Bereits seit den siebziger Jahren wird in Deutschland über die Notengebung in den Schulen diskutiert. Es wurden zahlreiche alternative Formen der Leistungsbewertung entwickelt und grade auch in der Reformpädagogik angewandt. Auslöser für diese lang anhaltende Diskussion war die Veröffentlichung von Ingenkamps Buch „Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung“ im Jahre 1971.
In der folgenden Ausarbeitung werde ich mich zunächst mit den Wünschen und Anregungen der Schüler und Eltern in Bezug auf Zeugnisse beschäftigen und diese vorstellen. Im Anschluss werden die Schwachpunkte der Ziffernnoten in der Schule dargestellt und diskutieren. Danach stelle ich verschiedene Alternativen zur Leistungsbewertung vor, die in den letzten Jahrzehnten immer mehr Einzug in die deutschen Schulen gefunden haben. Die Ausarbeitung werde ich mit einem kurzen,
kritischen Fazit schließen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erwartungen an Zeugnisse
2.1 Erwartungen der Eltern
2.2 Erwartungen der Schüler
3. Schwachpunkte der Leistungsbewertung in Form von Ziffernnoten
4. Alternative Leistungsbewertungen
4.1 Verbale Beurteilungen
4.2 Ziffernbeurteilung mit verbalen Zusätzen
4.3 Kombination von Ziffernbeurteilung und verbaler Beschreibung
4.4 Eltern-Schüler-Lehrergespräch
4.5 Lernzielkatalog
4.6 Portfolio
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der traditionellen Ziffernnotengebung an Schulen und evaluiert alternative Bewertungsformen, um den Wünschen von Schülern und Eltern nach einer differenzierteren Leistungsrückmeldung gerecht zu werden.
- Erwartungen von Eltern und Schülern an schulische Zeugnisse
- Kritische Analyse der Schwachpunkte klassischer Ziffernnoten
- Vorstellung verschiedener alternativer Leistungsbewertungsmethoden
- Diskussion über Objektivität und Vergleichbarkeit bei der Notenvergabe
- Bewertung des pädagogischen Nutzens von Wortzeugnissen und Portfolios
Auszug aus dem Buch
3. Schwachpunkte der Leistungsbewertung in Form von Ziffernnoten
Zusätzlich zu den bereits erwähnten Schwachpunkten gibt es noch weitere. Die Thematisierung aller Punkte würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, so dass ich mich auf die wesentlichen konzentriere. Es gibt, wie bereits erwähnt, Bereiche, in denen Ziffernnoten keine differenzierte Bewertung der erbrachten Leistungen ermöglichen. Dazu gehören z.B. Stärken und Schwächen in Teilbereichen eines Faches, Lernstrategien, oder ob die Note sich aus dem Durchschnitt aller erbrachten Leistungen ergibt, oder ob es sich um eine pädagogische Note handelt. Als konkretes Beispiel sei hier ein Schüler aus dem Mathematikunterricht in der zweiten Klasse genannt. Er kann durch ausgeklügelte Zählstrategien gute bis sehr gute Leistungen erbringen. Kommt er nun in die dritte Klasse, helfen diese Strategien nur noch bedingt, da der Zahlenraum bis 1000 für diese zu groß ist. Hier werden heuristische Strategien benötigt, um gute und sehr gute Leistungen zu erbringen. Aus dem guten Zeugnis der zweiten Klasse geht allerdings nicht hervor, was der Schüler, im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden, nicht beherrscht und es kommt zu einem überraschenden Leistungsabfall. Durch einen frühzeitigen Hinweis z.B. durch eine Verbalbeurteilung könnte dieser Leistungsabfall durch gezieltes Training vermieden werden.
Zu den schon genannten Problemen können noch weitere Nebenwirkungen hinzukommen. So kommt es beispielsweise häufig zu Konkurrenzdenken und Rivalitäten zwischen den Schülern und bei Leistungsschwächeren ist häufiger eine Leistungsangst zu beobachten, die nachweislich durch Ziffernzensuren stärker als durch andere Formen der Leistungsbewertung gefördert wird. Die wohl größte Schwäche der Ziffernnoten ist die mangelnde Vergleichbarkeit. Generell sollten die Kernlehrpläne in den Fächern in allen Klassenstufen darauf ausgelegt sein, dass ein „Durchschnittschüler“ diese ohne Über- oder Unterforderung erfüllen kann. Daraus würde sich im Mittel bei den meisten Schülern in allen Fächern eine ähnliche Notenverteilung ergeben. Im Schulalltag sieht es allerdings anders aus, was auch viele Studien belegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen historischen Abriss zur Debatte um die Notengebung und umreißt die Struktur der Arbeit sowie das Ziel, Wünsche zu Zeugnissen und Alternativen zur Ziffernnote zu beleuchten.
2. Erwartungen an Zeugnisse: Dieses Kapitel analysiert die empirisch belegten Erwartungen von Eltern und Schülern, wobei der Fokus auf dem Wunsch nach detaillierter Rückmeldung statt reinem Endergebnis liegt.
3. Schwachpunkte der Leistungsbewertung in Form von Ziffernnoten: Hier werden die methodischen Mängel der Notengebung, wie mangelnde Differenzierung, psychologische Nebenwirkungen und Probleme bei der Vergleichbarkeit, dargelegt.
4. Alternative Leistungsbewertungen: Das Kapitel stellt verschiedene Modelle wie verbale Beurteilungen, Portfolios und Lernzielkataloge als Ergänzung oder Ersatz für klassische Noten vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass diagnostische Kompetenzen entscheidender sind als die reine Form der Leistungsbewertung, um ein gerechtes Feedback zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Ziffernnoten, Zeugnisse, Verbalbeurteilung, Pädagogik, Lernfortschritt, Leistungsangst, Vergleichbarkeit, Portfolio, Lernzielkatalog, Schulleistung, Notengebung, Bildungsstand, Diagnostik, Leistungsrückmeldung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kritik an der traditionellen Ziffernnotengebung an deutschen Schulen und untersucht, inwieweit alternative Bewertungsmethoden den Anforderungen von Eltern und Schülern besser gerecht werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Erwartungshaltung der verschiedenen Akteure (Eltern/Schüler) an Zeugnisse, die Schwachstellen von Ziffernnoten sowie eine detaillierte Vorstellung und Einordnung alternativer Konzepte.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den Wünschen nach aussagekräftiger Leistungsrückmeldung und der Realität des Ziffernnotensystems aufzuzeigen und zu diskutieren, ob Alternativen diesen Anspruch einlösen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich primär auf eine Literaturanalyse bestehender empirischer Studien und bildungswissenschaftlicher Diskussionen zur Leistungsbeurteilung in der Reformpädagogik und im modernen Unterricht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bedarfsanalyse (Wünsche von Schülern/Eltern), eine kritische Auseinandersetzung mit der Ziffernnote (z.B. mangelnde Objektivität, Nebenwirkungen) und die Darstellung methodischer Alternativen wie Portfolios oder verbale Beurteilungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungsbewertung, Ziffernnoten, Verbalbeurteilung, Vergleichbarkeit und pädagogische Rückmeldung.
Welche Rolle spielt die Objektivität bei der Notenvergabe laut dem Autor?
Der Autor identifiziert die mangelnde Objektivität und die unbewusste Subjektivität der Lehrkräfte als einen der größten Kritikpunkte an der Notenvergabe, da Noten oft von Faktoren wie dem Fach oder der Schule abhängen.
Warum sind Ziffernnoten laut dem Text bei älteren Schülern häufiger gewünscht?
Mit zunehmendem Alter steigt bei Schülern das Bedürfnis nach einer klaren, vergleichbaren Leistungsrückmeldung, die für den weiteren Lebensweg, wie den Berufseintritt oder Studienbeginn, als notwendig und gerecht erachtet wird.
- Arbeit zitieren
- Steffen Bönnen (Autor:in), 2013, Ziffernnoten und ihre Alternativen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265213