Paarberatung im Kontext von Life Events

verdeutlicht am Zusammenhang bei Krebserkrankungen


Hausarbeit, 2011
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Life Events – Ein Auslöser für Beratungsbedarf

3. Beratung im Kontext von Krebserkrankungen
3.1 medizinische Beratung
3.2 psychologische Beratung
3.3 soziale Beratung
3.4 Beratung in der Rehabilitation

4. Die unterschiedlichen Blickwinkel im Kontext Krebserkrankung
4.1 Situation des Betroffenen (der Patient)
4.2 Situation des Partners
4.3 Situation der Dyade

5. Paarberatung im Kontext von onkologischen Erkrankungen
5.1 Paarberatung
5.2 Beratungsmethoden

6. Diskussion – Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Paarberatung im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung. Die Diagnose Krebs ist immer ein stark belastender und lebensverändernder Einfluss auf das Leben der betroffenen Person. Dies wird in allen gängigen Studien und auch in der Literatur deutlich zum Ausdruck gebracht. Doch wie sieht es mit dem sozialen Umfeld aus? Auch auf diesen Bereich hat die Auswirkung einer Krebserkrankung einen belastenden und zum Teil auch bedrohlichen Einfluss. Ich gehe so weit, dass ich diese Situation mit einem traumatischen Erleben gleichsetze. Diese Positionierung geht mit der einhelligen Meinung in der Literatur überein. Als Diplom-Sozialarbeiterin in der klinischen Sozialarbeit einer onkologischen Rehabilitationseinrichtung, habe ich täglich mit betroffenen Personen zu tun. Sie begegnen mir als Patienten mit vielen Fragen und Ängsten. Ein paar wenige Patienten bringen ihren Partner mit in die Rehaklinik. Es sind wenige, weil sich immer die Frage nach der Finanzierung stellt. Die Kosten für den Aufenthalt eines Partners werden vom Kostenträger nicht übernommen, es sei denn der Patient ist nicht in der Lage, sich alleine in der Klinik zu orientieren, was ein Arzt mit einem Attest bestätigen muss. Ansonsten muss der Partner oder das Paar die Kosten für diese Zeit selber tragen (für den Partner, nicht für den Patienten). Mir stellte sich im Laufe meiner Tätigkeit die Frage, ob die Anwesenheit eines Partners den Rehaprozess beeinflusst? Wenn ja, wie? Wie kommt es, dass ein Aufenthalt für ein Paar im Abrechnungssystem nicht vorgesehen ist? Gibt es unterschiedliche Anliegen, wenn man den Einzelnen (den Patienten) in einer Beratung erlebt im Vergleich zu Anliegen eines Paares? Welchen Problemen sieht sich ein Paar gegenübergestellt, wenn die Diagnose Krebs gestellt wird? Welche Art von Beratung wird im Kontext von Krebserkrankungen in Deutschland angeboten und wie kann Beratung wirken? Anhand von Literaturreche versucht die vorliegende Arbeit dieses Feld zu skizzieren. Ich beginne mit einer Beschreibung dessen was eine Krebserkrankung im Leben eines Menschen auslöst, ein Life event das alle Aspekte eines Lebens beeinflusst. Danach werden verschiedene Beratungsansätze für Betroffene erörtert mit einer Überleitung auf die entstehende Lebenssituation des Betroffenen, eines Partners und das System Paar. Nachdem die verschiedenen Aspekte, Ängste, Fragen und Veränderungen diskutiert wurden, gehe ich auf den Schwerpunkt der Paarberatung über. Diese ist auf dem Hintergrund der vorher skizierten Anliegen der Ratsuchenden zu verstehen. Innerhalb der Arbeit wechselt die Bezeichnung zwischen Patient, Ratsuchender und Betroffener. Dies hat zum Hintergrund, dass in den verschiedenen Beratungsansätzen die Person verschiedene Rollen zugeschrieben bekommt. Meint aber immer dieselbe Persönlichkeit. Der Einfachheit halber habe ich in der männlichen Person geschrieben, was aber weibliche Erkrankte und weibliche Partner genauso meint.

2. Life Events – Ein Auslöser für Beratungsbedarf

Es gibt im Leben viele verschieden Anlässe aus denen heraus eine Entscheidung folgen kann, Beratung in Anspruch zu nehmen. Ein Auslöser kann ein sogenanntes „Life Event“ sein. Unter einem Life event ist vor allem eine kritische Lebenssituation zu verstehen. Ein Ereignis, was nicht im alltäglichen Ablauf geschieht, sondern was ein Betroffener als ein Schwellenereignis erlebt. Dazu kann ein Berufsanfang, ein Umzug, die Geburt der eigenen Kinder oder wie in dieser Hausarbeit erörtert, eine onkologische Erkrankung (Krebserkrankung) gehören. In den meisten Kontexten, wie z.B. Klinik, Arztgespräch, Rehaeinrichtungen, u.a. wird dieses Schwellenereignis und dessen möglichen Auswirkungen erst einmal dem Betroffenen zugeschrieben. Aus medizinischer Sicht dem Patienten. Sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen bedeutet das Vorliegen einer onkologischen Diagnose ein Ereignis, dessen Botschaft erst einmal lautet: „[…] Die Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war, und auch die betroffene Person ist nicht mehr dieselbe wie vor dem Eintritt des Ereignisses (Flipp 2003, S. 297). Wenn die betroffene Person nicht mehr dieselbe sein wird, dann wird auch das soziale Umfeld nicht mehr dasselbe sein können, in dieser vorliegenden Arbeit explizit bezogen auf die Paarbeziehung.

Wie geht ein Betroffener oder auch ein Paar (Dyade) mit solch einer Situation um? In der Regel wird das Paar versuchen, auf vorhandene Bewältigungsstrategien zurückzugreifen (Copingstrategien). Ab dem Zeitpunkt, wo die Copingstrategien nicht mehr greifen, stellt sich die Frage für den Einzelnen und auch für die Dyade, was nun machbar sei. Hier ist der Zeitpunkt, wo z.B. eine Beratung (auch in Bezug auf die Paarbeziehung) in Anspruch genommen wird.

Beratung im Kontext der Krebserkrankung hat viele Fassetten und beginnt spätestens mit Diagnosestellung. Es sei denn, der Betroffene kam im Vorfeld in seinem sozialen Umfeld schon einmal mit dieser Thematik in Berührung. Dann kann es sein das eine Beratung im Bereich der Prävention von Krebserkrankungen in Anspruch genommen wurde.

3. Beratun g im Kontext von Krebserkrankungen

In der aktuellen Beratungslandschaft gibt es eine Vielzahl an Angeboten für 'direkt' Betroffene. Gemeint sind die Personen, die eine Krebsdiagnose erhalten haben und somit das 'Etikett' Patient bekommen. Neben verschiedenen Beratungsangeboten bietet sich für die Betroffenen oftmals auch der Zugang zu einer Psychotherapie. Nicht aufgrund der Krebserkrankung an sich, sondern aufgrund von Begleiterkrankungen, die im ICD-10 als anerkannte Erkrankung aufgeführt sind, z.B. eine Depression (vgl. Dilling 2008, S.132 ff). Um eine Beratung abrechnen zu können, muss eine Diagnose gestellt werden. Partnerschaftliche Probleme werden aber weder im ICD-10 noch im DSM IV als anerkannte Erkrankung aufgeführt. Es gibt darüber hinaus Beratungsangebote, die durch Bund und Länder gefördert werden und somit auch ohne Diagnosestellung den Ratsuchenden zur Verfügung steht. Dies fällt in den Bereich der niederschwelligen Angebote.

In Deutschland ist die Deutsche Krebshilfe auf dem Gebiet des niederschwelligen Beratungsangebotes sehr bekannt. Sie hält sowohl zu den verschiedenen Erkrankungsbildern Informationsmaterial bereit, als auch Adressen von Selbsthilfegruppen u.a. Angeboten (vgl.www.krebshilfe.de). Das deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) (vgl. www.krebsinformationsdienst.de) hält ein ähnliches Angebot vor, ist aber nicht so bekannt wie die Deutsche Krebshilfe. Es gibt auch einige regionale Anbieter, die ein gutes Beratungsangebot aufweisen können. Zu hinterfragen lohnt sich, ob ein Angebot für Angehörige gleichzusetzen ist mit einem Angebot explizit für eine Partnerschaft. Eine Partnerschaft bringt andere Fragestellungen und Problematiken mit sich, als ein Angehöriger als Einzelperson. Sollte es aus dieser Perspektive nicht ein verankertes Angebot für Paare geben, wie es sie auch für den Patienten als Einzelperson gibt? Da dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Fall ist, bleibt einem Paar nur die Möglichkeit über ein niedrigschwelliges Angebot eine Beratung aufzusuchen. Dies dies gestaltet sich teilweise nicht leicht, da das Angebot an Krebsberatungsstellen nicht flächendeckend ist.

Im nationalen Krebsplan des Bundesministeriums für Gesundheit wurde im Jahr 2009 eine Bestandaufnahme der aktuellen Situation von Krebspatienten erstellt und auch ein Punkteplan zur weiteren Umsetzung. Der nationale Krebsplan versteht sich als ein 'Gesamtprogramm zur Krebsbekämpfung'. Unter den Punkten, was in der Krebsbekämpfung erreicht wurde, liegt der Schwerpunkt auf verschiedenen Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen sowie im Bereich der Forschung. Die zu erreichenden Ziele wurden in verschiedene Untergruppen eingeteilt: Krebsfrüherkennung, Versorgungsstrukturen, onkologische Arzneimitteltherapie und Patientenorientierung. (vgl. Dr. med. Antonius Helou 2009) Unter Ziel Nr. 9 wird formuliert:

„Alle Krebspatienten erhalten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische und psychosoziale Versorgung: Verbesserung der Erkennung und Therapie behandlungsbedürftiger psychischer Störungen bei Krebspatienten und Angehörigen Sicherstellung der notwendigen psychoonkologischen und psychosozialen Versorgung im ambulanten und stationären Bereich (Dr. med. Antonius Helou 2009, S. 20).

Sowohl im Ziel Nr.9 als auch im Ziel Nr. 11 wird auf zielgruppengerechtes und qualitätsgesichertes Informations-, Beratungs- und Hilfsangebot hingewiesen. Auch Angehörige halten dort thematisch Einzug, doch eine weitere inhaltliche Erläuterung ist diesbezüglich nicht zu finden. Umsetzungsleitlinien, in denen Paarangebote im Rahmen der Arbeit mit Angehörigen diskutiert werden könnten oder auch die Paarbeziehung im Bewältigungs- und Heilungsprozess, finden keine Erwähnung.

„Wer Beratung in Anspruch nimmt, hat Orientierungsbedarf in bestimmten Bereichen des persönlichen Lebens und sucht aktiv nach Unterstützung“ (Ruth Großmaß 2007, S.90). Im Beratungsangebot bei Krebserkrankungen wird zu verschiedenen Schwerpunkten Orientierungshilfen angeboten. Diese verschiedenen Bereiche teilen sich wie folgt auf:

3.1 medizinische Beratung

Die medizinische Beratung soll den Betroffenen in die Lage versetzen, sich über seine Situation im Klaren zu werden und mit dem Arzt zusammen die nächsten Behandlungsschritte entscheiden zu können. Genauso bedarf es einer medizinischen Beratung bei dem gesamten Behandlungsverlauf. Was ist z.B. zu tun, wenn Nebenwirkungen auftreten? Warum wurde z.B. ein Darmausgang genau an die Stelle gelegt, wo er jetzt liegt? In welchen Abständen sollten Nachuntersuchungen stattfinden? Wie wirken die verschiedenen Medikamente? u.ä. Fragestellungen.

3.2 psychologische Beratung

Für krebserkrankte Personen gibt es die Möglichkeit, eine psychologische Beratung (noch keine Therapie) in Anspruch zu nehmen. In diesem Bereich der Beratung arbeiten Psychologen und Psychotherapeuten als Psychoonkologen. Die Psychoonkologie ist eine Teildisziplin der Onkologie,

„deren Aufgabe es ist, die Wechselwirkungen zwischen körperlichen, seelischen und sozialen Einflüssen in der Entstehung und im gesamten Verlauf einer Krebserkrankung zu bearbeiten und die Kenntnis in psychosoziale Diagnostik und Behandlungsansätze umzusetzen“ (Joachim Weis 2010, S.113).

Die Psychoonkologie schließt die Zusammenarbeit mit Angehörigen ein, doch hat ein Angehöriger keinen eigenen Zugang zu solch einem Beratungsangebot. Er kann nur hinzugenommen werden, wenn der Betroffene sich in einem psychoonkologischen Beratungssetting befindet. Ziel eines psychoonkologischen Angebotes ist die psychische Stabilisierung des Patienten und die Hilfestellung bei der Krankheitsverarbeitung. Damit soll eine Verschlimmerung des psychischen Leidens und damit verbunden ggf. steigende Folgekosten vermieden werden (vgl. Joachim Weis 2010, S.114). Das Angebot einer solchen Beratung ist sowohl im Akutbereich (z.B. Krankenhaus, ambulanten Chemotherapiezentren), in onkologischen Rehabilitationseinrichtungen als auch im ambulanten i.d.R. Nachsorgebereich, zu finden. Gerade onkologische zertifizierte Zentren müssen eine psychoonkologische Beratung anbieten, doch kann sie bis zum heutigen Zeitpunkt nicht über die Pauschalabrechnung (DRG) abrechnen. In der onkologischen Literatur und in Studien wird immer wieder die Bedeutung der psychischen und auch sozialen Aspekte, sowohl bei der Krankheitsentstehung als auch bei der Krankheitsverarbeitung erörtert. Doch haben diese Erkenntnisse bis heute nicht dazu geführt, dass diese Aspekte Einzug in das Abrechnungssystem erhalten. Dies wird unter anderem in der ambulanten Nachbetreuung deutlich, wo Patienten nur psychoonkologisch begleitet werden können. Dies kann dann erfolgen, wenn eine psychische Folgestörung im Sinne der psychischen Komorbidität im Rahmen der ICD-10 Diagnosestellung festgestellt wurde. Der einzige ambulante Zugang ohne eine Labelisierung ist eine Beratungsstelle in kommunaler oder freier Trägerschaft, sogenannte psychosoziale Krebsberatungsstellen. Der Bereich Psychoonkologie beschäftigt sich nicht ausschließlich mit der Begleitung von Patienten, sondern auch mit Forschungsfragen wie z.B. der Verursachung einer Krebserkrankung durch psychosoziale Faktoren u.a. (vgl. Joachim Weis 2010, S.115).

3.3 soziale Beratung

Mit der Diagnosestellung und den daraus folgenden Behandlungen verändert sich die Lebenssituation auf vielen Ebenen. Es stellt sich die Fragen nach der Ausübung des Berufes und damit verbunden eine existentielle wirtschaftliche Frage. Weitere Fragestellungen können lauten: Kann der Betroffene zurück in sein Wohnumfeld? Könnte er seinen Haushalt weiter führen? Müssen Anträge bei Kostenträgern gestellt werden? Diese und weitere Punkte können in einer Beratung bei einem sozialen Dienst erörtert werden

[...]

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Details

Titel
Paarberatung im Kontext von Life Events
Untertitel
verdeutlicht am Zusammenhang bei Krebserkrankungen
Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V265347
ISBN (eBook)
9783656549512
ISBN (Buch)
9783656548454
Dateigröße
4039 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
paarberatung, kontext, life, events, zusammenhang, krebserkrankungen
Arbeit zitieren
Katja Schreyer (Autor), 2011, Paarberatung im Kontext von Life Events, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265347

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