Muslime in Deutschland. Problematiken der Integration


Seminararbeit, 2013

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hybride Identitäten und Desintegration – Leben zwischen zwei Kulturen

3 Islamische Jugendkulturen und Jugendszenen

4 Das Kopftuch als Integrationshindernis

5 Moscheekonflikte
5.1 Warum es Moscheebaukonflikte gibt
5.2 Fallbeispiel: Die „Merkez-Moschee“ in Essen

6 Schlussbetrachtung/ Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Muslime werden in der deutschen Öffentlichkeit häufig immer noch als Fremde angesehen und mit negativen Vorurteilen behaftet. Deutschland ist jedoch schon lange kein Land mehr, in welchem lediglich deutschstämmige Bürger leben. Viele Familien mit Migrationshintergrund leben hier bereits in der dritten Generation. Eine große Anzahl kam als Gastarbeiter zwischen den 60er und 80er Jahren nach Deutschland. Trotz dieser langen Zeitspanne ist man von einer gelingenden Integration aber noch weit entfernt. Welche Integrationsprobleme treten demnach im Alltag auf? Zu Beginn widmet sich diese wissenschaftliche Arbeit der Schilderung des Begriffs der „hybriden Identitäten“. Es wird weiterhin Bezug genommen auf eine mögliche Desintegration, die sich vollziehen kann. Das darauf folgende Kapitel gibt einen Einblick in islamische Jugendkulturen und Jugendszenen. Nachfolgend wird der Streit um das Kopftuch betrachtet. Hier wird der Frage nachgegangen, ob dieses Kleidungsstück tatsächlich ein Integrationshindernis darstellt. Im Anschluss werden die Problematiken um den Moscheebau in Deutschland erörtert. Es wird ein Fallbeispiel gegeben. Es folgen eine Schlussbetrachtung und ein Ausblick.

In dieser Arbeit wird Bezug auf in Deutschland lebende Bürger mit türkischem Migrationshintergrund genommen, da diese den größten Anteil der in Deutschland lebenden Muslime ausmacht.

Da es sich bei der Thematik um ein weitreichendes Themengebiet handelt und um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu überschreiten, wurden die Erläuterungen, auf die am wichtigsten Erachteten eingeschränkt und die Begriffsklärungen kurz gehalten.

2 Hybride Identitäten und Desintegration – Leben zwischen zwei Kulturen

Um „hybride Identitäten“ handelt es sich, wenn „[...] ein Mensch sich zwei oder mehreren kulturellen Räumen gleichermaßen zugehörig fühlt“ (Foroutan & Schäfer 2009, S. 11). Weiterhin kennzeichnet der Begriff „[...] ein weites Spektrum, welches sich mit Aushandlungen kultureller Zugehörigkeiten auseinandersetzt“ (Foroutan & Schäfer 2009, S. 12). In dieser Arbeit wird der Schwerpunkt auf „zweiheimische“ Menschen mit muslimischem Migrationshintergrund in Zusammenhang mit einer deutschen Identität gelegt (vgl. Foroutan & Schäfer 2009, S. 11).

Der Prozess der Einordnung muslimischer Jugendlicher in die Gesellschaft erfolgt an der Seite ihrer nicht-muslimischen Altersgenossen und führt mitunter zur Hybridität. Hier werden „[...] Deutsch-Sein, ethnische Herkunft und Religion als sich ergänzende Aspekte der eigenen Identität zusammengeführt [...]“ (Nordbruch 2010, S. 35).

Personen mit hybrider Identität werden in der breiten Öffentlichkeit als „Ausländer“ erkannt und somit fälschlicherweise als Fremde stigmatisiert. Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund kann die kontinuierliche Frage nach deren Herkunft zu einer Desintegration führen. Diese kann sich auf sozial-struktureller, institutioneller und personaler Ebene vollziehen. Die sozial-strukturelle Ebene bezieht sich auf ungleiche Chancen auf Bildung und Arbeit (vgl. Foroutan & Schäfer 2009, S. 12f). Die IGLU – Studie 2006 und die PISA – Studien der OECD haben hier außerdem gezeigt, dass der soziale Hintergrund besonders in Deutschland über schulische Leistungen und Bildungsabschlüsse entscheidet (vgl. Valtin 2008, S. 12ff). Menschen mit Migrationshintergrund haben es demnach ungleich schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Des Weiteren ist eine erhöhte „Islamophobie“ in Deutschland zu beobachten. Die institutionelle Ebene bezeichnet die Schwierigkeiten, welche nachfolgende Generationen von Migranten bei dem Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft haben. Auch hier findet eine Charakterisierung und Entwertung als „Ausländer“ statt. Eine positive Identitätsentwicklung wird somit unterdrückt. Die personale Ebene zeigt die Zerrissenheit der zweiten Migrationsgeneration zwischen den beiden Kulturen. Probleme die auftreten können, sind der Bruch mit der Herkunftskultur und deren traditionellen Normen und Werten sowie Ablehnung und Nichtbeachtung. Vor allem bei muslimischen Jugendlichen lässt sich ein Identifikationskonflikt aufgrund der mangelnden Beachtung ihrer Hybridität feststellen (vgl. Foroutan & Schäfer 2009, S. 12f). In einigen Fällen können sich in der zweiten und dritten Generation negative Identitäten und Einstellungen gegen die westliche Kultur entwickeln, bis hin zur Zuwendung zum islamischen Fundamentalismus. Hier wird auch vor radikalen Äußerungen nicht zurückgeschreckt. Weiterhin wird beobachtet, dass in diesem Zusammenhang neue Identitäten hervortreten, die sich durch das Glaubensbekenntnis zum Islam und dem Abgrenzen von der deutschen Kultur definieren. Man spricht hier vom „Neo-Islam“. Dieser ermöglicht jungen Muslimen eigene Entwicklungsmöglichkeiten und weist eine andere Ausrichtung vor, als die traditionellen Lebensweisen der Eltern. Eine Variation stellt die „popislamische“ Ausrichtung dar, die im nachfolgenden Kapitel näher betrachtet werden soll (vgl. Foroutan & Schäfer 2009, S. 13f).

3 Islamische Jugendkulturen und Jugendszenen

Wie bereits erwähnt, stellt der „Pop-Islam“ eine Abgrenzung von Traditionen und Lebenswegen älterer Generationen dar. In seiner Ganzheit wird ein moderner Lebensstil mit der Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft und dem islamischen Glauben verbunden. Diese „popislamische“ Jugendkultur hat derweil an Popularität zugenommen und sogar das Interesse von „Nicht-Islamischen“ geweckt (vgl. Nordbruch 2010, S. 34). Es handelt sich um einen vagen Begriff der sich im Besonderen an den äußeren Rahmen dieser Szene durch Undeutlichkeit kennzeichnet. „Zum einen geht es dabei um eine zunehmende Öffnung zum jugendkulturellen Mainstream [...]“, „Zum anderen deutet die Popularität von Internetseiten wie muslimhiphop.net auf eine Übernahme von popkulturellen Elementen in radikal-islamischen Strömungen hin“ (Nordbruch 2010, S. 37). Der Einfluss des Islam auf das alltägliche Leben stellt hier nur einen Teilaspekt dar. Es werden unterschiedliche Identitätsmodelle genannt, wie religionsferne beziehungsweise wenig religiöse, an Traditionen und religiösen Normen gerichtete, nationalistisch-islamische und aktivistisch-islamische Jugendliche. Einflüsse kommen unter anderem aus der Familie und den Medien der Herkunftsländer (vgl. Nordbruch 2010, S. 35). Der Glaube, in Bezug auf Exempel wie die Häufigkeit des Betens, ist bei Jugendlichen demnach unterschiedlich ausgeprägt. Die Religion ist jedoch im alltäglichen Leben junger Muslime nicht wegzudenken und ist weiterhin von großer Wichtigkeit; mit dem Unterschied, dass andere Vorstellungen als die der älteren Generationen vorherrschen. Festzustellen ist außerdem, dass viele junge Muslime dazu geneigt sind ihre religiöse Zuordnung gegenüber nicht-islamischen Deutschen offenzulegen. Selbst bei Jugendlichen, die in ihrer Kindheit wenige Berührungspunkte mit Religion hatten, kann ein umso deutlicheres Bekenntnis zum Islam erfolgen. Das offene Bekenntnis zum Islam lässt sich unter anderem damit Begründen, dass negativen Erfahrungen wie Diskriminierung im Alltag selbstbewusst gegenübergetreten wird und dies ein Statement zu Problematiken wie Rassismus und „Islamophobie“ darstellen soll. Des Weiteren ist auch eine Absonderung von den Eltern eine Möglichkeit (vgl. Nordbruch 2010, S. 36). Aktuelle Studien zeigen hier, dass sich eine bestimmte Anzahl der Jugendlichen beabsichtigt auf den Islam beruft, um der Suche nach einer eigenen Lebensart im modernen Zeitalter nachzugehen. Sie begeben sich auf die Suche nach dem „wahren Islam“ und entwickeln „authentische Ich-Identitäten“, indem sich betont an der Religion orientiert wird (vgl. Gesemann 2006, S. 8).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Muslime in Deutschland. Problematiken der Integration
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V265118
ISBN (eBook)
9783656546139
ISBN (Buch)
9783656547266
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
muslime, deutschland, problematiken, integration
Arbeit zitieren
Phil Gerhardt (Autor:in), 2013, Muslime in Deutschland. Problematiken der Integration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265118

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