Semantik und Morphologie der Eigennamen in der Gnesener Bulle


Seminararbeit, 2000

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Gegenstand und Methoden der Onomastik

3. Die Klassifikation der Eigennamen im
Altpolnischen und speziell in der Gnesener Bulle

4. Der Versuch einer semantischen Klassifizierung

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Verwendete Literatur

1.Einleitung

Die vorliegende Arbeit versteht sich als ein Beitrag zur polonistischen Onomastik. Untersucht werden soll die semantische und morphologische Struktur der Eigennamen in der Gnesener Bulle[1]. Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich der Aufbau des Beitrags: In Kapitel 1 soll eine umrißhafte Darstellung des Gegenstands der Onomastik sowie der von ihr verwendeten Methoden gegeben werden. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den vorliegenden Forschungsergebnissen zum Thema der Eigennamen im Altpolnischen von Zenon Klemensiewicz[2], sowie speziell in der Gnesener Bulle von Halina Karaś[3] und Tadeusz Lehr-Spławiński[4]. In Kapitel 3 folgt eine kritische Einschätzung der vorgestellten Beiträge sowie die Vorstellung eines Neuansatzes zur Kategorisierung der Eigennamen in der Gnesener Bulle anhand semantischer Kriterien. Den Ausgangspunkt dieser Kategorisierung stellt die These einer metaphorischen bzw. metonymischen Beziehung zwischen Eigennamen und den sie motivierenden Gattungsnamen dar. Kapitel 4 faßt die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick auf sich aus dem vorgestellten Neuansatz ergebende weiterführende Forschungsarbeit.

2.Gegenstand und Methoden der Onomastik

Grundlegend für die linguistische Disziplin der Onomastik ist die Einteilung des lexikalischen Systems einer Sprache in Gattungsnamen (lat.: nomen appelativum; pol.: nazwy / imiona pospolite) und Eigennamen (lat.: nomen proprium; pol.: nazwy / imiona własne). Zu dieser Unterscheidung berechtigen die folgenden beobachteten Eigenschaften von Eigennamen:

Eigennamen dienen der Bezeichnung einzelner Objekte und nicht Klassen von Objekten. Grund hierfür ist die Tatsache, daß Eigennamen keine Bedeutung im engeren (denotativen) Sinne zugeschrieben werden kann, die zur Bildung einer solchen Klasse berechtigen würde. Als solche sind Eigennamen als sprachliches Phänomen der Ebene der Referenz zuzuordnen und befinden sich somit außerhalb des Feldes semantischer Forschung.

Eine Einschränkung dieser Aussage ergibt sich u.a. aus den Bemerkungen John Lyons[5] zur Frage nach der Bedeutung von Eigennamen. Lyons übernimmt die Ansicht, Eigennamen könne keine denotative Bedeutung zugeschrieben werden[6], räumt jedoch ein, daß bestimmte Eigennamen in einer Sprachgemeinschaft konnotative Bedeutungen annehmen können[7] (als solche stehen der Eigenname Cicero für die Kunst des Redens, oder der Ortsname Athen für die Schönheit der Architektur). Weiterhin können Eigennamen Träger von ethymologischer[8] (z.B. John als hebr. Gott war gnädig) oder translatorischer[9] (z.B. engl. Warsaw für pl. Warszawa) Bedeutung sein.

Besonders der Hinweis auf die ethymologische Bedeutung von Eigennamen verweist auf eine Verbindung zwischen Eigennamen und den sie motivierenden Gattungsnamen, die dieses Phänomen in den Blickpunkt semantischer Forschung rückt. Diese Möglichkeit der Verbindung ist konstitutiv für den Bereich der Onomastik, deren Forschungsfeld wir in die folgenden Bereiche einteilen können[10]:

a) die lexikalisch-semantische Kategorisierung von Eigennamen
Als grundlegend gilt hierbei die Einteilung von Eigennamen in Anthroponyme (Personennamen) und Toponyme (Ortsnamen). Letztere können weiter in Hydronyme (Flußnamen) und Oronyme (Stadtnamen, Dorfnamen etc.) unterteilt werden. Als weitere Kategorien wären zu nennen die sogenannten Zoonyme (Tiernamen), Phytonyme (Pflanzennamen) oder Eigennamen kulturell hervorgebrachter Objekte (z.B. Häuser, Schulen, Theater, Fahrzeuge, Kunstgegenstände).
b) die Ethymologie
Die Ethymologie beschäftigt sich mit der Frage nach der Herkunft von Eigennamen und ihrer ursprünglichen Bedeutung. Das Ziel ist es, Eigennamen auf ein sogenanntes Ethynom zurückzuführen, d.h. auf einen oder mehrere Gattungsnamen, aus denen der Eigenname gebildet wurde.
c) die Beschreibung der Wortbildung von Eigennamen
Bei der morphologischen Untersuchung von Eigennamen sollen die Wortbildungsprozesse untersucht werden, die den Übergang von Gattungsnamen in Eigennamen begleiten.
d) die Beschreibung grammatischer Eigenschaften von Eigennamen
Hierbei soll auf morphologische und phonetische Besonderheiten (vor allem im Bereich der Flexion) von Eigennamen hingewiesen werden, die Eigennamen von Gattungsnamen im sprachlichen System unterscheiden.

Wie wir sehen, können wir als das Hauptthema der Onomastik die Beschreibung der semantischen (b), morphologischen (b) und grammatischen (c) Beziehungen zwischen Eigennamen und Gattungsnamen betrachten. Die Analyse dieser Beziehung ist auch der Gegenstand der vorliegenden Arbeit, wobei sich die Untersuchung aufgrund der in der Bulle nicht untersuchbaren syntaktischen Ebene auf semantische und morphologische Phänome beschränken muß.

[...]


[1] Karaś, Halina (Hrsg.): Gramatyka historyczna języka polskiego. Warszawa 1994. Hier: S. 13-29

[2] Klemensiewicz, Zenon: Historia języka polskiego. Warszawa 1985. Hier: § 26. Charakterystika staropolskiego systemu s łowotwórczego. S. 115-119

[3] Karaś, Halina (Hrsg.): Gramatyka historyczna języka polskiego. Warszawa 1994

[4] Lehr-Spławiński, Tadeusz: Język polski. Pochodzenie, powstanie, rozwój. Warszawa 1978

[5] Lyons, John: Semantyka. T. 1. Warszawa 1984. Hier: 7.5. Nazywanie po imieniu. S. 211-218

[6] ibd. vgl. S. 214

[7] ibd. vgl. S. 215

[8] ibd. vgl. S. 216

[9] ibd. vgl. S. 217

[10] vgl. Encyklopedia języka polskiego. Wrocław – Warszawa – Kraków 1994. Hier: Has ło: Onomastyka. S. 235 f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Semantik und Morphologie der Eigennamen in der Gnesener Bulle
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V264688
ISBN (eBook)
9783656540212
ISBN (Buch)
9783656542124
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
semantik, morphologie, eigennamen, gnesener, bulle
Arbeit zitieren
Heinz Rosenau (Autor), 2000, Semantik und Morphologie der Eigennamen in der Gnesener Bulle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264688

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