"Lernen ist nicht bloße Kopie von Modellen, nicht das passive Komplement zur Lehre."
(Brügelmann 1992, 3)
Mit diesem Zitat Brügelmanns will ich in die grundlegende Thematik meiner Hausarbeit einführen. Das entdeckende Lernen als Lerntheorie des Konstruktivismus ist bereits seit einigen Jahren fest in den Kernlehrplänen der Primar- und Sekundarstufe I festgehalten. Dennoch fehlt der Mut einiger Lehrer sich diesem Thema zu nähern und dessen Umsetzung zu stärken, da Entdecken eine Öffnung und damit auch ein Zurücknehmen der frontalen und geschlossenen Lehrtätigkeit bedeutet. Um jedoch der Distanz zum entdeckenden Lernen entgegenzuwirken, will ich in meiner Hausarbeit die Grundlagen dieser Lerntheorie beleuchten, die Anwendung im Mathematikunterricht der Primar- und Sekundarstufe I erläutern und vor allem die Problematik des entdeckenden Unterrichts diskutieren.
Die Motivation zu diesem Thema entstand sowohl aus der im Seminar betriebenen Grundlagenforschung in der Beschäftigung mit den basalen Lerntheorien der pädagogischen Psychologie, als auch aus den Möglichkeiten und Grenzen der Öffnung des Unterrichts. Aus Interesse zu beiden Schwerpunkten des Seminarzusammenhangs entstand die Thematik meiner Hausarbeit.
Um sich dem entdeckenden Lernen nun zu nähern, versuche ich mich zunächst durch einen anfänglichen allgemeinen Überblick immer konkreter dem problematisierten Thema zu nähern. Nach einer grundlegenden Einführung in die Theorie des Konstruktivismus und dem Lernen als konstruktiven Prozess, werde ich den Begriff des entdeckenden Lernens konkretisieren, diskutieren, problematisieren und würdigen, um ihn abschließend auf den Mathematikunterricht anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Entdeckendes Lernen
1.1 Die konstruktivistische Theorie des Lernens
1.1.1 Zentrale theoretische Aussage des Konstruktivismus
1.1.2 Lernen als Konstruktion
1.2 Entdeckendes Lernen
1.2.1 Grundannahmen und Merkmale
1.2.2 Rolle des Schülers
1.2.3 Rolle des Lehrers
1.3 Problematik in der Anwendung
1.3.1 Problematik des geschlossenen Unterrichts
1.3.2 Problematik des entdeckenden Unterrichts
1.3.3 Lösungsvorschläge für den entdeckenden Unterricht
1.3.4 Argumente zur Stärkung des entdeckenden Unterrichts
2 Anwendung im Mathematikunterricht
2.1 Kriterien aktiv-entdeckender Aufgaben
2.2 Anwendung in der Primarstufe
2.3 Anwendungsbeispiel in der Sekundarstufe I
Schlussbetrachtung
Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des entdeckenden Lernens im Kontext des Konstruktivismus und beleuchtet dessen Anwendung sowie die damit verbundenen Herausforderungen im Mathematikunterricht der Primar- und Sekundarstufe I.
- Konstruktivistische Lerntheorie und die Rolle von Lehrkräften und Lernenden
- Kritische Analyse der Problematiken von geschlossenem versus entdeckendem Unterricht
- Kriterienkatalog für die Gestaltung aktiv-entdeckender mathematischer Aufgaben
- Praktische Anwendungsbeispiele für den Mathematikunterricht
- Argumente zur Förderung und Legitimierung entdeckender Unterrichtsformen
Auszug aus dem Buch
1.2 Entdeckendes Lernen
Wie so häufig kommt auch der Begriff des entdeckenden Lernens ohne eine endgültige formale Definition aus, doch hat sich die Wissenschaft diesem Begriff durch zahlreiche Definitionsversuche zu nähern versucht. AUSUBEL definiert die Hauptthese des entdeckenden Lernens wie folgt:
Lernen, das durch ein Problem in Gang gesetzt wird, wird als problemorientiertes Lernen bezeichnet. Wenn dabei die Lernenden neues Wissen durch eigene Auseinandersetzung mit dem Problem finden, so spricht man in der Kognitionspsychologie von entdeckendem Lernen. (1974, 24)
Diese Eigenaktivität erstreckt sich auf nahezu sämtliche Bereiche des entdeckenden Lernens. Selbst der Inhalt und damit auch das Lernziel wird vom Lernenden bestimmt (vgl. MEYER 2007, 9). Die Verantwortung des Lehrenden über den Lernprozess wird zu Teilen auf den Lernenden übertragen.
Ein weiterer Unterschied entdeckender Aufgaben im Vergleich zu klassischen geschlossenen Aufgabentypen ist, dass man beim Entdecken nicht vor eine Aufgabe gestellt wird, sondern vor ein Problem, welches das gesamte Vorwissen des Lernenden zur Lösung dieses Problems aktivieren muss.
Dem entdeckenden Lernen wird außerdem eine intrinsisch Motivationsförderung zugeschrieben, da „das Kind dazu neigen [wird], seine Lernaktivitäten mit autonomer Selbstbelohnung durchzuführen; genauer gesagt, mit der Belohnung der Entdeckung selbst.“ (BRUNER 1981, 22)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die konstruktivistische Lerntheorie ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen traditionellem, geschlossenem Unterricht und entdeckendem Lernen.
1 Entdeckendes Lernen: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen des entdeckenden Lernens, analysiert die Rollen von Schülern und Lehrern und diskutiert praktische Anwendungsprobleme sowie Lösungsansätze.
2 Anwendung im Mathematikunterricht: Das Kapitel überträgt die Theorie in die Praxis, indem es Kriterien für aktiv-entdeckende Aufgaben festlegt und konkrete Anwendungsbeispiele für die Primar- und Sekundarstufe vorstellt.
Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Relevanz des entdeckenden Lernens und betont die Notwendigkeit, Wissen aktiv und selbstverantwortlich zu konstruieren.
Bibliografie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Entdeckendes Lernen, Konstruktivismus, Mathematikunterricht, Primarstufe, Sekundarstufe I, Eigenaktivität, Problemorientierung, Konstruktiver Lernprozess, Unterrichtsöffnung, intrinsische Motivation, Lehrplan, Aufgabenentwicklung, Schülerrolle, Lehrerrolle, Transfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktische Konzeption des entdeckenden Lernens und dessen Umsetzung im Mathematikunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die konstruktivistische Lerntheorie, die Rollenverteilung zwischen Lehrkraft und Schülern sowie die praktische Gestaltung mathematischer Lernumgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Hemmschwellen gegenüber dem entdeckenden Lernen abzubauen und aufzuzeigen, wie dieses trotz systemischer Hürden effektiv in den Unterricht integriert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Hausarbeit, die auf der Analyse bestehender Lerntheorien und unterrichtspraktischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Konstruktivismus, eine Diskussion der Problematik von Unterrichtsformen und die Ableitung von Kriterien für mathematische Aufgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Entdeckendes Lernen, Konstruktivismus, Eigenaktivität und aktiv-entdeckende Aufgaben charakterisiert.
Warum wird das entdeckende Lernen als „problemanfällig“ bezeichnet?
Der Autor führt an, dass offene Unterrichtsformen hohe Anforderungen an die Lehrkraft stellen und das Risiko bergen, dass Erkenntnisprozesse unstrukturiert verlaufen, wenn sie nicht sorgfältig durch eine Lernumgebung gelenkt werden.
Welches konkrete Beispiel wird für die Sekundarstufe I angeführt?
Es wird eine Aufgabe zum Schulfest verwendet, bei der Schüler die Zusammenhänge zwischen Gästezahl, Getränkekonsum und Gesamtmenge untersuchen sollen, um das mathematische Konzept der Antiproportionalität entdeckend zu erschließen.
- Arbeit zitieren
- Lukas Baumanns (Autor:in), 2013, Entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht der Primarstufe und Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265122