Religiöse und säkulare Positionen innerhalb der aktuellen Debatte über die Präimplantationsdiagnostik

Übereinstimmungen und Abgrenzungen


Bachelorarbeit, 2011

65 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitende Bemerkungen

2. Diagnostische Verfahren im Vorfeld und während einer Schwangerschaft
2.1 Anmerkungen zur Pränataldiagnostik
2.2 Anmerkungen zur Präimplantationsdiagnostik

3. „In dubio pro embryone?“ - Zur Diskussion um die PID anhand der Frage nach der Wertigkeit der dabei anfallenden Embryonen
3.1 Frühe Positionen innerhalb der Evangelischen Kirche Deutschlands
3.2 Robert Spaemann als Kantianer und Katholik
3.3 Die Position der deutschen Bischofskonferenz: In dubio pro vita
3.4 „Und sie bewegt sich nicht“ - Das katholische Verständnis des Embryonenschutzes als monolithische Größe
3.5 Naturwissenschaftliche Überlegungen gegen katholische Verlautbarungen ( 1. Säkulare Gegenposition)
3.6 „Und sie bewegt sich doch“ - Meinungsvielfalt und Kurskorrekturen in der Evangelischen Kirche

4. Säkulare Positionen innerhalb der Debatte um die rechtliche Zulassung der PID
4.1 Zum Begriff der Säkularisierung
4.2 Der Deutsche Ethikrat: Die reproduktive Selbstbestimmung als umstrittene Größe
4.3 Alice Schwarzer und Eva Menasse: Die reproduktive Selbstbestimmung als kategorische Größe
4.4 Die Humanistische Union: Die Verteidigung der Mutter- und Elternrechte als Kernanliegen innerhalb der PID-Debatte
4.5 Die Giordano Bruno Stiftung: Vom Schlagwort zur rationalen Argumentation im Rahmen der PID-Debatte
4.5.1 Zum Selbstverständnis der Giordano Bruno Stiftung
4.5.2 Abgrenzung der Giordano Bruno Stiftung zu religiösen Positionen und zum Deutschen Ethikrat

5. Schlussbetrachtungen oder „Der Mensch entdeckt sich, wenn er sich an Widerständen misst.“

1. Einleitende Bemerkungen

„Tolle lege!“ - Diese Worte aus den Bekenntnissen des Kirchenlehrers, Bi- schofs und Philosophen Augustinus (354 - 430 n. Chr.) beschreiben eine zuge- spitzte biographische Umbruchsituation. Sein autobiographisches Werk „Con- fessiones“ schildert, sicherlich in manchen Teilen glättend, seine lebensge- schichtliche Entwicklung. Sie beginnt mit dem Aufwachsen in Nordafrika als ungetauftes Kind christlicher Eltern. Dann folgen Jahre jugendlicher Selbster- probung und Ausschweifung, aber auch der ihn faszinierenden Beschäftigung mit dem römischen Philosophen Cicero. Als Rhetoriklehrer in Karthago, Rom und Mailand tätig, wiederentdeckt er in Form der platonisierenden Bibelausle- gung das Alte und Neue Testament, insbesondere die paulinischen Briefe. Im Jahre 386 widerfährt ihm ein religiöses Bekehrungserlebnis. Er schildert es wie folgt: Seine Mutter erkennt seine existenzielle und religiöse Ungesichertheit („Was stehst du auf dich fußend, und stehst nicht fest? Wirf dich auf ihn, fürch- te dich nicht, er wird dich nicht verlassen, so daß du fielest; wirf dich auf ihn ohne Sorgen, er wird dich aufnehmen und dich heilen.“) Augustinus, so seine Selbstbeschreibung, errötet daraufhin, zweifelt, und wird, von einem inneren „Gewittersturm“ getrieben, bis ein kindlicher Singsang ihm beruhigend einflüs- tert: „Nimm und lies! Nimm und lies!“ Er begreift diesen Appell in folgender Weise: Nämlich „daß ein göttlicher Befehl mir die heilige Schrift zu öffnen heiße und daß ich das erste Kapitel, auf welches mein Auge fallen würde, lesen sollte.“ So stieß er auf folgende biblische Textstelle: „Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern zie- het an den Herrn Jesum Christum und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Ich las nicht weiter, es war wahrlich nicht nötig, denn alsbald am Ende dieser Worte kam das Licht des Friedens über mein Herz und die Nacht des Zweifels entfloh.“1

Warum beginnt eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Religiöse und s Äkulare Positionen innerhalb der aktuellen Debatteüber die PID -übereinst- immungen und Abgrenzungen mit dem Hinweis auf Augustinus? Kulturge- schichtlich interessant ist es, den Prozess des Lesens von den ersten Arten der Verschriftlichung bis hin zu den modernen Erscheinungsweisen lesbarer In- formationen, auch in Form fachwissenschaftlicher Codes, zu bedenken. Die Ablichtungen auf der Titelseite (Lesen des genetischen Codes eines Menschen) und das Fresko des italienischen Bildhauers und Malers Benozzo Gozzoli (1420 - 1497) sollen diesen Kontrast verschiedener Lesestoffe und Leseinte- ressen verdeutlichen. Die inhaltlichen Aspekte dieser Arbeit sollen aufzeigen, dass die Entschlüsselung des genetischen Codes sowie die damit verbundenen praktischen Möglichkeiten, aber auch deren medizinische- und sozialethische Folgen nicht gänzlich loszulösen sind von der religiösen Lektüre und Orientie- rungsquelle, die Augustinus für sich als wegweisend entdeckt.

Augustinus gilt als der „Vater und Schöpfer der theologischen und philosophischen Wissenschaft des christlichen Abendlandes und wird deshalb als ‚Kirchenvater‘ bezeichnet.“2 Während im Mittelalter die Wissenschaft als Magd der Theologie angesehen wurde, hat sich in der Neuzeit durch Reformation, Aufklärung und Säkularisierung dieses Verhältnis sub- stanziell verändert. Man kann heute eher von einer Koexistenz zweier Sichtweisen und zweier spezifischer Sprachen zur Welterschließung ausgehen, wie z.B. der Physiker Albert Einstein (1879-1955) es nahelegt: „Naturwissenschaft ohne Religi- on ist lahm, Religion ohne Naturwissen- schaft ist blind. (Science without religion is lame, religion without science is blind.)”3

Die Bekehrung des Augustinus

Die bisherigen Ausführungen legen es nahe, folgende inhaltliche Schwerpunkte im Rahmen dieser Arbeit anzusprechen:

Zuerst ist die moderne medizinische Technik der Präimplantationsdiagnos- tik (PID) zu thematisieren. Diese eröffnet einerseits hinsichtlich der individuel- len Familienplanung neuartige Möglichkeiten, diese Möglichkeiten haben an- dererseits aber Fragestellungen zur Folge, die nicht nur diese Art der medizini- schen Dienstleistung zum Diskussionsgegenstand erheben, sondern auch die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit und praktischen Begrenzung dieses Verfahrens hervorrufen. Die Implementierung und Anwendung der PID in an- deren europäischen Ländern verlief nahezu konfliktfrei (z.B. Belgien, Däne- mark, Frankreich, Großbritannien, Tschechei oder Spanien), was für deutsche Paare mit Kinderwunsch und einer genetisch bedingten Vorerkrankung im ers- ten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts zu einer Art PID-Tourismus führte. Dagegen zeigte sich die deutsche Gesetzgebung, wissenschaftliche Forschung und ärzt- liche Praxis diesbezüglich reservierter. Erst durch die praktische Anwendung einer PID und einer politisch motivierten Selbstanzeige sorgte im Jahr 2005 der Berliner Gynäkologe und Reproduktionsmediziner Dr. Matthias Bloechle bun- desweit für eine nicht nur juristische Diskussion dieser Diagnoseform. Er löste zusätzlich einen gesamtgesellschaftlichen Diskussionsprozess aus, der funda- mentale Rechtsgüter, wie z.B. den Artikel 1 des Grundgesetzes, ebenso um- fasste wie die Fragen nach den Kriterien und den Menschenbildimplikationen, die mit der Auswahl bzw. Verwerfung bestimmter befruchteter Eizellen ver- bunden sind.

Beteiligt an dieser umfassenden Auseinandersetzung um die PID waren und sind u.a. neben Politikern und Juristen, Vertreter von Ärzte- und Behinder- tenverbänden, Verantwortliche der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland sowie Sprecher und Vertreter konfessionell ungebundener, be- wusst säkularer und humanistisch orientierter Interessensvertretungen. Diese nicht abgeschlossene Auflistung wichtiger Diskussionsgrößen legt es nahe, den Untersuchungsschwerpunkt dieser Arbeit auf die Spannung und Unterschied- lichkeit religiös gebundener und gezielt religionsfreier Diskussionsbeiträge zu konzentrieren. Dabei ist der europäische Prozess der Säkularisierung des Den- kens und Handelns zu berücksichtigen. Die unterschiedlichen Anschauungen zur Wertigkeit und Schutzwürdigkeit der ersten befruchteten Zellformationen sollen anhand eines innerchristlichen Disputes exemplarisch aufgezeigt wer- den. Dieses herausgearbeitete Spannungsfeld soll dazu dienen, Positionen auch nicht religiös gebundener Organisationen darauf kontrastiv zu beziehen.

Informationstechnisch ist auf eine Fülle von offiziellen Stellungnahmen seitens der Großkirchen und ihrer Vertreter hinzuweisen, sodass hier eine Auswahl auf exemplarische Veröffentlichungen und Aussagen erfolgen muss- te.4 Die breite Diskussion innerhalb der Rechtswissenschaften über den juristi- schen Status der befruchteten Eizelle und ihrer zelltechnischen Ausdifferenzie- rung wird an dieser Stelle nicht aufgegriffen, weil aus meiner Sicht die rechts- philosophischen Überlegungen innerhalb dieser Debatte eine besondere Kom- plexität haben und Gegenstand einer gesonderten Untersuchung und Darlegung bilden müssten.

2. Diagnostische Verfahren im Vorfeld und während einer Schwangerschaft

2.1 Anmerkungen zur Pränataldiagnostik

Die „Gelbe Seiten“ - Branchenverzeichnisse nahezu jeder deutschen Groß- stadt und Region bieten unter der Rubrik „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“, „Laboratoriumsmedizin“ oder „Humangenetik“ Hinweise auf Adressen und Praxen, die Personen mit Kinderwunsch als Anlaufstelle dienen, um diesen Wunsch unter ärztlicher Begleitung realisieren zu können. Auch Internetange- bote wie 9monate.de, babyclub.de, schwangerschaft.de bieten Portale für inte- ressierte oder ratsuchende Singles bzw. Paare, egal ob sie heterosexuell oder homosexuell veranlagt, gesund oder erkennbar gesundheitlich vorbelastet sind. Der Wunsch nach einem Kind ist zum einen geradezu naturgegeben, wenn man aus biologischer Sicht den Primat der Arterhaltung und Speziessicherung be- sonders betont. Auf der anderen Seite ist die Gleichung erfüllter Kinderwunsch bedeutet erfüllteres und glücklicheres Leben zwar höchst umstritten, aber den- noch dient der Kinderwunsch oft der Abrundung individueller Lebensvorstel- lungen.5

Die Schwangerschaft-Vorsorgeuntersuchungen, sie sind in den Mutter- schaftsrichtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen im Detail aufgeführt, dienen der Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Mutter und Kind und darüber hinaus dem frühzeitigen Erkennen mütterlicher und kindlicher Gesundheitsrisiken.6 Im Rahmen dieser Vorsorgemaßnahmen gibt es mehr als 15 Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen ohne anfallende Sonderkosten für die Schwangeren übernehmen. Wegen der Angst, aufgrund eventueller Diagnose- oder Betreuungsfehler juristisch belangt zu werden, ra- ten seit Jahren behandelnde Ärzte zu kostenpflichtigen Zusatzuntersuchungen wie z.B. der Nackenfaltenmessung (sie dient dem frühen Erkennen des Down- Syndroms/ der Trisomie 21) oder dem Fehlbildungsultraschall, bei der durch sonographische Feindiagnostik Fehlbildungen von Organen, körperliche Be- sonderheiten oder Entwicklungsstörungen des Embryos im Mutterleib festge- stellt werden können. Die jeweilige diagnostische Sicherheit fällt jedoch nie zu 100% aus. Mütter und Paare fragen verstärkt nach vorgeburtlicher, also präna- taler Diagnostik (PND), nach, um Unsicherheiten und Ängsten sowie mögli- chen gesundheitlichen Risiken für Kind und Mutter rechtzeitig zu begegnen. Zu den nicht-invasiven Methoden der PND gehören die verschiedenen Mög- lichkeiten der diversen hochtechnisierten Ultraschall- und Blutuntersuchungen.

Invasive Verfahrensweisen sind z.B. die Nabelschnurpunktion (bei Ver- dacht auf Anämie, also Blutarmut, oder Infektionen des Ungeborenen), die Fruchtwasseruntersuchung, fachsprachlich auch Amniozentese genannt, die Fehlentwicklungen im Nervensystem und diverse Erbkrankheiten, wie z.B. das Apert-Syndrom, mit nahezu 100%iger Sicherheit diagnostiziert, sowie die Cho- rionbiopsie, die u.a. einige Stoffwechselerkrankungen und den sogenannten „offenen Rücken“ (spina bifida) zu erkennen hilft. Risiken für das Ungeborene bestehen bei den letztgenannten Methoden im Bereich möglicher Gefäßverlet- zungen, Infektionen, Fruchtwasserverlusten und erhöhter Fehlgeburtsrate.

Deutlich wird, dass diese neuen Diagnoseverfahren neben ihrer diagnosti- schen Qualität für die Mütter und Eltern mit besonderen zeitlichen und seeli- schen Herausforderungen verbunden sind. Zunehmend wird darauf verwiesen, bei positiven, also im Regelfall nicht wünschbaren Untersuchungsergebnissen, sich besonderen fachärztlichen Rat zu holen und sich durch Selbsthilfegruppen und genetische Beratungsstellen unterstützen zu lassen. Sowohl die pränatalen Diagnoseverfahren in ihrer möglichen Anzahl als auch deren Hinweise auf eventuelle Auffälligkeiten oder tatsächlich zutreffende Diagnosen verunsichern die davon Betroffenen erheblich.

Die Beratungsangebote von z.B. Pro Familia sind inhaltlich auf die durch die PND-Verfahren aufkommenden Fragen ausgerichtet. Schwerpunkte im Vorfeld der PND bilden die Fragen, ob diese Untersuchungsmöglichkeiten überhaupt oder, wenn ja, welche Untersuchungen im speziellen Fall in An- spruch genommen werden sollen. Die Bereitwilligkeit, verfahrensbedingte Ri- siken einzugehen, wird gemeinsam besprochen. Bei bedrückenden Untersu- chungsergebnissen stellen sich weitere, die momentane Situation der Eltern und die Zukunft des noch ungeborenen Kindes betreffende grundsätzliche Fra- gen, oft eingebettet in ein Durcheinander von Angst, Unglauben, Verzweiflung und Perspektivunsicherheit.7 Pro Familia bekundet, die Beratungsarbeit „an den Bedürfnissen, Lebensumständen und Wertvorstellungen der Frau oder des Paares“ zu orientieren und sie „ergebnisoffen und konfessionell unabhängig“ zu führen.8

Diverse Internetforen dokumentieren Erfahrungsberichte, die die Ambiva- lenz der Nutzung pränataler diagnostischer Untersuchungsmethoden wider- spiegeln. Insbesondere die kommunikativen und zwischenmenschlichen As- pekte von Situationen, in denen eine mögliche Erkrankung des noch Ungebo- renen mitgeteilt wird, sind von großer „Verarbeitungswichtigkeit“. Dafür ein Beispiel einer wegen einer befürchteten Trisomie 21 durchgeführten pränatalen Untersuchung und „ärztlichen Begleitung“ in raffender Darstellungsweise:

„Während der Ultraschalluntersuchung erklärte Frau Dr. M. rein gar nichts. Als meine Frau […] nachfragte, wurde sie schroff zurückgewiesen. Frau Dr. M. überfuhr uns mit Messwerten und Begriffen, […] einen genau- en Wert teilte sie erst auf nochmaliges Verlangen mit. […]. Ohne uns die verschiedenen Werte zu erklären, fragte Sie nach den Ängsten meiner Frau und tat überhaupt nichts um auf diese einzugehen. Erst als ich keine Ruhe gab und Sie konkret ansprach teilte Sie uns mit, dass unser Risiko jetzt bei 1:93 liegt, was sehr schlecht sei. Danach schickte Sie uns aus dem Behand- lungszimmer ohne noch irgendwelche Fragen zuzulassen. Mit einem sehr mulmigen Gefühl und total verunsichert verließen wir die Praxis. Als am Montag der Befund bei uns eintraf, riefen wir in der Praxis an. […] Als meine Frau sie auf die Biochemie-Werte ansprach ging Frau Dr. M. nicht auf diese ein, Sie sagte nur sie können es auch bleiben lassen, ein Kind mit Trisomie21 bekommen und die Schwangerschaft genießen. Es kam kein einziges freundliches oder aufbauendes Wort über die Lippen der Ärztin, eiskalt und emotionslos nahm Sie zur Kenntnis, dass meine Frau einen Nervenzusammenbruch erlitt. Als Schlußwort teilte sie uns nochmal mit, dass wir ja das behinderte Kind austragen können, dies sei nicht Ihr Prob- lem.

Ich bin kein Mediziner, daher darf ich über die fachliche Eignung nicht spekulieren, aber "menschlich" ist diese Praxis, vor allem Frau Dr. M. das absolut Letzte.“9

Dieser Erfahrungsbericht dokumentiert sicherlich ein extremes Beispiel missglückter Interaktion zwischen Arzt und Patient in den Bereichen Transpa- renz, Empathie, Begleitung und Tonart. Das Überbringen einer „schlechten Nachricht“ erfolgt im Idealfall schonungsvoller, anteilnehmender und weiter- führender. - Andere Erfahrungsberichte verweisen auf Folgendes: Eine Schrei- berin blickt, trotz Begleitung der Schwangerschaft durch pränatale Untersu- chungen auf Trisomie 13/18, auf eine Fehlgeburt zurück, verursacht durch den Strangulierungstod des ungeborenen Kindes an der Nabelschnur. Dankbar über die Existenz von Dialogplattformen im Internet berichtet sie kritisch über ihr eigenes Verhalten während einer erneuten Schwangerschaft: „In meiner Folgeschwangerschaft machte ich den Fehler, mich wieder ‚in die Fänge‘ der Pränataldiagnostik zu begeben. Dieses Mal wollte ich nur ein Ultraschall haben ohne Biochemie […]. Das Resultat war dann wieder ernüchternd: Nackenfalte 3,3 mm. […] Auf das Organscreening in der 21. SSW ließ ich mich ein. Dort wurden noch 2 White Spots auf dem Herzen festgestellt, sowie ein moderater Nierenstau. Das ganze "ver- schlechterte" unsere Wahrscheinlickeit auf 1:10. […] Und das Resultat der ganzen Aufregung ist ein kerngesunder Junge. […]Ich wünschte, ich hätte mich nicht in die »Mühlen der Pränataldiagnostik« begeben. Meine schöns- te SS war die erste, in der ich außer der normalen Vorsorge keinerlei Präna- taldiagnostik gemacht habe, weil mein FA mich nicht über die Möglichkei- ten aufgeklärt hat. Damals war ich ein bisschen sauer, weil ich später er- fuhr, was es für Möglichkeiten gibt...“10

Die Vielschichtigkeit und Komplexität menschlicher Reaktionsmuster wäh- rend der Durchführung pränataler diagnostischer Maßnahmen wird durch beide Erfahrungsberichte ansatzweise verdeutlicht. Die Bundeszentrale für gesund- heitliche Aufklärung betont nach der Auswertung von drei Modellprojekten „die Notwendigkeit psychosozialer Beratung“ als „ein Muss bei pathologem fetalen Befund“ und stellt fest, dass „Niedergeschlagenheit, ausgeprägtes Grü- beln, innere Unruhe, Verzweiflung, aber auch das Gefühl hin und her gerissen zu sein, Unwirklichkeitsgefühle oder innere Gefühllosigkeit“ zu den auffälligs- ten Symptomen während dieser belastenden Zeit gehören.11 Die Belastungs- vielfalt ist hoch, ebenso wie die Belastungsstärke für die Ratsuchenden, was in gleicher Weise für Frauen und Paare gilt, die die Möglichkeit, aber auch die Anforderungen der PID für sich in Anspruch nehmen.

2.2 Anmerkungen zur Präimplantationsdiagnostik

Doch schon im Vorfeld einer möglichen Schwangerschaft kann es zum Auftreten ähnlicher Symptome wie Desorientierung und Hilflosigkeit kommen. Dies verdeutlichen Erfahrungsberichte von potentiellen Eltern, die im Rahmen ihrer Familienplanung eigene genetische Anlagen, die zur späteren Bildung von Krankheiten des noch zu zeugenden Kindes führen könnten, mit berück- sichtigen müssen. Diesen und anderen Paaren mit z.B. wiederholt erfolgloser In-Vitro-Fertilisation (IVF), einer hohen Fehlgeburtsrate oder auch der Not- wendigkeit der ICSI-Behandlung, einem zellinvasiven Befruchtungsverfahren, steht in Form der Präimplantationsdiagnostik ein neuartiges Zeugungs- und Diagnoseinstrument zur Verfügung.

Die technischen Voraussetzungen dafür wurden in den USA, in England und Belgien geschaffen. Sie ermöglichten anfangs eine extrakorporale Ge- schlechtsbestimmung des befruchteten Zellkörpers, später zusätzlich den ge- zielten Ausschluss monogenetischer Erbkrankheiten, die Erkennung bestimm- ter Behinderungsformen oder die Eignung für etwaige Organ- oder Gewe- bespendung, insbesondere zur Heilung bereits erkrankter Familienangehöriger.

Das Deutsche Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften erklärt die entsprechenden medizinisch-naturwissenschaftlichen Aspekte detailliert:

Aufnahmen von Embryos

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„Der Begriff ‘Präimplantationsdiagnostik‘ (PID) (engl. treffender: preimplantation genetic diagnosis (PGD)) bezeichnet Verfahren, die eine Diagnose an Embryonen ermöglichen, die durch extrakorporale Befruch- tung mit Hilfe der In-Vitro-Fertilisation (IVF) bzw. der intrazytoplasmati- schen Spermieninjektion (ICSI) gewonnen wurden. Dabei wird das Erbgut von ein bis zwei Zellen eines mehrere Tage alten Embryos, meist während des so genannten 8-Zell-Stadiums (Blastomere) und damit ca. drei Tage nach der Befruchtung, hinsichtlich bestimmter krankheitsrelevanter Muta- tionen oder Chromosomenanomalien untersucht, bevor der Embryo in die Gebärmutter übertragen wird. […]Die […] dem Embryo zur Untersuchung entnommenen ein bis zwei Zellen sind zu diesem Zeitpunkt totipotent, das heißt es kann davon ausgegangen werden, dass sich unter bestimmten Be- dingungen aus ihnen je eigenständige Embryonen entwickeln könnten. Da die Zerstörung totipotenter Zellen ethisch und rechtlich als problematisch angesehen wird […], wird vorgeschlagen die Zellentnahme (Biopsie) fünf bis sechs Tage nach der Befruchtung und damit im sog. Blastozystenstadi- um durchzuführen. Diese Zellen sind nach Stand der derzeitigen Forschung nicht mehr totipotent, sondern lediglich pluripotent. Durch die zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich engeren Zellverbindungen (sog. Kompaktifi- zierung) besteht allerdings eine größere Gefahr der Verletzung einzelner Zellen, deren Erbmaterial dann die Untersuchungsprobe verunreinigen könnte.“12

Die Überblicksinformationen des Deutschen Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften verweisen darauf, dass, so wird geschätzt, bis zum Jah- re 2005 europaweit ca. 12.000 PID-Anwendungen erfolgt sind, die zur Geburt von ca. 2.000 bis 5.000 Kindern geführt haben. Insbesondere Personen mit innerfamiliär vorliegenden schweren monogenetischen Erberkrankungen fra- gen um eine PID-Behandlung nach, wobei die nicht therapierbaren neuronalen Erkrankungen Chorea Huntington und Myotone Dystrophie am häufigsten ver- treten sind.13 Die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose, deren Entstehung aktuell durch das gestörte Zusammenwirken von 20 bekannten Genen und 29 „Genorten“, die für das Immunsystem bedeutsam sind, zurückgeführt wird, entzieht sich z.B. wegen der genetischen Komplexität der Erkrankung dem PID-Verfahren.14

In der hier zitierten Veröffentlichung wird ansatzweise auf ethische Streit- fragen, die mit dem PID-Verfahren verbunden sind, hingewiesen. Diese wer- den angedeutet durch den Verweis auf den Unterschied von totipotenten und pluripotenten Zellkörpern und der Feststellung, dass aufgrund „der Risiken und der Komplexität des Themas […] viele Paare die Anwendung der PID nach eingehender Beratung“ scheuen.15

Methoden der Pränataldiagnostik begleiten nach dem Transfer der durch das PID-Verfahren ausgewählten Embryonen in die mütterliche Gebärmutter den weiteren Verlauf der Schwangerschaft.

Auf die Frauen und Paare, die sich einem PID-Verfahren unterziehen, kommen u.a. folgende Belastungen zu: Die Medikamentierung bestimmter Hormone kann ein ovarielles Hyperstimulations-Syndrom hervorrufen, Mehrlingsschwangerschaften sind nicht auszuschließen, es verbleibt ein Restbestand nicht transferierter Embryonen und die Wechselwirkungen zwischen Hoffnungen und Ängsten belasten zusätzlich.

Die Publikation des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften ergänzt: „Für die Embryonen bestehen die Risiken darin, bei einem Befund, nicht aussagekräftigen Untersuchungsergebnissen oder nach Fehldiagnosen nicht übertragen und vernichtet zu werden.“16

Ein Erfahrungsbericht eines, wie es sich im Verlauf der unterschiedlichen PID-Maßnahmen herausstellt, sowohl väterlicher- wie auch mütterlicherseits vorbelasteten Paares verdeutlicht das gedankliche Ringen, die inneren Beweg- gründe und emotionalen Belastungen beider Beteiligten eindrucksvoll. Da die- ser Bericht aus dem Jahre 2003 datiert, dokumentiert er zugleich die damalige Notwendigkeit, die nachgefragte PID als in Deutschland lebendes Paar in Bel- gien durchführen zu lassen. Die Verfasserin führt anfänglich aus, dass von bei- den Partnern der Kinderwunsch ein „sehnlichster“ und ihr Leben und Denken davon bestimmt war. Allerdings ist ihr Partner durch die Erkrankung Mukovis- zidose vorbelastet, was u.a. eine extrem verringerte Zeugungsfähigkeit zur Fol- ge hat. Ihre erste Reaktion beschreibt sie mit folgenden bekenntnisartigen Wor- ten: „Ich hätte es mir damals einfach machen können, einfach gehen können. Ich hätte mir einen anderen Mann suchen können, ein Kind bekommen können. Aber es war nicht ein "irgendein" Kind, das ich mir wünschte, nein ich liebte diesen Mann und ich wollte sein Kind. Wir wollten zusammen ein Kind, einen Teil von ihm und einen Teil von mir und das zusammen in einem wunderbaren Individuum. Ein Produkt unserer Liebe!“17

Ein Urologe stellt die eindeutige Zeugungsunfähigkeit fest und spricht der Schreiberin zugleich mahnend „ins Gewissen, ob ich denn wirklich ein Kind von einem Mukoviszidose kranken Mann bekommen möchte, ob ich mir denn auch überlegt hätte, daß unser Kind wahrscheinlich nicht lange etwas von sei- nem Vater hätte, aufgrund der geringen Lebenserwartung. Zum Glück war das telefonisch, ich habe einfach aufgelegt.“18 Als ein weiterer Arzt nach der Un- tersuchung des Blutes der Mutter auch sie als genetische Trägerin für eine Mu- koviszidoseerkrankung diagnostiziert, werden ihre Selbstwahrnehmung und zugleich ihre gemeinschaftliche Zukunftsplanung erschüttert. Dies gibt die folgende Selbstbeschreibung zu erkennen:

„Wir waren beide geschockt, einfach sprachlos. Das hieß für uns, daß unser Nachwuchs zu 50% an einer Mukoviszidose erkrankt sein würde. […] Ich weiß nicht, ob jemand der noch nie in solch einer Situation war, nachvollziehen kann, was in diesem Moment in uns vorging. Wut, Ver- zweiflung, Trauer, dass wir das natürlichste und wunderbarste auf der Welt nicht erleben sollten, weil wir damit eine schwere Krankheit unseres Kin- des riskieren würden. Wir entschieden uns dieses Risiko auf keinen Fall einzugehen. Nicht weil wir denken, das daß Leben eines behinderten, kran- ken Kindes nicht lebenswert ist. Nein, wir beide wissen, daß gerade diese Menschen etwas ganz besonderes und wunderbares sind, ohne diese Men- schen wäre diese Welt in der wir leben nur halb so lebenswert. Wir ent- schieden uns aus mehreren Gründen das Risiko nicht einzugehen, aber der entscheidenste Grund war die Zukunft, das Leben unseres Kindes. Wir wollten ihm auf jeden Fall, wenn es in unserer Macht lag, Schmerzen und Leid ersparen! Aus beruflichen Gründen habe ich mit kranken Menschen zu tun, sie leiden zu sehen und nicht helfen zu können das ist furchtbar, und ich sehe dass es ihnen nicht gut geht und sie oft traurig und verzweifelt sind! Das eigene Kind leiden zu sehen, ist denke ich das furchtbarste für ei- ne Mutter.“19

Weitere Beweggründe für die Nutzung des PID-Verfahrens werden ange- führt: Der Vater will besonders seinem Kind als von der Krankheit Betroffener die damit verbundenen sozialen Erlebnisse und gesundheitliche Einschränkun- gen ersparen. Er weiß um das sorgenfreiere Leben seiner Altersgenossen. Die Mutter ihrerseits schreckt vor der Doppelbelastung zurück, die durch einen ungünstigeren Krankheitsverlauf des Partners und durch das bereits postnatal aufwändig zu versorgende Kind zwangsläufig eintreten würde. Sie kommt zu einer kritischen Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsvermögens ange- sichts zusätzlicher Handicaps und Anforderungen. Ferner lehnt das Paar es ab, den sich entwickelnden Embryo nach einer eventuellen positiven Fruchtwas- seruntersuchung abzutreiben, wie es die zu dieser Zeit gültigen Gesetze ermög- lichen bzw. damals noch abverlangen. Ihre Verzweiflung und ihr „Ringen nach jedem Strohhalm“ lässt sie eine belgische Klinik aufsuchen, die die PID erst nach viermaligen und ergebnisoffenen Aussprachen über die Methode und die Risiken der PID in Unterstützung von Fachärzten und Psychologen anbietet. Voraussetzung ist, dass die Nachfragenden in hohem Maße erblich vorbelastet, zugleich aber körperlich und mental stabil sind. Nach der hormonellen Stimu- lierung, nach Verhinderung des natürlichen Eisprungs und anderer Maßnahmen auch beim Partner, wurde den jeweils befruchteten Eizellen am fünften Tag ihrer Entwicklung eine Zelle entnommen und auf Mukoviszidose untersucht. Zwei Embryonen, mit einer Sicherheit von 98 % ohne eine Mukoviszidose, wurden der Schreiberin implantiert. Die beginnende Schwangerschaft löst aber nicht nur Erleichterung und Freude aus: „Eine Angst folgte auf die andere. Erst hatten wir also Angst vor einer Fehlgeburt, danach vor einer Frühgeburt und dann hatten wir einfach Angst, dass bei der Geburt etwas schief gehen könnte. Jede Schwangere ist wohl ängstlich, besonders bei dem ersten Kind und beson- ders nach solch einer Vorgeschichte.“20

Das von der PID nicht auszuschließende Restrisiko von einer 2%igen Er- krankungswahrscheinlichkeit an Mukoviszidose bleibt bewusst im Verlauf der Schwangerschaft bestehen, da das Paar auf eine angeratene Fruchtwasserunter- suchung verzichtet, „denn trotz der PID wäre ein behindertes, krankes Kind genauso gewollt und erwünscht gewesen wie ein gesundes. Wäre dies der Fall gewesen, so hätte es nicht in unserer Macht gestanden daran etwas zu ändern. Aber wir mussten uns dann keine Vorwürfe machen, nicht alles nur Mögliche für die Gesundheit unseres Kindes getan zu haben.“21

Abschließend bekundet die Schreiberin die Richtigkeit ihres Umgangs mit dem beidseitig vorhandenen Kinderwunsch unter den Vorzeichen einer mono- genetischen Erbkrankheit. Sie ist dankbar und glücklich darüber, dass ihr aktu- elles familiäres Zuhause nicht aus wechselnden Kinderkliniken besteht. Es ist dem Paar gelungen, dank der PID, seiner „obersten Pflicht“ nachzugehen, ih- rem Kind eine Erkrankung zu ersparen, deren Eintreten unvermeidbar ist, „so- fern es“, wie die anonyme Schreiberin es betont, „in unserer Macht steht“.22

Dieser anonymisiert vorliegende Erfahrungsbericht zeigt, dass es Lebenssi- tuationen gibt, die vielfältige Herausforderungen stellen: Abverlangt wird in diesem Beispiel beiden Beteiligten ein Bekenntnis zur bestehenden Partner- schaft. Beide werden konfrontiert mit der Frage nach ihrer Bereitschaft, etwas für andere zu leisten und das Leiden anderer mitzutragen. Beide müssen dem sozialen Druck standhalten, der auf einem erkrankten Vater oder einem er- krankten Kind lastet. Beide müssen sich informieren über moderne medizini- sche Verfahren und reflektiert und auswählend auf sie zurückgreifen. Sie müs- sen sich mit ungünstigen Diagnosen und emotionalen Niederschlägen ebenso auseinandersetzen wie mit der Option einer Abtreibung. Sie sind bereit, ihr kleines familiäres Glück nicht als Begründung für einen völligen Rückzug zu begreifen, sondern sie stellen das, was sie selbst erlebt haben, öffentlich zur Diskussion. Dabei formulieren sie nachdrücklich ihren Selbstanspruch, der darin besteht, zumindest ein diagnostizierbares schweres Krankheitsbild dem eigenen Nachwuchs gezielt ersparen zu wollen. Die Perspektive der Schreibe- rin berührt allerdings nicht die Frage nach dem Verbleib und dem Wert der weiteren vorbelasteten oder genetisch nicht vorbelasteten befruchteten Zellkör- per.

Eben diese verbleibenden, ausselektierten Zellkörper sind es, die mit der ersten in Deutschland publizierten PID-Maßnahme in den Mittelpunkt der öf- fentlichen Diskussion gerieten, sodass im Blick auf den diese PID-Behandlung durchführenden Arzt mehrere Zeitschriften folgende Überschrift salopp formu- lierten: „Der Arzt, der den Streit implantierte“.23

3. „In dubio pro embryone?“ - Zur Diskussion um die PID anhand der Frage nach der Wertigkeit der dabei anfallenden Embryonen

Die Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungs- wie Intensivmedizin stel- len religiös geprägte ethische Konzeptionen ebenso vor neue Herausforderun- gen wie philosophische oder eher an die Naturwissenschaften angelegte Über- legungen. Gegenstand der Reflektion bildet insbesondere die Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens. Dabei wird sowohl die prä- wie postnatale prozesshafte Entstehung des werdenden Lebens bereits vom Moment der Be- fruchtung einer Eizelle durch ein männliches Spermium reflektiert und disku- tiert. Aber auch die Frage nach den Grenzen des Lebens und dem Prozess des Sterbens wird aktuell intensiv erforscht und mit unterschiedlichen, oft konträ- ren Positionen beantwortet (z.B. Komapatienten, Sterbephasen, Hirntod- Kriterium, allmähliches Absterben organischer Prozesse etc.).

Die Diskussion um die Fortpflanzungsmedizin und die Präimplantationsdi- agnostik fokussiert sich in hohem Maße auf die Wertigkeit der dabei entste- henden Embryonen. Zur Qualität der durch das Vorgehen von Dr. Bloechle ausgelösten bundesweiten Diskussion schreibt der Jurist Friedhelm Hufen, dass sie „in Deutschland mit besonders hohem ethischen Anspruch, historisch be- gründeten Verantwortungsbewusstsein, auch hoher Emotionalität“, allerdings auch mit einer anwachsenden „Polarisierung“ geführt wird.24 Diese Polarisie- rung soll in den folgenden Abschnitten der Arbeit nachgezeichnet werden.

[...]


1Otto F. Lachmann: „Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus“, Leipzig: Reclam, 1888 [u.ö.] (Reclams Universal-Bibliothek ; 2791/94a)

2N.N., „Augustinus von Hippo“, online auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus_- von_Hippo - Auch die Abbildung ist dieser Seite entnommen

3 Nature 146 (1940). 605-607

4 Die kirchlichen Verlautbarungen sind als offizielle Dokumente sowohl in Zeitschriften als auch im Internet veröffentlicht worden, sodass der schnelle Zugriff auf das Angebot im In- ternet dominiert. Gleiches gilt für die offiziellen Stellungnahmen säkularer Gruppen bzw. Verbände. Die Dokumentation zweier im Internet veröffentlichter Erfahrungsberichte be- troffener Eltern/Paare dient dazu, den oft abstrakten, theoretischen und grundsätzlichen Ausführungen die konkrete Wirklichkeit gegenüberzustellen.

5 Christian Weber skizziert in seinem Artikel „Der Mythos vom Elternglück“ (Süddeutsche Zeitung, 04.03.2011, S. 31) Ergebnisse kanadischer Psychologen, die im Blick auf u.a. die finanziellen Kosten, das eingeschränkte Liebesleben, das verringerte Zeitbudget von Eltern feststellen, dass die Behauptung, Kinder erfüllten das Leben, eine Art konstruktiver Selbstbetrug sei: „In dem Bestreben kognitive Dissonanz zu vermeiden, würden sich Eltern ihr Leben schönreden, ähnlich wie es Menschen tun, die einen missglückten Haus- oder Autokauf rationalisieren wollen: Was teuer war, muss einfach gut sein.“

6 Vgl. Bundesanzeiger Nr. 124 vom 19.05.2011 (neuste Fassung der Richtlinien)

7 Auszüge aus dem Katalog erwartbarer Fragestellungen: Ist es wirklich so? Brauche ich noch weitere Bestätigungen der Diagnose? Kann ich dieses Kind mit seinen Einschränkun- gen annehmen? Welche Hilfen stehen mir zur Verfügung? Wie soll ich mich entscheiden? Darf ich den Gedanken an einen Abbruch haben? Wie kann ich von meinem Wunschkind Abschied nehmen? - N.N., „Beratung zur vorgeburtlichen Diagnostik - Pränataldiagnos- tik“, online auf: http://www.profamilia.de/angebote-vor-ort/nordrhein-westfalen/wupper tal/praenataldiag nostik-untersuchungen-vor-der-geburt.html

8 Ebd.

9 N.N., online auf: http://www.babyclub.de/mybabyclub/forum/themen/11532539.erfahr ungsberichte-praenataldiagnostik.html. - Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler wur- den beibehalten.

10 N.N., online auf: http://www.eltern.de/foren/praenataldiagnostik/538617-erfahrungsbe richt-praenataldiagnostik-vorsicht-lang.html

11 Anke Rohde, Christiane Woopen, online auf: http://forum.sexualaufklaerung.de/index- php?docid=991

12 Minou Friele, Maike Gersdorff, „Präimplantationsdiagnostik“ online auf http:// www.drze.de/im-blickpunkt/pid

13 Ebd. - Weitere monogenetische Erkrankungen sind Cystische Fibrose (auch unter Muko- viszidose bekannt), Spinale Muskelatrophie, Sichelzellanämie, ß-Thalassämie, Epidermoly- sis bullosa, Marker-X-Syndrom u.a.

14 N.N., „Ursache für Multiple Sklerose könnte im Immunsystem liegen“ online auf: http://www.tagesspiegel.de/wissen/ursache-fuer-multiple-sklerose-koennte-im-immunsy stem-liegen/4486 550.html

15 Minou Friele, Maike Gersdorff, „Präimplantationsdiagnostik“ online auf http:// www.drze.de/im-blickpunkt/ pid

16 Ebd.

17 N.N., online auf: http://mukoland.de/pidII.htm - Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler wurden beibehalten.

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Heike Haarhoff, „Der Arzt, der den Streit implantierte“, online auf: http://www.badische- zeitung.de /nachrichten/deutschland/der-arzt-der-den-streit-implantierte--44140657.html ebenso: Heike Haarhoff, „Der Arzt, der den Streit implantierte“, online auf: http://www.taz.de/!67245/

24 Friedhelm Hufen, „Individuelle Rechte und die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik“, in Carl Freidrich Gethmann, Stefan Huster (Hrsg.): Recht und Ethik in der Präimplantati- onsdiagnostik, München 2010, S. 129

Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
Religiöse und säkulare Positionen innerhalb der aktuellen Debatte über die Präimplantationsdiagnostik
Untertitel
Übereinstimmungen und Abgrenzungen
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Philosophie)
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
65
Katalognummer
V265248
ISBN (eBook)
9783656607892
ISBN (Buch)
9783656607847
Dateigröße
832 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PID, Debatte, Religiös
Arbeit zitieren
Malte Wilke (Autor), 2011, Religiöse und säkulare Positionen innerhalb der aktuellen Debatte über die Präimplantationsdiagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265248

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