Mit offenen Karten spielen. Phraseologismus oder nicht?


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Strukturelle Analyse der phraseologischen Parameter
2.1 Polylexikalität
2.2 Festigkeit
2.3 Idiomatizität – Erweiterung der Grundeigenschaften

3 Analytische Betrachtung des semantischen Inhalts
3.1 Wortanalyse
3.2 Linguistische Analyse der Leseart
3.3 Polysemie der Phraseologismen

4 Analyse des Phraseologismus mit offenen Karten spielen anhand ausgewählter Beispiele
4.1 Die Hoffnungen waren sonniger als die Realität - 9. Mai 1986 Die Zeit
4.2 Ende der Akzeptanz - 9. Mai 1986 Die Zeit
4.3 Auf falscher Fährte? - 12.Juli 1996 Die Zeit
4.4 Gespräche mit dem bösen Geist – 30.04.2008 Die Zeit
4.5 Gestehen Sie endlich! – 23.04.2009 Die Zeit
4.6 Der zionistische Imam – 05.11.2011 Die Zeit

5 Fazit

1 Einleitung

Der Phraseologismus mit offenen Karten spielen ist ein feststehender Ausdruck, der regelmäßig in der deutschen Medienlandschaft zu finden ist. Die gesellschaftliche Herausforderung der Ehrlichkeit soll in der folgenden Arbeit hinsichtlich ihrer semantischen und syntaktischen Kriterien untersucht werden und abschließend kontextuell überprüft werden. Unter Verwendung zahlreicher Artikel der Zeitung die Zeit, die mir eine große Menge an Material zur Verfügung stellte, sollen die nun folgenden Fragen beantwortet werden:

Welchen Sinn verfolgt dieser Phraseologismus? Zu welchem Ergebnis führt die Analyse der einzelnen semantischen Faktoren und inwieweit lässt sich das Untersuchte mit den Theorien nach Burger vereinbaren.

Um einen größtmöglichen Eindruck zu erhalten werden in dieser Arbeit auch ältere Artikel, die den Phraseologismus enthalten untersucht.

2 Strukturelle Analyse der phraseologischen Parameter

Zunächst muss zur Untersuchung der Phraseologismen festgestellt werden welche Parameter Ausdrücke überhaupt zu einem solchen klassifizieren und ob eben diese auch auf den Phraseologismus mit offenen Karten spielen zu treffen. Die bereits bekannten Eigenschaften werden nun kurz in Erinnerung gerufen, um als Grundlage der weiteren Analyse zu dienen.

Palm schreibt: „Die Phraseologie ist die Wissenschaft oder Lehre von den festen Wortverbindungen einer Sprache, die in System und Satz Funktion und Bedeutung einzelner Wörter (Lexeme) übernehmen können. Damit sind Phraseologismen ein Mittel zur Erweiterung des Wortschatzes, zur Benennung (Nomination) und Verarbeitung der Welt in der menschlichen Sprachtätigkeit. Was vorzugsweise durch Phraseologismen verarbeitet wird, sind mentale Größen, wie Emotionen, Einstellungen, (negative) Verhaltensweisen, man spricht deshalb vom mentalen Lexikon einer Sprache im Zusammenhang mit der Phraseologie“.[1]

2.1 Polylexikalität

Nach Burger ist die Polylexikalität in der Phraseologie das zunächst wichtigste Kriterium zur Bestimmung eines solchen. Laut dieser Theorie muss ein Phraseologimus aus mehreren Wörtern bestehen. Bei der Betrachtung des Phraseologismus,[2] mit offenen Karten spielen, sind vier von einander abhängige Elemente erkennbar. Dies erlaubt nun die erste Vermutung, dass es sich bei dieser Konstruktion um einen Phraseologismus handelt.[3]

2.2 Festigkeit

Die Festigkeit ist nach Burger ein weiterer Parameter, den ein Phraseologismus aufweisen muss. Festigkeit ist hierbei die Verwendung des Phraseologismus und das Vorkommen im alltäglichen Sprachgebrauch.[4]

Mit offenen Karten spielen kann im Bereich der Festigkeit eindeutig bestehen, da durch eine Vielzahl von Artikeln die Verständlichkeit, sowie die Verwendung des Konstrukts belegt werden kann. Ebenfalls beinhaltet das Kriterium der Festigkeit jedoch auch die Frage nach der strukturellen Festigkeit. Die Untersuchung richtet den Fokus auf Syntax und Morphologie des Phraseologismus.[5]

Obwohl der Phraseologismus grundsätzlich den Kriterien der Festigkeit standhält, ist ein Wechsel im Kern der Phrase nicht ausgeschlossen. Neben der Veränderung der Verbvalenz, besteht auch die Möglichkeit durch einen Adjektivtausch etwas Gegenteiliges auszudrücken.

Partielle lässt sich also die Festigkeit nachvollziehen, wenn gleich auch hierbei eine Mehrdeutigkeit möglich ist.

2.3 Idiomatizität – Erweiterung der Grundeigenschaften

Wie schon aus der Überschrift zu entnehmen ist handelt es sich bei dem Kriterium der Idiomatizität nicht um eine Grundeigenschaft eines Phraseologismus, viel mehr handelt es sich hierbei um eine Erweiterung, die Phraseologie im engeren Sinne[6] bezeichnet.

Es findet eine semantische Umdeutung einzelner Elemente oder direkt des ganzen Phraseologismus statt. So werden die jeweiligen semantischen Inhalte der Wörter gegen einen kontextuellen semantischen Inhalt ersetzt.

Die Relativität oder eher der partielle Charakter ist definitiv abhängig vom Vorwissen und einem Kontextverständnis. Weiterhin werden in diesem Bereich graduelle Unterschiede gemacht. Es wird bei Burger zwischen 1) idiomatisch; 2) teil-idiomatisch und 3) nicht-idiomatisch unterschieden.[7]

Mit offenen Karten spielen ist in dieser Abstufung im Bereich des idiomatischen zu verankern. Der Ausdruck ist also tatsächlich dann idiomatisch, wenn die Diskrepanz zwischen phraseologischer und wörtlicher Bedeutung zu erkennen ist.

3 Analytische Betrachtung des semantischen Inhalts

Laut Palm wird der semantische Inhalt des Phraseologismus nicht aus der Menge der eigentlichen Wörter, sondern viel mehr aus der veränderten Bedeutung gezogen, die nicht abschließend mit dem grundlegenden Wortinhalt korrelieren.[8] So wird nun im Folgenden zunächst einmal die reine Bedeutung der einzelnen Begriffe geklärt.

3.1 Wortanalyse

Für das Wort offen gibt es im Duden eine Vielzahl von Entsprechungen, so zum Beispiel wird dieses Wort mit nicht geschlossen[9] beschrieben, aber auch so beschaffen, dass jemand etwas hinaus- oder hineinlegen kann[10]. Allerdings wird bei dem Element offen auch eine Verbindung zur Gefühlswelt geschlagen, es wird ebenfalls im Bereich von Unklarheit[11] und Unentschiedenheit[12] verwendet. Das Adjektiv offen tritt also mit Häufigkeit[13] in den verschiedensten Kontexten auf. Der semantische Wert dieses Begriffs ist ohne Kontext nicht nachzuvollziehen, so dass eine Einbettung zur Worterklärung unumgänglich ist.

Die Karte oder die Karten werden im Vergleich zum Begriff offen greifbarer. Das Wort wird im Duden erst einmal als Substantiv, feminin beschrieben, das ebenfalls mit Häufigkeit auftritt.[14] Weiterhin wird die Karte als „ rechteckiges Blatt aus dünnem Karton“[15] beschrieben . In der Duden Online Ausgabe findet nun an folgender Stelle eine Aufzählung von Nominalkomposita statt, an fünfter Stelle trifft man auf den Begriff der Spielkarte[16], die dem Substantiv des zu untersuchenden Phraseologismus am ähnlichsten ist. Hier werden nun weitere Phraseologismen aus dem Bereich des Kartenspiels aufgezählt: „ alle Karten in der Hand haben“[17], „mit gezinkten Karten spielen“[18], „auf die falsche Karte setzen“[19]. Die Verwendung der Komponente Karte weißt ebenfalls verschiedene Verwendungsmöglichkeiten auf, sie ist ebenfalls positiv sowie negativ durch den Kontext konnotiert.

Im Duden wird spielen als schwaches Verb mit häufigem Auftreten beschrieben, als inhaltliche Beschreibung wird dabei angegeben, „sich zum Vergnügen, Zeitvertreib und allein aus Freude an der Sache selbst auf irgendeine Weise betätigen“.

Burger weist dem Phraseologismus zwei Lesarten zu, so beinhaltet der Phraseologismus zweierlei Interpretationsmöglichkeiten[20]. Im Falle des vorliegenden Phraseologismus muss also die Frage erlaubt sein ob von dem Konnotat oder dem Denotat gesprochen wird. Ausgangsfrage müsste zum Verständnis also sein: befinden wir uns an einem Tisch und spielen Karten oder verlangen wir die Ehrlichkeit unseres Gegenübers?

Die Lesart als Variante einer Interpretation oder einer Bedeutung ist also der Katalysator für die Unterscheidung von idiomatisch und nicht-idiomatisch (siehe 2.3).

[...]


[1] Vgl. Palm 1997, 1.

[2] Vgl. Burger 2010, 15.

[3] Vgl. Burger 2010, 15.

[4] Vgl. Burger 2010, 15ff.

[5] Vgl. Burger 2010, 23ff.

[6] Vgl. Burger 2010, 14.

[7] Vgl. Burger 2010, 28ff.

[8] Vgl. Palm 1997, 8.

[9] http://www.duden.de/rechtschreibung/offen letzter Zugriff: 10.07.2013 13:30 Uhr

[10] http://www.duden.de/rechtschreibung/offen letzter Zugriff: 10.07.2013 13:30 Uhr

[11] http://www.duden.de/rechtschreibung/offen letzter Zugriff: 10.07.2013 13:30 Uhr

[12] http://www.duden.de/rechtschreibung/offen letzter Zugriff: 10.07.2013 13:30 Uhr

[13] http://www.duden.de/rechtschreibung/offen letzter Zugriff: 10.07.2013 13:30 Uhr

[14] http://www.duden.de/rechtschreibung/Karte letzter Zugriff 10.07.2013 14:00 Uhr

[15] http://www.duden.de/rechtschreibung/Karte letzter Zugriff 10.07.2013 14:00Uhr

[16] http://www.duden.de/rechtschreibung/Karte letzter Zugriff 10.07.2013 14:00Uhr

[17] http://www.duden.de/rechtschreibung/Karte letzter Zugriff 10.07.2013 14:00Uhr

[18] http://www.duden.de/rechtschreibung/Karte letzter Zugriff 10.07.2013 14:00Uhr

[19] http://www.duden.de/rechtschreibung/Karte letzter Zugriff 10.07.2013 14:00Uhr

[20] Vgl. Burger 2010, 61.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Mit offenen Karten spielen. Phraseologismus oder nicht?
Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V264726
ISBN (eBook)
9783668707023
ISBN (Buch)
9783668707030
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karten, phraseologismus
Arbeit zitieren
Stefanie Petruck (Autor), 2013, Mit offenen Karten spielen. Phraseologismus oder nicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264726

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