Das Rolandslied des Pfaffen Konrad, Heidelberg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

31 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Technische Daten

3. Aufbewahrungsort

4. Literarhistorische Ortung

5. Literarischer Hintergrund

6. Historische Grundlage

7. Die Zeichnungen
7.1 Kampfszenen
7.2 Thronende Herrscher
7.3 Karls Traum

8. Vergleich mit der Handschrift A

9. Fazit

10. Anhang
10.1 Literaturverzeichnis
10.2 Abbildungsverzeichnis
10.3 Abbildungen

1. Einleitung

Als die einzige erhaltene illustrierte Handschrift der überlieferten Texte des deutschen Rolandsliedes und als die älteste deutsche Nachdichtung einer französischen Chanson de Geste, [1] ist das Rolandslied des Pfaffen Konrad ein hervorragendes Zeugnis mittelhochdeutscher vorhöfischer Epik. Zudem ist mit ihm eine der ersten, beinahe durchgehend mit Federzeichnungen illustrierten, deutschsprachigen Dichtungen erhalten[2]. Die 9094 Verse lange Übersetzung und Bearbeitung ist in bayrischem Dialekt verfasst[3] und schildert den Kampf Karls des Großen gegen die Mauren in Spanien. Die Handschrift basiert auf der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Chanson de Roland und kann auf um 1170 datiert werden.[4] Bei ihrem Verfasser handelt es sich um einen bayrischen Geistlichen, der sich selbst im Epilog mit den Worten „Ich haize der phaffe Chunrat“[5] nennt. Dieser Konrad war ein aus Regensburg stammender Geistlicher und Untertan des neuen Herzogs am Regensburger Hof.[6]

Die vorliegende Arbeit soll anhand einiger Vergleiche die zwei häufigsten Bildtypen, die der Kampfszenen und der thronenden Herrscher, vorstellen und gleichzeitig aufzeigen, wie nah sich das deutsche Rolandslied mit seiner Darstellungsweise an der Standardikonographie befindet. Im Anschluss soll durch die nähere Betrachtung von Folio 41 Verso (Abb. 14) ein kurzer Exkurs zu Träumen in Bildern im Allgemeinen und im Rolandslied im Speziellen geboten werden. Im Anschluss daran sollen die erhaltenen Bruchstücke der zerstörten Straßburger Handschrift A kurz vorgestellt und in den Kontext des Rolandsliedes eingeordnet werden. Zunächst soll zum besseren Verständnis der Bilder und des literarischen Hintergrunds des Rolandsliedes ein Überblick über die technischen Daten der Handschrift sowie eine kurze Zusammenfassung der Handlung des Heldenepos gegeben werden.

2. Technische Daten

Das deutsche Rolandslied gehört der Universitätsbibliothek Heidelberg an, wo es unter der Katalognummer Palatinus Germanicus 112 registriert ist. Die Handschrift enthält 123 erhaltene und mitunter schwer beschädigte Folios, die 212x151 Millimeter messen. Abschnitte im Text sind durch kleine rote Initialen gekennzeichnet, die meist mitten im Text stehen (Abb. 1). Jedes Folio zählt 23 Zeilen pro Seite und beim Schrifttyp handelt es sich um eine frühgotische Minuskel.[7]

Insgesamt gibt es in der Handschrift 39 Federzeichnungen die im Großen und Ganzen relativ ungleichmäßig über den Text verteilt sind. Sie wurden vermutlich nach Vollendung des Textes ausgeführt, weil viele der dargestellten Figuren nicht in voller Gestalt dargestellt sind, sondern oft bereits in Kniehöhe an die nächste Textzeile stoßen. Diese Dreivierteldarstellung lässt darauf schließen, dass die vom Schreiber ausgelassenen Stellen dem Miniator nicht genug Platz geboten haben[8], da dieser die Zeichnungen einer Vorlage entweder ganz oder teilweise durchgezeichnet hat[9]. Werner und Zirnbauer nehmen an, dass Text und Bilder von verschiedener Hand stammen. Dies begründen sie mit der Tatsache, dass alle Federzeichnungen mit derselben braunen Tinte ausgeführt wurden, während die Tinte mit der geschrieben wurde zu Tintenfraß führte.[10] Ebenso wurde bei der Einfügung der Punktur, nach welcher sich die Linierung richten sollte, keine Rücksicht auf eventuelle spätere Hinzufügung von Illustrationen genommen.[11]

Eine zentrale Figur bei der Frage nach der Entstehung der Handschrift findet sich in Herzog Heinrich dem Löwen. Als Herrscher sowohl in Sachsen als auch in Bayern wird angenommen, dass er dem in Regensburg befindlichen Pfaffen Konrad den Auftrag erteilte, eine Fassung der Chanson de Roland aus England ins Deutsche zu übertragen[12]. Diese französische Vorlage wurde von Heinrichs Frau Mathilde, der Tochter von Eleonore von Aquitanien, nach Deutschland vermittelt.[13] Diese Chanson de Geste -Dichtung, handelte von dem durch Verrat hervorgerufenen Untergang Rolands und anderer Paladine Karls des Großen bei Roncesvalles und der Auseinandersetzung zwischen Christen und Heiden[14] unter Karl dem Großen und dem Maurenherrscher Paligan handelt.[15]

3. Aufbewahrungsort

Das Handbuch befindet sich heute in Heidelberg, war jedoch einige Zeit im Besitz von Papst Gregor XV. Nachdem Heidelberg im Jahre 1622 durch kaiserliche Truppen unter Tilly erobert wurde, wurde die pfälzische Bibliothek Papst Gregor von dem bayrischen Herzog Maximilian geschenkt und der vatikanischen Bibliothek angeschlossen. Durch die Friedensschließung im Jahre 1815 kamen die Bücher schließlich zurück in ihre alte Heimat nach Heidelberg.[16] Heute ist die Handschrift der Heidelberger Universitätsbibliothek die einzige erhaltene illustrierte Handschrift der überlieferten Texte des deutschen Rolandsliedes. Bis 1870 existierte noch eine zweite Handschrift, die sogenannte Handschrift A, diese wurde jedoch 1870 beim kriegsbedingten Brand der Straßburger Universitätsbibliothek zerstört.[17] Von ihr sind dank Kopien Bruchstücke erhalten, die unter anderem auch zwei der Federzeichnungen zeigen. Ob und wie ähnlich diese Federzeichnungen denen der Handschrift P sind, soll in Kapitel 8 geklärt werden.

4. Literarhistorische Ortung

Um die Mitte des 12. Jahrhunderts änderten sich Form und Stoff von Dichtungen.[18] In den vorhergehenden Jahren behandelten die Texte hauptsächlich religiöse Themen, nun aber wurden weltliche Themen erstmals wieder umfangreich dargestellt. Die Verbreitung von lateinischen und volkssprachlichen Versromanen nahm zu und führte ebenso zu einer Zunahme an Illustrierungen in diesen[19]. Die ersten dieser neuartigen Texte werden allgemein zur vor- bzw. frühhöfischen Literatur zusammengefasst.[20] Das Werk des Regensburger Geistlichen ist die älteste deutsche Nachdichtung einer französischen Chanson de Geste und ein hervorragendes Zeugnis mittelhochdeutscher vorhöfischer Epik[21]. Mit ihr ist eine der Ersten, beinahe durchgehend mit Federzeichnungen bebilderten deutschsprachigen Dichtungen erhalten[22].

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Handschrift P um ein illustriertes Heldenepos. Der Stoff des Epos ist an geschichtliche oder mythologische Überlieferungen gebunden und wird dem Publikum mündlich von einem Sänger vorgetragen und weitergegeben. Das antike und mittelalterliche Epos kann als Selbstdarstellung vorbürgerlicher Gesellschaften mit ihren Normen und Werten verstanden werden. In kämpferischen Auseinandersetzungen und Abenteuerfahrten enthüllt das Epos vor allem die Weltordnung der kriegerisch-höfischen Oberschicht.[23]

Bevor näher auf die Zeichnungen im Rolandslied eingegangen werden kann, soll zum besseren Verständnis zunächst ein Einblick in den Inhalt der Geschichte geboten werden.

5. Literarischer Hintergrund

Im Zentrum der[24] Geschichte steht Karl der Große. Zu seinen 12 Paladinen gehören sein Neffe Roland, dessen Freund Olivier und der Erzbischof Turpin. Zusätzlich handelt es sich bei weiteren wichtigen Personen auf christlicher Seite um Naimes, sowie Rolands Stiefvater Genelun, welcher sich später als Verräter herausstellen soll. Auf heidnischer Seite handelt es sich bei den wichtigsten Handlungsträgern um den König von Saragossa, Marsilie, sowie Blanscandiz, Cursabile, Cernubiles und Paligan, den Oberherr Marsilies und König aller Mauren.

[...]


[1] Wilfried Werner, Das Rolandslied in den Bildern der Heidelberger Handschrift, Wiesbaden 1977, S. 59.

[2] Monika Lengelsen, Bild und Wort: Die Federzeichnungen und ihr Verhältnis zum Text in der Handschrift P des deutschen Rolandsliedes, Dortmund 1972, S. 17.

[3] Rita Lejeune und Jacques Stiennon, Die Rolandssage in der mittelalterlichen Kunst, Brüssel 1966, S. 124.

[4] Ebd.

[5] Das Rolandslied des Pfaffen Konrad: Mittelhochdeutscher Text und Übertragung mit einem Vorwort und einem Index nominum, hg. von Dieter Kartschoke, München 1971,Vers 9079.

[6] Wilfired Werner und Heinz Zirnbauer, Das Rolandslied des Pfaffen Konrad: Einführung zum Faksimilie des Codex Platinus Germanicus 112 der Universitätsbibliothek Heidelberg, Wiesbaden 1970, S. 115.

[7] Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 1 - 181), hg. von Karin Zimmermann, Wiesbaden 2003, S. 264.

[8] Lengelsen 1972, S. 19.

[9] Karl-Ernst Geith: Die Träume im Rolandslied des Pfaffen Konrad und in Strickers Karl. In: A.P. Bagliani, hg. von G. Stabile, Träume im Mittelalter. Ikonische Studien. Stuttgart 1989, S. 231.

[10] Werner und Zirnbauer 1970, S. 84.

[11] Lejeune und Stiennon 1966, S. 130.

[12] Werner und Zirnabuer 1970, S. 116. Zu den Herrscherverhältnissen Heinrich des Löwens vgl. Bruno Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte Band 1: Frühzeit und Mittelalter, Stuttgart 1954. S. 316ff.

[13] Geith 1989, S. 227;

[14] Aufgrund der streng christlichen hochmittelalterlichen Konnotation des Wortes Heiden wird im Folgenden stattdessen der neutralere ethnische Begriff Mauren verwendet.

[15] Ebd., S. 228.

[16] Werner 1977, S. 8.

[17] Werner und Zirnbauer 1970, S. 83.

[18] Diether Haacke, Konrads Rolandslied und Strickers Karl der Grosse, In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB). Bd. 1959, Heft 81, S. 274.

[19] Christine Jakobi, Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, Berlin 1991, S. 124.

[20] Walter Rait und Dieter Seitz, Einführung in die deutsche Literatur des 12. bis 16. Jahrhunderts, Wiesbaden 1985, S. 11.

[21] Das Epos ist die historisch früheste narrative Großform.

[22] Lengelsen 1972, S. 17.

[23] Vgl. Hilkert Weddige, Einführung in die germanistische Mediävistik, München 1992, S. 187-192.

[24] Zum literarischen Hintergrund vgl. Werner 1977.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Das Rolandslied des Pfaffen Konrad, Heidelberg
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Kunstgeschichte)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
31
Katalognummer
V265349
ISBN (eBook)
9783656549499
ISBN (Buch)
9783656548676
Dateigröße
3810 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handschrift, Rolandslied, Pfaffe Konrad, Buchmalerei
Arbeit zitieren
Helena Müller (Autor), 2013, Das Rolandslied des Pfaffen Konrad, Heidelberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265349

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