Das
Modell
der
deliberativen
Demokratie,
welches
in
den
80er
Jahren
aufkam,
wurde
in
der
Vergangenheit
in
vielen
Punkten
auf
Grund
seines
basisdemokratischen
Charakters
kritisiert
und
als
idealistisch
und
nicht
anwendbar
abgestempelt.
In
Deutschland
wurde
das
Modell
der
deliberativen
Demokratie
insbesondere
von
dem
renommierten
Philosophen
Habermas
in
die
Forschung
eingebracht.
Bei
den
internationalen
Vertretern
und
Vertreterinnen
deliberativer
Demokratie
sind
unter
anderem
James
S
Fishkin
und
Seyla
Benhabib
von
großer
Bedeutung.
Der
wohl
bedeutendste
Ansatz
bei
der
Entwicklung
der
deliberativen
Demokratie
ist
hierbei
jedoch
vermutlich
Jürgen
Habermas
zuzuschreiben
(vgl.
Kost
2008:
30).
Das
Modell
der
deliberativen
Demokratie
entspricht
dem
von
vielen
Bürgern
geäußerten
Wunsch
nach
mehr
Mitbestimmung
und
einer
verstärkten
Einbeziehung
der
Öffentlichkeit
in
politische
Entscheidungen.
Ein
stetig
wachsendes
Unbehagen
darüber
wie
etablierte
Parteien
Entscheidungen
treffen,
ohne
dabei
die
Bevölkerung
einzubeziehen,
zeigt
sich
in
Deutschland
nicht
nur
an
Ereignissen
wie
Stuttgart
21.
Auch
das
plötzliche
Aufkommen
der
Piratenpartei,
mit
dem
Versprechen
politische
Entscheidungen
transparenter
zu
gestalten,
ist
ein
Indikator
für
das
Verlangen
nach
einer
neuen
Art
der
Politik.gestalten,
ist
ein
Indikator
für
das
Verlangen
nach
einer
neuen
Art
der
Politik.
Zwar
diskutiert
die
etablierte
Politik
mittlerweile
vordergründig
über
neue
Formen
der
Beteiligung
und
Einbeziehung
Betroffener
in
die
politischen
Entscheidungsfindungen,
jedoch
wurden
in
den
vergangenen
Legislaturperioden
kaum
partizipative
bzw.
deliberative
Komponenten
in
das
politische
Tagesgeschäft
integriert
(vgl.
Baus
2012:
5).
Das
Internet
hat
zunehmenden
Einfluss
auf
das
politische
und
gesellschaftliche
Entscheidungsgeschehen.
Dass
gerade
in
den
vergangenen
Jahren
der
Ruf
nach
neuen
Elementen
der
Mitbestimmung
immer
lauter
wurde
und
BürgerInnen
immer
öfter
den
öffentlichen
Diskurs
forderten,
ist
u.a.
auf
die
starke
Ausbreitung
des
Internets
zurückzuführen. So
bietet
die
digitale
Welt
neben
neuen
Wegen
der
Mobilisierung
des
gesellschaftlichen
Protests
auch
innovative
Kommunikationsmittel
wie
z.B.
Social
Medias...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Modell der deliberativen Demokratie
3. Die Neuen Sozialen Bewegungen und Öffentlichkeit
3.1 Charakteristika der Neuen Sozialen Bewegungen
3.1.1 Die neue Reichweite der Neuen Sozialen Bewegungen
3.1.2 Die alternativen Medien
3.1.3 Die Sozialisation der Akteure
3.2 Kriterien deliberativer Demokratie
3.2.1 Die räumlichen und organisatorischen Grenzen
3.2.2 Die Medien als „Gatekeeper“
3.2.3 Das Machtgefälle zwischen den Diskursteilnehmern
4. Das Internet und die Kriterien deliberativer Demokratie
4.1 Das World Wide Web
4.2 Die schwindende Macht der klassischen Massenmedien
4.3 Die digitale Spaltung der Gesellschaft
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob das Internet die Grundvoraussetzungen für eine deliberative Demokratie im Vergleich zu den Neuen Sozialen Bewegungen (NSB) der 70er Jahre tatsächlich verbessert hat. Dabei wird analysiert, inwieweit die digitale Welt die deliberative Teilhabe sowie die Machtstrukturen innerhalb politischer Entscheidungsprozesse nachhaltig verändert.
- Vergleich zwischen den Neuen Sozialen Bewegungen und dem Internetzeitalter.
- Analyse der deliberativen Kriterien: räumliche Grenzen, Gatekeeper-Funktion der Medien und Machtgefälle.
- Untersuchung der Rolle der klassischen Massenmedien gegenüber alternativen digitalen Inhalten.
- Evaluation der digitalen Spaltung der Gesellschaft und ihrer Auswirkungen auf Partizipationschancen.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die neue Reichweite der Neuen Sozialen Bewegungen
Ein Novum bzw. Merkmal der Neuen Sozialen Bewegung war die territoriale Reichweite, welche in dieser Form in vorherigen sozialen Bewegungen nicht vorzufinden war. So waren besonders die Friedens-, die Umwelt-, sowie die Frauenbewegung transnationale Bewegungen, die in zahlreichen Ländern untereinander vernetzt waren. Die transnationale Organisation und Kooperation innerhalb der verschiedenen Bewegungen wurde hauptsächlich durch eine zunehmende Mobilität der Akteure und durch neue technische Mittel des Informationsaustausches und der Kommunikation ermöglicht. Des Weiteren setzten die neuen Sozialen Bewegungen vermehrt auf eine transnationale Organisation, da die thematisierten gesellschaftlichen Probleme kaum auf der Ebene lediglich des Nationalstaates gelöst werden konnten, was besonders auf die Friedens- und für die Umweltbewegung zutrifft (vgl. Ottersbach 2003: 100).
Spätestens mit der Bonner Friedensdemonstration im Oktober 1981, welche über 300.000 TeilnehmerInnen zu verzeichnen hatte, gewann die westdeutsche Friedensbewegung die Aufmerksamkeit der nationalen, aber auch internationalen Presse und gewann so an medienpolitischer Macht. Zwar wurden in den internationalen konservativen Medien die deutschen Friedensbestrebungen eher ins Lächerliche gezogen und der Bewegung ein gewisser Anti-Amerikanismus vorgeworfen, jedoch waren die Großdemonstrationen in fast allen Hauptstädten Westeuropas ein Beweis für die Internationalität der Friedensbewegung. Die internationale Struktur und organisatorische Zusammenarbeit wuchs somit stetig an (vgl. Brand 1986: 216).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Theorie der deliberativen Demokratie ein und stellt die Forschungsfrage nach der Veränderung der Grundvoraussetzungen durch das Internet im Vergleich zu historischen Bewegungen.
2. Modell der deliberativen Demokratie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der deliberativen Demokratie und deren Anspruch auf basisdemokratische Partizipation und öffentliche Willensbildung.
3. Die Neuen Sozialen Bewegungen und Öffentlichkeit: Hier werden die Merkmale der Neuen Sozialen Bewegungen der 70er Jahre analysiert, um Kriterien für die Anwendung deliberativer Demokratie zu identifizieren.
4. Das Internet und die Kriterien deliberativer Demokratie: Die zuvor erarbeiteten Kriterien werden in diesem Kapitel auf das Internet und das digitale Zeitalter angewandt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten des Internets zur Förderung einer deliberativen Demokratie kritisch.
Schlüsselwörter
Deliberative Demokratie, Neue Soziale Bewegungen, Internetzeitalter, Basisdemokratie, Öffentlichkeit, Digitale Spaltung, Gatekeeper, politische Partizipation, soziale Ungleichheit, Informationsgesellschaft, Medienlandschaft, Netzaktivismus, Machtgefälle, Internetzugang, politische Willensbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das Internet die Bedingungen für eine deliberative Demokratie grundlegend verbessert hat oder ob es lediglich neue Formen von Ungleichheit schafft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Modell der deliberativen Demokratie, der Vergleich zu den Neuen Sozialen Bewegungen der 70er Jahre und der Einfluss digitaler Medien auf politische Entscheidungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob sich die Grundvoraussetzungen für deliberative Demokratie durch das Internet tatsächlich verbessert haben, wie es von Netzoptimisten oft angenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparativen Ansatz, bei dem das Internetzeitalter an drei spezifischen Kriterien (räumliche Grenzen, Gatekeeper-Funktion, Machtgefälle) mit der Zeit der Neuen Sozialen Bewegungen verglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte deliberativer Demokratie, die Charakteristika der Neuen Sozialen Bewegungen sowie die Anwendung dieser Kriterien auf das World Wide Web und die digitale Spaltung der Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind deliberative Demokratie, NSB, Gatekeeper-Funktion, digitale Spaltung und politische Partizipation.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Internets als „elektronische Agora“?
Der Autor sieht das Internet kritisch: Es ermöglicht zwar eine globale Vernetzung, fördert aber oft nicht den erhofften konsensorientierten, informierten Dialog, da in sozialen Netzwerken häufig provokante Standpunkte dominieren.
Warum wird die „Gatekeeper-Funktion“ so betont?
Die Funktion ist entscheidend, da sie bestimmt, welche Themen den öffentlichen Diskurs erreichen. Der Autor stellt fest, dass das Internet diese Funktion zwar technologisch verändert, die etablierten Massenmedien ihre Machtposition jedoch weiterhin behaupten.
- Citar trabajo
- Fabian Fischer (Autor), 2013, Das Modell deliberativer Demokratie., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264976