Der strukturelle Wandel Liverpools und der Einfluss des Großevents Kulturhauptstadt 2008 – Vorbild für RUHR.2010?


Studienarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Forschungsportrait

1 Entwicklung zum Industriegebiet

2 Wirtschaftlicher Niedergang

3 Strukturwandel und Aufschwung

4 Kulturhauptstadt Europas
4.1 Geschichte der europäischen Kulturhauptstadt
4.2 Liverpool als Kulturhauptstadt
4.3 Ergebnisse der Kulturhauptstadt Liverpool
4.4 Beitrag des Großevents Kulturhauptstadt zum kreativwirtschaftlichen Wandel Liverpools
4.5 Empfehlungen für die Kulturhauptstadt RUHR.2010

Quellenverzeichnis

Forschungsportrait

Die Geschichte Liverpools ähnelt der des Ruhrgebietes in zahlreichen Aspekten. Vom einst dünn besiedelten und wirtschaftlich rückständigen Gebiet entwickelten sich beide durch den Einfluss der industriellen Revolution innerhalb kürzester Zeit zu industriellen Ballungsgebieten mit überragender wirtschaftlicher Bedeutung. Fabriken, Industrieflächen und multikulturelle Arbeiterviertel prägten schlagartig das Bild der Region. Weniger schnell konnten sich Liverpool und das Ruhrgebiet dahingegen an den Rückgang der industriellen Produktion anpassen.

Dies führte zum rapiden Rückgang der Arbeitsplätze, somit zur Arbeitslosigkeit, sozialen Problemen und brachliegenden Industrieflächen.

Die Folgen des industriellen Zeitalters wie Umweltschäden und unattraktive Stadtbilder bedingten hohe Abwanderungsraten und verhinderten die Neuansiedlung moderner Unternehmen.

Insofern stellen der strukturelle Wandel und die Etablierung von Kreativwirtschaft in beiden Fällen eine Möglichkeit dar, die Regionen wirtschaftlich „wiederzubeleben“.

2008 hatte Liverpool die Möglichkeit mit der Veranstaltung des Kulturhauptstadtjahres den strukturellen Wandel nach außen zu tragen und durch gezieltes Standortmarketing sein Image zu verbessern. Im Jahr 2010 wird auch das Ruhrgebiet die Chance dazu erhalten, da es in diesem Jahr ebenfalls Veranstaltungsort der europäischen Kulturhauptstadt sein wird.

Am Beispiel von Liverpool als Kulturhauptstadt 2008 lässt sich verdeutlichen, inwiefern dieses Großevent den Wandel vom ruinösen Industriegebiet zur kreativwirtschaftlichen Region beschleunigen oder hemmen kann.

1 Entwicklung zum Industriegebiet

Liverpool war Jahrhunderte lang eine unbedeutende Siedlung im Nordwesten Englands. Einzig die Erwähnung im Jahr 1207 als Markt- Hafenstadt belegen deren Existenz. Dies stellt jedoch eine wichtige Grundlage für das spätere Wachstum der Region: durch die Hafenlage intensivierte Liverpool den Handel mit den Westindischen Inseln um 1750 herum. Dies führte dazu, dass der Liverpooler Hafen zu Beginn des 19.Jahruhunderts den Umschlagplatz für 40% des Welthandels darstellte. Wie die Abbildung darstellt, verfügten auch die Nachbarregionen Liverpools über vorteilhafte Ressourcen wie Flachs, Baumwolle und Kohle. Somit entstand im Dreieck Leeds – Liverpool – Birmingham in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das älteste Industriegebiet der Welt. Durch das natürliche Vorkommen von Steinkohle und Eisenerz bot die Region Nordenglands zu Zeiten von Bergbau und Maschinenindustrie optimale Voraussetzungen zur Etablierung der Montanindustrie. Der Einsatz der Eisenbahn als Massenverkehrsmittel 1830 erleichterte das Einwandern aus weiten Teilen Großbritanniens aber auch Europas. Somit entstanden in unmittelbarer Nähe der Fabriken schlagartig große Arbeitersiedlungen. Dies führte dazu, dass Liverpool zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Industriegebiete Europas zählte.[1]

2 Wirtschaftlicher Niedergang

Liverpool erfuhr von 1970 bis 1980 einen akuten wirtschaftlichen Niedergang. Die rege Gewerkschaftstätigkeit verhinderte eine Reformierung veralteter Arbeitsweisen und hemmte somit eine rechtzeitige Überleitung auf kostengünstigere Produktionsmethoden. Beispielsweise verpasste die Textilindustrie Großbritanniens die Umstellung auf die Kunstfaserherstellung. Weiterhin konnten die veralteten Methoden nicht mit den süd- und außereuropäischen Niedriglohnländern konkurrieren.[2]

Der Rückgang der verarbeitenden Industrie traf die einst so bedeutende Region mechanisierter Produktionsstätten schwer. Die daraus folgende De-Industrialisierung verursachte schlagartig eine hohe Arbeitslosigkeit, was zu sozialen Problemen in Form von Obdachlosigkeit und einem rapiden Anstieg krimineller Übergriffe führte.

Auch die Politik Liverpools stellte ein enormes Problem dar: die korrupte Labourpartei in der Stadtverwaltung verschlimmerte durch trotzkistische Aktionen die Situation der Bevölkerung. So versuchte diese, die städtische Situation auf Kosten der Bevölkerung statt zu deren Gunsten zu verbessern und erhöhte beständig die Steuern. Das führte dazu, dass Liverpool in den Achtzigern den landesweit höchsten Steuersatz aufwies und gleichzeitig zu den Städten mit den schlechtesten Leistungen gehörte. Zu dieser Zeit geriet die Liverpooler Stadtverwaltung auch in enorme Konflikte mit der britischen Tory-Regierung. Dies verdeutlicht nochmals „dass politisches Versagen den wirtschaftlichen Abschwung über das übliche Maß hinaus verschlechtern kann“[3].

Das Wachstum der sozial schwachen Schicht äußerte sich in wachsenden Arbeitslosenzahlen. Diese verursachte einerseits Armut und daraus folgend Kriminalität und Drogenmissbrauch, andererseits aber auch eine hohe Abwanderungsrate, sodass viele Häuser plötzlich leer standen. Dies verschlimmerte den durch Firmenschließungen ohnehin bestehenden Prozess des Gebäudeverfalls, sodass bald weite Teile Liverpools durch „kontaminierte Brachflächen und zahlreiche verrottete Fabrikgebäude und Lagerhäuser“[4] gebrandmarkt waren. Die Sozialproblematik gipfelte in Krawallen 1981, bei denen 150 Gebäude im Stadtzentrum ausbrannten.[5]

Weiterhin wirkten neben Umweltbelastungen infolge der Industrialisierung auch fehlende leistungsfähige Verkehrswege sowie ein Mangel an Facharbeitern des tertiären Sektors hemmend auf eine Ansiedlung neuer Unternehmen.[6]

3 Strukturwandel und Aufschwung

Erst als im Jahr 1997 die Liberaldemokraten in die Stadtverwaltung einzogen und die Strukturen Liverpools gänzlich überholten, verzeichnete Liverpool erstmals einen deutlich spürbaren Aufschwung.

Die Einführung einer neuen Managementstruktur schaffte zahlreiche neue Arbeitsplätze und ersetzte eingesessene Manager durch innovative Fachkräfte. Weiterhin trug die Senkung der Kommunalausgaben zur Überwindung der Finanzkrise bei, sodass Liverpool 2003 die Gemeindesteuer um 3% senken konnte. Fast zeitgleich entwickelte die Stadtverwaltung die „Vision für Liverpool“. Im Rahmen dieses Konzeptes war es Liverpools Ziel, bis zum Jahr 2006 als „unternehmensfreundlichste Stadt Großbritanniens“ zu gelten. Um dies zu erreichen ergriff die Stadt diverse Maßnahmen wie beispielsweise die vollständige Privatisierung des Flughafens und die Sanierung des Stadtzentrums. Weiterhin schuf der Wohnungs-, Büro- und Hotelneubau nebst gestiegener touristischer Beliebtheit mehr Arbeitsplätze. Einen Beleg hierfür liefert die positive Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen: unter der neuen Stadtverwaltung nahm die Gesamtbeschäftigung in Liverpool im Zeitraum von 1995 bis 1999 um 10,4% zu. Dabei boten besonders die wissensintensiven Bereiche mit Fokus auf Stadtzentrum und Flughafen viele Arbeitsplätze.[7] Dieser Zuwachs an Arbeitsplätzen im wissensintensiven Dienstleistungsbereich ist typisch für den kreativwirtschaftlichen Wandel. Somit bestätigt sich FLORIDAs Theorie, dass das Wachstum der Innenstadtbevölkerung, welches den kreativwirtschaftlichen Strukturwandel begleitet, auf die Zuwanderung junger Fachkräfte zurückzuführen ist.

Die Bemühungen der Stadt zum kultur- und kreativwirtschaftlichen Wandel gipfelten in der erfolgreichen Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel 2008.[8]

[...]


[1] Vgl. Serges Medien GmbH (Hg.), Großbritannien – Strukturwandel in der Industrie in: Schule 2002, S. 720

[2] Vgl. ebenda

[3] Parkinson in Liebmann, Städtische Kreativität, S. 101

[4] Wilks-Heeg, Kann kreative Kommunalpolitik wirtschaftlichen Niedergang umkehren? in Liebmann, Städtische Kreativität, S. 91

[5] Vgl. ebenda

[6] Vgl. Serges Medien GmbH (Hg.), Großbritannien – Strukturwandel in der Industrie in: Schule 2002, S. 720

[7] Vgl. ebenda, S. 103

[8] Vgl. ebenda, S. 90

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der strukturelle Wandel Liverpools und der Einfluss des Großevents Kulturhauptstadt 2008 – Vorbild für RUHR.2010?
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V265406
ISBN (eBook)
9783656551393
ISBN (Buch)
9783656551508
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
struktureller Wandel, Großevent, Kulturhauptstadt, RUHR.2010, Liverpool
Arbeit zitieren
Carolin Busch (Autor), 2009, Der strukturelle Wandel Liverpools und der Einfluss des Großevents Kulturhauptstadt 2008 – Vorbild für RUHR.2010?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265406

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