Methoden und Modelle in der psychologischen Erforschung des Wohnens


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: angenommen (ohne Benotung)


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung/ Hinführung zum Thema

2 Erläuterung von Grundbegriffen
2.1 Wohnen
2.2 Methode
2.3 Modell

3 Methoden und theoretische Zugänge
3.1 Laborforschung vs. Feldforschung
3.2 objektivistische vs. subjektivistische Datenerhebung
3.3 Systemtheorie
3.4 Handlungstheorie(n)

4 Modelle
4.1 Das Lebensraum-Konzept
4.2 Das Behaviour Setting-Konzept
4.3 Die Maslowsche Bedürfnispyramide
4.4 Das ERG-Modell
4.5 Herzbergs 2-Faktoren Theorie

5 Resümee

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung/ Hinführung zum Thema

„Lebst Du schon, oder wohnst Du noch?“[1]

Dieser Werbe-Slogan aus der IKEA-Werbung soll verdeutlichen, dass das „Wohnen“[2], die Art und Weise des Wohnens und die Wohnqualität eine immense Bedeutung für das Leben haben. Dem Kunden soll suggeriert werden, dass nur IKEA-Einrichtungen eine besondere Art des Wohnens schaffen, die sich vom „Wohnen“ ohne IKEA-Möbel abhebt. In dieser Arbeit soll es jedoch nicht um den Vergleich zwischen Einrichtungsgegenständen verschiedener Marken, sondern um eine Übersicht und einen Vergleich derjenigen Methoden gehen, die im Bereich der ökologischen Psychologie, speziell in der ökopsychologischen Erforschung des Wohnens, angewandt werden. Die Wichtigkeit des Wohnens für den Menschen, das Eingebunden-Sein des Wohnens in das menschliche Leben in seiner ganzen Fülle, d.h. die Komplexität des Untersuchungsgegenstandes, spiegelt sich in einer Vielzahl unterschiedlichster Methoden, ihn zu betrachten und wissenschaftlich zu verwerten, wider.

Meine Darstellung ist wie folgt aufgebaut:

Nach dieser Einleitung erfolgt eine Definition der Grundbegriffe. Sodann werden in den Gliederungspunkten drei und vier die, für die genannte Fragestellung relevanten, speziell psychologischen oder mit anderen Wissenschaften geteilten Methoden und Modelle vorgestellt. Der Gliederungspunkt „Resümee“ schließt die Arbeit mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und einem persönlichen Kommentar ab. Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick über die grundlegenden Methoden und Modelle der ökopsychologischen Erforschung des Wohnens zu geben und zu prüfen, welche Modelle noch verwendet werden könnten.

2 Erläuterung von Grundbegriffen

2.1 Wohnen

Bahrdt (1977, S.46, zitiert nach Flade in Kruse (1990), S.484) definiert „Wohnen“ als „seßhaft private Existenz in behaglicher Freiheit an einem durch bauliche Vorkehrungen hierfür geeigneten und nach außen abgeschirmten Ort.“ Nach dem „Kluge“ (2002, S.995) lasse sich die Wortherkunft von „wohnen“ aus dem mhd. „wonen“ erklären. Verwandt seien die Wörter „lieben“, „schätzen“, „gewinnen“ und „Wonne“. Heidegger (1959, S.145-148, zitiert nach Flade (1985) S.15) sieht „wohnen“ verknüpft mit „bauen“ und letztendlich „sein“. Weiterhin weist er auf den gemeinsamen Wortstamm mit „gewöhnlich“ hin. Auch das französische „habiter“ - “wohnen“ in Verbindung mit dem Fremdwort „habituell“, das „ständig“, „gewohnheitsmäßig“ heißt[3], zeigt, dass „wohnen“ etwas Alltägliches ist, dass man nicht aus dem Lebenszusammenhang wegdenken kann.

2.2 Methode

Unter Methode soll hier eine spezielle wissenschaftliche Herangehensweise, „Der Weg auf ein Ziel hin“[5], verstanden werden.[4]

2.3 Modell

Unter einem Modell möchte ich hier ein wissenschaftliches Werkzeug verstehen, mit dem Handlungen und Zustände der Wirklichkeit, unter Zuhilfenahme vereinfachender Annahmen beschrieben und erklärt bzw. vorausgesagt werden können.

3 Methoden

Wie gewinnt man wissenschaftliche Erkenntnisse über das Wohnen? Dieser Frage soll in den folgenden Abschnitten nachgegangen werden:

3.1 Laborforschung vs. Feldforschung

Möchte man die Wirkung eines bestimmten Einflussfaktors bestimmen, so kann dies dadurch geschehen, dass man verschiedene Situationen vergleicht, in denen dieser Einflussfaktor variiert. Eine Wirkung auf die Zielgröße kann jedoch nur dann bestimmt (Sonderfall: quantifiziert) werden, wenn die Wirkung aller anderen Einflussfaktoren auf die Zielgröße schon bekannt sind oder ausgeschaltet werden. Daher ist die Laborforschung, bei der Störgrößen reduziert und Randbedingungen leichter konstant gehalten werden können, einfacher durchzuführen, als Feldforschung. Partry ((1986,1987) zitiert nach Kruse (1990) S. 184) weist allerdings daraufhin, dass von Laborversuchen nur dann auf Feldversuche geschlossen werden dürfe, wenn eine „transsituationale Konsistenz“ unterstellt werde. Dazu müsse die Annahme getroffen werden, dass Menschen sich in unterschiedlichen Situationen gleich verhalten. Dies ist jedoch insofern problematisch, als dass sich das Verhalten von Menschen möglicherweise dann ändert, wenn sie wissen, dass sie an einem wissenschaftlichen Experiment teilnehmen. Mogel (1984, S.166ff) sieht diese Thematik unter einem anderen Gesichtspunkt. Für ihn lautet die Frage nicht: Laborversuch oder Feldversuch, sondern für ihn ist die Reihenfolge von Bedeutung, da Laborversuche nur einige Details klären könnten und Bezugs- und Ökosysteminformationen nur durch Feldstudien und Feldexperimente bzw. teilnehmende und systematische Verhaltensbeobachtung erlangt werden könnten. Laborversuchen und Feldversuchen wird hier also eine jeweils andere Aufgabe zugewiesen; sie ergänzen sich somit. Auch Partry (zitiert nach Kruse (1990, S. 185) kommt zu dem Schluss , dass Laborforschung und Feldforschung, je eingebunden in ein Forschungsprogramm, sich ergänzen können und ein wechselseitiges Spiel dieser Methoden, bei denen sich auch Übergänge finden lassen, zum Erfolg führe.

3.2 Objektivistische vs. Subjektivistische Datenerhebung

Eine objektivistische Form der Datenerhebung nutzt möglichst viele, (möglichst) objektiv feststellbare Daten. Am einfachsten lässt es sich mit Zahlen bzw. Kennzahlen arbeiten. Diese zu messen bzw. Maßstäbe herzustellen, an denen gemessen werden kann, stellt jedoch hohe methodische Anforderungen. Um abstrakte Begriffe messbar zu machen, müssen sie operationalisiert werden.

Exkurs: Operationalisierbarkeit am Beispiel des Urbanitätsbegriffes

Neubauer (2001, S.88) nennt folgende Anforderungen an eine Operationalisierung:

1. Inhalte, die sich hinter Abstrakten Begriffen verbergen müssen sich auch in den Indikatoren wieder finden.
2. Es muss gegebenenfalls eine zeitliche Dimensionierung vorgenommen werden.
3. Der Zielwert muss adäquat messbar sein.

Friedrichs (1977, zitiert nach Hellbrück/Fischer (1999) S. 467) verwendet zur Messung der Heterogenität der Gesamtstruktur einer Stadt vier Dimensionen:

1.Materieller Besitz
2.Akteure
3.Modalitäten
4.Aktivitäten

Dabei kommt den Aktivitäten die größte Bedeutung zur Messung der Gesamtheterogenität zu (Faktor 1,5). Natürlich kann diese Messung nur einen Richtwert geben, warum sollte der Faktor dieses, qualitativ als besonders wichtig erkannten Merkmals, nicht 1,4 oder 1,6 sein? Diese Frage kann nicht überzeugend beantwortet werden, daher spielt auch hier eine subjektive Komponente eine Rolle.

Exkurs Ende

Nicht nur bei der Umschreibung von Daten, die nur ordinal (d.h. die höchste Unterscheidungsform ist: „größer als“ bzw. „kleiner als“, Abstände dürfen hier nicht gebildet werden) wahrgenommen bzw. gemessen werden können, in (kardinale) Zahlen, spielen subjektive Faktoren eine Rolle, auch bei der Auswahl der Messinstrumente und der zu messenden Größen gibt es keine objektiv festlegbare, einzige Methode. Daher gehen subjektive Daten, anders gesagt: Meinungen, mit in das Messergebnis mit ein. Hierdurch stellt sich die Frage, wie mit Hilfe von Meinungen, die ja auch völlig anders ausfallen hätten können, bei Befragungen ein wissenschaftlich verwertbares Ergebnis herauskommen kann. Eine Beantwortung dieser Frage könnte es sein, dass nicht allgemeine, über Zeit und Raum gültige Ergebnisse erzeugt werden, sondern bei dieser Methode immer Beschränkungen hinsichtlich der Gültigkeit vorgenommen werden müssen. Bei genauerem Nachdenken muss dies auch so sein, da sich die Gewohnheiten der Menschen bezüglich des Wohnens im Laufe der Geschichte geändert haben und in Zukunft wohl auch ändern werden.

Hellbrück/Fischer (1999, S. 430f.) beschreiben ein Beispiel zur subjektivistischen Datenerhebung, bei dem 1056 Untersuchungsteilnehmer einen Fragebögen mit elf Items beantworteten, „welche die Zufriedenheit mit Wohnung und Wohnumfeld thematisierten“. Die so erhaltenen Daten wurden mit Hilfe statistischer Hilfsmittel wie Interkorrelationen und multipler Regressionsanalyse ausgewertet; dazu wurden auch objektive Umweltvariablen verwendet. Nach den statistischen Tests, die die Komponenten des Messinstruments auf ihren Vorhersagewert überprüften, kristallisierte sich heraus, dass vor allem vier Komponenten in nachbarschaftlichen Beziehungen eine Rolle spielen: „Nachbarliche Unterstützung“, „Verwurzelung“, „weak social ties“ (schwache soziale Bindung) und „Ärger mit den Nachbarn“.

Auch bei der Datenerhebung wird nicht ausschließlich mit objektivistischen oder mit subjektivistischen Methoden gearbeitet, sondern beide werden sinnvoll verknüpft. Dabei kann je nach dem Schwerpunkt der Untersuchung und der Beschaffenheit des Untersuchungsgegenstandes natürlich eine Methode stärker gewichtet werden.

3.3 Systemtheorie

Nach Stengel (1999, S. 59) wird der theoretische Rahmen der ökologischen Psychologie durch die Systemtheorie gebildet. Stengel plädiert dafür Systemtheorie und Kybernetik als einander zugehörig zu betrachten, weil „beide Theoriekomplexe unauflösbar miteinander verschränkt sind. Unter Kybernetik versteht man die Theorie der Regelung und Steuerung von Systemen (Ashby, 1974). Das setzt in jedem Fall eine Theorie von Systemen voraus.“[6] Die Systemtheorie versteht sich als Einheitswissenschaft innerhalb der unterschiedlich geartete Probleme gelöst werden können. Stengel versteht Systeme immer aus der Sicht eines Beobachters, er gliedert folgende Beobachtungsebenen:

1.Ebene: Die Realität, die unabhängig von unserer Beobachtung als existierend angenommen wird;
2.Ebene: Die individuelle oder soziale Konstruktion der Realität; was wir denken, wie wir reden (die Wirklichkeit);
3.Ebene: die systemtheoretische Rekonstruktion entweder von Systemen der Realität oder von Systemen der individuellen oder sozialen Konstruktion, des Denkens etwa;
4. Ebene: Sprechen über Systemtheorie, metatheoretische Reflexionen über Begriffe, Theorien etc.

(Stengel, 1999 S.64)

Ein Element aus dem radikalen Konstruktivismus ist die Unterscheidung zwischen Realität (siehe 1. Ebene) und Wirklichkeit (siehe 2. Ebene). Die Wirklichkeit wird als ein Konstrukt der Realität gesehen und ist somit immer subjektiv. Für die ökologische Psychologie interessant sind das psychische, das somatische, das soziale, das biophysikalische und das technische System, jeweils mit verschiedenen Untersystemen.[7]

Diese Systeme werden mit Hilfe der Kybernetik geregelt bzw. gesteuert. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen einfachen, komplizierten und komplexen Systemen. Einfache Systeme lassen sich durch monokausale Ursache-Wirkungs-Beziehungen beschreiben, komplizierte Systeme durch eine Vielzahl von Variablen. Bei komplexen System kann man nicht mehr sagen, auf welche Ursache ein Ereignis zurückzuführen ist, das Innere des Systems ist hier wie eine „black-box“, die genauen Vorgänge bleiben also unbekannt. Wie kann man nun in ein System steuernd oder regelnd eingreifen? Steuerung und Regelung dienen dazu, das System in seinem Überlebensbereich zu halten. Stengel (1999, S.79) definiert „Steuerung“ in diesem Zusammenhang als den Vorgang von dem man rede „wenn ein (fokales) System ein System seiner Umwelt vor Störungen aus dessen Umwelt schützen will“, hingegen rede man von „Regelung“, wenn „ein System sich selbst vor Störungen aus seiner Umwelt zu schützen sucht, so dass es in seinem Überlebensbereich verbleiben kann.“ Als drittes Element gibt es Puffer, d.h. „Systeme, die entwickelt wurden […] um Störungen aus der Umwelt eines (anderen) Systems in relativ starrer Weise abzufangen.“[8]

[...]


[1] Der Werbe-Slogan ist insofern unglücklich, als dass „wohnen“ eigentlich ein positiv besetztes Verb ist – siehe Gliederungspunkt zwei. Das Wohnen in IKEA-Einrichtungen soll sich hier wohl von einem negativ besetzten „wohnen“, das eher einem „hausen“ entspricht, qualitativ absetzen.

[2] Siehe Gliederungspunkt zwei „Erläuterung von Grundbegriffen“

[3] Duden – Fremdwörterbuch S.261

[4] Der Methoden- und der Modellbegriff sind hier absichtlich weit gefasst, um der Gefahr zu entgehen, Methoden und Modelle selbst unter einer zu stark eingeengten Sichtweise zu betrachten.

[5] Kluge (2002) S.616

[6] A.a.O S.60

[7] Vgl. Stengel (1999) S.78

[8] A.a.O. S.80

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Methoden und Modelle in der psychologischen Erforschung des Wohnens
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Psychologie, LG Ökologische Psychologie)
Note
angenommen (ohne Benotung)
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V26470
ISBN (eBook)
9783638287937
ISBN (Buch)
9783638755832
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Korrektors: "Die Arbeit erläutert und diskutiert - auf hohem Abstraktionsniveau - verschiedene theoretische Konzepte: von system- und feldtheoretischen Ansätzen bis hin zu Motivationsmodellen (Maslow, Herzberg)[...]." Schwerpunkt ist die Untersuchung, ob das zwei-Faktoren-Modell Herzbergs in der Erforschung der Wohnbedürfnisse angewendet werden kann.
Schlagworte
Methoden, Modelle, Erforschung, Wohnens
Arbeit zitieren
Markus Andreas Mayer (Autor), 2004, Methoden und Modelle in der psychologischen Erforschung des Wohnens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26470

Kommentare

  • Gast am 9.9.2007

    guter Überblick über die Grundlagen.

    Habe mir die Arbeit vor zwei Wochen gekauft, ist sehr zu empfehlen. Gibt halt nen guten Überblick über die Grundlagen, aber mehr auch nicht.

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