Muttermilch wird oft als die beste, praktischste und preiswerteste Nahrung für ein Neugeborenes angepriesen, so z. B. durch die populären Aussagen „Stillen ist ein Menschenrecht“ (WHO), „breast is best“ (La Leche Liga) oder „Stillen ist das Beste für ihr Kind“ (Hipp). Lange Zeit war es normal und auch lebensnotwenig, die Kinder (selbst) zu stillen und stellte die einzige Möglichkeit zur Säuglingsernährung dar. Das (mütterliche) Stillverhalten änderte sich dann in Abhängigkeit vom Gesellschaftswandel mehrfach, sodass es zum Beginn des neuen Jahrtausends schon lange nicht mehr selbstverständlich ist.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
1.1) Aufbau der Arbeit
2) „Stillen“: Definition, Wortbedeutung, Abgrenzung
3) Geschichte des Stillens
3.1) Darstellung in Mythos und Religion
3.2) Antike
3.3) Mittelalter
3.4) Neuzeit
3.5) 20. und 21. Jahrhundert
4) Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Stillens sowie der Säuglingsernährung und beleuchtet dabei, wie sich gesellschaftliche Auffassungen, medizinische Erkenntnisse und ökonomische Faktoren über die Jahrhunderte hinweg verändert und auf die Praxis der Säuglingsernährung ausgewirkt haben.
- Kulturgeschichte des Stillens von der Antike bis zur Gegenwart
- Einfluss sozialer Milieus und gesellschaftlicher Normen auf Stillentscheidungen
- Entwicklung und Bedeutung des Ammenwesens in verschiedenen Epochen
- Medikalisierung der Säuglingsernährung im 20. Jahrhundert
- Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung und Stillförderung im 21. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
3.1) Darstellung in Mythos und Religion
Bereits mesolithische Felszeichnungen aus den Jahren 10000 bis 5000 v. Chr. zeigen erste Darstellungen des Stillens. Auch in Mythologiezeugnissen lassen sich Hinweise auf Brusternährung finden, nicht nur der eigenen Kinder.21 In einem sumerischen Wiegenlied aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend ist von einer Mutter die Rede, die verspricht, dem Kind für den kommenden Tag eine fröhliche Saugmagd zu beschaffen, was bereits erste Hinweise auf eine statt der Mutter säugende Amme liefert.22
Bei einem Blick auf die griechische Mythologie und Gottheiten stößt man z. B. auf die Geschichte des griechischen Göttervaters Zeus, der von der Ziege Amalthea gesäugt wurde; auch Romulus und Remus, die Begründer Roms, wurden von einer Wölfin gesäugt.23 Ebenfalls die Kinder des Pharaos im alten Ägypten wurden scheinbar primär von Ammen und nicht der eigenen Mutter gestillt, während alle anderen ägyptischen Frauen ihre Kinder selbst nährten.24 Die hohe Wertschätzung und der hoher Respekt für stillende Frauen kann u. a. an der Fülle an Abbildungen von Darstellungen der Müttergottheiten erkannt werden; so z. B. im antiken Ägypten die bekannte Darstellung der Göttin Isis, die den Horusknaben stillt.25 In den meisten dieser Darstellungen des Brustfütterns, ist das Kind, mit dem linken Arm der Mutter gehalten und an der linken Brust trinkend, nahe am mütterlichen Herzen, dargestellt.26
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenwahl und legt dar, warum Stillen nicht nur ein physiologischer, sondern ein stark kulturhistorisch und sozial geprägter Vorgang ist.
2) „Stillen“: Definition, Wortbedeutung, Abgrenzung: Dieses Kapitel erläutert die sprachliche Herkunft des Begriffs „Stillen“ und grenzt ihn von biologischen Begriffen wie „Säugen“ ab, wobei die emotionale Komponente der Mutter-Kind-Beziehung hervorgehoben wird.
3) Geschichte des Stillens: Dieser Hauptteil analysiert chronologisch von der Mythologie über die Antike, das Mittelalter und die Neuzeit bis in das 21. Jahrhundert, wie sich das Stillverhalten und die Praxis der Säuglingsernährung unter dem Einfluss von Religion, Gesellschaftsstrukturen und medizinischem Fortschritt wandten.
4) Schluss: Der Schluss fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass Stillen eine geschichtlich und sozial veränderliche Praxis bleibt, die eng mit den gesellschaftlichen Bedingungen und dem Wissen über Mutter-Kind-Bindung verknüpft ist.
Schlüsselwörter
Stillen, Säuglingsernährung, Kulturgeschichte, Ammenwesen, Mutter-Kind-Bindung, Muttermilch, Säuglingssterblichkeit, Sozialgeschichte, Stillrenaissance, Medizin, Pädiatrie, Stillförderung, Ernährung, Geschichte, Stillzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit behandelt die Kultur- und Sozialgeschichte des Stillens und der Säuglingsernährung von der frühen Mythologie bis in das 21. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss von gesellschaftlichen Normen, religiösen Vorstellungen, die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft sowie die Rolle der Ammen und der modernen künstlichen Säuglingsnahrung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich die Auffassung von „idealer“ Säuglingsernährung durch verschiedene Epochen hindurch verändert hat und welche sozialen Faktoren das Stillverhalten prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine kulturhistorische Literaturanalyse, um die Bedeutung des Stillens in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten anhand von historischen Quellen und wissenschaftlicher Literatur zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist epochenbasiert gegliedert und betrachtet detailliert die Entwicklung vom antiken Ammenwesen über die moralischen Debatten der Neuzeit bis zur Medikalisierung und der „Stillrenaissance“ im 20. und 21. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Stillen, Säuglingsernährung, Kulturgeschichte, Ammenwesen und Mutter-Kind-Bindung charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Amme in der historischen Betrachtung?
Das Ammenwesen wird als ein über Jahrhunderte verbreitetes Phänomen beschrieben, das oft aus dynastischen, ästhetischen oder sozialen Gründen genutzt wurde, jedoch historisch auch mit einer höheren Säuglingssterblichkeit korrelierte.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Jean-Jacques Rousseau?
Rousseau wird als eine Schlüsselfigur genannt, die im 18. Jahrhundert die Debatte um das Selbststillen als „Mutterpflicht“ entscheidend prägte und Stillen als Basis für gesellschaftliche Erneuerung propagierte.
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- Elena Eschrich (Author), 2013, Stillen und Säuglingsernährung im Wandel der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265151