Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht der Primarstufe und Sekundarstufe I


Seminararbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Entdeckendes Lernen
1.1 Die konstruktivistische Theorie des Lernens
1.1.1 Zentrale theoretische Aussage des Konstruktivismus
1.1.2 Lernen als Konstruktion
1.2 Entdeckendes Lernen
1.2.1 Grundannahmen und Merkmale
1.2.2 Rolle des Schülers
1.2.3 Rolle des Lehrers
1.3 Problematik in der Anwendung
1.3.1 Problematik des geschlossenen Unterrichts
1.3.2 Problematik des entdeckenden Unterrichts
1.3.3 Lösungsvorschläge für den entdeckenden Unterricht
1.3.4 Argumente zur Stärkung des entdeckenden Unterrichts

2 Anwendung im Mathematikunterricht
2.1 Kriterien aktiv-entdeckender Aufgaben
2.2 Anwendung in der Primarstufe
2.3 Anwendungsbeispiel in der Sekundarstufe I

Schlussbetrachtung

A Bibliografie

B Erklärung

Einleitung

Lernen ist nicht bloße Kopie von Modellen,

nicht das passive Komplement zur Lehre.

(Brügelmann 1992, 3)

Mit diesem Zitat Brügelmanns will ich in die grundlegende Thematik meiner Hausarbeit einführen. Das entdeckende Lernen als Lerntheorie des Konstruktivismus ist bereits seit einigen Jahren fest in den Kernlehrplänen der Primar- und Sekundarstufe I festgehalten. Dennoch fehlt der Mut einiger Lehrer[1] sich diesem Thema zu nähern und dessen Umsetzung zu stärken, da Entdecken eine Öffnung und damit auch ein Zurücknehmen der frontalen und geschlossenen Lehrtätigkeit bedeutet. Um jedoch der Distanz zum entdeckenden Lernen entgegenzuwirken, will ich in meiner Hausarbeit die Grundlagen dieser Lerntheorie beleuchten, die Anwendung im Mathematikunterricht der Primar- und Sekundarstufe I erläutern und vor allem die Problematik des entdeckenden Unterrichts diskutieren.

Die Motivation zu diesem Thema entstand sowohl aus der im Seminar betriebenen Grundlagenforschung in der Beschäftigung mit den basalen Lerntheorien der pädagogischen Psychologie, als auch aus den Möglichkeiten und Grenzen der Öffnung des Unterrichts. Aus Interesse zu beiden Schwerpunkten des Seminarzusammenhangs entstand die Thematik meiner Hausarbeit.

Um sich dem entdeckenden Lernen nun zu nähern, versuche ich mich zunächst durch einen anfänglichen allgemeinen Überblick immer konkreter dem problematisierten Thema zu nähern. Nach einer grundlegenden Einführung in die Theorie des Konstruktivismus und dem Lernen als konstruktiven Prozess, werde ich den Begriff des entdeckenden Lernens konkretisieren, diskutieren, problematisieren und würdigen, um ihn abschließend auf den Mathematikunterricht anzuwenden.

1 Entdeckendes Lernen

1.1 Die konstruktivistische Theorie des Lernens

1.1.1 Zentrale theoretische Aussage des Konstruktivismus

Um sich dem Begriff des entdeckenden Lernens zu nähern, werde ich im Folgenden die konstruktivistische Grundlage dieser Lerntheorie erläutern. Der Konstruktivismus bezeichnet ein dem Kognitivismus entsprungenes Paradigma, das sich jedoch im Unterschied zu diesem nicht ausschließlich mit der Informationsverarbeitung beschäftigt, sondern darüber hinaus die „aktive Rolle des Lerners beim Aufbau des Verstehens und der Erschließung der Bedeutungen von Informationen hervorhebt“ (Woolfolk 2008, 419).

Als Kernidee des Konstruktivismus definiert Siebert diesen wie folgt:

Menschen sind autopoietische, selbstreferenzielle, operational geschlossene Systeme. Die äußere Realität ist uns sensorisch und kognitiv unzugänglich. Wir sind mit der Umwelt lediglich strukturell gekoppelt, d.h., wir wandeln Impulse von außen in unserem Nervensystem „strukturdeterminiert“, d.h. auf der Grundlage biografisch geprägter psycho-physischer kognitiver und emotionaler Strukturen, um. (2005, 11)

Von der Wirklichkeit entsteht eine individuelle Wahrnehmung des Menschen, die nicht einer exakten Repräsentation der Umwelt entspricht (vgl. Lindemann 2006, 16). Vielmehr gleicht sie einer Konstruktion, die nach Glasersfelds Definition, dass „Handlungen, Begriffe und begriffliche Operationen […] dann viabel [sind], wenn sie zu den Zwecken oder Beschreibungen passen, für die wir sie benutzen“ (1997, 43), viabel ist. Die Umwelt kann den Menschen, der mit ihr interagiert und kommuniziert, als ein Akteur in seinen Leistungen, Handlungen und Interaktionen nicht determinieren, sondern ihn lediglich anregen (vgl. Kron 2004, 153; vgl. Siebert 2005, 11). Umgekehrt wird die Umwelt von Menschen subjektiv repräsentiert. Unser Gehirn lässt sich demnach als selbstorganisiert, operational geschlossen und strukturdeterminiert beschreiben (vgl. Siebert 2005, 13).

Anknüpfend an diese paradigmatisch-theoretischen Überlegungen werde ich nun aufbauend die zugrundeliegende allgemeine Lerntheorie des Konstruktivismus definieren.

1.1.2 Lernen als Konstruktion

Die nun definierte Wirklichkeitskonstruktion wird im Konstruktivismus als lebenslanger Lernprozess gesehen (vgl. Siebert 2005, 29), den Siebert wie folgt definiert:

Lernen […] ist ein autopoietischer, selbst gesteuerter, eigenwilliger und eigensinniger Prozess. Lernen benötigt zwar Informationen, Anregungen, Rückmeldungen, Lernhilfen, aber Lernen lässt sich nicht „von außen“ determinieren. Das psychische „System “ entscheidet, was es verarbeiten kann und will. Lernen ist kein Transport des Wissens von A nach B, „Bedeutungen“ können nicht linear mitgeteilt werden, sondern das System konstruiert seine Welt des Bedeutungsvollen. (2005, 32)

Entscheidend für das Lernen als konstruktiven Prozess ist also, dass neues Wissen im Hinblick auf bereits bestehende Wissensstrukturen interpretiert und analysiert wird. Auf der Grundlage seiner Überzeugungen und in Abhängigkeit seines Vorwissens konstruiert der jeweilige Lerner Wissen als subjektiv interpretierte Erfahrung.

Die bereits angesprochene Strukturdetermination bedeutet im Bezug auf Lernen, dass der Inhalt und die Methode, wie etwas gelernt wird „weniger von der Qualität der Mitteilung […] als von dem internen kognitiv-emotionalen System und den momentanen körperlichen Empfindungen“ (Siebert 2005, 31) abhängt. Es findet beim Hören eine Selektion statt, die das Gehörte mit bereits vorhandenen Assoziationen verknüpft.

Außerdem bestimmt diese Selektion, ob das, was gehört wird, für das Individuum sinnstiftend im Sinne einer relevanten Identitätsentwicklung oder Lebenspraxis sein kann. Dieser Sinn kann – und das ist einer der unterscheidungswürdigen Inhalte des konstruktivistischen Lernens – nur tatsächlich erlebt werden (vgl. Siebert 2005, 33).

Auf diesem nun definierten Begriffs des Lernens als Konstruktion baut das differenzierte entdeckende Lernen auf, welches den Kerninhalt meiner Seminararbeit darstellt.

1.2 Entdeckendes Lernen

1.2.1 Grundannahmen und Merkmale

Wie so häufig kommt auch der Begriff des entdeckenden Lernens ohne eine endgültige formale Definition aus, doch hat sich die Wissenschaft diesem Begriff durch zahlreiche Definitionsversuche zu nähern versucht. Ausubel definiert die Hauptthese des entdeckenden Lernens wie folgt:

Lernen, das durch ein Problem in Gang gesetzt wird, wird als problemorientiertes Lernen bezeichnet. Wenn dabei die Lernenden neues Wissen durch eigene Auseinandersetzung mit dem Problem finden, so spricht man in der Kognitionspsychologie von entdeckendem Lernen. (1974, 24)

Diese Eigenaktivität erstreckt sich auf nahezu sämtliche Bereiche des entdeckenden Lernens. Selbst der Inhalt und damit auch das Lernziel wird vom Lernenden bestimmt (vgl. Meyer 2007, 9). Die Verantwortung des Lehrenden über den Lernprozess wird zu Teilen auf den Lernenden übertragen.

Ein weiterer Unterschied entdeckender Aufgaben im Vergleich zu klassischen geschlossenen Aufgabentypen ist, dass man beim Entdecken nicht vor eine Aufgabe gestellt wird, sondern vor ein Problem, welches das gesamte Vorwissen des Lernenden zur Lösung dieses Problems aktivieren muss.

Dem entdeckenden Lernen wird außerdem eine intrinsisch Motivationsförderung zugeschrieben, da „das Kind dazu neigen [wird], seine Lernaktivitäten mit autonomer Selbstbelohnung durchzuführen; genauer gesagt, mit der Belohnung der Entdeckung selbst.“ (Bruner 1981, 22)

1.2.1 Rolle des Schülers

Aus den nun bereits definierten Grundannahmen des entdeckenden Lernens, lässt sich die darin enthaltene Rolle des Schülers definieren.

Der Schüler ist kein an die Schulbank gefesselter Zuhörer, sondern übernimmt einen Teil bei der Ausgestaltung und kann ab und zu die Hauptrolle dabei spielen. (Bruner 1981, 17)

Der eigene Lernerfolg wird verantwortlich in die Hände des Schülers gelegt und damit Teil seines eigenen Lernprozesses, in dem er selbst den Inhalt, das Tempo und den Stil vorgibt. Dabei ist Eigenaktivit ät wohl das Schlüsselwort zur Definition der Schülerrolle.

Und das Tun des Schülers ist nicht mehr auf Empfangen eingestellt, sondern auf Erarbeiten. Nicht Leitung und Rezeptivität, sondern Organisation und Aktivität ist es, was das Lehrverfahren der Zukunft kennzeichnet. (Wittmann 1993, 158)

Dabei ist neben dem eigentlichen Wissenserwerb auch die Einbindung der jeweiligen Vorkenntnisse des Lernenden relevant. Schüler sollen „ihre bisherigen Kenntnisse produktiv einsetzen müssen, um neues Wissen zu erwerben“ (Neber 1981, 9).

[...]


[1] In dieser Hausarbeit wird das generative Maskulinum verwendet; geschlechter-spezifische Schreibweisen werden nur dann vorgenommen, wenn dies aus syntaktischen Gründen notwendig ist.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht der Primarstufe und Sekundarstufe I
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V265122
ISBN (eBook)
9783656546047
ISBN (Buch)
9783656546870
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entdeckendes, lernen, mathematikunterricht, primarstufe, sekundarstufe
Arbeit zitieren
Lukas Baumanns (Autor), 2013, Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht der Primarstufe und Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265122

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