„Modern warfare is fought not only with weapons, but also with words aiming to win the ‘hearts and minds’ of the people“ (Dimitrova & Strömbäck, 2008, S. 216).
Massenmediale Kommunikation ist jene Pforte, die in modernen Industriegesellschaften den Bürgern die Möglichkeit zur Einsicht und Partizipation an politischen Prozessen gewährt. Auf der anderen Seite ermöglicht sie den Kommunikationsfluss von Seiten der politischen Entscheidungsträger zum Volk. Tageszeitungen und Fernsehnachrichten bilden die entscheidenden Plattformen für die Informationsübermittlung. Doch eine massenmedial kommunizierte Information wird nicht unabhängig und zusammenhangslos übertragen, sondern von Medienproduzenten und Journalisten in Sinnzusammenhänge gesetzt, die in ihrer Struktur von zahlreichen Faktoren abhängen. Diese Einordnung einer Nachricht in ein Bedeutungsumfeld wird Framing genannt und führt bestimmte Effekte in der Informationselaborierung auf Seiten des Rezipienten mit sich. Im Rahmen dieser Arbeit soll vor allem der wirkungszentrierte Framing-Ansatz beleuchtet werden (Entman, 1993).
In Abgrenzung zum Medien-Priming und Agenda-Setting stellt sich vor allem die Frage, welchen Einfluss Frames auf unsere Urteile und Entscheidungen haben können. Anhand einschlägiger Studien wird formal-abstraktes sowie inhaltliches Framing definiert und ihre potentiellen Effekte auf den Rezipienten herausgearbeitet. Das Kapitel endet mit einer kurzen Zusammenfassung des Themas und wird im Anschluss am Beispiel der Kriegsberichterstattung bezüglich der US-amerikanischen Interventionen im Irak 2003 genauer betrachtet. Der 3. Golfkrieg bietet sich als Analysegegenstand besonders an, da Fotografen und Journalisten die amerikanischen Truppen im Einsatzgebiet begleiteten und Informationen durch das Internet noch weit schneller diffundierten als es noch im 2. Golfkrieg 1990/91 der Fall war (Schwalbe et al., 2008). Die Analyse des visuellen Framings des Irakkrieges konzentriert sich zunächst auf die Nachrichtenberichterstattung in den USA. Anhand einer Studie von Schwalbe et al. wird die Veränderung des Framings im Verlaufe des Krieges in Wochenintervallen untersucht und in fünf Szenarien der Kriegsberichterstattung aufgegliedert. Durch einen Vergleich zwischen den Framing-Strategien der USA und Schweden wird versucht, einen Überblick über jene Faktoren zu gewinnen, die den Einsatz bestimmter Frames und damit einhergehende Effekte auf Rezipientenseite bedingen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Informationsverarbeitung und Erinnerung
2.1 Die Schema-Theorie
2.1.1 Schablonen-Schemata
2.1.2 Prototypen
2.1.3 Scripts
2.1.4 Kritik an der Schema-Theorie
2.2 Mentale Wissensrepräsentationen
2.2.1 Mentale Modelle in der Nachrichtenproduktion und –redaktion
2.2.2 Wissensvernetzung – ein Überblick über verschiedene Konzepte
2.2.2.1 Semantische Netzwerke
2.2.2.2 Konnektionistische Netzwerke
3 Framing
3.1 Definition
3.2 Framing in Abgrenzung von anderen Konzepten
3.3 Die verschiedenen Ansätze des Framings
3.3.1 Attribute-Agenda-Setting
3.3.2 Medien-Priming
3.4 Wie mediale Frames unsere Urteile beeinflussen können
3.4.1 Etablierung und Veränderung von Vorstellungen
3.4.2 Meinungsänderung durch Framing-Effekte
3.5 Formal-abstraktes Framing
3.5.1 Episodisches und thematisches Framing
3.5.2 Strategisches und themenbezogenes Framing
3.6 Inhaltliches Framing
3.7 Zwischenfazit
4 Framing in der Kriegsberichterstattung
4.1 Perzeption der Golfkriege in der US-amerikanischen Gesellschaft
4.2 Visuelles Framing des Irakkrieges in der amerikanischen Medienberichterstattung
4.2.1 Die fünf Szenarien der Kriegsberichterstattung
4.2.2 Kritik an der Studie
4.3 Framing des Golfkrieges im internationalen Vergleich
4.3.1 Framing des Golfkrieges in den USA und in Schweden
4.3.2 Pluralität im Framing des Golfkriegs in Großbritannien
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Framing-Effekten auf die Urteilsbildung und Informationsverarbeitung von Rezipienten, mit besonderem Fokus auf die mediale Kriegsberichterstattung am Beispiel des Irakkrieges 2003.
- Wahrnehmungspsychologische Grundlagen der Informationsverarbeitung und Schema-Theorie.
- Differenzierung des Framing-Begriffs von Agenda-Setting und Medien-Priming.
- Analyse der Wirkung von formal-abstrakten und inhaltlichen Frames auf die Einstellung von Rezipienten.
- Vergleichende Untersuchung der Kriegsberichterstattung in den USA, Schweden und Großbritannien.
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Es existieren zahlreiche verschiedene Definitionen von Framing. Vor allem in Abgrenzung zum Priming und zum Agenda-Setting gilt es, eine möglichst präzise Begriffsklärung zu finden.
To frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communicating text, in such a way to promote a particular problem definition, causal interpretation, moral evaluation, and/or treatment recomendation for the item described (Entman, 1993. S. 52).
Ein Frame dient also als Interpretationsmuster, das für eine sinnvolle Einordnung und eine effiziente Verarbeitung neuer Informationen hilfreich ist. Unter Framing wird der Vorgang verstanden, einen bestimmten Teil der Informationen zu betonen und für den Rezipienten salienter zu machen, während andere Informationen in den Hintergrund rücken. Auf Seiten des Medienproduzenten gestaltet sich der Framing-Prozess folgendermaßen: Durch die Auswahl von bestimmtem Bildmaterial schafft der Journalist einen spezielles Bedeutungsumfeld. Diese Vorgehensweise lenkt die Aufmerksamkeit des Rezipienten auf einige Aspekte und begünstigt rückwirkend bestimmte Einordnungen, Entscheidungen und Bewertungen bezüglich eines Sachverhalts (Entman, 1993. S. 52). So kann ein und dasselbe Thema beispielsweise auf verschiedenen Sendern in unterschiedlichen Zusammenhängen, mit der Betonung unterschiedlicher Schwerpunkte gezeigt werden. Journalisten setzen im Produktionsprozess kontextuelle Hinweisreize ein, welche beim Rezipienten bestimmte mentale Konzepte aktivieren, die dann später leichter verfügbar sind. So kann unterschiedliches Framing unterschiedliche Rezeptionsweisen bedingen. Die kontextuellen Hinweisreize begünstigen vor allem bestimmte rechtliche, ethische und moralische Implikationen (Wicks, 2001). Diese Hinweisreize kann der Journalist gezielt auswählen um eine bestimmte Zuweisung beispielsweise von Verantwortung nahezulegen oder die Reize werden unbewusst verwendet und etablieren sich auf Grund von Arbeitsroutinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Framing-Prozessen in modernen Industriegesellschaften dar und führt in die Fragestellung ein, wie mediale Rahmungen die öffentliche Wahrnehmung des Irakkrieges beeinflussten.
2 Informationsverarbeitung und Erinnerung: Dieses Kapitel erörtert psychologische Basiskonzepte wie Schemata, Prototypen und mentale Modelle, die erklären, wie Menschen Informationen strukturieren und speichern.
3 Framing: Hier wird der Framing-Ansatz theoretisch fundiert, von verwandten Konzepten abgegrenzt und anhand verschiedener Perspektiven (formal-abstrakt vs. inhaltlich) auf seine Wirkungsweise hin analysiert.
4 Framing in der Kriegsberichterstattung: Das Kapitel wendet die Framing-Theorie auf den Irakkrieg an und vergleicht die Berichterstattung in den USA, Schweden und Großbritannien hinsichtlich ihrer Abhängigkeit von Regierungsquellen und politischer Ausrichtung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Medien-Frames zwar kurzfristig Einstellungen beeinflussen können, ihre Wirkung jedoch durch individuelle Schemata und den jeweiligen politischen Kontext moderiert wird.
Schlüsselwörter
Framing, Framing-Effekte, Informationsverarbeitung, Schema-Theorie, Medienpsychologie, Irakkrieg, Kriegsberichterstattung, Agenda-Setting, Medien-Priming, politische Kommunikation, Rezeptionsforschung, mentale Modelle, Journalismus, USA, Großbritannien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das medienpsychologische Konzept des Framings und dessen Einfluss auf die Meinungs- und Einstellungsbildung der Rezipienten anhand der Berichterstattung über den Irakkrieg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der wahrnehmungspsychologischen Informationsverarbeitung, der theoretischen Definition von Framing sowie der empirischen Analyse von Kriegsberichterstattung im internationalen Vergleich.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie mediale Frames die Bewertungen und Entscheidungen von Rezipienten steuern und ob diese Effekte bei komplexen politischen Großereignissen wie Kriegen eine manipulierbare Rolle spielen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine tiefgehende Literaturanalyse sowie eine sekundäranalytische Auswertung einschlägiger empirischer Studien, insbesondere Inhaltsanalysen zur US-amerikanischen und britischen Berichterstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Schema-Theorie, mentale Modelle) und die angewandte Framing-Forschung. Den Kern bildet der Vergleich der Berichterstattung über den Irakkrieg in den USA, Schweden und Großbritannien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Framing, Schema-Theorie, Medien-Priming, Agenda-Setting, Kriegsberichterstattung, Irakkrieg und politische Kommunikation.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung in den USA von der in Großbritannien?
Während die US-amerikanischen Medien stark regierungskonform und uniform berichteten, zeichnete sich die britische Medienlandschaft durch eine deutlich größere Pluralität und kritischere Distanz zur Regierung aus.
Welche Rolle spielt die Schema-Theorie für das Verständnis von Framing?
Die Schema-Theorie dient als Grundlage, um zu erklären, wie Menschen neue Informationen in bestehende Wissensstrukturen integrieren. Frames aktivieren bestimmte Schemata und lenken dadurch die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf spezifische Aspekte eines Themas.
- Citation du texte
- Elena Horn (Auteur), 2011, Framing und Framing-Effekte am Beispiel des Irakkrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264608