Die vorliegende Arbeit versteht sich als ein Beitrag zur polonistischen Onomastik. Untersucht werden soll die semantische und morphologische Struktur der Eigennamen in der Gnesener Bulle.
Aus dieser Aufgabenstellung ergibt sich der Aufbau des Beitrags: In Kapitel 1 soll eine umrißhafte Darstellung des Gegenstands der Onomastik sowie der von ihr verwendeten Methoden gegeben werden. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den vorliegenden Forschungsergebnissen zum Thema der Eigennamen im Altpolnischen von Zenon Klemensiewicz, sowie speziell in der Gnesener Bulle von Halina Karaś und Tadeusz Lehr-Spławiński . In Kapitel 3 folgt eine kritische Einschätzung der vorgestellten Beiträge sowie die Vorstellung eines Neuansatzes zur Kategorisierung der Eigennamen in der Gnesener Bulle anhand semantischer Kriterien. Den Ausgangspunkt dieser Kategorisierung stellt die These einer metaphorischen bzw. metonymischen Beziehung zwischen Eigennamen und den sie motivierenden Gattungsnamen dar. Kapitel 4 faßt die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und bietet einen Ausblick auf sich aus dem vorgestellten Neuansatz ergebende weiterführende Forschungsarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenstand und Methoden der Onomastik
3. Die Klassifikation der Eigennamen im Altpolnischen und speziell in der Gnesener Bulle
4. Der Versuch einer semantischen Klassifizierung
5. Zusammenfassung und Ausblick
6. Verwendete Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die semantische und morphologische Struktur der Eigennamen in der Gnesener Bulle. Das primäre Ziel besteht darin, bestehende, oft inkonsistente Kategorisierungsansätze zu kritisieren und durch einen neuen, auf universellen kognitiven Strukturen basierenden Ansatz zu ersetzen, der metaphorische und metonymische Beziehungen zwischen Eigennamen und Gattungsnamen in den Mittelpunkt stellt.
- Kritische Analyse bisheriger onomastischer Klassifizierungsmethoden
- Einführung eines semantisch orientierten Kategorisierungsmodells
- Anwendung der Konzepte Metapher und Metonymie nach Roman Jakobson
- Vergleichende Betrachtung von Personen- und Ortsnamen
- Morphologische und semantische Analyse der Eigennamen in der Gnesener Bulle
Auszug aus dem Buch
4. Der Versuch einer semantischen Klassifizierung
Die Postulierung universeller semantischer Kriterien, die sowohl für Personen- als auch für Ortsnamen anwendbar wären, setzt eine Abstraktionsleistung voraus, die über die Bezugnahme auf Konzepte wie ‚psychische und physische‘ oder ‚topographische‘ Eigenheiten hinausgeht. Den Ausgangspunkt meines Ansatzes bildet die These, daß zwischen Eigennamen und den ihnen zugrundeliegenden Gattungsnamen metaphorische bzw. metonymische Beziehungen bestehen. Anders gesagt, Sprachverwender richten sich beim Prozeß der Benennung von Objekten nach den Relationen der Ähnlichkeit oder der räumlichen Nähe.
Die genannten Relationen beschreibt Roman Jakobson in seinem Beitrag Der Doppelcharakter der Sprache. Die Polarität zwischen Metaphorik und Metonymik als konstitutiv für das Zustandekommen sprachlicher Äußerungen. Assoziationen - also die Verbindung von Konzepten – sind nach Jakobson das Ergebnis substitutiver bzw. prädikativer Reaktionen. Im ersten Fall – des Typs Haus : Höhle – erfolgt die Verbindung anhand der Relation der Similarität, die zugrundeliegende kognitive Struktur ist die der Metapher. Im zweiten Fall – des Typs Haus : Dach – haben wir es mit einer Kontiguitätsbeziehung zu tun, hier basiert die Assoziation auf einer metonymischen Struktur.
Auch der Prozeß der Benennung, den wir als einen Sonderfall der Assoziation betrachten können, weist metaphorische oder metonymische Strukturen auf, wobei wir Eigennamen in dieser Terminologie als metonymische oder metaphorische Katachresen bezeichnen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Vorhaben, die Eigennamen der Gnesener Bulle onomastisch zu untersuchen und bestehende Forschungsergebnisse kritisch zu hinterfragen.
2. Gegenstand und Methoden der Onomastik: Dieses Kapitel erläutert die linguistischen Grundlagen der Onomastik, insbesondere die Unterscheidung zwischen Eigennamen und Gattungsnamen sowie die zentralen Forschungsfelder wie Semantik und Ethymologie.
3. Die Klassifikation der Eigennamen im Altpolnischen und speziell in der Gnesener Bulle: Der Autor gibt einen Überblick über bisherige Klassifizierungsversuche in der Fachliteratur und weist auf die Inkonsistenzen bei der Verwendung hybrider Kategorisierungskriterien hin.
4. Der Versuch einer semantischen Klassifizierung: Hier wird der neue, auf Metaphern und Metonymien basierende Ansatz vorgestellt, der eine universelle und strukturierte Kategorisierung von Personen- und Ortsnamen ermöglicht.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Vorteile des neuen Ansatzes zusammen und regt an, das entwickelte Modell auch auf andere Klassen von Eigennamen anzuwenden.
6. Verwendete Literatur: Dieses Kapitel listet alle wissenschaftlichen Quellen auf, die für die Argumentation und Analyse der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Onomastik, Eigennamen, Gnesener Bulle, Semantik, Morphologie, Metapher, Metonymie, Roman Jakobson, Personennamen, Ortsnamen, Kognitive Strukturen, Altpolnisch, Klassifizierung, Sprachwissenschaft, Namensbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der onomastischen Untersuchung von Eigennamen in der Gnesener Bulle unter semantischen und morphologischen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die kritische Analyse bisheriger Klassifizierungssysteme von Eigennamen und die Entwicklung eines neuen, semantisch fundierten Kategorisierungsmodells.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die strenge und oft willkürliche Trennung von Personen- und Ortsnamen aufzuheben und ein System zu etablieren, das auf universellen kognitiven Assoziationstypen beruht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Sprachtheorie von Roman Jakobson, um Eigennamen als metaphorische oder metonymische Katachresen zu definieren und auf Basis von Ähnlichkeits- oder Kontiguitätsbeziehungen zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert bestehende Forschungsergebnisse, identifiziert deren methodische Schwächen und präsentiert das neue System, illustriert durch Tabellen und Beispiele aus der Gnesener Bulle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Onomastik, Metapher, Metonymie, Eigennamen, Semantik, Morphologie und die Gnesener Bulle.
Warum kritisiert der Autor die bisherige Klassifizierung von Personennamen?
Der Autor kritisiert, dass bisherige Systeme hybride und inkonsistente Kriterien vermengen, anstatt semantische und morphologische Ebenen klar voneinander zu trennen.
Wie erklärt der Autor die Verbindung zwischen Eigennamen und Gattungsnamen?
Er argumentiert, dass Sprachverwender bei der Benennung von Objekten kognitive Relationen nutzen, wie die Ähnlichkeit (Metapher) oder die räumliche Nähe (Metonymie), wodurch der Eigenname vom motivierenden Gattungsnamen abgeleitet wird.
Könnte das neue Modell auch auf andere Bereiche angewendet werden?
Ja, der Autor betont im Ausblick, dass die vorgeschlagenen kognitiven Strukturen auch für andere Namensklassen wie Zoonyme (Tiernamen) oder Phytonyme (Pflanzennamen) relevant und anwendbar sind.
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- Heinz Rosenau (Author), 2000, Semantik und Morphologie der Eigennamen in der Gnesener Bulle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264688