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Die XXII. Olympischen Sommerspiele 1980 von Moskau im Zeichen des Boykotts

Eine Medienanalyse

Titel: Die XXII. Olympischen Sommerspiele 1980 von Moskau im Zeichen des Boykotts

Masterarbeit , 2010 , 81 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: B.A. Christian Wiedemeier (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Das Glockenspiel vom Kreml läutete Olympia ein oder das, was davon übrig blieb. Moskau bot eine Ouvertüre von Weihe und Wucht. Gigantisches Marionettenspiel. (...) Von der Zurschaustellung kerniger Jugend nach der Leitbildung der Körperkultur bis zum Paradeschritt, mit dem sie die Olympiaflagge zu Beethovens Hymne an die Freude ins Stadion trugen. (...) Hundert Völker der Sowjetunion in sozialistischer Lebensfreude vereint. Brot und Spiele wie im alten römischen Kaiserreich. Kriegshelden und Gladiatoren werden ähnlich pompös in das Kolosseum eingezogen sein. Ja, sogar ein römischer Feldherrenwagen – welch peinlicher Kitsch – durfte in Moskau nicht fehlen. Fanfaren schmettern, Tauben schwirren auf – offenbar haben sie aber die Friedenspost für Afghanistan liegenlassen. Mixtur aus byzantinischem Pomp und sozialistischem Bombasmus. Gesten des Protests. Die Magier aus dem Kreml ersparten den Fernsehzuschauern im Lande und in aller Welt den Blick auf die störenden Olympiafahnen. Der Kommentator des sowjetischen Fernsehens nannte die Demonstration einen plumpen Komplott, der fehlgeschlagen ist und erklärte, es handele sich um Länder, in denen die Sportler im Konflikt mit ihren Regierungen lebten. Trauer muß Olympia tragen. (…) Als ihn (Breschnew, Anmerkung des Verfassers) der Beifall von den Rängen des Leninstadions erreichte und durch keinen einzigen Pfiff gestört wurde, hob er den rechten Arm, kein Winken – halb Segen, halb imperiale Geste. Im Gänsemarsch folgten die top twenty der sowjetischen Nomenklatur. Im großen Geviert zwischen der Uniformierten-Kette am Rande der Aschenbahn und dem steinernen Baldachin der Führung gruppierte sich die Creme der sowjetischen Gesellschaft. Die Begleiterinnen der Dekorierten schienen bisweilen westlichen Modejournalen entstiegen.“.

So beschrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 19. Juli 1980 ihre Eindrücke von der Eröffnungsfeier der XXII. Olympischen Sommerspiele in Moskau. Der fünfte IOC-Präsident Avery Brundage bezeichnete Olympia einst als „die größte soziale Kraft dieser Welt.“ Seine Begründung: „Wo anders kann man Kommunisten, Kapitalisten, Royalisten und Sozialisten vereint marschieren sehen, wenn nicht bei den Olympischen Spielen.“ Doch 1980 in Moskau war es anders, wie die Schilderung der FAZ schon ahnen lässt, wo abfällige Äußerungen über den Sozialismus und Begriffe wie Protest oder Komplott fielen. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

I. 1 Olympische Spiele, Politik und Medien

I. 2 Die deutsche Sportberichterstattung der 1980er Jahre

I. 3 Methode und Grundlagen der Untersuchung

II. Der Boykott von Moskau – Eine Medieninhaltsanalyse

II. 1 Die NATO erwägt erstmals einen Boykott der Olympischen Sommerspiele

II. 2 Die 82. IOC-Session in Lake Placid

II. 3 Das US-amerikanische IOC überlässt Präsident Carter die Teilnahmeentscheidung

II. 4 Internationale Sportlerinitiativen für Olympia

II. 5 Die Idee einer „Gegen-Olympiade“

II. 6 Britisches NOK entscheidet sich für eine Teilnahme

II. 7 Die Bundesregierung rät dem NOK von einer Olympiateilnahme ab

II. 8 Das NOK der Vereinigten Staaten entscheidet gegen eine Olympiateilnahme

II. 9 Reaktionen auf den Rat der Bundesregierung

II. 10 Der einflussreiche DSB-Präsident Willi Weyer

II. 11 Die entscheidende Sitzung des NOKs der Bundesrepublik

II. 12 Die Olympiavorbereitungen

II. 13 Die 83. IOC-Session in Moskau

II. 14 Die XXII. Olympischen Sommerspiele von Moskau

II. 15 Die Olympiaberichterstattung in Ost und West

II. 16 Abschlussfeier und Fazit der Presse

III. Fazit

III. 1 Die Bedeutung der Medien in der Boykottdebatte

III. 2 Die Standpunkte der Zeitungen

IV. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die mediale Berichterstattung und politische Debatte rund um den Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau anhand von drei deutschen Tageszeitungen (FAZ, Frankfurter Rundschau, Neues Deutschland), um die Verflechtung von Sport und Politik während des Kalten Krieges aufzuzeigen.

  • Analyse der Boykottdebatte im Zeitraum Januar bis August 1980.
  • Vergleich der Berichterstattung unterschiedlicher politischer Presselandschaften (BRD und DDR).
  • Untersuchung der Einflussnahme von Politik auf die Sportorganisationen (NOKs).
  • Chronologische Darstellung der Ereignisse von den ersten NATO-Überlegungen bis zur Durchführung der Spiele.
  • Reflektion über die Instrumentalisierung des Sports als politisches Mittel.

Auszug aus dem Buch

II. 1 Die NATO erwägt erstmals einen Boykott der Olympischen Sommerspiele

Nach der Sitzung des NATO-Rates am 1. Januar in Brüssel, auf der NATO-Generalsekretär Joseph Luns erstmals von einem Boykott der Olympischen Spiele in Moskau als „Gegenmaßnahme“ zu der sowjetischen Intervention in Afghanistan sprach, begann man weltweit die Bedrohung Olympias durch einen eventuellen Boykott zu realisieren.

Der Präsident des bundesdeutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Willi Daume, warnte in der FAZ vom 4. Januar vor „unabsehbaren Folgen für den internationalen Sport“ und „dem Anfang vom Ende“ der Olympischen Spiele. Es bestünde die Gefahr, „daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten“ als Reaktion von den Winterspielen in Lake Placid und den Sommerspielen 1984 in Los Angeles fernblieben.

Unterstützung erhielt Daume für sein Plädoyer von Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wischnewski betonte, dass nur politische Maßnahmen geeignet wären, um Druck auf Moskau auszuüben. Diese Einschätzung einiger Parteien sollte sich jedoch im Laufe der folgenden Wochen und Monate entscheidend ändern.

Ignati Nowikow, Stellvertreter des Vorsitzenden des UdSSR-Ministerrates und Vorsitzender des Organisationskomitees (OK) der Moskauer Spiele, sah die Olympiade zu diesem Zeitpunkt durch einen eventuellen Boykott jedoch nicht gefährdet und ging im Interview mit dem Neuen Deutschland (ND) von einer Teilnahme von 125 bis 130 Staaten aus.

„Zugleich müsse man aber feststellen, daß die Olympischen Sommerspiele 1980 im Ausland nicht nur Freunde, sondern auch Feinde hätten, die versuchen, diese Sportveranstaltung dazu zu mißbrauchen, die UdSSR zu verleumden und zu diffamieren und die politische Atmosphäre in der Welt zu vergiften. (...) Diese Machenschaften erhalten jedoch überall eine gebührende Abfuhr durch die fortschrittlich gesinnte Öffentlichkeit.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Thema der Verknüpfung von Sport und Politik sowie Darlegung der Untersuchungsmethode.

II. Der Boykott von Moskau – Eine Medieninhaltsanalyse: Detaillierte chronologische Analyse der politischen Ereignisse und der entsprechenden Presseberichte bis hin zu den Spielen.

III. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Medienrolle und der unterschiedlichen Standpunkte zur Boykottdebatte.

IV. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Olympische Spiele, Moskau 1980, Boykott, Kalter Krieg, Sport und Politik, Medienanalyse, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Willi Daume, IOC, Afghanistan-Konflikt, Pressefreiheit, Propaganda, Sportberichterstattung, Internationale Beziehungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit den Hintergründen und der medialen Begleitung des Boykotts der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau durch westliche Staaten als Reaktion auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die politisch motivierte Einflussnahme auf den Sport, der Vergleich der Berichterstattung in unterschiedlichen politischen Mediensystemen und die Rolle der Nationalen Olympischen Komitees.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Analyse der chronologischen Entwicklung der Boykottdebatte und die Untersuchung, inwiefern der Sport als politisches Instrument missbraucht wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der Medieninhaltsanalyse anhand dreier ausgewählter Tageszeitungen (FAZ, FR, ND) über den Zeitraum vom 1. Januar bis 6. August 1980.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Verlauf der Debatte nachgezeichnet, beginnend bei den ersten NATO-Überlegungen über die Positionierung der NOKs bis hin zur Eröffnung der Spiele und der Berichterstattung während des Wettbewerbs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Boykott, Olympische Spiele, Kalter Krieg, Medieninhaltsanalyse und der Konflikt zwischen sportlicher Autonomie und staatlicher Einflussnahme.

Warum spielt die Rolle der Presse in der Arbeit eine so große Rolle?

Weil die Presse als Spiegel der politischen Meinung im Kalten Krieg fungierte und maßgeblich zur Meinungsbildung von Sportlern und Funktionären beitrug.

Wie unterscheidet sich die Berichterstattung der Zeitungen?

Die Zeitungen spiegelten die jeweiligen politischen Ausrichtungen wider: Das Neue Deutschland vertrat die SED-Linie, während FAZ und Frankfurter Rundschau unterschiedliche westdeutsche Perspektiven (liberal-konservativ bis links-liberal) einnahmen.

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die XXII. Olympischen Sommerspiele 1980 von Moskau im Zeichen des Boykotts
Untertitel
Eine Medienanalyse
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,3
Autor
B.A. Christian Wiedemeier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
81
Katalognummer
V265109
ISBN (eBook)
9783656546290
ISBN (Buch)
9783656547631
Sprache
Deutsch
Schlagworte
xxii olympischen sommerspiele moskau zeichen boykotts eine medienanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Christian Wiedemeier (Autor:in), 2010, Die XXII. Olympischen Sommerspiele 1980 von Moskau im Zeichen des Boykotts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265109
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Leseprobe aus  81  Seiten
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