Die Niederschlagung der Boxerbewegung. Ausdruck des Wandels der europäisch-chinesischen Beziehungen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kolonialkrieg in China
2.1 China vor dem Boxeraufstand
2.2 Die Boxer
2.3 Der Boxeraufstand
2.4 China nach dem Boxeraufstand - Das Boxerprotokoll

3 Fazit ­ Der Wandel der europäisch-chinesischen Beziehungen Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im folgenden Text werde ich der Frage nachgehen inwiefern sich die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen und besonders das symbolische Verhältnis der europäischen Kolonialstaaten mit dem chinesischen Kaiserreich nach dem Boxeraufstand 1900 verändert haben? Zwar waren die USA und Japan ebenso am Boxerkrieg beteiligt, jedoch möchte ich sie im folgenden außer Acht lassen, um die euro-chinesischen Beziehungen genauer beleuchten zu können. Zunächst möchte die Frage beantworten wie China überhaupt zum Einflussgebiet der imperialistischen Mächte werden konnte. Des Weiteren soll geklärt werden wer überhaupt die „Boxer“ waren und welche Ursachen zum „Boxeraufstand“ führten.4

Während des Imperialismus legten die kolonialen Großmächte Wert auf die territoriale Machtausdehnung und so geriet auch China in der Mitte des 1900 Jahrhunderts in den Fokus imperialistischer Bestrebungen. Die Ausbeutung chinesischer Bodenschätze und den Bau neuer Eisenbahnstrecken versprach den imperialistischen Mächten rentable Geschäfte. Dabei einigten sich die Kolonialmächte auf eine gemeinsame Aufteilung und Ausbeutung Chinas, denn kein einzelner Staat war in der Lage das chinesische Kaiserreich für sich allein zu beanspruchen oder gar militärisch zu besetzen. Ein derart gemeinsames Vorgehen als militärische Koalition spiegelt sich folglich auch in der Niederschlagung des Boxeraufstandes wider.1 „Diese Koalition war eine schnell zustande gekommene Zweckgemeinschaft. Ein aus der Not heraus geborenes Bündnis, bei dem es nicht ausschließlich um die Niederschlagung eines Aufstandes ging. Es gibt wohl kaum einen vergleichbaren Fall in dem sich die Kolonialmächte in der Aufteilung und Ausbeutung eines Landes so einig waren wie in China.“2

Schließlich kam es im Jahr 1900 zwischen China und den europäischen Mächten auf Grund des Boxerkrieges zu einem grundlegend neunen euro-asiatischen Verhältnis. Der Boxeraufstand besiegelte somit für lange Zeit das Schicksal des chinesischen Volkes, beschleunigte drastisch das Ende der herrschenden Qing- Dynastie und belastete das Verhältnis Chinas nicht nur zu Europa, sondern der gesamten westlichen Welt.3

In China werden die Stimmen derjenigen immer stärker, die fordern, dass China endlich seine Rolle als Weltmacht wahrnehmen und gegenüber dem Westen selbstbewusster auftreten solle.5 Denn damals (im Jahr 1900), so wie heute, ungefähr ein Jahrhundert später, stehen China und die sogenannte westliche Welt erneut an einem Scheidepunkt ihrer politischen, wirtschaftlichen und symbolischen Beziehungen. Durch den geschichtlichen Hintergrund bekommen die derzeitigen euro-chinesischen Beziehungen plötzlich eine ganz andere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass sich innerhalb von hundert Jahren die Kräfteverhältnisse zu Gunsten Chinas entwickelt haben und Europa bzw. die EU immer weiter in chinesische Abhängigkeit treiben.

2 Kolonialkrieg in China

2.1 China vor dem Boxeraufstand

Die Xenophobie der Chinesen, insbesondere des kaiserlichen Hofes, war zur Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert ein durchaus nachvollziehbares, sowie offenes Geheimnis. Innerhalb der ca. 60 Jahre in denen China nähere Beziehungen zu europäischen Großmächten pflegte, wurde das Kaiserreich von den Ausländern primär wirtschaftlich destabilisiert, militärisch marginalisiert und moralisch gedemütigt. Der Opiumkrieg im Jahre 1842, der englisch- fränzösiche Feldzug im Jahre 1859, der T’ai’ping-Aufstand, welcher von Christen ausging, die Annexion Burmas durch England, Tonkings durch Frankreich, Turkestans durch Russland und Koreas durch Japan verdeutlichen beispielhaft die ausländische Unterdrückung, welcher China ausgesetzt war. Spätesten die gravierende Niederlage Chinas im chinesisch-japanischen Krieg im Jahre 1894, machte der Welt klar wie stark Chinas militärische Verteidigungsfähigkeit bereits geschwächt war.6

Der japanische Sieg kündigte somit eine neue Phase des Imperialismus in China an. In den Jahren zuvor hatten sich die imperialistischen Mächte Europas noch mit einem sogenannten „Treaty-Port-Imperialismus“ begnügt, welcher ihnen wirtschaftliche Sonderrechte sicherte, ihren Einfluss jedoch auf die Küstengebiete des Kaiserreiches beschränkte. Die Qing-Regierung empfand die Verträge zwar als unrecht, jedoch waren sie zugleich auch eine Art Kompromiss zwischen den übermächtigen imperialistischen Großmächten und dem Kaiserhof. Jedoch mit der kläglichen Niederlage gegenüber Japan wurde den imperialistischen Mächten Chinas Notlage erst richtig bewusst und das auf einem Kompromiss basierende Gleichgewicht geriet ins Wanken.7

Nachdem die europäischen Kolonialmächte schließlich verschiedene Küstenpunkte besetzt hatten und zahlreiche Häfen als Flottenstützpunkte fungierten, begann man das chinesische Hinterland untereinander aufzuteilen. So unterlag schließlich die Mandschurei russischer, Shantung deutscher und das Stromgebiet des Yangtse britischer, Fukien japanischer, sowie Kuangsi und Yünnan französischer Einflusssphäre.8

Das wirtschaftliche und politische Verhältnis zwischen China und den europäischen Kolonialstaaten vor Beginn des Boxeraufstandes 1900 wurde im vorherigen Abschnitt grob skizziert. Wie sieht es jedoch mit dem symbolischen euro-chinesischen Verhältnis aus? Ein beispielhaftes Indiz hierfür ist die Arbeit ausländischer Missionare in China, da sie die kulturellen Spannungen zwischen den westlichen Imperialisten und der chinesischen Bevölkerung gut widerspiegelt.

Im Zuge der erneuten Missionarischen Expansion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Abneigung innerhalb der chinesischen Bevölkerung gegenüber der christlichen Mission und der oft auch gewalttätige Widerstand nahm zu.9 Nichts des so trotz nahm die Macht der ausländischen evangelischen, sowie katholischen Missionare im 19. Jahrhundert mehr und mehr zu. Sie übten teilweise starken Einfluss auf die lokale Verwaltung, sowie Rechtssprechung und verschafften sich häufig finanzielle Vorteile.10

Die eher missionskritische Forschung kommt sogar zur Schlussfolgerung, dass es ohne die Präsenz bzw. das aggressive Agieren der Missionare in China nicht zu einer derart schnellen und starken Entstehung der Boxerbewegung gekommen wäre. Da durch das Missionieren wurde die Stabilität der sozialen und der damit verbundenen religiösen Ordnung der Chinesen erschüttert. So stellte die zwar geringe Anzahl an Missionare dennoch eine große Bedrohung für die chinesische Gesellschaft dar.

[...]


1 Varli, Fatma: Der Boxeraufstand in China. Hintergründe, Ursachen und Verlauf. Norderstedt 2011, S.5.

2 Koning, Christian: Der Boxeraufstand und seine Niederschlagung durch das internationale Expeditionskorps. Ein typisches Bündnis jener Zeit? Norderstedt 2005, S.3.

3 Dabringhaus, Sabine: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert. München 2009, Vorwort.

4 Varli, Der Boxeraufstand in China, S.2.

5 Dabringhaus, Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert, Vorwort.

6 Pechmann, Alexander: Peking 1900. Wien 2001, S.12.

7 Dabringhaus, Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert, S.39.

8 Pechmann, Peking 1900, S.12.

9 Leutner, Mechthild und Mühlhahn, Klaus: Kolonialkrieg in China. Die Niederschlagung der Boxerbewegung 1900-1901. Berlin 2007, S.38.

10 Cohen, Paul A.: China and Christianity. The Missonary Movement and the Growth of Chinese Antiforeignism. Cambridge Massachusetts 1963, S.138.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Niederschlagung der Boxerbewegung. Ausdruck des Wandels der europäisch-chinesischen Beziehungen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V264975
ISBN (eBook)
9783656543565
ISBN (Buch)
9783656544845
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
niederschlagung, boxerbewegung, ausdruck, wandels, beziehungen, wende, jahrhundert
Arbeit zitieren
Fabian Fischer (Autor), 2013, Die Niederschlagung der Boxerbewegung. Ausdruck des Wandels der europäisch-chinesischen Beziehungen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264975

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