Wahrnehmung und Wirkung von Moderatoren in TV-Wissenschaftsmagazinen

Empirische Untersuchung unter besonderer Beobachtung technischer Parameter


Bachelorarbeit, 2013

112 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Danksagungen

Abstract

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Theoretischer und empirischer Hintergrund
1.2. Fragestellungen

2. Moderatoren und deren Bewertung
2.1. Psychologischer Hintergrund
2.2. Überblick Umfrage „Bewertung der Moderatoren“
2.2.1. Wichtigkeit der Eigenschaften
2.2.2. Einschätzung der Moderatoren
2.2.3. Bewertung der Sendung
2.3. Aussagen der Produktionsfirmen

3. Auswertung der Umfrage „Bewertung der Moderatoren“
3.1. Welche Eigenschaften wichtig sind
3.2. Bewertung der Moderatoren
3.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3.4. Kriterien für eine gute Bewertung
3.4.1. Gewichtete Eigenschaften
3.4.2. Betrachtung nach Mehrabian
3.4.3. Betrachtung nach Halo-Effekt
3.4.4. Neuinterpretation der Bewertungsskala

4. Eigenproduktion
4.1. Allgemeines
4.2. Ton
4.2.1. Mikrofonierung
4.2.2. Physiologie des Hörens
4.2.3. Toneinstellungen
4.3. Bildeinstellungsgrößen
4.4. Studioumgebung

5. Ergebnisse der Eigenproduktion
5.1. Ergebnisse im Bereich „Ton“
5.2. Ergebnisse im Bereich „Bildeinstellungsgrößen“
5.3. Ergebnisse im Bereich „Studioumgebung“

6. Fazit, Problemstellungen und Ausblick
6.1. Allgemeine Probleme
6.2. Technische Probleme
6.3. Ausblick und weitere Fragestellungen
6.4. Zusammenfassung der Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Anhang

DANKSAGUNGEN

Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung dieser Bachelor­Arbeit unterstützt und motiviert haben.

Ganz besonders gilt dieser Dank Herrn Dr. Elmar Hergen­röder und Prof. Renate Hermann, die meine Arbeit und somit auch mich betreut haben. Sie haben mir durch ihre Kritik und Hinweise dabei geholfen, das Wesentliche nie aus den Augen zu verlieren.

Ebenso möchte ich mich bei Dipl.-Ing. Thomas Brusske- Gabbey bedanken, der mich bei den Produktionen und den nötigen Vorbereitungen dazu im TV-Studio unterstützt hat. Frau Dr. Elisa­beth Böhm, die Gründerin des logo-Institutes, hat mir wertvolle Ratschläge für die Literaturrecherche gegeben, vielen Dank dafür.

Damit die Umfragen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, wurden sie von der Psychologin (BSc) Laura Mehl getestet und korrigiert. Auch bei dir möchte ich mich bedanken.

Daneben gilt mein Dank meinen Eltern, Werner und Chris­tine Bücklein, die beide in zahlreichen Stunden Korrektur gelesen haben. Sie wiesen auf Schwächen hin und konnten als Fachfremde immer wieder zeigen, wo noch Erklärungsbedarf bestand.

ABSTRACT

In der Psychologie wird die Wirkung von Menschen schon lange untersucht. Dabei stellte Albert Mehrabian fest, dass die Gestik und Mimik in der Kommunikation eine größere Rolle spielt als die Art und Weise, wie etwas gesagt wird und der übermittelte Inhalt. Der Halo-Effekt bewirkt, dass einige stark ausgeprägte Eigenschaften die schwächer ausgeprägt überdecken und die Personenbeurteilung beeinflussen.

Diese Arbeit stellt die Frage, anhand welcher Kriterien sich ablesen lässt, ob ein Moderator von den Zuschauern gut oder schlecht bewertet wird und ob sich in diese Bewertung durch tech­nische Hilfsmittel eingreifen lässt.

Durch eine Umfrage kam heraus: Gut bewertete Modera­toren haben einen hohen Gesamtdurchschnitt in allen abgefragten Eigenschaften. Außerdem werden sie mit einigen Eigenschaften besonders stark in Verbindung gebracht. Ein gut geschärftes Profil bewirkt eine bessere Bewertung bei den Fernsehzuschauern.

In einer Eigenproduktion wurde immer die gleiche Modera­tion mit verschiedenen Ton-Einstellungen, Studioumgebungen und Bildeinstellungsgrößen aufgezeichnet.

In einer weiteren Umfrage konnte festgestellt werden, dass eine Betonung der hohen Frequenzen, eine Halbnahe und eine rote Studioumgebung die besten Ergebnisse vorzeigen konnten. Insbesondere die Bewertung bei der Eigenschaft „jugendliches Auftreten“ lässt sich dadurch besonders stark beeinflussen.

Dabei gilt es aber zu bedenken, dass die jeweiligen Eigen­schaften nur separiert abgefragt wurden, in weiteren Versuchen gilt es herauszufinden, wie die einzelnen technischen Änderungen in Kombination wirken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1 THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurt Tucholsky hat bis zu seinem Tod im Jahre 1935 nur die Anfänge des Fernsehens miterleben können. Doch seit der Erfin­dung der Nipkow-Scheibe hat sich die TV-Welt wesentlich weiter­entwickelt. Durch die Digitalisierung der Medien ist es heute möglich, weltweit hunderte Fernsehprogramme in HD-Qualität zu empfangen. Moderatoren spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie geben den TV-Formaten Gesicht und dem Zuschauer eine Identifikationsfigur, die stellvertretend für eine ganze Sendung steht. Dabei zieht sich das durch alle Bereiche des Fernsehens hindurch - von der Unterhaltung bis zu den Nachrichten.

Ich stimme mit dem von mir gewählten Zitat von Tucholsky überein: In meinem eigenen Fernsehverhalten macht es keinen Unterschied, mit welchen Intentionen und Einstellungen die Macher ans Werk gehen. Die Wirkung ist entscheidend: Ist mir der Moderator sympathisch, schalte ich gerne wieder ein. Allerdings meide ich auch Sendungen, wenn mir der Moderator nicht gefällt.

Dennoch möchte ich Tucholskys Aussage um einen Aspekt ergänzen: Es spielt bei Moderatoren sehr wohl eine Rolle, wie die Dinge sind - nämlich dann, wenn ich sie aus der „Macher-Sicht“ betrachte. Schließlich lassen sich in einem TV-Studio unzählige Einstellungen treffen, die möglicherweise die Wirkung beim Zuschauer beeinflussen.

Angefangen bei den Einstellungen bei der Tonaufnahme über die Studioumgebung bis hin zum Ton oder bei der Auswahl der Bildgrößeneinstellung - jede kleine Änderung in der Produk­tion kann die Wirkung beim Zuschauer beeinflussen. Die Wirkung eines Moderators hängt jedoch noch von vielen weiteren Faktoren ab.

Natürlich spielt die individuelle Persönlichkeit, die Werte und Einstellungen des Moderators beinhaltet, eine entscheidende Rolle. Aber auch aus der Körpersprache und der Mimik lässt sich viel ableiten. Karl H. Delhees unterscheidet zwischen analoger und digitaler Kommunikation: „In der digitalen Kommunika­tion werden konventionelle Zeichen nach gewissen Regeln (z.B. Grammatik) kombiniert. In der analogen Kommunikation werden dagegen keine konventionellen Zeichen verwendet, sondern reale. [...] Es bestehen Ähnlichkeiten zwischen den Kommunikations­inhalten und den nonverbalen Ausdrucksformen. So stehen Tiefe der Verbeugung, die Lautstärke der Stimme, die Rötung der Haut, die verlangsamte Sprechgeschwindigkeit, die Größe der Hand­geste und andere nonverbale Signale gewöhnlich in direkter (oder umgekehrter) Beziehung zu den Kommunikationsinhalten. Das ist einer der Gründe, warum nonverbale Signale teilweise verständ­licher sind als Sprechakte und warum uns fremde Sprachen, wenn wir sie nicht gelernt haben, völlig unverständlich bleiben, wir dennoch nonverbal zumindest teilweise mit fremdsprachigen Menschen kommunizieren können.“[1]

Für Delhees sind die Funktionen der Körpersprache viel­fältig. Deswegen „schließt [er], nicht aus [...] daß zu Verständi­gung über anderes nonverbale Mitteilungen wirkungskräftiger sind.“[2] Sprechweise und Stimme sind in einer Untersuchung über die Wirkung eines Moderators besonders hervorzuheben. Nicht umsonst werden Moderatoren in Moderations- und Sprechtrai­nings immer wieder darauf trainiert, ihre Stimme gezielt einzu­setzen. Viele der heutigen großen Showmaster, wie Frank Elstner, Günther Jauch oder Thomas Gottschalk, haben ihre Karriere im Radio begonnen und das Sprechen „von der Pike auf‘ gelernt. Laut Patrick Lynen sagt die Stimme viel über die Persönlichkeit des Moderators aus, denn „die Stimme verrät den Charakter, Haltung und Lebenseinstellung, sie verrät wie man denkt und wie man sich fühlt. Sie ist der Spiegel der Seele und der Persönlichkeit“[3].

Dies unterstreicht auch die „7-38-55-Regel“ von Albert Mehrabian, Psychologe an der University of California[4]. In einer Studie aus dem Jahr 1967 spielte Mehrabian Probanden Tonauf­nahmen von positiven (z.B. happy, honey), neutralen (z.B: what, saw) und negativen (z.B. don’t, no) Worten mit jeweils einem positiven, neutralen oder negativen Stimmausdruck vor, während die Probanden das Wort geschrieben sahen. In einer zweiten Studie spielte er die gleichen Tonaufnahmen vor. Diesmal sahen die Probanden allerdings Gesichter mit einem positiven, neut­ralen oder negativen Gesichtsausdruck. Die Teilnehmer der Studie sollten bestimmen, ob sie bei den Worten ein positives, neutrales oder negatives Gefühl hatten.

Mehrabian stellte fest, dass in der zwischenmenschlichen Kommunikation Emotionen am Geringsten durch die Wortwahl selbst (7%), zu einem großen Teil durch die Stimme (38%) und hauptsächlich durch die Mimik übermittelt werden (55%).

1.2 FRAGESTELLUNGEN

Diese Bachelorarbeit untersucht folgende Bereiche: Zum einen wie der Moderator von den Zuschauern wahrgenommen wird, zum anderen wie tech­nische Parameter diese Wahrnehmung verändern. Um das zu untersuchen, befasst sich diese Arbeit mit einem bestimmten TV-Format: Wissenschafts-Magazine. Hier folgen Moderator und Beitrag direkt aufeinander. Eine Verbindung zwischen Moderator und Beitrag ist für den Zuschauer möglich. Außerdem haben Wissensmagazine eine hohe gesellschaftliche Relevanz. „Galileo“ steht mit einem Marktanteil von 10,8% bei der werberelevanten Zielgruppe von 14 - 49 Jahre (Gesamt­anteil von 5,6% / 1,51 Mio. Zuschauer) auf Augenhöhe mit wohl einer der wichtigsten Sendungen im deutschen Fernsehen: der Tagesschau (9,1% werberelevante Zielgruppe, 13,5% Gesamt­anteil, 4,09 Mio. Zuschauer).[5].

Ein weiterer Vorteil von Magazin-Sendungen ist, dass sich Einzelaspekte gut isoliert betrachten lassen. Bei Show- oder Talk­formaten ist das schwierig, weil die Interaktion mit Gästen das Gesamtbild und somit auch das Bild des Moderators beeinflussen. Magazin-Formate sind im Vergleich zu den Show- und Talkfor­maten annähernd identisch reproduzierbar.

Bei einer wiederholbaren Produktion mit dem gleichen Moderator ergibt sich der Vorteil, dass die Gestik und Mimik gleich bleibt und der Inhalt auch unverändert wiederholt werden kann. Deshalb spielen die technischen Einstellungen eine größere Rolle als bei anderen Formaten.

Das wirft die Frage auf, ob sich durch den gezielten Einsatz technischer Hilfsmittel der Eindruck des Moderators modifizieren lässt und so der Zuschauer ein verbessertes Bild von den Menschen vor der Kamera bekommt, wenn sich verschiedene Parameter in der Produktion verändern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 PSYCHOLOGISCHER HINTERGRUND

Solomon Ash hat schon festgestellt, dass Menschen ganz­heitlich gesehen werden.59 Er legte über 1000 Versuchsteilneh- mem unterschiedliche Listen mit Attributen einer fiktiven Person vor. Anschließend sollten die Teilnehmer diese Person charakte­risieren. Alle hatten ein wesentlich komplexeres Bild der Person als nur die vorgegebenen Attribute. So wurde die fiktive Person wesentlich häufiger als „großzügig“ beschrieben, wenn in der Liste der Attribute „warm“ vorkam als bei der gleichen Liste, in der „warm“ durch „kalt“ ausgetauscht wurde. Diese Zusammen­hänge zwischen Attributen heißt Priming. „In den Begriffen der Wahrnehmungsforschung ausgedrückt, handelt es sich dabei um Attribute, welche die Figur auf dem Hintergrund anderer Infor­mationen bilden.“60 Sicher scheint also: Auch den nicht nachvoll­ziehbaren Attributen können die meisten Teilnehmer einen Wert zuordnen. Eine komplett neutrale Bewertung scheint unwahr­scheinlich. Spannend ist die Frage, ob sich erkennen lässt, zwischen welchen Attributen Korrelationen bestehen.

Neben dem Priming greift noch der Halo-Effekt bei der Beurteilung von Personen. „Ein einzelnes Attribut einer Person kann für einen Beobachter so gewichtig werden, daß es wie ein Heiligenschein (halo) über die gesamte Person ausstrahlt und alle übrigen Facetten derselben verblassen lässt.“61 Weiterhin stellt Uwe Peter Kanning fest: „Halo-Effekte treten in besonders starkem Maße auf, wenn wenig Zeit bleibt, um eine differenzierte Beurteilung treffen zu können“62.

Genau das ist ein entscheidender Punkt, der auf Fern­sehmoderatoren zutrifft. Für den Fernsehzuschauer bleibt keine Zeit, um eine geeignete Menge an Informationen über den Moderator zu sammeln. Denn in Wissenschafts-Maga­zinen bleiben sie meist nur wenige Sekunden auf dem Bild­schirm zu sehen, bevor der nächste Beitrag eingespielt wird.

Es stellt sich nun die Frage, ob das Priming und der Halo­Effekt auch bei Personen stattfindet, zwischen deren keine direkte Kommunikation stattfindet. Da der Zuschauer ständig Informa­tionen von einem Moderator empfängt, könnte es sein, dass er dadurch besser Körpersprache, Sprache und Inhalt dekodieren kann und ein differenzierteres Bild des Moderators aufbauen kann. Das könnte bedeuten, dass die psychologischen Effekte, wie sie bei einer direkten zwischenmenschlichen Kommunikation eintreten, auch bei einem Moderator in die Beurteilung der Person eintreten könnten.

Vielleicht ist aber auch das Gegenteil der Fall: Der Bild­schirm wirkt wie eine Art Dämpfung für die Dekodierung, da diese nur durch die direkte Kommunikation möglich ist. Dies könnte ein

Punkt sein, an dem die technische Seite ihren Vorteil ausspielen kann, da durch die potentielle erschwerte Dekodierung eine Mani­pulation der Wahrnehmung wesentlich einfacher wird.

Angenommen, die Beurteilung eines Moderators würde genauso ablaufen wie bei einer physisch anwesenden Person und die psychologischen Effekte greifen ebenfalls auf die gleiche Art und Weise, lässt sich folgende Erwartungshaltung aufbauen: Durch das Priming sollten ähnliche Eigenschaften gleich stark bewertet werden oder es lassen sich sogar Korrelationen zwischen verschie­denen Attributen feststellen. Durch den Halo-Effekt könnte es auch dazu kommen, dass bei verschiedenen Moderatoren ein Attribut ganz besonders stark bewertet wird - sei es positiv oder auch negativ.

Sollte sich die Regel von Mehrabian bewahrheiten, sollten die Moderatoren, deren Körpersprache oder Stimme besonders hoch bewertet werden, auch eine hohe Note in der Gesamtbeurtei­lung bekommen.

2.2 ÜBERBLICK UMFRAGE „BEWERTUNG DER MODERATOREN“

Um zu klären, wie Moderatoren wirken und wie sich diese Wirkung verbessern lässt, wurden Onlineumfragen durchgeführt. Die Aussagen dieser Arbeit basieren auf deren Ergebnissen.

Der erste Fragebogen untersucht, was einen guten Mode­rator eines Wissenschafts-Magazins nach den Vorstellungen der Teilnehmer ausmacht. Danach wurden die Eigenschaften an vorher ausgewählten Moderatoren abgefragt. Zuletzt sollen die Befragten in Schulnoten angeben, wie gut sie die Sendung des Moderators insgesamt finden.

2.2.1 WICHTIGKEIT DER EIGENSCHAFTEN

Besonders wichtig ist: Was finden die meisten Zuschauer bei einem Moderator gut? Um das herauszufinden, wurden in der Umfrage 25 Eigenschaften aufgezählt, die die Teilnehmer bewerten sollen.

Um eine unabhängige Meinungsbildung zu bekommen, werden die einzelnen Items jedes Mal in eine zufällig ausgewählte Reihenfolge gebracht. Die abgefragten Eigenschaften lassen sich in drei Gruppen unterteilen:

1. In der Umfrage befinden sich Kriterien, die der Befragte zwar subjektiv beurteilen, aber durchaus mit Argu­menten belegen kann: Aussehen, Inhalt (das, was der Moderator sagt), Mimik und Gestik, Sprechweise und Stimme.

2. Ein großer Teil der abgefragten Eigenschaften ist wahr­nehmbar, aber nur schwer zu erklären, da der Zuschauer sie zum Beispiel durch die Körpersprache und Stimme impliziert: angenehmes Auftreten, Ausstrahlung, Charisma, jugendliches Auftreten, modernes Auftreten, Natürlichkeit, Seriosität, Spannungswert, Talent, Unter­haltungswert

3. Eine weitere Gruppe sind Eigenschaften, die der Zuschauer dem Moderator zuteilt, obwohl er sie nur schwer belegen kann: Fachkenntnis, Fleiß, Freundlich­keit, hohes Engagement, Humor, Offenheit, Intelligenz, Spontanität, Sympathie und Fleiß.

In der Umfrage versuche ich zu erfassen, ob ein Mode­rator auch als ganzheitliche Person wahrgenommen wird, oder ob bestimmte Teilbereiche der Persönlichkeit ausgeblendet werden. Und vor allem: Ob sich diese Wahrnehmung durch die Möglich­keiten der Technik ändern lassen.

Bei den Punkten „Mimik / Gestik“, „Sprechweise“ und „Inhalt“ berufe ich mich auf die Ergebnisse der Studie von Albert Mehrabian (siehe 1.1), der in seinen Studien festgestellt hat, dass es bei diesen Punkten einen Unterschied in der Wertigkeit bei der Wahrnehmung gibt.

Wir leben im Zeitalter des Infotainments - ein Kunstbe­griff, der sich aus „Information“ und „Entertainment“ zusammen­setzt. Es reicht heute nicht mehr reine Informationen zu verbreiten. Aufgrund der hohen Anzahl der Fernsehsender, dem Aufkommen von YouTube, Mediatheken und der damit verbundenen Möglich- keit jederzeit auf Videocontent zugreifen zu können, reicht es wohl nicht mehr aus nur noch Informationen zu verbreiten.

Unterhaltung ist in unserer Gesellschaft omnipräsent, aber auch ein wichtiger Faktor, um den Zuschauer zu binden. Um diesen Faktor zu überprüfen, habe ich die Punkte „Spannungswert“ und „Unterhaltungswert“ in den Fragebogen aufgenommen. Sie sollen bestimmen, wie gerne der Zuschauer die Sendung sieht und wie sehr er sich unterhalten fühlt. Denn diese beiden Eigenschaften könnten über Ab- oder Umschalten entscheiden.

Mit dieser Umfrage wird getestet, welche Eigenschaften ein Moderator bei Zuschauern als besonders wichtig wahrgenommen werden.

2.2.2 EINSCHÄTZUNG DER MODERATOREN

Um herauszufinden, welche Punkte tatsächlich bei der Beurteilung eines Moderators in TV-Wissenschafts-Magazinen sind, habe ich bekannte Gesichter aus Sendungen mit diesem Format ausgewählt:

1. Aiman Abdallah, Galileo (Produktionsfirma: ProSieben Sat.l Media / Ausstrahlung: PR07)
2. Ranga Yogeshwar, Quarks & Co (Produktion / Ausstrah­lung: WDR)
3. Hendrik Hey, Welt der Wunder (Produktionsfirma: Welt der Wunder GmbH / Ausstrahlung: RTLII)
4. Ralph Caspers, Wissen macht Ah! (Produktion: WDR / Ausstrahlung: ARD)
5. Dennis Wilms, W wie Wissen (Produktion: ARD / Ausstrahlung: ARD)

In der Auswahl gibt es zwischen den Moderatoren oder den Sendungen gewisse Unterschiede. Um eine geschlechts­abhängige Bewertung zu vermeiden, habe ich jedoch nur männliche Moderatoren ausgewählt. Die Sendungen von Aiman Abdallah und Hendrik Hey laufen auf Privatsen­dern, PR07 und RTLII, während die anderen Sendungen von öffentlich-rechtlichen Sendern übernommen werden.

Ein weiterer Unterschied befindet sich in der Ziel­gruppe. Während „Welt der Wunder“ und „Galileo“ aus meiner Sicht eher einen populärwissenschaftlichen Ansatz haben und eine große Masse an Zuschauern erreichen wollen, setzen „Quarks & Co“ und „W wie Wissen“ auf Phänomene, die mit einem hohen wissenschaftlichen Anspruch behandelt werden.

In diesem Punkt setzt sich „Wissen macht Ah!!“ ab. Diese Sendung ist für Kinder konzipiert und erklärt dementsprechend vereinfacht verschiedene Themen. Es soll herausgefunden werden, ob dadurch Ralph Caspers in einer anderen Art und Weise wahrge­nommen wird als die anderen Moderatoren in dieser Umfrage.

2.2.3 BEWERTUNG DER SENDUNG

Um festzustellen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Bewertung des Moderators und der Bewertung der Sendung gibt, wird in dem Fragebogen für jede Sendung eine Schul­note von 1 für „sehr gut“ bis 6 für „sehr schlecht“ abgefragt.

Hier stellt sich also die Frage: Werden alle Moderatoren von Wissenschafts-Magazinen gleich bewertet, oder können große Unterschiede festgestellt werden?

2.3 AUSSAGEN DER PRODUKTIONSFIRMEN

Die Produktionsfirma oder der produzierenden Sender der jeweiligen Sendung wurde auf folgende Fragen um eine Stellung­nahme gebeten, um feststellen zu können, wie sie die Wirkung des Moderators mit technischen Mitteln unterstützen:

1. Warum haben Sie [NAME DES MODERATORS] als Moderator Ihrer Sendung ausgewählt?
2. Wie soll er bei den Zuschauern ankommen / Welche Eigenschaften soll er repräsentieren?
3. Mit welchen technischen Mitteln versuchen Sie diese Wirkung zu unterstützen?
4. Welche Toneinstellungen benutzen Sie / Welche Frequenzen werden angehoben / Wie stark wird die Stimme komprimiert / Welchen Toneindruck wollen Sie gewinnen?
5. Nach welchen Kriterien haben Sie das Studio aufgebaut / Welche Farben setzen Sie besonders häufig ein und was wollen Sie damit erreichen?
6. Welche Bildeinstellung benutzen Sie besonders häufig?

RTLII antwortete für die Sendung „Welt der Wunder“: „Über statistische Auswertungen verfügen wir leider nicht. [...] Alle wichtigen und öffentlich zugänglichen Informationen zu unseren Formaten finden Sie im Internet. [...] Interne und strate­gisch relevante Daten wie Zielgruppenprofile, Planungskonzepte etc. geben wir natürlich grundsätzlich nicht weiter.“ Eine weitere Recherche ergab keine weiteren nützlichen Ergebnisse. Alle weiteren Redaktionen antworteten nicht auf diese Mail, lediglich die Abteilung „Medienforschung“ des WDR gab zu den Fragen für die Sendung „Quarks & Co“, moderiert von Ranga Yogeshwar, Auskunft (siehe 3.2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1 WELCHE EIGENSCHAFTEN WICHTIG SIND

Insgesamt haben 54 Teilnehmer den Fragebogen ausge­füllt. Aus den erhobenen Daten ergibt sich folgende Altersvertei­lung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Altersverteilung bei der Umfrage

Damit liegen 92,6% aller befragten Teilnehmer in der werberelevanten Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren. Insgesamt haben etwas mehr Frauen (28, das entspricht 51,9%) als Männer (24, das entspricht 44,4%) den Fragebogen beantwortet. Zwei Teilnehmer haben zu ihrem Geschlecht keine Angabe gemacht.

Auffallend ist der insgesamt sehr hohe Bildungsgrad aller Befragten. So haben etwa 77,8% eine Hochschulreife oder ein abgeschlossenes Studium als letzten Abschluss angegeben.

Tabelle 2: Verteilung der letzten Bildungsabschlüsse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Folgenden werden die abgefragten Eigen­schaften aufgelistet. Die Teilnehmer der Umfrage sollten die Items auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 5 (sehr wichtig) bewerten. Für die bessere Übersichtlichkeit sind sie nach ihrer Bewertung von sehr wichtig nach unwichtig geordnet, aufgerundet auf die zweite Nachkommastelle.

[...]


[1] DELHEES, K.: Soziale Kommunikation, S.130

[2] Ebd., S.133

[3] LYNEN, P.: Das wundervolle Radiobuch, S. 43

[4] MCLEAN, C.: Mehrabian on the myth, Stand: 12.12.2012

[5] MEEDIA: Deutschlands neues Medien-Portal, Stand vom 24.10.2012

[6] Vgl. KANNING, U. Die Psychologie der Personenbeurteilung, S.200

[7] Ebd., S.202

[8] Ebd., S.204

[9] Vgl. KANNING, U. Die Psychologie der Personenbeurteilung, aus: KLAUER, Karl Christoph, SCHMELING, Armin, Sind Halo-Fehler Flüchtigkeitsfehler?, in: Zeitschrift für Experimentelle und Angewandte Psychologie, 37, 1990, S. 597-627

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Wahrnehmung und Wirkung von Moderatoren in TV-Wissenschaftsmagazinen
Untertitel
Empirische Untersuchung unter besonderer Beobachtung technischer Parameter
Hochschule
Hochschule Ansbach - Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Ansbach  (Wirtschafts- und Allgemeinwissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
112
Katalognummer
V264750
ISBN (eBook)
9783656541646
ISBN (Buch)
9783656543435
Dateigröße
9163 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wahrnehmung, wirkung, moderatoren, tv-wissenschaftsmagazinen, empirische, untersuchung, beobachtung, parameter
Arbeit zitieren
Christohper Bücklein (Autor), 2013, Wahrnehmung und Wirkung von Moderatoren in TV-Wissenschaftsmagazinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264750

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