Bei der Lektüre zum Thema “Die Hochzeit des Figaro” fällt folgender Absatz aus Stefan Kunzes Abhandlung “Mozarts Opern”, Kap. 4, ins Auge:
„Daß die Personen ausschließlich im Ensemble, durch die Handlungen und Situationen, in die sie verstrickt werden und in denen sie sich zu bewähren haben, ihr unverwechselbares Profil gewinnen, trifft in besonderem Maße für „Le Nozze di Figaro“ zu. Das Werk Mozarts und da Pontes ist keine „Charakterkomödie“, wie stets irrtümlich angenommen wird. (…)
Der Irrtum liegt freilich nahe, Mozarts Musik oder gar seiner Intention Charakterdarstellung zu unterstellen.“
Um Stefan Kunzes Behauptung einen Gegenposition entgegen zu stellen, beschränkt sich dieses Referat auf die Analyse ausgewählter Solo-Gesangsnummern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Analyse ausgewählter Arien
- Cavatina Nr. 3, "Se vuol ballare, signor contino"
- Aria Nr. 6, "Non so piü cosa son, cosa faccio"
- Aria Nr. 27, "Deh, vieni, non tardar"
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Das Referat zielt darauf ab, Stefan Kunzes Behauptung, dass die Personen in Mozarts "Figaro" ausschließlich durch Ensemble und Situation charakterisiert werden, zu widerlegen. Es analysiert ausgewählte Solo-Gesangsnummern, um zu zeigen, wie die Musik die Charaktere der Oper prägt.
- Musik als Sprache der Charakterdarstellung
- Analyse von Arien als Ausdruck der Figuren
- Beziehung zwischen Musik und Text
- Entwicklung der Charaktere durch musikalische Mittel
- Vergleich verschiedener Interpretationen der Musik
Zusammenfassung der Kapitel
Die Cavatina Nr. 3 "Se vuol ballare, signor contino" ist Figaros erste Arie und bietet einen Einblick in seinen Charakter. Die Arie zeichnet sich durch einen Tanzcharakter aus, der jedoch durch Figaros ironische und respektlose Haltung gegenüber dem Grafen untergraben wird. Die Musik spiegelt Figaros Überlegenheit und seinen Kampf um die Kontrolle wider, wobei das Menuett-Tempo als Symbol für gesellschaftliche Etikette dient.
Cherubinos Arie Nr. 6 "Non so piü cosa son, cosa faccio" zeichnet sich durch ihre schwärmerischen Melodien und die Verwendung von Verzierungen aus. Die Musik spiegelt seine Rastlosigkeit und sein unbestimmtes Sehnen nach Liebe wider. Die Arie endet mit einem tragischen c-moll, das Cherubinos pubertäre Stimmungsumschwung vom "himmelhoch jauchzend" zum "zu Tode betrübt" verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Oper "Die Hochzeit des Figaro", die Musiksprache, die Charakterdarstellung, die Analyse von Arien, die Beziehung zwischen Musik und Text, die Entwicklung der Charaktere durch musikalische Mittel und die Interpretation von Mozarts Musik.
Häufig gestellte Fragen
Ist „Die Hochzeit des Figaro“ eine reine Charakterkomödie?
Während Stefan Kunze dies verneint, versucht dieses Referat durch die Analyse von Solo-Arien zu zeigen, dass die Musik sehr wohl zur gezielten Charakterdarstellung der Figuren dient.
Was verrät die Cavatina „Se vuol ballare“ über Figaro?
Die Musik spiegelt Figaros Ironie und Respektlosigkeit gegenüber dem Grafen wider. Das Menuett-Tempo wird hier als Mittel genutzt, um gesellschaftliche Etikette musikalisch zu untergraben.
Wie wird Cherubinos Charakter musikalisch dargestellt?
In der Arie „Non so più cosa son“ verdeutlichen schwärmerische Melodien und abrupte Stimmungswechsel in der Musik seine pubertäre Rastlosigkeit und Sehnsucht.
Welche Rolle spielt die Beziehung zwischen Musik und Text?
Die Musik geht oft über den reinen Text hinaus und verleiht den Worten eine tiefere psychologische Ebene, die den wahren Charakter der handelnden Personen offenbart.
Was ist das Ziel der musikalischen Analyse in diesem Referat?
Das Ziel ist es, die Musik als eigenständige Sprache der Charakterisierung zu begreifen und zu belegen, dass Mozarts Figuren ihr Profil nicht nur im Ensemble gewinnen.
Welche Arien werden im Text analysiert?
Analysiert werden Figaros „Se vuol ballare“, Cherubinos „Non so più cosa son“ und Susannas „Deh, vieni, non tardar“.
- Quote paper
- Johanna Scriba (Author), 1988, Musik als Sprache im Figaro, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265075