Friedrich Hölderlin. Menons Klagen um Diotima

Biographischer Kontext, Änderungen zur Frühfassung ‚Elegie‘, Inhalt und Aufbau des Textes


Hausarbeit, 2012
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Biographischer Kontext
2.2 Vergleich ‚Elegie‘ - ‚Menons Klagen um Diotima‘
2.2.1 Vorbemerkungen
2.2.2 Vergleichende Analyse
2.3 Aufbau und Inhalt der Elegie ‚Menons Klagen um Diotima‘
2.3.1 Aufbau
2.3.2 Inhalt

3. Schlussbemerkung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit Friedrich Hölderlins Werk ‚Menons Klagen um Diotima‘ werde ich mich in dieser Seminararbeit auseinandersetzen.

Dabei gehe ich auf die für die Entstehung des Textes relevanten biographischen Umstände des Dichters ein, um den Text auch als Ergebnis einschneidender Lebenserfahrungen zu begreifen.

Des weiteren werde ich mich mit der Frühfassung dieses Textes, welche den Namen ‚Elegie‘ trägt, befassen und beide Werke miteinander vergleichen, um Änderungen Hölderlins in der zweiten Fassung nachvollziehen zu können.

Danach werde ich auf Aufbau und Inhalt des Textes ‚Menons Klagen um Diotima‘ eingehen, dabei auch die, für das Verständnis des Textes bedeutsamen Textstellen, näher beleuchten und deuten.

Im Schlussteil fasse ich meine Beobachtungen kritisch zusammen.

2. Hauptteil

2.1 Biographischer Kontext

Hölderlin folgt zunächst dem Wunsch seiner Mutter, Pfarrer zu werden und beginnt folglich 1788 in Tübingen ein Theologiestudium. Während seines Studiums lernt er auch Friedrich Schiller kennen, der ihm eine Arbeitsstelle bei Charlotte von Kalb als Hofmeister bzw. Hauslehrer anbietet, die er 1793/1794 antritt. Im Mai 1795 verlässt er, nach kurzem Aufenthalt in Jena die Stadt, wohl aufgrund des mittlerweile beengenden Verhältnis zu Schiller. Den depressiven Hölderlin zieht es in das heimatliche Nürtingen: „Sommer und Herbst 1795 verbringt H. [Hölderlin] In einer düsteren Stimmung in Nürtingen.“1

Im Jahre 1795/1796 tritt er dann eine Stelle als Hauslehrer bei der Familie Gontard, die dem Patriziat angehörten, in Frankfurt an. Zunächst äußert er in Briefen an Freunde und Bekannte seinem Unmut über sein Angestelltenverhältnis und den Reichtum seines Arbeitgebers, doch bald verliebt sich Hölderlin in die verheiratete Hausherrin Susette Gontard. In einem Brief an seinen Freund Neuffer schreibt er:

[…] ‚Sie ist schön, wie Engel. Ein zartes geistiges himmlischreizendes Gesicht! Ach! ich könnte ein Jahrtausend lang in seeliger Betrachtung mich und alles vergessen, bei ihr, so unerschöpflich reich ist diese anspruchslose stille Seele in diesem Bilde! Majestät und Zärtlichkeit, und Fröhlichkeit und Ernst, und süßes Spiel und hohe Trauer und Leben und Geist alles ist in und an ihr zu Einem göttlichen Ganzen vereint.‘2

Die Worte Hölderlins drücken in diesem Brief eine Art Idealisierung und Überhöhung zu einem fast göttlichen Wesen aus. Aber auch die Tatsache, dass Susette Gontard das in Schillers ‚Thalia‘ erschienene ‚Hyperion-Fragment‘ gelesen hatte, beeindruckte ihn. Dort erscheint die Figur der Diotima zum ersten Mal bei Hölderlin. Dem Protagonisten Hyperion erscheint Diotima, in dessen Gegenwart er den Zustand der Vollkommenheit erfüllt sieht. Im Dialog mit Diotima spricht Hyperion sein Leiden an, die große Differenz zwischen Ideal und der tatsächlichen Wirklichkeit.

Nicht nur in der Literatur, sondern auch im Bezug auf sein Leben wird deutlich, wie wichtig ihm diese Thematik erscheint. Die Gegenwart begreift der Lyriker als eine „Krisen- und Übergangszeit“3 zum Ideal. Außerdem sieht er die Realität als ein Übergangsstadium an, d.h. auch in der Gegenwart erscheinen bereits Hinweise einer zukünftigen, idealisierten Welt. Auf der Suche nach dieser irdischen Idealisierung ist die Liebschaft zu Susette Gontard zu verstehen.

Die Figur der Diotima erscheint bereits in Platons Werk ‚Symposion‘. Diotima wird von einer Priesterin verkörpert, die Platon über die Liebe, den Eros, belehrt. Dabei spricht sie von der Erhabenheit des Eros über das Individuelle. Sie widerspricht der Ansicht Platons, dass der Eros ein Gott sei und erläutert, dass dieser zwischen Gott und Mensch stehe. Schon hier ist der Bezug von Ideal und Wirklichkeit deutlich, den Hölderlin in seinem Werk ‚Menons Klagen um Diotima‘ aufgreift.

In der Zeit als Hauslehrer in Frankfurt entstehen mehrere ‚Diotima- Gedichte‘, deren chronologische Abfolge weißen auch Parallelen zur Beziehung der Beiden auf. In diesen Gedichten kommt eine „fortschreitende[n] Entfernung der Liebenden voneinander“ 4 zur Sprache, dessen letztes Gedicht ‚Menons Klagen um Diotima‘ mit der Trennung von Susette Gontard gleichgesetzt werden kann. Grund für die Trennung waren wohl die „Demütigungen der großbürgerlichen und aristokratischen Gesellschaft“5, denen der Lyriker durch seinen Beruf im Hause Gontard ausgesetzt war. Im September 1798 kommt es zur endgültigen Trennung, Hölderlin bleibt bis zum Mai 1800 mit Susette Gontard in Briefkontakt. In diesen Briefen beklagen beide in einem Zustand der „fast infantilen Ohnmacht“6 die herrschende soziale Ordnung, die zu ihrer jeweiligen Position geführt hat, welches ein gemeinsames Zusammenleben als unmöglich erscheinen lässt.

Nach dem Antritt einer Hofmeisterstelle in Hauptwil 1801 und der Rückkehr nach Nürtingen, beginnt Hölderlin Anfang 1802 eine Reise nach Bordeaux. Nach der erneuten Rückkehr in seine Heimat - wohl im Juni oder Juli desselben Jahres, erfährt Hölderlin vom Tod seiner Geliebten Susette Gontard am 22. Juni, wobei die Ereignisse im Juni 1802 historisch unklar sind und viel Spielraum für verschiedenste Interpretation lassen. Unstrittig ist dagegen die Tatsache, dass die Nachricht vom Tod Susettes dem psychisch labilen Dichter sehr nahe geht. Hölderlin führt sein literarisches Schaffen in den Jahren darauf fort, welches geprägt ist von Kreativität, aber auch mit allmählichen Realitätsverlust einhergeht. Auch im sogenannten ‚Hölderlinturm‘ schreibt er noch Gedichte, die teilweise auch an die ‚Diotima-Lyrik‘ anknüpfen.

2.2 Vergleich ‚Elegie‘ - ‚Menons Klagen um Diotima‘

2.2.1 Vorbemerkungen

Von Hölderlins Gedicht ‚Menons Klagen um Diotima‘ sind zwei Fassungen erhalten: Zum einen die 1. Fassung, welche den Titel ‚Elegie‘ trägt und die Zweitfassung ‚Menons Klagen um Diotima‘. Die Entstehungszeit der 1.Fassung ist nicht genau datierbar, wobei man den Zeitraum zwischen Herbst 1799 und Sommer 1800 eingrenzen kann. Am wahrscheinlichsten, was Entstehungszeit der zweiten Fassung anbelangt, ist diese aus „biographische[n] und formale[n] Gründe[n]“7 wohl bis Sommer 1800 anzusiedeln. Hölderlin wählte für seine 1. Fassung den Titel ‚Elegie‘ und damit auch die dazugehörende Gattungsbezeichnung. Das tat Hölderlin, weil „die in der Gattungstradition dominante römische Elegie immer Liebes- Elegie ist“ (HSG 702). Das heißt, dass der Lyriker, was Inhalt und Gattungsbezeichnung anbelangt, die Tradition der römischen Liebes-Elegie in seinem Gedicht fortführt. Merkmale dieser elegischen Form sind „die beiden Junkturen aus Liebe und Leid und aus Liebe und Dichtung.“8

Der Titel der 1.Fassung ‚Elegie‘ wird im Titel der zweiten Fassung inhaltlich konkretisiert: Menon trauert um das verlorene Ideal. Dennoch stehen hier nicht das Leid und die Trauer des Protagonisten im Vordergrund, sondern eine Begeisterung für das Ideal, wie Schiller es in seinem Werk ‚Über naive und sentimentalische Dichtung‘ formuliert: „Wie der Unwille bey der pathetischen und wie der Spott bei der scherzhaften Satyre, so darf bey der Elegie die Trauer nur aus einer, durch das Ideal erweckten, Begeisterung fließen.“9 Die Begeisterung ist folglich die Voraussetzung für die Trauer. Diese Trauer kann dann im Bewusstsein des Verlustes als Ergebnis einer kritischen Reflexion Menons interpretiert werden. Während das Ideal in der Idylle als spätere Realität aufgefasst wird, „trauert der Dichter [als Elegiker] über die verlorene Natur oder über die Unerreichbarkeit des Ideals, welches er aber zugleich elegisch erinnert.“10 Sowohl Titel als auch Länge der beiden Fassungen unterscheiden sich, auch auf inhaltlicher Ebene lassen sich einige Unterschiede feststellen. Eine Gliederung in drei Strophentrias nimmt Hölderlin erst in der zweiten Fassung vor.

[...]


1 Johann Kreuzer: Hölderlin-Handbuch. Stuttgart 2002. S. 31.

2 Ebd., S. 34.

3 Stephan Wackwitz: Friedrich Hölderlin. Stuttgart 1997. S. 34.

4 Johann Kreuzer: Hölderlin-Handbuch. Stuttgart 2002. S. 35.

5 Ebd., S.33.

6 Stephan Wackwitz: Friedrich Hölderlin. Stuttgart 1997. S. 41.

7 Friedrich Hölderlin: Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Jochen Schmidt. Frankfurt a. M. 2005. S.267- 709; hier S.703. Im Folgenden zitiert als: HSG.

8 Mechthild Baar. dolor und ingenium, Untersuchen zur römischen Liebeselegie. Stuttgart 2006. S.8.

9 Friedrich Schiller. Über naive und sentimentalische Dichtung. Stuttgart 2002. S.47.

10 Gerhard Fricke und Herbert G. Göpfert. Sämtliche Werke in 5 Bänden. Band 5: Erzählungen Theoretische Schriften. München 1980. S. 728.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Friedrich Hölderlin. Menons Klagen um Diotima
Untertitel
Biographischer Kontext, Änderungen zur Frühfassung ‚Elegie‘, Inhalt und Aufbau des Textes
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Germanisitk)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V265266
ISBN (eBook)
9783656550006
ISBN (Buch)
9783656547839
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedrich, hölderlin, menons, klagen, diotima, biographischer, kontext, änderungen, frühfassung, inhalt, aufbau, textes
Arbeit zitieren
Jonas Abel (Autor), 2012, Friedrich Hölderlin. Menons Klagen um Diotima, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265266

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