Auf der Sonneninsel des Titicacasees erreichten sie die Erde und dort, wo sie einen „goldenen Stab“ in die Erde rammen konnten, sollten sie - der Sage nach - das neue Zentrum - den sogenannten Nabel der Welt - errichten. Zu diesem Nabel der Welt wurde die Stadt Cuzco, die das Zentrum des Inkareiches darstellte.[12] Zur Zeit der spanischen „Entdeckung“ der „Neuen Welt“ war das Reich der Inka noch relativ jung. Die Herrscher des Volkes trugen den Titel „Inka“. Das Inkareich erstreckte sich Mitte des 15. Jahrhunderts von Cuzco ausgehend im Norden bis über Quito hinaus. Die Beutezüge des Inkaherrschers Tupac erweiterten das Herrschaftsgebiet Richtung Süden, so dass das Inkareich entlang der Anden bis über das heutige Santiago hinaus expandieren konnte.[13]

[...]


[1] Horst Pietschmann, Das koloniale Erbe der lateinamerikanischen Staaten, in: Knud Krakau, Hg., Lateinamerika und Nordamerika. Gesellschaft, Politik und Wirtschaft im historischen Vergleich, Frankfurt am Main u.a. 1992, 20–45, hier 21.

[2] Vgl. Christian F. Feest, Die eingeborenen Völker Nordamerikas unter kolonialer Herrschaft, in: Friedrich Edelmayer, Bernd Hausberger u. Michael Weinzierl, Hg., Die beiden Amerikas. Die Neue Welt unter kolonialer Herrschaft, Frankfurt am Main 1996, 17-33, hier 17.

[3] Vgl. Pietschmann, 1992, 21-22.

[4] Vgl. Feest 1996, 17-18.

[5] Vgl. Pietschmann, 1992, 22.

[6] Vgl. Thomas Eggensperger u. Ulrich Engel, Bartolomé de Las Casas. Dominikaner – Bischof – Verteidiger der Indios, Mainz 1991, 28.

[7] Vgl. Eggensperger u. Engel 1991, 28.

[8] Feest, 1996, 18.

[9] Vgl. Pietschmann 1992, 22.

[10] Vgl. Eggensperger u. Engel 1991, 32-33.

[11] Vgl. ebd., 33.

[12] Irene Salome Cyrus, Die Indianer Lateinamerikas. Aufstieg und Zerstörung der indianischen Reiche: Überlebenskampf der Ureinwohner Amazoniens, Wien 1992, 47-48.

[13] Vgl. Eggensperger u. Engel 1991, 34.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Leiden der indigenen Bevölkerung im 16. Jahrhundert
Untertitel
Und Bartolomé de Las Casas Kampf’ für ihre Rechte
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V264528
ISBN (eBook)
9783656538639
ISBN (Buch)
9783656540168
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leiden, bevölkerung, jahrhundert, bartolomé, casas, kampf’, rechte
Arbeit zitieren
Bakk. Komm. BA Josef Schopf (Autor), 2010, Die Leiden der indigenen Bevölkerung im 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264528

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