In den meisten Tätigkeitsfeldern von systemischen Therapeuten, Psychologen, Psychiater etc. entstehen Berührungspunkte zu Menschen. Zudem spielt häufig auch deren soziales Umfeld und ihre Wahrnehmung in dieser eine zentrale eine Rolle. Gerade in der therapeutischen Arbeit kommen diese Aspekte besonders zum Tragen. Sich aus diesem Grund mit der Systemtheorie, dem Gedanken der Autropoieses, Zirkularität, nur um ein paar wenige zu nennen, sich auseinandergesetzt zu haben empfinde ich als existenzielle Grundlage für systemisches Arbeiten und Handeln.
Um den Kern der auszuarbeitenden Methode des reflektierenden Teams Tom Andersens nachvollziehbar darlegen zu können, mit all ihren Hintergründen, soll der erste Teil dieser Arbeit die theoretischen Ansätze und Hintergründe die dieser Methode zugrundeliegen aufzeigen und erläutern.
Um den theoretischen Ansatz des Konstruktivismus und darüber hinaus entwickelte und genutzte Theorien wie zum Beispiel die Kybernetik 2. Ordnung und den radikalen Konstruktivismus näher zu erläutern, habe ich mich auf einige wenige von mir ausgewählten Vertreter dieser Erkenntnistheorie festgelegt, obgleich des Bewusstseins, dass diese Selektion nur Teilbereiche der Veranschaulichung zulässt und das breite Spektrum des vorliegenden theoretischen Ansatzes nicht gerecht wird. Die hier vorliegende Zusammenfassung erhebt aber weder den Anspruch noch besitzt sie die Notwendigkeit die ganzheitliche Erkenntnistheorie zum Ausdruck zu bringen.Vielmehr soll der Versuch unternommen werden einen kurzen Einblick in den Konstruktivismus, der Kybernetik 2. Ordnung und dem radikalen Konstruktivismus aufzuzeigen um eine Grundhaltung für das therapeutische Handeln zu veranschaulichen. Zugleich beanspruche ich zu keiner Zeit die wahren Ansichten wie auch die theoretische Ganzheitlichkeit der zitierten Autoren zu ermitteln, sondern lediglich eine kurze viable Interpretation von den wenigen Ansichten die mir als wichtig für therapeutisches Handeln erscheinen. Weiterführend wird in diesem Kapitel dieser Hausarbeit nicht vertiefend auf den „sozialen Konstruktivismus“ eingegangen, da sich dieser Ansatz meiner Auffassung nach nicht massgeblich vom Konstruktivismus und dem radikalen Konstruktivismus unterscheidet, obgleich des Bewusstseins, dass sich viele anerkannte erkenntnistheoretische Vertreter eher für eine eigenständige Theorie des „sozialen Konstruktivismus“ aussprechen. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Geschichte und theoretische Annahmen
A. Konstruktivistische Ansätze
1. Konstruktivismus
2. Radikaler Konstruktivismus
B. Das kybernetische Modell und Kybernetik der Systemtheorie
1. Kybernetik 1. Ordnung
1.1 Kybernetik 2. Ordnung
1.2 Konsequenzen der Kybernetik 2. Ordnung auf die systemische Praxis
C. Das Mailänder Modell
1. Ansatz und geschichtlicher Abriss des Mailänder Modells
1.1 Ursprüngliche Rahmenbedingungen des Mailänder Modells in der Therapie- und Beratungssituation
2. Einsatz und Bedeutung des zirkulären Fragens im Mailänder Modell
2.1 Bedeutung der Zirkularität für therapeutisches Handeln
II. Das Reflecting Team nach Tom Andersen
A. Grundannahmen des reflektierenden Teams
1. Geschichte und Hintergründe zur Entstehung des Reflecting Teams
B. Theoretische und praktische Begründung
C. Methodische Darstellung des reflektierenden Teams
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Implementierung des „Reflecting Team“ nach Tom Andersen innerhalb der systemischen Therapie, wobei ein besonderer Fokus auf die erkenntnistheoretischen Wurzeln und die Entwicklung durch das Mailänder Modell gelegt wird.
- Konstruktivistische Erkenntnistheorie und ihre Bedeutung für die therapeutische Grundhaltung.
- Die Evolution systemischer Ansätze von der Kybernetik 1. Ordnung zur 2. Ordnung.
- Historische Entwicklung und methodische Charakteristika des Mailänder Modells.
- Das Reflecting Team: Methodik, Setting und dessen Rolle im therapeutischen Prozess.
Auszug aus dem Buch
C. Methodische Darstellung des reflektierenden Teams
Im „Normalfall“ wird der Klient oder die Klienten (hilfesuchendes System) von einem Berater (systemsicher Therapeut= Interviewer) unabhängig vom reflektierenden Team interviewt (gerichtete Kommunikation), welches sich „Interviewsystem“ nennt. Weiterführend wird schon vor beginn des Interviews das reflektierende Team installiert, welches sich aus drei bis maximal vier Teammitglieder zusammensetzt und sich leicht außerhalb des Interviewsystems befindet. Dieses Team von Mitgliedern hat die Aufgabe des „Zu-Hörens“ inne und wird nach einiger Zeit vom Interviewsystem gebeten seine Beobachtungen und Ideen aus dem so genannten „Metalog“ einzuwerfen. In dieser Phase der Sitzung teilen sich die Teammitglieder des reflektierenden Teams untereinander ihre Ideen, Wahrnehmungen, Beobachtungen und Fragen mit. Dabei ist zu beachten, dass zu keinem Zeitpunkt dieser Konversation (Blick)- Kontakt zum Interviewsystem wie auch dem Hilfesuchenden System aufgenommen werden darf (ungerichtete Kommunikation), welches dem Interviewsystem wie auch dem hilfesuchendem System die Fähigkeit eröffnet während des Zu Hörens die Aspekte der Teammitglieder auf sich wirken zu lassen und dementsprechend spezifisch zu interpretieren. Anschließend wird das Gespräch mit dem Klienten und dem systemischen Therapeuten fortgesetzt wo sie dann über die entstandene Konversation des reflektierendes Teams und ihre Einfälle sprechen. Demzufolge kommunizieren sie über die Konversation des reflektierenden Teams und über die Konversation des Interviewsystems. In dem so genannten „Wechsel der Positionen“, kann der Interviewer um die Ideen des reflektierenden Teams bitten, dieses kann aber auch von seiner Seite her andeuten, dass er spezifische Ideen hat. Die Entscheidung darüber ob ein spezifischer Impuls eingebracht werden darf oder nicht, obliegt dem Interviewer oder dem Klienten. Die Teammitglieder des reflektierenden Teams reden meist 5 - 10 Minuten, selten länger, und wird vom Interviewsystem im Regelfall nicht unterbrochen. Anschließend hören die Teammitglieder des reflektierenden Teams dem Interviewsystem wieder gespannt zu, wobei der Interviewer zum Eingang der zweiten Phase dem Hilfesuchenden System drei Fragen stellt:
Zusammenfassung der Kapitel
I. Geschichte und theoretische Annahmen: Dieses Kapitel legt das theoretische Fundament, indem es den Konstruktivismus, die Kybernetik 2. Ordnung und die Entwicklung des Mailänder Modells als Basis für systemisches Arbeiten beleuchtet.
II. Das Reflecting Team nach Tom Andersen: Hier wird die Entstehung des Reflecting Teams, dessen theoretische Begründung sowie die konkrete methodische Durchführung im therapeutischen Setting detailliert dargestellt.
III. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der erkenntnistheoretischen Auseinandersetzung für die Praxis zusammen und reflektiert den Nutzen der vorgestellten Methoden für die systemische Arbeit.
Schlüsselwörter
Systemische Therapie, Reflecting Team, Tom Andersen, Konstruktivismus, Kybernetik 2. Ordnung, Mailänder Modell, Zirkularität, Systemtheorie, therapeutische Intervention, Autopoiesis, Kommunikation, systemisches Interview, soziale Systeme, Selbstreferenz, Beobachter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Methode des "Reflecting Team" nach Tom Andersen und arbeitet deren theoretische, erkenntnistheoretische und historische Hintergründe auf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Konstruktivismus, die Kybernetik, das Mailänder Modell sowie die spezifische Anwendung und Methodik des reflektierenden Teams.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Methode des Reflecting Teams wissenschaftlich fundiert darzulegen, ihre Herkunft zu beleuchten und ihre Anwendungsmöglichkeiten in der systemischen Beratung zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und theoriebasierte Aufarbeitung, um die Konzepte systemischer Therapie nachzuvollziehen und in einen fachlichen Kontext zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung (Konstruktivismus, Kybernetik, Mailänder Modell) und eine detaillierte methodische Darstellung des Reflecting Teams.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Systemische Therapie, Reflecting Team, Zirkularität und Konstruktivismus beschreiben den Kerninhalt der Arbeit am besten.
Warum spielt das Mailänder Modell eine so große Rolle für das Reflecting Team?
Das Mailänder Modell gilt als Vorläufer und Wegbereiter, dessen Techniken wie das zirkuläre Fragen Tom Andersen maßgeblich zur Entwicklung seiner eigenen Methode inspiriert haben.
Was ist mit dem „angemessen Ungewöhnlichen“ in dieser Methode gemeint?
Es beschreibt Impulse, die so gewählt sind, dass sie das System zur Reflexion anregen, ohne dabei so fremd oder verstörend zu wirken, dass die Integrität des Systems gefährdet würde.
Warum ist das Setting beim Reflecting Team so strikt geregelt?
Die Regeln dienen dazu, eine ungestörte Reflexion im Team zu ermöglichen und dem hilfesuchenden System gleichzeitig den Raum zu geben, die Impulse des Teams ohne direkten Konformitätsdruck zu verarbeiten.
- Citation du texte
- Silvio Wrozyna (Auteur), 2012, Theoretische und methodische Hintergründe des Reflecting Teams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264996