Die Niederlage Tillys bei Breitenfeld und der Bezug zur Zerstörung Magdeburgs in ausgewählten Flugblättern der zeitgenössischen Publizistik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der historische Kontext der Schlacht bei Breitenfeld

3. Die Publizistik im dreißigjährigen Krieg

4. Die protestantischen Flugblätter nach der Schlacht von Breitenfeld

5. Die Zerstörung Magdeburgs in der Publizistik zu Breitenfeld
5.1 Der zornige französische Schneider
5.2 Wolbestalter ligistischer General Lautenschläger
5.3 Magdenburger Laug
5.4 Tillius Poenitens Das ist: Tyllische Buß und darauf erfolgte Absolution
5.5 Ein kurzes jedoch nachdenkliches Gespräch eines Fuchses und einer Katze
5.6 Tyllisch Glücke

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Der dreißigjährige Krieg wird heute als „[…] der Flugblattkrieg überhaupt“1 bezeichnet. Er stellt damit den Höhepunkt der Propaganda durch Flugblätter dar; nie wieder wurde in solcher Fülle das Medium Flugblatt genutzt, um über aktuelle Themen zu berichten. Vor allem drei Ereignisse des dreißigjährigen Krieges wurden in der zeitgenössischen Flugblattproduktion aufgegriffen: Die Schlacht am Weißen Berg, die Zerstörung Magdeburgs und die Schlacht bei Breitenfeld.2 Alle drei Ereignisse haben ihrerseits bedeutende Auswirkungen auf den Verlauf des dreißigjährigen Krieges ausgeübt. Die Zerstörung Magdeburgs und die Niederlage des kaiserlichen Heeres unter Tilly bei Breitenfeld stehen ihrerseits in einem engen Zusammenhang und wurden so auch in der Publizistik oftmals in Verbindung gesetzt.3 Die Zerstörung Magdeburgs wurde dabei von den verschiedenen Illustratoren der Flugblätter unterschiedlich verarbeitet. Diese unterschiedlichen Ansätze der Verbindung zwischen der Zerstörung Magdeburgs durch Tilly und dessen Niederlage bei Breitenfeld soll in dieser Arbeit untersucht werden. Dabei wird zunächst eine Einordnung der beiden Ereignisse in den historischen Kontext vorgenommen, um den Hintergrund der zu diesen Komplexen entstandenen Flugblätter verstehen zu können. Dem folgen einige allgemeine Bemerkungen zum Medium Flugblatt im 17. Jahrhundert, mit besonderem Fokus auf ihre Verwendung im dreißigjährigen Krieg. Im Hauptteil der Arbeit soll anhand verschiedener Beispiele von Flugblättern, welche die Ereignisse von Magdeburg und Breitenfeld in Verbindung setzen, untersucht werden, ob, und falls ja welche, Muster sich dort abzeichnen, bzw. welche Motive der Verarbeitung der Zerstörung Magdeburgs sich in den Flugblättern zur Niederlage Tillys bei Breitenfeld herausarbeiten lassen.

Die Flugblätter werden dabei in der Edition von Wolfgang Harms verwendet.4 Als Literaturgrundlage ist die Dissertation von Elisabeth Constanze Lang aus dem Jahre 19745 zu nennen sowie verschiedene weitere Aufsätze, die entweder bestimmte Aspekte der Publizistik zu Breitenfeld und Magdeburg beinhalten oder sich allgemein mit der Funktion von Flugblättern beschäftigen.

2. Der historische Kontext der Schlacht bei Breitenfeld

Als am 17.09.1631 bei Breitenfeld die vereinte sächsisch-schwedische Armee auf das kaiserlich-ligistische Heer unter Tilly traf, bahnte sich eine der entscheidenden Schlachten des dreißigjährigen Krieges an.6 Bis zu dieser Schlacht hatte die katholische Partei die militärische Übermacht im Reich dargestellt und die Protestanten zusehends in die Defensive gezwungen. Als eindrucksvolles Beispiel für die Stärke der katholischen Seite gelang es den Truppen unter Tilly Magdeburg einzunehmen. Am 20.05.1631 wurde die Belagerung der Stadt mit Erfolg gekrönt und es gelang dem kaiserlich-ligistischen Heer die Stadt zu erstürmen. An die 20.000 Menschen wurden in Magdeburg Opfer des katholischen Heeres und des danach wütenden Feuers, das nahezu die gesamte Stadt zerstörte.7 Auch wenn die Ursache des Feuers bis heute ungeklärt blieb, so wurde die Schuld doch Tilly zugewiesen. Die Zerstörung Magdeburgs fand sowohl in der katholischen als auch in der protestantischen Publizistik immense Aufmerksamkeit.8 Kurze Zeit vorher war das schwedische Heer unter König Gustav Adolf von Schweden in Deutschland gelandet und nahm nun Einfluss auf den Kriegsverlauf. Hatten sich die beiden reformierten Kurfürstentümer Sachsen und Brandenburg bis zur Zerstörung Magdeburgs noch neutral gegenüber den Schweden und dem Kaiser verhalten, so suchten sie nun eine Annäherung an das schwedische Heer, da es nur durch dieses möglich schien die protestantische Sache in Deutschland zu verteidigen. Bereits das belagerte Magdeburg hatte auf ein Eingreifen der schwedischen Truppen gehofft, jedoch griffen diese nicht ein und konnten die Zerstörung der Stadt so nicht verhindern.9 Als Tilly nun über Merseburg mit seinem Heer nach Leipzig zog und auch diese Stadt belagerte, sah sich der sächsische Kurfürst Johann Georg von Sachsen gezwungen ein Bündnis mit dem schwedischen König einzugehen. Am 11.09.1631 wurde so in Coswig ein Bündnis zwischen Sachsen und Schweden geschlossen.10 Sachsen diente dem vereinten Heer nun als Operationsbasis und bei Breitenfeld, wenig nördlich von Leipzig gelegen, kam es am 17.09.1631 zur Schlacht zwischen dem kaiserlich-ligistischen Heer unter Tilly und dem vereinigten sächsisch-schwedischen Heer unter Gustav Adolf.11 Obwohl Tillys Truppen zahlenmäßig dem schwedisch-sächsischen Heer unterlegen waren, schien es zu Beginn der Schlacht, als ob sie auch diesen Kampf zu ihren Gunsten entscheiden könnten. Am Ende jedoch siegte das Heer unter dem Befehl Gustav Adolfs und das katholische Heer musste herbe Verluste verkraften. Die gesamte Artellerie, zwei Drittel der Infanterie und die Hälfte der Reiterei gingen bei der Schlacht von Breitenfeld seitens des kaiserlich-ligistischen Heeres verloren, zusätzlich war der Verlust der Kriegskasse zu beklagen.12 „Das katholische Übergewicht im Reich war mit einer Schlacht dahin.“13 Der Sieg bei Breitenfeld war der erste große Sieg für die Protestanten im dreißigjährigen Krieg und stellte sowohl publizistisch als auch militärisch eine Wende dar.

3. Die Publizistik im dreißigjährigen Krieg

Bevor jedoch auf die publizistische Verarbeitung der Schlacht bei Breitenfeld eingegangen werden kann, ist es nötig einige grundsätzliche Worte zur Publizistik in der Frühen Neuzeit, spezieller im 17. Jahrhundert, noch spezieller zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs zu sagen. Durch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg Anfang des 16. Jahrhunderts bekamen die gedruckten Medien immer mehr Einfluss auf die Meinungsbildung und -verbreitung, wenn auch den größten Einfluss dennoch das gesprochene Wort hatte. Neue Medien wie Flugblätter, Flugschriften, Zeitungen und Messrelationen entstanden.14

Vor allem Flugblätter waren im Dreißigjährigen Krieg von besonderer Bedeutung. Durch den geringen Umfang - Flugblätter waren Einblattdrucke - waren sie für den Verleger preisgünstig herzustellen und für den Konsumenten günstig zu erwerben. Ebenso prädestinierte die hohe Aktualität des Flugblatts es zur Verwendung, um die eigenen Anhänger zu unterstützen und zeitnahe Ereignisse zu verarbeiten. Durch das häufig verwendete - und auch bei allen Beispielen, welche im Folgenden noch behandelt werden sollen - graphische Element war das Flugblatt in seiner Grundaussage auch für den Rezipienten interessant, der nicht des Lesens mächtig ist; zu dieser Zeit betraf dies immer noch den größten Teil der Bevölkerung.15 Das Flugblatt war also im Dreißigjährigen Krieg das ideale Medium, um die Bevölkerung zu beeinflussen, für die katholische oder protestantische Seite Propaganda zu betreiben und um zu aktuellen Ereignissen Stellung zu beziehen und diese publizistisch zu bearbeiten.

Da es vor allem die überlegene Seite war, welche durch die Publikation von Flugblättern versuchte, ihren eigenen Anhängern ein Gefühl der Überlegenheit zu vermitteln und die Gegner weiter zu denunzieren, ist es nicht verwunderlich, dass bis zur Schlacht bei Breitenfeld vor allem Flugblätter der katholischen Seite die Medienlandschaft bestimmten. Wie bereits weiter oben erwähnt, stellte die Niederlage Tillys bei Breitenfeld jedoch eine Wende dar.

4. Die protestantischen Flugblätter nach der Schlacht von Breitenfeld

Nach der Schlacht bei Breitenfeld wurde eine enorme Anzahl an Flugblättern produziert, welche von protestantischer Seite aus die Niederlage verarbeiteten. Vor allem Tilly wurde zur Spott- und Hohnfigur der Verleger.16 Besonders beliebt war das Thema des „sächsischen Konfekts“.17 Ebenso ist die Verwendung von Tierallegorien häufig zu beobachten.18 Was neben den unterschiedlichen Metaphern und Motiven, die in den Flugblättern auftreten, als eine Gemeinsamkeit festzustellen ist, ist die Bezugnahme auf die Zerstörung Magdeburgs. Erst jetzt wurde Tilly, da nun die protestantische Publizistik in die Offensive ging, die Eroberung Magdeburgs polemisch vorgeworfen.19 Die Einbeziehung Magdeburgs in die Flugblätter, welche sich mit der Schlacht bei Breitenfeld auseinandersetzten, konnte jedoch unterschiedlich geschehen. Diese unterschiedlichen Formen der Be- und Verarbeitung sollen im Folgenden anhand einiger Beispiele herausgearbeitet werden.20

5. Die Zerstörung Magdeburgs in der Publizistik zu Breitenfeld

5.1 Der zornige französische Schneider

Auf dem Flugblatt „Der zornige französische Schneider“, welches noch im Jahre 1631 und damit in direkter zeitlicher Nähe zur Niederlage Tillys bei Breitenfeld entstand und sich mit dieser auseinandersetzt, ist auf den ersten Blick keine Verbindung zu Magdeburg zu finden. Das Flugblatt unterteilt sich in ein einzelnes Bild und einen vierspaltigen Text. Auf dem Bild sind Gustav Adolph und Tilly zu sehen, die sich unterhalten. Auf einem Podest neben ihnen sitzt ein Schneider und im Hintergrund ist eine Stadt zu erkennen. Das Bild kann in diesem Flugblatt nicht für sich alleine sprechen, es bedarf des Textes, um die Botschaft des Blattes zu verstehen. Im diesem Text wird Tilly von einem Schneider gefragt, wann er die benötigten Waren für das Brautkleid erhält, dass er für Tillys Braut anfertigen soll. Die Braut, welche in dieses Brautkleid gekleidet werden soll, ist eine in der zeitgenössischen Publizistik weit verbreiteten Metapher Magdeburgs.21 Tilly kann dem Schneider die Stoffe jedoch nicht liefern und versucht sich in Ausreden zu flüchten. Die Niederlage des Feldherrn bei Breitenfeld steht dabei als gescheiterter Versuch sich die benötigten Materialien anzueignen. Ein Bezug zu Magdeburg wird in diesem Flugblatt zwar hergestellt, aber die Niederlage Tillys wird nicht als Konsequenz der Zerstörung der Stadt verwandt. Die weit verbreitete Metapher der Magdeburger Hochzeit wird lediglich als Rahmenhandlung für das Gespräch zwischen dem Schneider und Tilly verwandt, um sich in dem Publikum bereits bekannten Mustern zu bewegen und ein weit verbreitetes Motiv zu benutzen.

[...]


1 Burkardt, Johannes: Reichskriege in der frühneuzeitlichen Bildpublizistik, in: historicum.net, URL: < http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2454/ > (letzter Zugriff: 01.09.2013, 12.10 Uhr).

2 Vgl.: Lang, Elisabeth Constanze: Friedrich V., Tilly und Gustav Adolf im Flugblatt des dreissigjährigen Krieges, Austin/Texas 1974, S. 10.

3 Vgl.: Tschopp, Silvia Serena: Rhetorik des Bildes. Die kommunikative Funktion sprachlicher und graphischer Visualisierung in der Publizistik zur Zerstörung Magdeburgs im Jahre 1631, in: HZ Beiheft 41 (2005), S. 103.

4 Vgl.: Harms, Wolfgang: Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts, Bd. II, Tübingen 1997.

5 Vgl.: Lang, Friedrich V., Tilly und Gustav Adolf.

6 Vgl.: Schmidt, Georg: Der dreißigjährige Krieg, München 1998, S. 31.

7 Ebd. S. 51.

8 Vgl.: Zur Publizistik zur Zerstörung Magdeburgs siehe: Emich, Birgit: Hochzeit in Trümmern. Die Zerstörung Magdeburgs 1631 im medialen Kampf der Deutungen, in: Parthenopolis. Jahrbuch für Kultur- und Stadtgeschichte Magdeburgs 1 (2007/2008), S. 13 - 36.

9 Vgl.: Tullner, Matthias: Das Trauma Magdeburg - Die Elbestadt im Dreißigjährigen Krieg, in: Puhle, Matthias (Hrsg.): „… ganz verheeret!“ Magdeburg und der Dreißigjährige Krieg. Beiträge zur Stadtgeschichte und Katalog zur Ausstellung des Kulturhistorischen Museums Magdeburg im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen 2. Oktober 1998 bis 31. Januar 1999 (= Magdeburger Museumsschriften 6), Halle 1998, S. 13 - 24.

10 Vgl.: Parker, Geoffrey: Der Dreissigjährige Krieg, Frankfurt a. M. / New York 1991, S. 200 - 207. 2

11 Ebd.

12 Vgl.: Schmidt, Dreißigjähriger Krieg, S. 51.

13 Ebd.

14 Vgl.: Mayer-Gürr, Stefan: „Die Hoffnung zum Frieden wird täglich besser“ - Der westfälische Friedenskongress in den Medien seiner Zeit, Bonn 2007, S. 7 - 25. Dort auch zu den Charakteristika und Definitionen der einzelnen Medien.

15 Ebd. S. 26 - 39.

16 Vgl.: Lahne, Werner: Tillys Niederlage bei Breitenfeld in der zeitgenössischen Karikatur und Satire, in: Thüringisch-sächsische Zeitschrift für Geschichte und Kunst 21 (1932), S. 36.

17 Lang, Friedrich V., Tilly und Gustav Adolf, S. 63; 68f.

18 Ebd. S. 55ff.

19 Vgl.: Bachmann, Christine: Wahre vnd eygentliche Bildnus. Situationsbezogene Stilisierungen historischer Personen auf illustrierten Flugblättern zwischen dem Ende des 15. und der Mitte des 17. Jahrhunderts (= Mikrokosmos. Beiträge zur Literaturwissenschaft und Bedeutungforschung 58), Frankfurt a. M. / Berlin / Bern u.a. 2001, S. 198.

20 Harms, Wolfgang: Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts, Bd. 2: Historica (= Die Sammlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel), Tübingen 1997, S. 446 Nr. 257, IH 174 (= Abb. 1).

21 Vgl.: Tschopp, Rhetorik Magdeburgs, S. 103f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Niederlage Tillys bei Breitenfeld und der Bezug zur Zerstörung Magdeburgs in ausgewählten Flugblättern der zeitgenössischen Publizistik
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V264868
ISBN (eBook)
9783656543633
ISBN (Buch)
9783656544951
Dateigröße
5468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tilly, Gustav Adolph, Dreißigjähriger Krieg, 30jähriger Krieg, Publizistik, Illustriertes Flugblatt, Illustriertes Flugblatt der Frühen Neuzeit, Publizistik Frühe Neuzeit, Publizistik Dreißigjähriger Krieg, Magdeburg, Breitenfeld, 1631, Niederlage kaiserliche Truppen
Arbeit zitieren
Michael Belitz (Autor), 2013, Die Niederlage Tillys bei Breitenfeld und der Bezug zur Zerstörung Magdeburgs in ausgewählten Flugblättern der zeitgenössischen Publizistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264868

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