Analyse einer Wahlkampfrede von Heinz-Christian Strache auf Basis der von Rolf Bachem in "Rechtsextreme Ideologien. Rhetorische Textanalysen als Weg zur
Erschließung rechtsradikalen und rechtsextremen Schriftmaterials." zur Verfügung gestellten Instrumente.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Selbsteinordnung Straches
3. Analyse der Rede
3.1 Setting
3.2 Inhalt
3.2.1 Wahrheit
3.2.2 Freiheit
3.2.3 Identität und Fremdes
3.2.4 Der Kampf gegen die Mächtigen
4. Ergebnis
5. Quellen
5.1 Primäre Quellen
5.2 Sekundäre Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Positionierung von Heinz-Christian Strache an Hand einer Wahlkampfrede aus dem Jahr 2010. Ziel ist es, unter Anwendung wissenschaftlicher Analyseinstrumente zum Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus zu prüfen, ob sich in Straches rhetorischem Stil und seinen Aussagen entsprechende Tendenzen nachweisen lassen.
- Analyse der rhetorischen Verwendung zentraler Begriffe wie "Wahrheit", "Freiheit" und "Identität".
- Untersuchung der Konstruktion eines "Wir-Gefühls" im Kontrast zur Abgrenzung gegenüber Fremden.
- Evaluation von Strategien des "Kampfes gegen die Mächtigen" als politisches Instrument.
- Vergleich der Selbsteinordnung Straches als "Mitte-Rechts" mit den Ergebnissen der Diskursanalyse.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Wahrheit
„Sich der Wahrheit verpflichtet zu fühlen, das kann nichts Böses sein, die Wahrheit, die kann niemals verletzend sein. Die Wahrheit ist für jeden zumutbar, ja die Wahrheit ist für mich Verpflichtung.“ (Strache-Rede, Teil 3, 03:19)
Laut Bachem benutzten rechtsgerichtete Autoren und Redner den Begriff Wahrheit häufig: „Um das von der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft und weitestgehend von den Medien nicht akzeptierte Weltbild zu verteidigen, bedienen sich die Autoren geradezu zwangsläufig des rhetorischen Wahrheits-Themas: Sie wiederholen unablässig, dass sie selbst die Wahrheit verkünden und dass sie gegen eine ungeheure Flut von 'Lügen', 'Verleumdungen', 'Propagandalügen' ankämpfen“ (Bachem 1999, 87f.)
Das Wort Wahrheit benutzt Heinz-Christian Strache insgesamt 15 Mal in seiner Rede, dazu kommen ersetzende bzw. entgegengesetzte Begriffe wie Realität, Unwahrheit oder belügen. Diese Wörter stehen häufig im Zusammenhang mit Fremden bzw. Zuwanderern.
„Mehr Mut zu unserem Wiener Blut, zu viel Fremdes tut niemandem gut! Das ist die Wahrheit, die wir ansprechen, für die wir geschollten und auch geschimpft werden.“ (Strache-Rede, Teil 1, 02:59)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den politischen Kontext um Heinz-Christian Strache im Jahr 2010 und definiert den methodischen Rahmen der Diskursanalyse.
2. Selbsteinordnung Straches: Das Kapitel beleuchtet Straches eigene Positionierung im politischen Spektrum und analysiert seine Reaktion auf mediale Anfragen bezüglich seiner politischen Einordnung.
3. Analyse der Rede: Dieser Hauptteil untersucht die Rede auf Basis soziologischer und politischer Begriffe wie Wahrheit, Freiheit und Identität, um die rhetorische Konstruktion von Feindbildern und Zugehörigkeit aufzudecken.
4. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass Straches Rhetorik wissenschaftlich als rechtsradikal klassifiziert werden kann, wenngleich eine explizite rechtsextreme Systemüberwindungsabsicht in der untersuchten Rede fehlt.
Schlüsselwörter
Heinz-Christian Strache, FPÖ, Rechtsradikalismus, Rechtspopulismus, Politische Rhetorik, Wien, Wahlkampf, Identitätspolitik, Ausländerfeindlichkeit, Diskursanalyse, Wahrheit, Freiheit, Fremdenfeindlichkeit, Integrationspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert eine konkrete Wahlkampfrede von Heinz-Christian Strache aus dem Jahr 2010, um dessen politische Positionierung zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen der rhetorische Gebrauch der Begriffe Wahrheit, Freiheit und Identität sowie die Strategien des Rechtspopulismus im Wiener Wahlkampf.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Es soll wissenschaftlich geprüft werden, ob sich in Straches Redestil Tendenzen zum Rechtsradikalismus erkennen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt rhetorische Analyseinstrumente nach Ansätzen von Autoren wie Rolf Bachem und Hans-Georg Betz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Setting der Rede sowie die inhaltliche Verwendung spezifischer politischer Schlüsselbegriffe zur Konstruktion von Identität und zur Abwertung politischer Gegner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Rechtsradikalismus, Identitätspolitik, Diskursanalyse und politische Rhetorik.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen rechtsradikal und rechtsextrem?
Die Arbeit orientiert sich an Bachems Definition: Als rechtsradikal gelten Bestrebungen zur Systemveränderung innerhalb des Rahmens der freiheitlich-demokratischen Grundordnung; rechtsextrem wären hingegen Bestrebungen zur Systemüberwindung.
Wie positioniert sich Strache selbst gegenüber Vorwürfen der Radikalität?
Strache lehnt die Einordnung als rechtsradikal ab und bezeichnet sich und seine Partei stattdessen als "Mitte-Rechts".
Welche Rolle spielen die Begriffe "Wahrheit" und "Lüge" in Straches Rede?
Strache nutzt den Begriff Wahrheit häufig als rhetorisches Mittel, um sich als Bewahrer der Realität darzustellen und politische Gegner, Medien oder Zuwanderer pauschal als Lügner oder Diktatoren der Meinungsmache zu diskreditieren.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich einer rechtsextremen Einstufung?
Obwohl die rhetorischen Strategien und die Ideologie als rechtsradikal eingestuft werden, fehlen in der untersuchten Rede Anhaltspunkte, die eine Einstufung als rechtsextrem im Sinne einer beabsichtigten Systemüberwindung rechtfertigen würden.
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- Bettina Gmoser (Author), 2012, Analyse der politischen Positionierung von Heinz-Christian Strache an Hand einer Rede im Wiener Gemeinderatswahlkampf 2010, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264707