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Implizite Sozialisationstheorien in der deutschen Filmzensur

Eine Analyse des Spannungsfeldes zwischen der Medien- und Kunstfreiheit versus Zensureingriffen

Título: Implizite Sozialisationstheorien in der deutschen Filmzensur

Tesis (Bachelor) , 2013 , 62 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Tobias Laaf (Autor)

Sociología - Medios, arte, música
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Die vorliegende Bachelor-Thesis hat zum Ziel, den Konflikt zwischen gesetzlich garantierter
Medien- und Kunstfreiheit und den auf dem Jugendschutz- und Strafgesetz basierenden
Zensureingriffen zu untersuchen unter Berücksichtigung impliziter sozialisationstheoretischer
Konzepte und Erkenntnissen der Medienwirkungsforschung sowie rechtssoziologischer
Aspekte. Die Annahme, dass die Jugend im Hinblick auf die Sozialisationstheorien
und die Wirkung von Gewaltdarstellungen zu schützen sei, wird implizit unterstellt
und als realistisch angesehen. Allerdings soll evaluiert werden, ob eine Verknüpfung der
gesetzlichen Regelungen mit den theoretischen Ansätzen der Sozialisations- und Medienwirkungsforschung
aufgrund unzureichender empirischer Ergebnisse sowie fehlender
oder nicht eindeutiger Definitionen und unbestimmter Rechtsbegriffe im juristischen Sinne
überhaupt nachweisbar ist. Mit Hilfe einer kritisch-dialektischen Analyse soll außerdem ein
struktureller Zusammenhang zwischen restriktiv behandelten Filmprodukten und den soziokulturellen
Verhältnissen aufgezeigt werden, „der sich (…) in entweder juristisch verfügten
oder sozial verankerten Eingriffen in verfassungsmäßig verbriefte Grundrechte
niederschlägt“. Die hierin enthaltene und im weiteren Verlauf dieser Arbeit ebenfalls zu
untersuchende These besagt, „dass nicht nur die Medienprodukte selbst, sondern auch
die Zensur (…) [von gewaltdarstellenden Filmen] sowie die [daraus resultierenden] Verbotsumgehungsstrategien
als ein Spiegelbild der Gesellschaft zu betrachten sind.“ Jugendliche
müssen folglich vor Medien geschützt werden, die aus aktueller Sicht der Erwachsenen
nicht für ihre Sprösslinge geeignet sind oder gar dazu beitragen, eine kontraproduktive
Entwicklung ihrer Schützlinge hins. unmoralischen und aggressiven Verhaltens
abseits der sittlichen Normen zu fördern. Dass die zensierten oder gar verbotenen Medien
meistens nicht menschenverachtend oder gewaltverherrlichend im Sinne des § 131
Abs. 1 StGB sind, führt zu der Vermutung willkürlicher Eingriffe des Staates zum Schutz
der Gesellschaft und seiner selbst, nicht aber der Jugend. Dabei ist es u.a. von den bestehenden
Machtverhältnissen und den jeweiligen gesellschaftlichen Normen und Wertevorstellungen
abhängig, welche künstlerischen Produkte mit Tabus und Verboten belegt
werden und welche nicht. [...]

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik und Problemaufriss

2. Die geschichtliche Entwicklung der Filmzensur in Deutschland

2.1 Die Filmzensur von der Jahrhundertwende bis zur NS-Zeit

2.2 Die Filmzensur während der Zeit des Nationalsozialismus

2.3 Die Filmzensur von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart

2.4 Die FSK und weitere staatliche Institutionen der Filmzensur

3. Definition des Zensurbegriffs im Spannungsfeld der Grundrechte

3.1 Selbstzensur

3.2 Präventiv- und Prohibitivzensur

3.3 Formelle und materielle Zensur

4. Einführung in die Sozialisationstheorien

4.1 Definition des Sozialisationsbegriffs

4.2 Klassische Sozialisationstheorien

4.2.1 Die strukturfunktionalistische Systemtheorie

4.2.2 Die Handlungstheorie oder das Konzept des „symbolischen Interaktionismus“

4.3 Neuere sozialisationstheoretische Ansätze

4.3.1 Das Life-Course-Modell

4.3.2 Das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung (MpR)

4.4 Implizite Theorien als rechtliche Legitimation der Filmzensur

5. Einführung in die Medienwirkungsforschung

5.1 Definition des Gewaltbegriffs

5.2 Stand der Medienwirkungsforschung

5.3 Die Katharsisthese

5.4 Die Inhibitionsthese

5.5 Die Habitualisierungsthese

5.6 Die Suggestionsthese

5.7 Die Rationalisierungsthese

5.8 Lerntheoretische Ansätze

6. Die Filmzensur in der Praxis

6.1 „The Texas Chainsaw Massacre“ – Beschlagnahme und Urteilsbegründungen

6.2 Vergleich mit aktuellen Beschlagnahmen

6.3 Die deutsche Zensurhärte im Vergleich zu anderen europäischen Ländern

7. Fazit

7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse

7.2 Ausblick und neue Lösungsansätze

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht das Spannungsfeld zwischen gesetzlich garantierter Medien- und Kunstfreiheit und restriktiven Zensureingriffen im deutschen Filmwesen, basierend auf Jugendschutz- und strafrechtlichen Regelungen, unter Einbeziehung impliziter sozialisationstheoretischer Ansätze und der Medienwirkungsforschung.

  • Konfliktanalyse zwischen Grundrechten und staatlicher Zensurpraxis.
  • Evaluation sozialisationstheoretischer Konzepte als Legitimation für Eingriffe.
  • Kritische Würdigung empirischer Ergebnisse der Medienwirkungsforschung.
  • Praxisanalyse am Beispiel von „The Texas Chainsaw Massacre“.
  • Vergleich der deutschen Zensurhärte mit europäischen Nachbarländern.

Auszug aus dem Buch

6.1 „The Texas Chainsaw Massacre“ – Beschlagnahme und Urteilsbegründungen

Der Horrorstreifen „The Texas Chainsaw Massacre“ hat sowohl in der Film- als auch in der Zensurgeschichte ein einschlägiges Kapitel geschrieben. „Das [hier] zusammengetragene Material ermöglicht spannende Einblicke in eine vergangene bundesrepublikanische Medienrealität“ und offenbart ein fatales Spannungsverhältnis zwischen künstlerischen Freiheitsrechten der Filmemacher und zensierenden Kontrollinstanzen. Der Prototyp des damals neuen Horrorgenres, des Terrorfilm, lief 1978 vier Jahre nach der US-Premiere erstmals in den deutschen Kinos unter dem abgewandelten und weniger brutal anmutenden Titel „Blutgericht in Texas“. Nach der Veröffentlichung auf Videokassette mit dem Namen „Kettensägen-Massaker“ wurde er von der BPjM am 20.12.1982 indiziert, nicht zuletzt aufgrund des „Schmuddel-Images“, welches dem neuen Kassettenmedium anhaftete.

Der Horrorschocker im Low-Budget-Format des Regisseurs, Autors und Produzenten Tobe Hooper, in dem fünf junge Erwachsene dem grotesk maskierten, vom Serienmörder Ed Gein inspirierten Schlächter „Leatherface“ auf kannibalische Art und Weise zum Opfer fallen, ist nach Auslegung der Sittenwächter dazu geeignet, Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren und erfüllt somit das Tatbestandsmerkmal „sittlich zu gefährden“. Durch die expliziten Gewaltdarstellungen gehe man von einer Jugendgefährdung aus, da die Darbietung der Handlungen in erheblichem Maße verrohend wirke. Bei der Aufführung der Indizierungsgründe stützt sich der Antragsteller auch auf die theoretischen Ansätze der Sozialisations- und Medienwirkungsforschung, unter deren Annahme eine erhöhte Aggressivität von Jugendlichen nach dem Konsum gewalthaltiger Medien nachzuweisen sei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in die Thematik und Problemaufriss: Darstellung der Problematik staatlicher und privatrechtlicher Zensureingriffe in Deutschland und der damit verbundenen gesellschaftlichen Diskussion.

2. Die geschichtliche Entwicklung der Filmzensur in Deutschland: Historischer Rückblick auf Zensurinstanzen von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart unter Berücksichtigung politischer Wertewandel.

3. Definition des Zensurbegriffs im Spannungsfeld der Grundrechte: Analyse des Zensurbegriffs im Kontext der verfassungsrechtlich geschützten Medien- und Kunstfreiheit.

4. Einführung in die Sozialisationstheorien: Analyse verschiedener sozialisationstheoretischer Modelle als Grundlage für die jugendschutzrechtliche Begründung von Zensur.

5. Einführung in die Medienwirkungsforschung: Evaluierung wissenschaftlicher Thesen zur Wirkung medialer Gewalt auf Rezipienten und deren Eignung als Zensurbegründung.

6. Die Filmzensur in der Praxis: Fallbeispiel „The Texas Chainsaw Massacre“ zur Verdeutlichung repressiver Vorgehensweisen und Vergleich mit anderen europäischen Ländern.

7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion neuer Lösungsansätze zur Stärkung der künstlerischen Freiheit.

Schlüsselwörter

Filmzensur, Medienfreiheit, Kunstfreiheit, Jugendschutz, Sozialisationstheorie, Medienwirkungsforschung, Gewaltdarstellung, BPjM, FSK, § 131 StGB, Beschlagnahme, Indizierung, The Texas Chainsaw Massacre, Rezeptionsverhalten, Medienkompetenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der grundgesetzlich garantierten Medien- und Kunstfreiheit und den staatlichen sowie privatrechtlichen Zensureingriffen in Deutschland.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind der Jugendschutz, die Geschichte der Filmzensur, sozialisationstheoretische Konzepte sowie die wissenschaftliche Medienwirkungsforschung in Bezug auf fiktionale Gewaltdarstellungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu evaluieren, ob sich staatliche Zensurmaßnahmen durch sozialisationstheoretische Erkenntnisse und empirische Medienwirkungsforschung rechtfertigen lassen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kritisch-dialektische Analyse, um den Zusammenhang zwischen restriktiver Zensur, gesellschaftlichen Wertvorstellungen und theoretischen Modellen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur Sozialisation und Medienwirkung, vergleicht internationale Zensuransätze und diskutiert die Praxis anhand konkreter Filmbeispiele.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Filmzensur, Medienfreiheit, Jugendschutz, Sozialisationstheorie, Medienwirkungsforschung, Gewaltdarstellung und § 131 StGB.

Warum ist das Beispiel „The Texas Chainsaw Massacre“ für die Analyse so bedeutsam?

Es dient als einschlägiges Fallbeispiel, da es die historische Entwicklung der Zensur, die willkürliche Auslegung von Rechtsbegriffen und den Wertewandel im Umgang mit Horrorklassikern über Jahrzehnte hinweg exemplarisch aufzeigt.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die deutsche Zensurhärte?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die deutsche Filmzensur im europäischen Vergleich unverhältnismäßig streng ist und oft eher politische Ängste widerspiegelt, statt auf belastbaren wissenschaftlichen Wirkungsnachweisen zu basieren.

Final del extracto de 62 páginas  - subir

Detalles

Título
Implizite Sozialisationstheorien in der deutschen Filmzensur
Subtítulo
Eine Analyse des Spannungsfeldes zwischen der Medien- und Kunstfreiheit versus Zensureingriffen
Universidad
University of Applied Sciences for Public Administration of North Rhine-Westphalia; Köln
Calificación
1,3
Autor
Tobias Laaf (Autor)
Año de publicación
2013
Páginas
62
No. de catálogo
V265025
ISBN (Ebook)
9783656544906
ISBN (Libro)
9783656545552
Idioma
Alemán
Etiqueta
implizite sozialisationstheorien filmzensur eine analyse spannungsfeldes medien- kunstfreiheit zensureingriffen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Tobias Laaf (Autor), 2013, Implizite Sozialisationstheorien in der deutschen Filmzensur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265025
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Extracto de  62  Páginas
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