Soziolinguistische Aspekte des Nouchi, einer Mischsprache der Côte d’Ivoire


Diplomarbeit, 2013

159 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

1. Einleitung

2. Die Côte d’Ivoire
2.1. Einleitung
2.2. Geographie, Volk und Geschichte
2.3. Endogene Sprachen
2.4. Französisch in der Côte d’Ivoire
2.4.1. Einleitung
2.4.2. Die Verbreitung von Französisch nach der Unabhängigkeit
2.4.3. Die ivorischen Sprecher des Französischen
2.4.4. Französische Varietäten der Côte d’Ivoire
2.4.4.1. Einleitung – Geschichtlicher Kontext
2.4.4.2. Entstehung und Ausbreitung des FPI
2.4.4.3. Linguistische Merkmale des FPI
2.4.4.4. Das FPI – Pidgin oder Kreol?
2.4.4.5. Entstehung und Ausbreitung des lokalen Französisch
2.4.4.6. Linguistische Merkmale des lokalen Französisch
2.4.5. Konklusion

3. Soziolinguistische Aspekte des Nouchi
3.1. Einleitung
3.2. Gründe für die Entstehung des Nouchi
3.2.1. Geolinguistische Kontexte
3.2.1.1. Allgemeine Mehrsprachigkeit
3.2.1.2. Keine afrikanische Verkehrssprache mit nationaler
Ausbreitung
3.2.1.3. Zweisprachigkeit: Französisch / afrikanische Verkehrssprache mit regionaler Ausbreitung
3.2.2. Soziolinguistische Kontexte
3.2.2.1. Unsicherheit der Sprecher
3.2.2.2. Wunsch nach einer nationalen Identität
3.2.2.3. Wunsch einer Generation nach einer eigenen Identität
3.2.2.4. Wunsch nach sozialer Positionierung
3.3. Entstehung des Nouchi
3.3.1. Zum Begriff „Nouchi“
3.3.2. Zum Zeitpunkt der Entstehung
3.3.3. Zum Entstehungsort Abidjan
3.3.4. Die Entwickler des Nouchi
3.4. Ausbreitung des Nouchi
3.4.1. Der Ausbreitungsprozess
3.4.2. Die Bedeutung des Zouglou für die Ausbreitung des Nouchi
3.4.3. Die Folgen der Popularisierung des Nouchi
3.4.4. Konklusion
3.5. Die aktuelle Situation des Nouchi
3.6. Die Zukunft des Nouchi
3.7. Das Nouchi als „Français de Côte d’Ivoire“?
3.8. Konklusion

4. Linguistische Aspekte des Nouchi
4.1. Einleitung
4.2. Erste linguistische Beschreibungen des Nouchi
4.3. Klassifizierung des Nouchi
4.3.1. Einleitung
4.3.2. Das Nouchi – Ein Argot
4.3.3. Das Nouchi – Eine Mischsprache
4.3.3.1. Einleitung
4.3.3.2. Definition des Terminus „Mischsprache“
4.3.3.3. Unterscheidung zwischen hybriden Sprachformen und anderen Formen von Sprachmischung
4.3.3.4. Konklusion
4.3.4. Die Unterscheidung von FPI und Nouchi
4.3.4.1. Einleitung
4.3.4.2. Fünf zugrundeliegende Unterschiede zwischen dem FPI und dem Nouchi
4.4. Das Lexikon des Nouchi
4.4.1. Einleitung
4.4.2. Die Zusammensetzung des Vokabulars
4.4.3. Vergleich dreier Studien zum Vokabular des Nouchi
4.4.4. Direkte Entlehnungen
4.5. Die „unbekannten Wörter“ des Nouchi
4.5.1. Einleitung
4.5.2. Was bedeutet „unbekannter Herkunft“?
4.5.3. Phonetische Veränderungen
4.5.4. Morphologische Veränderungen
4.5.4.1. Aphärese und Apokope
4.5.4.2. Suffigierung
4.5.4.3. Präfigierung
4.5.5. Semantische Veränderungen
4.5.5.1. Einleitung
4.5.5.2. Metaphorisierung
4.5.5.3. Metonymisierung
4.5.5.4. Bedeutungsveränderung durch Änderung der Denotation
4.5.6. Undefinierbare Herkunft
4.6. Neologismus
4.7. Semantische Besonderheiten
4.7.1. Lexematische Besonderheiten
4.7.2. Bedeutungsveränderung durch Veränderung der Konnotation
4.7.3. Bedeutungserweiterung
4.7.4. Resemantisierungen
4.7.5. Synonymie
4.7.6. Lehnübersetzungen
4.8. Syntaktische Merkmale
4.8.1. Einleitung
4.8.2. Hybridität im Satz
4.8.3. Wortstellung und Passivität
4.8.4. Akzentuierung im Satz
4.8.4.1. Vokaldehnung
4.8.4.2. Wortfinale Aspiration
4.8.5. Assimilation
4.8.6. Elliptische Konstruktionen
4.9. Morphologische Merkmale
4.9.1. Einige Besonderheiten
4.9.2. Tempus und Verbmorphologie
4.10. Die Wortarten des Nouchi
4.10.1. Ein Überblick über die Wortarten des Nouchi
4.10.2. Das Nomen
4.10.3. Das Adjektiv

5. Orthographievorschläge für das Nouchi
5.1. Einleitung
5.2. Orthographische Probleme
5.3. Wichtige Prinzipien bei der Orthographieerstellung
5.3.1. Ein Überblick über die Methodologie
5.3.2. Orthographie der Laute
5.3.2.1. Vokale
5.3.2.2. Konsonanten
5.3.2.3. Lautorthographie am Wortbeginn / Wortende
5.3.3. Orthographie französischer Morpheme
5.3.4. Orthographie von Wörtern europäischer Sprachen
5.3.5. Orthographie der zusammengesetzten Wörter
5.3.6. Orthographie syntaktischer Elemente
5.3.6.1. Elision
5.3.6.2. Bindung
5.3.6.3. Akzentuierung einzelner Silben
5.4. Aktuelle Situation

6. Konklusion

7. Zusammenfassung auf Französisch

8. Abbildungsverzeichnis

9. Tabellenverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

Danksagung

Lobe den Herrn, meine Seele,

und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

Der dir alle deine Sünden vergibt

und heilt alle deine Gebrechen;

der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte.

So fern der Osten ist vom Westen,

hat er unsere Übertretungen von uns entfernt.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten,

denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind;

er denkt daran, dass wir Staub sind.

Die Tage des Menschen sind wie Gras;

er blüht wie eine Blume auf dem Feld,

wenn ein Wind darüber geht, so ist sie nicht mehr da,

und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.

Aber die Gnade des Herrn währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lobet den Herrn! Lobe den Herrn, meine Seele!

(Auszüge aus Psalm 103)

1. Einleitung

Das Nouchi der Côte d‘Ivoire ist eine relativ junge, zu Beginn der 80er Jahre entstandene Sprachform, welche das Ergebnis einer Mischung von Französisch und diversen anderen europäischen sowie ivorischen Sprachen ist. Zu Beginn als ein Argot jugendlicher Straßenbanden der Großstadt Abidjan wahrgenommene Sprachform, verbreitete sich das Nouchi rasch in der gesamten Côte d’Ivoire, wo es heute als ivorisch – französische Sprache mit identitätsbildender Komponente unter allen sozialen Klassen und Altersgruppen beinahe uneingeschränkte Verwendung findet. Wenngleich es sich um eine Mischsprache handelt, der eine interessante und überraschende Zukunft blühen könnte, ist die Fachliteratur zum Nouchi noch relativ leicht überschaubar, denn Mischsprachen stehen generell erst seit relativ kurzer Zeit im Zentrum sprachwissenschaftlichen Interesses.

Das Ziel dieser Arbeit ist die Anfertigung einer umfassenden Bestandsaufnahme des derzeitigen Forschungsstandes des Nouchi, dessen Erforschung gerade in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Eine derartige Aufarbeitung des Gesamtbildes ist bisher noch nicht unternommen worden, erscheint uns auf Grund der mittlerweile zahlreich gewordenen Aussagen über die mögliche Rolle, die das Nouchi in der Zukunft für die ivorische Bevölkerung spielen könnte, jedoch als notwendig. Wir wollen dabei die ersten Veröffentlichungen der 70er und 80er einbeziehen, uns allerdings ganz besonders auf die rezenten Veröffentlichungen der letzten Jahre stützen, sodass diese Arbeit dem interessierten Leser einen tiefen Einblick in die verschiedenen Aspekte des Nouchi gewähren, und dem ambitionierten Linguisten sehr wohl auch als geeignete Grundlage für weitere Recherchen dienen kann. Um die Situation der Sprachform so detailliert wie möglich zu beschreiben, wird sich die vorliegende Arbeit in fünf zentrale Kapitel unterteilen:

Das erste Kapitel dient der Einführung ins Thema, wobei wir uns nach einem kurzen Überblick über Geographie und Geschichte der Côte d’Ivoire vor allem den sprachlichen Verhältnissen im Land widmen wollen. Im Zentrum derselben steht die Situation des Französischen, sprich seine Rolle und Verbreitung im Land und die Ausdifferenzierung in verschiedene französische Varietäten. Allen voran werden wir das Français Populaire Ivoirien und die ivorische Norm des Französischen untersuchen.

Das zweite Kapitel beleuchtet die soziolinguistischen Aspekte des Nouchi, beginnend mit der Frage nach den Gründen für seine Entstehung, wobei wir auf sieben wesentliche Ursachen eingehen werden. Weiters behandeln wir in diesem Kapitel die Frage nach der Art und Weise der Entstehung des Nouchi, was den Zeitpunkt und den Ort seines Entstehens genauso inkludiert wie die Entstehung des Begriffs „Nouchi“. In weiterer Folge beleuchten wir in diesem Passus den Ausbreitungsprozess des Nouchi und dessen Folgen für seine linguistischen Charakteristika, sowie die aktuelle Situation des Nouchi in der Côte d’Ivoire. Ein weiterer, wichtiger Abschnitt beschäftigt sich mit der möglichen Zukunft des Nouchi und dabei insbesondere mit der Frage, ob das Nouchi dereinst die Funktion einer offiziellen ivorischen Landessprache zu erfüllen vermag.

Ein drittes Kapitel soll dem Verständnis der linguistischen Beschaffenheit des Nouchi dienen. Bis jetzt wurden Großteils soziolinguistische Aspekte der Sprachform untersucht, während zahlreiche sprachwissenschaftliche Analysen zum Nouchi noch ausständig sind. Aus diesem Grund erscheint uns eine Zusammenfassung des bisherigen linguistischen Forschungsstandes als sehr wichtig. Wir beginnen dieses Kapitel mit einem Überblick über die bisherigen linguistischen Publikationen und einer genauen Klassifizierung des Nouchi, wobei wir besonders auf eine eindeutige Unterscheidung zwischen dem Français Populaire Ivoirien und dem Nouchi achten wollen. In Folge präsentieren wir detailliert das Lexikon des Nouchi, das zweifellos bisher am meisten untersucht wurde, da sich hier der hybride Charakter der Mischsprache am offensichtlichsten manifestiert. Hiernach beschreiben wir einige syntaktische, morphologische und semantische Besonderheiten und wollen uns auch kurz den Wortarten des Nouchi widmen.

In einem letzten Kapitel behandeln wir die Frage nach der Orthographie, wobei wir zuerst ein online–Wörterbuch des Nouchi und die damit verbundenen Schreibprobleme darlegen werden, um anschließend auf die Lösungen der Probleme einzugehen, welche sowohl das Lautinventar, als auch die Schreibung französischer Morpheme, europäischer Wörter, syntaktischer Elemente und der Komposita beinhalten.

2. Die Côte d’Ivoire

2.1. Einleitung

Da das Nouchi eine Mischsprache ist, welche sowohl auf dem Französischen als auch auf zahlreichen endogenen Sprachen beruht, sind Kenntnisse über die ivorische Sprachlandschaft und insbesondere über die Situation des Französischen im Land unbedingt vorauszusetzen, um seine Entstehung und Verbreitung zu erfassen. In diesem Kapitel wollen wir daher zuerst einen kurzen Überblick über Geographie, Volk und Geschichte des Landes geben, um anschließend die sprachliche Situation der Côte d’Ivoire zu erläutern, wobei wir uns zuerst mit den endogenen Sprachen und deren Erforschung und Verwendung seitens des Volkes befassen werden, um hiernach auf die Situation des Französischen im Land überzugehen.

2.2. Geographie, Volk und Geschichte

Die Côte d’Ivoire ist ein westafrikanisches Land, das von Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana umgeben ist und im Süden mit insgesamt 515 Kilometern Küstenlinie an den Atlantik grenzt (vgl. Moen 2012c). Das am Ozean gelegene Abidjan, welches heute das wirtschaftliche Zentrum und die größte Metropole des Landes[1] ist und nach der auch die Nationalhymne, „L’Abidjanaise“, benannt wurde (vgl. Wikimedia 2012a), war von 1933 bis 1983 die Hauptstadt des 322,461km2großen Landes, bevor man die nördlicher gelegene Stadt Yamoussoukro zur Hauptstadt erklärte (vgl. Wikimedia 2012b). Das Land beherbergt heute knapp über 20,6 Millionen Ivorer, davon sind 38,6% muslimisch und 32,8% christlich, 11,9% bekennen sich zu traditionell westafrikanischen Religionen und 16,7% machen keine Angaben zu ihrer Religion (vgl. Moen 2012a). Die geographischen Verhältnisse sind auf folgender Karte gut ersichtlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Illustration 1: Geographie der Côte d’Ivoire (Moen 2012b)

Ab dem 13. Jahrhundert gehörte der Nordteil der heutigen Côte d’Ivoire zum Malireich und wurde islamisiert. Im 15. Jahrhundert kamen die Portugiesen in diesen Teil Afrikas, welche ab dem 17. Jahrhundert von den Franzosen verdrängt wurden. In den folgenden Jahrhunderten übernahmen und hielten die Franzosen die Vormachtstellung, sodass das Territorium 1893 zur französischen Kolonie mit dem Namen „Côte d’Ivoire“ erklärt wurde (vgl. Wikimedia 2012a). Sechs Jahre später wurde die erste Schule erbaut, welche den Kolonisatoren als Ausbildungsstätte für administrative Gehilfen, für Dolmetscher und Handelsangestellte diente. Bis 1944 war der Unterricht rudimentär und geschah nur aus wirtschaftlichen Gründen und aus rein kolonisatorischem Interesse (vgl. Kouadio 2008, 2) sowie zu missionarischen Zwecken (vgl. Barbier 2011, 54). Frankreich betrieb in der Côte d’Ivoire, wie auch in ihren anderen französischen Kolonien, eine relativ aggressive Kolonisationspolitik, basierend auf einer direkten, zentralistischen Verwaltung und wirtschaftlicher Ausbeutung. Darüber hinaus verfolgte man eine durch rassistisches Gedankengut geprägte Assimilationspolitik und dadurch motiviert eine „mission civilisatrice“ (Kouadio 2007, 72), welche die sprachliche, religiöse und kulturelle Assimilation der Ivorer an die französische Lebensweise zum Ziel hatte:

« La politique linguistique française dans les colonies était en parfaite harmonie avec l’idéologie colonialiste. La colonisation était partie intégrante de la mission civilisatrice et humaniste de la France. [] Et le vecteur de cette mission civilisatrice ne pouvait être que le français. Offrir aux peuples colonisés le français, et avec le français la culture française était perçu à la fois comme un devoir patriotique et une obligation morale. » (Kouadio 2008, 3)

Es versteht sich von selbst, dass dies für die ivorischen Sprachen keine Förderung, sondern eine starke Beeinträchtigung bedeutete. Ab 1944 wurden Schüler sogar bestraft, wenn sie sich in der Schule oder auf dem Schulhof in ihren ivorischen Muttersprachen unterhielten[2] (vgl. Yéo 2009, 94). Zwischen 1933 und 1951 kam es zu Veränderungen in der gesellschaftlichen Struktur: Der Sitz des Gouverneurs wurde nach Abidjan verlegt, was eine starke urbane Entwicklung zur Folge hatte. Bald lebten an die 30 verschiedenen Ethnien in Abidjan (vgl. Barbier 2011, 54). Nach vier Jahren der Selbstverwaltung wurde die Côte d’Ivoire im Jahr 1960 schließlich unter Houphouët-Boigny, dem ersten Präsidenten der Republik, unabhängig. Dieser vertrat eine pro-westliche Einstellung und hielt enge Beziehungen mit Frankreich aufrecht, was für politische Stabilität sorgte. Durch wirtschaftliche Beziehungen zum Mutterland entwickelte sich die Côte d’Ivoire zum reichsten afrikanischen Staat. Mit dem beginnenden 21. Jahrhundert kam es jedoch wiederholt zu Militärcoups, zu Unruhen und bewaffneten Konflikten zwischen der muslimischen Nord- und der christlich-animistischen Südbevölkerung. Die Auseinandersetzungen reichten von 1999 – 2010. Tausende Ivorer starben, der einst so profitable Tourismus ging stark zurück, während die Nationalschulden stiegen. 2010 wurden Präsidentschaftswahlen durchgeführt, deren Ergebnis bis 2011 nicht feststand. In dieser Zeit kam es erneut zu bewaffneten Konflikten zwischen Anhängern der am meisten gewählten Kandidaten. Seit 2011 ist Alassane Ouattara offiziell amtierender Präsident der Côte d’Ivoire, doch Analphabetismus, Gesundheitsprobleme, Gewalt seitens des Militärs und der Rebellen prägen bis heute das Land (vgl. Wikimedia 2012a).

2.3. Endogene Sprachen

Die Côte d’Ivoire weist eine starke Mehrsprachigkeit auf. Wenngleich die Anzahl der Sprachen nicht mit denen von Nigeria (500 Sprachen) oder Kamerun (300 Sprachen) mithalten kann, gibt es um die 60 Sprachen[3], welche alle zu der Sprachfamilie Niger-Kongo gehören und sich weiter in Kwa im Südosten (42%), Mande im Nordwesten (24%), Kru im Westen (16%), und Gur im Nordosten (15%) des Landes einteilen lassen (vgl. Kube 2005, 89f.; Kouadio 2007, 79). Die wichtigste Kwasprache ist dabei Baulé, die bedeutendste Krusprache ist Bété, unter den Mandesprachen ist Dioula am weitesten verbreitet und unter den Gursprachen Senufo (vgl. Djité 2007, 152). 1998 waren 62% der Sprecher des Mande Stadtbewohner, im Vergleich zu 47% der Sprecher des Kru, 40% der Sprecher des Kwa und 32% der Sprecher des Gur (vgl. Kouadio 2005, 183).

Für 80% der Kinder der Côte d’Ivoire ist eine afrikanische Sprache die Erstsprache, während 20% der von Kube befragten Schüler angaben, Französisch, bzw. eine Varietät des Französischen, sei ihre Muttersprache[4] (vgl. Kube 2005, 199). Weiters wird nur in 14% der Familien ausschließlich eine afrikanische Sprache gesprochen, sodass nur 15% der Schüler mit den Geschwistern, ein Drittel mit den Eltern, aber kaum jemand mit Freunden ausschließlich in der Erstsprache kommuniziert, was daran liegt dass die Kinder in den Schulen verschiedene Muttersprachen haben (vgl. Kube 2005, 207).

1970 wurde geschätzt, dass ungefähr 50% der ivorischen Bevölkerung über Kenntnisse der Mandesprache Dioula verfügte (Reh et al. 1982, 121). Aktuelleren Schätzungen zufolge heißt es, dass ungefähr eine Million der 18,5 Millionen Ivorer Dioula als Erstsprache haben und weitere drei bis vier Millionen Sprecher diese Sprache als Handelssprache verwenden (vgl. Kube 2005, 91). Französisch wird jedoch immer mehr in jenen Domänen verwendet, die früher nur dem Dioula vorbehalten waren. Weiters ist die Verbreitung des Dioula vor allem auf den Norden des Landes beschränkt[5].

In den vergangenen Jahrzehnten wurden um die 30 Sprachen von der ILA (Institut de linguistique appliquée) und der SIL (Summer Institute of Linguistics) linguistisch beschrieben (vgl. Kube 2005, 92f.).

Folgende Karte vermag die sprachliche Situation der Côte d’Ivoire präzise zu erfassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Illustration 2: Die Sprachen der Côte d’Ivoire (Lewis 2009b)

Nach Djité kann man die vielen Sprachen der Côte d’Ivoire in vier Gruppen unterteilen: Solche, die der interethnischen Kommunikation dienen (z.B. Anyi, Dida, Gouro, Lobi), regional dominante Sprachen (Baoulé, Bété, Dioula), nationale Verkehrssprachen (FPI, Dioula) und die offizielle Sprache: Standardfranzösisch. Der durchschnittliche Ivorer verfügt über mindestens drei sprachliche Ausdrucksmittel: seine Muttersprache, die in seinem Gebiet regionale, dominante Sprache und eine der nationalen Verkehrssprachen (vgl. Djité 2007a, 156f.).

2.4. Französisch in der Côte d’Ivoire

2.4.1. Einleitung

Die Situation des Französischen in der Côte d’Ivoire ist sehr komplex, weswegen wir in den folgenden Kapiteln systematisch vorgehen werden, um die Situation des Französischen in der Côte d’Ivoire so übersichtlich und genau wie möglich zu beschreiben. Wir wollen zuerst den Verbreitungsprozess des Französischen nach der Unabhängigkeit untersuchen, uns dann den ivorischen Sprechern des Französischen widmen, um schließlich auf die Frage der französischen Varietäten im Land einzugehen[6].

2.4.2. Die Verbreitung von Französisch nach der Unabhängigkeit

Französisch wurde nach dem Erreichen der Unabhängigkeit im Jahr 1960 die einzige offizielle Landessprache des jungen Staates, wenngleich es keine einheimische Sprache war und ist. Die Gründe für diese Entscheidung waren zahlreich, so dachte man etwa, keine der ivorischen Sprachen könnte die Verwaltungs- und Kommunikationsbedürfnisse des jungen Staates erfüllen (vgl. Kube 2005, 92), oder dass nur Französisch den Anschluss an die moderne Welt ermöglichen könnte, während die ivorischen Sprachen die internationale Kommunikation, vor allem jene mit Europa, aber auch innerhalb Afrikas, erschweren würden (vgl. Yéo 2009, 95). Weiters dachte man, die Wahl des Französischen als Landessprache wäre auch für die einzelnen Individuen ein guter Schritt, denn ethnische und linguistische Rivalitäten würden verhindert werden. Nur so könne ein Zusammengehörigkeitsgefühl und in weiterer Folge eine vereinte Nation entstehen (vgl. Djité 2007a, 167). Der Entschluss wurde also gefasst „sans apparemment se poser de question, sans débat et sans état d’âme“ (Kouadio 2007, 73), sodass Französisch in der Côte d’Ivoire bis heute die einzige Sprache der Regierung, der Verwaltung, der öffentlichen Bereiche, aller Medien (bis auf einige wenige Sendungen in den Landessprachen) und des Bildungssystems ist[7] (vgl. Tavernier 2005, 31).

Die Regierung machte sich mit dem Beginn der Unabhängigkeit die Verbreitung des Französischen zu einem wichtigen Ziel, sodass man liest: „Die Elfenbeinküste kann in Afrika als jener Staat mit der umfassendsten und intensivsten exoglossischen Politik betrachtet werden“ (Reh et al. 1982, 122), was vor allem an der Einstellung des ersten ivorischen Präsidenten Houphouët-Boigny lag, welcher die Rolle des Französischen nicht hinterfragte. Es wurde nie wirklich darüber diskutiert, ob man nicht eine ivorische Sprache zur Landessprache machen könnte, denn der Präsident hielt diese Frage für Spekulationen ultranationaler, unrealistischer Intellektueller, sodass seine Einstellung als « profrançais et par conséquent antilangues nationales africanes » (Kouadio 2007, 73) definiert wird[8]. 1986 wurde ein Dekret von Houphouët-Boigny erlassen, welches besagt, dass der offizielle Name „Côte d’Ivoire“ nicht mehr in andere Sprachen übersetzt werden darf. Die Tatsache, dass auch die Ivorer selbst den Namen ihres Landes nicht in ihre Muttersprachen übersetzen, sondern nur den französischen Begriff verwenden dürfen, unterstreicht die formale Bedeutung des Französischen im Land (vgl. Tavernier 2005, 31). Tatsächlich wurde die Erhaltung und Vermittlung der afrikanischen Sprachen von der Regierung nicht als Bedingung für Fortschritt und Emanzipation gehalten, denn sie standen vielmehr für menschlichen und sozialen Rückschritt. Das heißt, das Ziel war zwar eine politische und soziale Emanzipation, aber das Ausdrucksmittel dieser Emanzipation war ausschließlich das Französische, welches es deswegen zu verbreiten galt (vgl. Kouadio 2007, 74).

Abgesehen von internen Bemühungen, Französisch zu verbreiten, seien noch die externen Bemühungen durch die Frankophonie[9] erwähnt. So wurde zum Beispiel 1969 ein Projekt eingeleitet, welches unter Beteiligung der französischen Entwicklungshilfe, der Weltbank, der UNESCO und der UNICEF zum Ziel hatte, jeden Klassenraum der Primarschule mit einem Fernseher auszustatten, damit sich das Niveau des Französischen in der Primarschule verbesserte oder wenigstens hielte. Ivorisches Fernsehen in der Schule sollte hingegen völlig ausgeklammert werden (vgl. Reh et al. 1982, 126). Auch die große Zahl von Europäern, Amerikanern und Afrikanern, die als Experten oder Lehrer mit Hilfsorganisationen, internationalen Organisationen, mit Firmen oder durch Handel nach der Unabhängigkeit ins Land kamen, trugen dazu bei, dass Französisch als wichtigstes Kommunikationsmittel mit hohem Prestige betrachtet wurde und sich ausbreitete (vgl. Simard 1994, 22). 1972 waren 68% der Sekundär- oder Universitätslehrer aus dem Ausland und 20% aus anderen afrikanischen Staaten, während nur 11,2% der Lehrer Ivorer waren (vgl. Kouadio 2007, 83).

Bereits 1978 war es gelungen, Französisch so weit zu verbreiten, dass die Hälfte der Männer und beinahe ein Viertel der Frauen über Französischkenntnisse verfügten[10], und 1982 waren es bereits 93% der Männer und 62% der Frauen über sechs Jahre (vgl. Reh et al. 1982, 131). Nach einer anderen Quelle erhöhte sich die Anzahl der Französischsprechenden von 39,9% im Jahr 1975 auf 59,9% im Jahr 1990 (vgl. Kouadio 2007, 6). Nicht zu Unrecht schrieb Lafage somit: « La Côte d’Ivoire est sans doute le cas le plus avancé de francophonie africaine [] » (1991, 95). Im Jahr 1999 gehörte die Côte d’Ivoire nach dem „Haut Conseil de la Francophonie“ (HCF) zu den zehn Ländern der Welt, in welchen es die meisten Frankophonen gab: von 14,3 Millionen Einwohnern waren 4 Millionen Menschen in der Lage, französische Zeitungen zu lesen und einfache Texte zu schreiben oder wiesen noch bessere Kompetenzen auf, und weitere 4 Millionen konnten Französisch wenigstens verstehen und auf einfache Fragen antworten (Kube 2005, 95f.). Kouadio meint ganz allgemein, dass es ein „extraordinaire développement du français“ (2007, 72) in der Côte d’Ivoire gab und auch bei Kube liest man, die Côte d’Ivoire sei im Vergleich zu anderen frankophonen, subsaharischen Ländern Afrikas jenes Land, in welchem Französisch am meisten verbreitet sei, und nennt es daraufhin das „frankophonste“ Land (Kube 2003, 134).

Seine schnelle und weite Verbreitung verdankte das Französische nicht nur den Bemühungen der Regierung, sondern auch dem Umstand, dass es in der Côte d’Ivoire bis dahin keine ivorische, nationale Vehikulärsprache gab. Nach der Unabhängigkeit kam es zu einem enormen wirtschaftlichen Wachstum und einer guten Entwicklung der Infrastruktur. Auf der Suche nach Anstellungen als Hauswächter, Kellner, Handwerker, Chauffeur, Wäscher etc. kamen zahlreiche Menschen aus den Nachbarländern, aus Ost- und Zentralafrika ins Land, und so kam es, einzig durch Migration aus dem In- und Ausland, zu einem massiven Bevölkerungswachstum in den Städten, wo ein interethnisches Verständigungsmittel unentbehrlich wurde[11]. Die Menschen begannen, sich auf Französisch zu verständigen, da ihnen ihre eigenen Muttersprachen in dieser Situation nicht hilfreich waren (vgl. Simard 1994, 21).

Darüber hinaus begann die Bevölkerung, die Schule als Mittel zu sozialem Aufstieg und Erfolg zu sehen und somit als obligatorisch zu betrachten, wozu es galt, Französisch zu erlernen: « Comme cela s’est passé en France à partir de la fin du XIXe siècle, l’école constitue le principal facteur d’unification linguistique » (Simard 1994, 22). Bis zu Beginn der 90er blieb die Schule der primäre Ort, an dem Französisch erworben wurde, wenngleich ein Teil der Schüler die Sprache schon vor dem Schuleintritt erlernt hatte (vgl. Kouadio 2007, 77). Obwohl die Schule eigentlich als Mittel zur „unification linguistique“ (Simard 1994, 22) dienen sollte, wurde sie zum primären Ort, an dem eine Zweisprachigkeit aufkam. Die Entwicklung nahm ihren Lauf mit der Errichtung weiterer Bildungseinrichtungen, wie Universitäten in den großen Städten, aber auch in Städten von bis dahin geringerer Bedeutung. Schüler und Studenten aus dem ganzen Land und von den verschiedenen Regionen wurden angezogen, sodass es zu einer Vermischung der ivorischen Bevölkerung und der ethnischen Gruppen kam. Laut Kube tritt überall, wo sich keine indigene Sprache durchsetzen kann, da die (Stadt-)Bevölkerung zu heterogen ist, der Fall ein, dass die offizielle Landessprache zum Verkehrsmittel wird, und so war es auch in der Côte d’Ivoire der Fall (vgl. 2005, 132f.). Heute sind 100% der Primarschullehrer und 99% der Sekundär- und Universitätsprofessoren Ivorer. Die normative Qualität des Französischen in der Schule sank also auf natürliche Weise, denn die Präsenz der Franzosen im Bildungssystem der Côte d’Ivoire ist heute quasi null[12] (vgl. Kouadio 2007, 83). Schulen, Universitäten, private Firmen und staatliche Gesellschaften wurden nunmehr im Land gebaut, sodass Ratgeber, Ingenieure, Lehrer, Techniker und simple Arbeiter von überall in der Côte d’Ivoire oder aus dem Ausland in die Städte zogen. Interethnische Ehen waren und sind auf Grund dieser Situation keine Seltenheit, vor allem nicht in Abidjan. Somit wurde auch die Familie ein Ort der Zweisprachigkeit und begünstigte den Vormarsch des Französischen, denn in einer Mischehe wird oft keine der vorhandenen Muttersprachen dominant und zur Familiensprache, oder aber das Ehepaar kann selbst nicht in seinen Muttersprachen miteinander kommunizieren. In beiden Fällen findet man als Kommunikationsmittel, welches an die Kinder weitergegeben wird, Französisch, wobei auch der Gedanken mitspielt, dass so den Kindern die Schulbildung zugänglicher gemacht wird. Weiters gibt es Ehen zwischen Ivorern und Europäern bzw. Amerikanern, wobei natürlich auch Französisch als Kommunikationsmittel innerhalb der Familie dient. Nach einer Umfrage Simards aus dem Jahr 1985 gaben 10% der 300 befragten Studenten in Abidjan an, Französisch als Muttersprache zu haben, und in den meisten Fällen hatten diese Studenten Eltern aus verschiedenen Ethnien. Es versteht sich von selbst, dass damit auch Probleme entstehen, denn die Kinder können zum Beispiel nicht mit ihren Großeltern kommunizieren und fühlen sich identitätslos, was sogar soweit geführt hat, dass Studenten auf der Suche nach ihrem Ursprung Sprachkurse belegen, um die ivorische Muttersprache ihrer Eltern oder eines Elternteiles zu erlernen, welche es verabsäumt haben, ihnen diese in der Kindheit zu vermitteln[13]. Die Muttersprache dieser Kinder bleibt jedoch Französisch, beziehungsweise eine Varietät davon (vgl. Simard 1994, 23).

Während also bis zu Beginn der 90er Jahre die Schule der primäre Ort war, an dem Französisch gelernt wurde, so war es später die Familie und die Straße. Die schnelle Verbreitung des Französischen bewirkte gleichzeitig eine Verschlechterung der normativen Qualität der Sprache und die Entstehung verschiedener französischer Varietäten[14]: « Au même moment où la diffusion du français s’accélérait, sa qualité normative allait en s’affaiblissant » (Kouadio 2008, 7).

2.4.3. Die ivorischen Sprecher des Französischen

Es gibt um die 30.000 französische Muttersprachler im Land. Die Zahl der Zweitspracherwerber ist zwar unbekannt, doch man kann prinzipiell sagen, dass es kaum mehr Ivorer gibt, die über keinerlei Französischkenntnisse verfügen. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass der Großteil der Bevölkerung nur teilweises, reduziertes und / oder passives Wissen hat. Weiters bestehen große Kompetenzunterschiede, einerseits was die Stadt- und die Landbevölkerung, andererseits was die verschiedenen Generationen betrifft. So ist die Anzahl Französisch sprechender Personen auf dem Land viel niedriger als etwa im urbanen Milieu[15], und die der jungen Bevölkerung sehr viel höher als jene älterer Generationen[16]. Prinzipiell kann man sagen :

« dans la plupart des nations d’Afrique issues de la colonisation française, depuis les indépendances, l’usage du français, à statut de langue officielle, d’abord à peu près limité à la minorité ‘éduquée’, s’est étendu peu à peu à pratiquement toutes les couches de la population en engendrant de nombreuses variétés dont certaines peuvent remettre en cause l’intercompréhension non seulement avec les francophones de l’hexagone mais aussi avec les francophones des autres pays africains. » (Lafage 1998, 135)

Es stellt sich also berechtigterweise die Frage, welche Varietäten des Französischen tatsächlich als „Französisch“ angesehen werden können, und welche nicht (vgl. Kube 2005, 96f.), denn bereits kurz nach der Unabhängigkeit konstatierten Sprachwissenschaftler eine starke Auseinanderfächerung französischer Varietäten, was wohl darauf zurückgeht, dass Französisch auf Grund der Ermangelung einer nationalen Vehikulärsprache der interethnischen Kommunikation diente und stark von den einheimischen Sprachen beeinflusst wurde (vgl. Kube 2005, 99), so dass „heute weder die genaue Definition der einzelnen Varietäten gemäß ihrer linguistischen Charakteristika eindeutig möglich ist noch die eindeutige Zuordnung abgegrenzter sozialer Gruppen zu den einzelnen Varietäten“ (Kube 2005, 102). Es ist also unmöglich, die genaue Anzahl der Sprecher des Französischen zu nennen, denn die Situation des Französischen in der Côte d’Ivoire ist sehr komplex „weil das, was mit ‚Französisch in der Côte d’Ivoire‘ scheinbar eindeutig bezeichnet ist, in der tatsächlichen Sprachverwendung gerade im afrikanischen Kontext kein homogenes Gebilde beschreibt“ (Kube 2005, 95). In den folgenden Unterkapiteln wollen wir uns ausführlicher mit dem Varietätenspektrum des Französischen befassen.

2.4.4. Französische Varietäten der Côte d’Ivoire

2.4.4.1. Einleitung – Geschichtlicher Kontext

Die Tatsache, dass verschiedene, französische Varietäten entstanden sind, lässt sich dadurch erklären, dass eine Art Symbiose zwischen Sprache und Gesellschaft herrscht: Sprache ist das primäre Ausdrucksmittel von Wissen und Kultur, sowie die primäre Komponente in sozialen Interaktionen. Dadurch formt die Gesellschaft in gewisser Weise die Sprache, und die Sprache wiederum die Gesellschaft (vgl. Simard 1994, 20). Aus diesem Grund spricht Yéo im afrikanischen Kontext von einer „Afrikanisierung der französischen Sprache“ auf Grund der „Interferenzen zwischen der französischen Sprache und den einheimischen afrikanischen Sprachen“ (Yéo 2009, 97). Diese „Afrikanisierung des Französischen“ ist ein natürlicher und notwendiger Prozess, denn „Französisch ist die Sprache der Franzosen, und repräsentiert die französische Kultur. Das Abstraktum, das sie beschreibt, die Assoziationen, die bestimmte Wörter oder Redewendungen hervorrufen, kurz, die Realität, die sie mitteilt, sind im französischen kulturellen Kontext zu verstehen“ (vgl. Tene 2004, 9). Wenn das Französische nun in Afrika Fuß fasst, so nur unter der Bedingung, dass die Sprache an die neue, an die afrikanische Kultur, deren Assoziationen und Realität sie beschreibt, angepasst wird, denn es ist gänzlich unmöglich « pour le français de France de prendre la relève des langues africaines comme véhicule de comportements cognitifs, langagiers et communicationnels partagés » (Boutin 2002, 281). Durch die Entstehung der verschiedenen französischen Varietäten in der Côte d’Ivoire ist diese Adaption des Französischen an den afrikanischen Kontext der Fall, weswegen Simard von einer « ‘vernacularisation’ du français en ce sens que cette langue est le reflet et l'expression de la société ivoirienne, tant au plan de sa structure sociale qu'à celui de sa façon d'appréhender le monde et d'en rendre compte » (Simard 1994, 20) sprechen kann.

Wie unter 2.4.2. detailliert geschildert, verfolgt die ivorische Regierung seit der Unabhängigkeit vehement die Verbreitung des Französischen und war, unter anderem auch durch Hilfe aus dem Ausland, bisher sehr erfolgreich in ihrem Konzept. Die Entstehung von Varietäten, die nicht dem Standard entsprechen, wurde seitens der Elite als eine „unerwünschte Nebenwirkung“ der sonst erfolgreichen Bildungspolitik angesehen (vgl. Reh et al. 1982, 132). Auch für Linguisten galten in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit jegliche Abweichungen des in Afrika gesprochenen Französisch vom in Frankreich gesprochenen Französisch als „Fehler“, die es rasch zu eliminieren galt (vgl. Boutin 2002, 280). Bald stellte sich jedoch die Frage, ob man wirklich von einer „Nebenwirkung“ und von „Fehlern“ sprechen konnte, denn nach einer Untersuchung, die 1978 durchgeführt wurde, sprachen nur 0,5% der Ivorer wirklich Standardfranzösisch, was genau dem Prozentsatz an Akademikern im Land entsprach. Der Rest der Französisch sprechenden Bevölkerung bediente sich diverser für frankophone Ausländer mehr oder weniger bis gar nicht verständlicher französischer Varietäten, allen voran des Français Populaire Ivoirien, einer Art Pidginfranzösisch[17] (vgl. Reh et al. 1982, 133). So gesehen war der anfängliche Erfolg – die rasche, landesweite Verbreitung des Französischen – bei genauerer Betrachtung ein Misserfolg. Es war nicht aufzuhalten, dass das Französische im urbanen Milieu vernakulisiert wurde « en même temps qu’émergent des variantes neutres de langue qui relèvent de la vernacularisation des variétés véhiculaires de français » (Boutin 2002, 280).

Erst mit dem Beginn der 80er Jahre änderte sich die sprachpolitische Einstellung, so dass es zur „Rückbesinnung auf den kulturellen Wert der einheimischen Sprachen“ (Reh et al. 1982, 134) kam und der Wunsch nach einer Aufwertung der afrikanischen linguistischen Diversität groß wurde. Auf Grund des wachsenden Interesses an der Mehrsprachigkeits-, der Minderheiten- und Sprachpolitikforschung (vgl. Erfurt 2003, 24) wurden auch die Sprachwissenschaftler von „Jägern“ nach sprachlichen Fehlern im Französischen Afrikas, zu „Sammlern“ der Besonderheiten des in Afrika gesprochenen Französisch (vgl. Kube 2005, 34ff.).

Simard teilte die ivorische Gesellschaft der 90er Jahre in zwei große Gruppen ein: Die gebildete und die ungebildete Schicht. Hand in Hand mit dieser Einteilung gehen seiner Meinung nach zwei Varianten des Französischen: Die gebildete Schicht spricht das „Ivoirien cultivé“ (Simard 1994, 20), das am nächsten am Französisch Frankreichs, also dem Standardfranzösisch ist, die wenig bis gar nicht gebildete Schicht spricht hingegen das „Français Populaire Ivoirien“, kurz FPI (Simard 1994, 20).

Nach Kube findet man viele weitere Varianten des Französischen in der Côte d’Ivoire in Form von zahlreichen unbenannten Mesolekten zwischen dem Ivoirien cultivé[18] und dem FPI, sowie in Form des Nouchi (vgl. Kube 2005, 101).

Einer anderen Einteilung zufolge gibt es drei Varietäten: das FPI als Varietät, die außerhalb der Schule erlernt wird, das lokale Französisch als Varietät, die in der Schule erworben wird, und das Nouchi, welches als Varietät in und außerhalb der Schule erworben wird (vgl. Kouadio 2008, 7), wobei das lokale Französisch sowohl die Mesolekte als auch den Akrolekt miteinschließt. Der Grund für diese Einteilung liegt in der „Ivoirisierung des Lehrkörpers“ (Kube 2005, 102) und in dem immer geringeren Einfluss des Standardfranzösischen, das nicht mehr als Akrolekt betrachtet werden kann (vgl. Kube 2005, 104).

Das FPI und das lokale Französisch sind heute neben dem Nouchi nicht nur die zwei am meisten verbreiteten französischen Varietäten im Land, sondern sie spielten auch bei der Entstehung und Weiterentwicklung des Nouchi eine maßgebliche Rolle, weswegen wir sie in den folgenden Kapiteln im Detail betrachten werden.

2.4.4.2. Entstehung und Ausbreitung des FPI

Wie in den anderen von Frankreich besetzten Kolonien gab es auch in der Côte d’Ivoire zwischen Kolonisatoren und Kolonisierten vor allem drei Berührungspunkte: Arbeit, Schule und Militär. Mit „Kolonisatoren“ sind hier weniger bedeutende Mittelmänner gemeint, die quasi in permanentem Kontakt mit der afrikanischen Bevölkerung standen. Zwischen ihnen und der afrikanischen Bevölkerung entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine einfache, stark reduzierte Sprachform, ein Pidgin, das der notwendigen Kommunikation diente. Man kann es auch als ein Pidginfranzösisch bezeichnen, da das Französische in seiner Entwicklung als Akrolekt mit höherem Prestige fungierte. Da es aber, wie man meinte, in hohem Maße an die afrikanische Mentalität angepasst war, nannte man es auch „petit nègre“ (Kouadio 2007, 3). Das petit nègre wurde der Einfachheit halber zu Beginn in der Schule eingesetzt. 1944 kam es zu einer kolonisatorisch – sprachpolitischen Wende durch die Konferenz in Brazzaville, nach welcher „le symbole“ (Kouadio 2008, 5), eingeführt wurde: Ein Stück Holz, eine leere Dose, ein Tierschädel oder ähnliches wurde fortan als Symbol gehandhabt, welches man jenem Kind um den Hals hängte, das beim Sprechen einer afrikanischen Sprache wie etwa seiner Muttersprache, in der Bildungsstätte erwischt worden war. Die Demütigung afrikanischer Kinder durch das geächtete Symbol sollte sicherstellen, dass nur außerhalb der Schule ivorische Sprachen gesprochen wurden, was die „anständige“ Verbreitung von Französisch innerhalb der Bildungsstätte garantieren sollte, sodass man sagen kann: « En effet, à partir de cette décision, l’enfant africain qui arrivait à l’école était traité comme un enfant français qui parlait sa langue maternelle » (Kouadio 2008, 5). Dass die Muttersprache der afrikanischen Kinder jedoch tatsächlich alles andere als Französisch war, wurde schlichtweg negiert, was zu einem steifen Auswendiglernen französischer Sätze und zu einem mechanischen Wiederholen französischer Wörter führte. Schlussendlich bewirkte diese Sprachpolitik aber die Entstehung der Varietät des lokalen Französisch der Côte d’Ivoire[19] (vgl. Kouadio 2008, 5).

Das FPI ist eine Varietät des Französischen, die ohne Zweifel auf der Grundlage des petit nègre entstanden ist. Seinen Ursprung datiert man zwischen 1951 und 1975, und ab den 70ern verbreitete es sich als pidginisierte Form des Französischen von Abidjan aus im ganzen Land (vgl. Kouadio 2008, 7). Bereits Ende der 70er und zu Beginn der 80er lag die Verbreitung des FPI bei geschätzten 29,2% der Gesamtpopulation (Lafage 1979[20]). Die Verbreitung des FPI ist auf zahlreiche Gründe zurückzuführen, wie zum Beispiel die hohe Analphabetenrate, die rasche Entwicklung der Städte, vor allem von Abidjan[21] (vgl. Kube 2005, 100), der Mangel einer interethnischen, nationalen Vehikulärsprache, aber auch der starke Wunsch der Ivorer, sich an die westliche Welt anzupassen (vgl. Barbier 2011, 54). Dem wirtschaftlichen Aufschwung folgte eine Immigration von Arbeitern aus dem Ausland, welche sich in den großen Städten niederließen. Auch diese Menschen waren Großteils Analphabeten und sprachen keine der ivorischen Sprachen (vgl. Kube 2005, 100). Die extrem heterogene Bevölkerung der Städte hatte also Großteils keine gute Bildung genossen, somit auch kein Standardfranzösisch gelernt, musste sich aber dennoch auf eine Art und Weise verständigen. Als interethnisches Verständigungsmittel diente sehr bald das FPI, welches ausschließlich auf der Straße erworben wurde und eine identitätsstiftende Funktion innehatte (vgl. Kube 2005, 100), sodass Manessy sogar meinte, dass es sich nicht mehr nur um ein einfaches Verständigungsmittel handelte, « mais d’un parler qui a tendance à devenir l’idiome d’un groupe donné parce qu’il sert déjà de support, intentionnellement ou non, à des productions représentatives, soit de la pensée et de la culture ivoiriennes, soit d’une catégorie sociale bien précise, les non scolarisés » (Simard 1994, 25).

Auch wenn die führende Elite des Landes dem FPI gegenüber sehr negativ eingestellt war und es ursprünglich unterbinden wollte, um das Standardfranzösische zu schützen (vgl. Reh et al. 1982, 132), bedienten sich die Medien, sprich Radio, Fernsehen und Presse, welche sich in den 80ern sehr schnell entwickelt hatten, des FPI, um die Masse zu erreichen. Zur gleichen Zeit nahm auch der Verkauf von Produkten aus dem In- und Ausland zu. Die Medien begriffen rasch, dass sie das Volk am ehesten durch das FPI erreichen konnten und bewarben diverse Produkte auf FPI, ob Suppenwürfel, Seife oder Mineralwasser. Sie verschufen der Sprachform durch seine Verschriftlichung eine gewisse Legimitation, was zur Folge hatte, dass das FPI unter der wenig bis gar nicht gebildeten Schicht im ganzen Land noch mehr Verbreitung fand und man auch fortsetzte, das FPI zu schreiben, etwa in Comics in Zeitschriften, zum Beispiel « C’est moi Moussa[22] » oder « Dago à Abidjan » (vgl. Djité 2011, 173), oder etwa Fabeln von Fontaine, die ebenfalls als Comics illustriert auf FPI verfasst wurden (vgl. Simard 1994, 24). Darüber hinaus sorgten die Medien durch die Verwendung des FPI auch dafür, dass die Elite und die gebildete Schicht des Landes bald über wenigstens passive Kenntnisse dieser basilektalen Varietät des Französischen verfügten (vgl. Kube 2005, 101).

In den 90er Jahren kam es im frankophonen Westafrika zu kritischen soziopolitischen Situationen, wie zum Beispiel der Revolution in Burkina Faso und den Bürgerkriegen in Ruanda, Togo, Zaire, dem Kongo und noch einigen mehr. Kein frankophones Land konnte den Problemen wirklich entgehen, wobei jedes Land unterschiedlich betroffen war. In dieser Zeit breitete sich das Französisch in der Côte d’Ivoire zwar weiter aus, seine normative Qualität sank jedoch stark, bedingt durch Streiks seitens der Schüler und Lehrer und durch eine Verschlechterung des Gesamtzustands der Wirtschaft (vgl. Lafage 1998, 137). Bis dahin lag die Hoffnung der Jungen auf eine bessere Zukunft in der Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren, doch durch die Krise wurde diese Hoffnung zerstört, was zu weniger Schuleintritten führte, dafür zu mehr Jugendlichen auf den Straßen der großen Städte (vgl. Kouadio 2005, 178). Auf Grund der wachsenden Urbanisierung wurde die Bevölkerung der Städte zusehends gemischter und das einzige Kommunikationsmittel – Französisch – war oft nur elementar erlernt worden: « La rue devient le vrai centre de formation / création de français véhiculaires et le lieu principal d’apprentissage » (Lafage 1998, 137). Französisch wurde also in Form des FPI auf der Straße erworben und in seinem Gebrauch an die Kultur und die Lebenssituation der Menschen angepasst (vgl. Lafage 1991, 137). Der Erwerb erfolgte ausschließlich empirisch, durch Hören und Imitieren von Sprechern, die diese Sprache selbst nicht als Muttersprache beherrschten (Simard 1994, 25), weswegen eine erhebliche Abweichung vom Standardfranzösischen zu verzeichnen ist, und Lafage das FPI als eine « forme d’un continuum pré-créole, [] fort approximatif, d’acquisition non guidée et peu intelligible à un fracophone venu d’ailleurs » (1991, 96) beschreibt. Da die Sprachkompetenz im FPI von Sprecher zu Sprecher enorm variieren kann, meint Kouadio, es gäbe genauso viele vor allem phonetische Varietäten des FPI wie es Sprecher desselben gäbe (2007, 80). Die verschiedenen Varianten orientieren sich natürlich an dem Akrolekt, dem Standardfranzösischen, doch gibt es je nach Sprecher unterschiedliche Anteile pidginisierter, kreolisierter und solcher Formen, die mit der französischen Grammatik übereinstimmen (vgl. Simard 1994, 27). Aus diesem Grund kann man eigentlich nicht von „dem“ FPI reden, sondern, je nach Sprecher, von „einem“ FPI.

2.4.4.3. Linguistische Merkmale des FPI

Da die Angabe allgemeiner linguistischer Merkmale für das FPI auf Grund seiner soeben erläuterten Varianz schwierig ist, werden wir nur einige konkrete Beispiele nennen[23]:

- Das FPI beruht syntaktisch gesehen grundsätzlich auf den ivorischen Sprachen und lexikalisch gesehen auf dem Französischen, wobei es sehr stark zu phonetischen Deformierungen der französischen Lexeme kommt (vgl. Barbier 2011, 49). Manche Laute werden konsequent anders ausgesprochen und einige Konsonantengruppen werden systematisch reduziert, so sagt man zum Beispiel [ɔzɔrdyi] statt [oʒuʀdwi], Fr. aujourd’hui, ‚heute‘, [zuka] statt [ʒyska], Fr. jusqu’à, ‚bis‘, [mɛ̃nã] anstelle von [mɛ̃tənɑ̃], Fr. maintenant, ‚jetzt‘ oder [ze] statt [ʒə], je, ‚ich‘[24] (Kouadio 2008, 7).
- Weiters befinden sich französische Wörter im FPI oft in anderen lexikalischen Kategorien, wie zum Beispiel das Nomen moyen, ‚Mittel‘ welches im FPI als Verb mit der Bedeutung von ‚können‘ verwendet wird (vgl. Kouadio 2005, 181).
- Das FPI ist im Grunde sowohl soziolinguistisch als auch grammatikalisch eine Pidginsprache (vgl. Simard 1994, 26), da man pidginisierte Formen findet, wie zum Beispiel die Auslassung grammatikalischer Morpheme. So wird etwa das Nomen nicht determiniert : Tu vas prendre bus, ‚Du wirst den Bus nehmen‘ ; Tu veux pagne, ‚Du willst eine Pagne‘ ; On peut prend boisson, ‚Wir können etwas trinken‘ etc. (Kouadio 2008, 7). Wie im letzten Beispiel ersichtlich, wird auch das Verb für gewöhnlich nicht flektiert. Ein weiteres Beispiele wäre (Simard 1994, 28):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Tempora werden demzufolge auch nicht durch Verbendungen ausgedrückt, wie dies im Französischen der Fall ist, sondern durch die Verwendung von Adverbien, wie avant, ‚vor‘ und après, ‚nach‘: Avant nous on vient Abidjan ici bedeutet ‚Wir sind nach Abidjan gekommen‘ (Kouadio 2008, 8).
- Auch Präpositionen werden häufig ausgelassen: J’ai jamais été école, ‚Ich war nie in der Schule‘, oder Je pati Abidjan, ‚Ich bin nach Abidjan gereist‘ (Kouadio 2008, 8).
- Die französischen Pronomen werden abweichend verwendet: Il les a donné des places statt Il leur a donné des places, ‘Er hat ihnen Plätze gegeben‘, La pluie n’a pas laissé leur anstelle von La pluie ne les a pas épargnés, ‘Der Regen hat sie nicht verschont, J’ai blagué vous für Je vous ai blagué, ‚Ich habe dich veräppelt‘, On va tuer lui statt On va le tuer, ‚Wir werden ihn töten‘ (Kouadio 2008, 8).
- Aber man findet auch kreolisierte Formen, welche neue Regeln aufweisen, die von der französischen Grammatik abweichen. Meistens wird hierbei von pidginisierten Formen ausgegangen, deren Struktur komplexer gemacht werden muss um Mehrdeutigkeiten zu verhindern. Dazu gehört zum Beispiel das Einführen eines Tonems zur Markierung des Superlativs oder die Einführung neuer Morpheme (Simard 1994, 28).

2.4.4.4. Das FPI – Pidgin oder Kreol?

Die Situation des FPI ist schwer zu erfassen, da kaum linguistisches Material aus den 70ern vorliegt und sich die ursprüngliche Varietät schnell ausdifferenziert hat. Es stellt sich jedoch die berechtigte Frage, ob das FPI noch ein Pidgin ist, wie es das zu Beginn mit Sicherheit war, oder ob es schon ein Kreol ist, da es nicht nur schon kreolisierte Formen aufweist, sondern auch Ausdrucksmittel ivorischer Kultur und ivorischen Gedankengutes ist. Kube geht dieser Frage nach und zitiert mehrere Wissenschaftler, die der Ansicht sind, das FPI sei ein Pidgin auf dem Weg zum Kreol, darunter auch Manessy. Kube präsentiert aber auch die Meinung Lafages, die darauf plädiert, das FPI sei gar keine Varietät des Französischen oder ein Pidgin, sondern einfach nur Französisch, welches auf einem sehr niedrigen Niveau erworben worden ist. Ihrer Meinung nach würde eine Verbesserung der Sprachvermittlung im Unterricht das FPI zum Verschwinden bringen (vgl. Kube 2005, 100). Simard hingegen ist der Ansicht, das FPI befinde sich in einem „pre-kreolischen“ Stadium (vgl. 1994, 26) und nennt dafür auch linguistische Charakteristika. Kube vermerkt aber mit Recht, dass auf die Problematik nicht eingegangen werden sollte, denn das, was in den 70ern definitiv als „Français Populaire Ivoirien“ bezeichnet wurde, existiert heute quasi nicht mehr: „Diese Varietät oder besser: Varietätenbündel, das von den wenig oder nicht Gebildeten gesprochen wird, weist vielfältige Einflüsse aus ivorischen Sprachen auf und hat zugleich eigenständige Wandelprozesse erfahren []“ (Erfurt 2005, 178). Auch Kouadio ist der Ansicht, dass sich das FPI nicht zu einem Kreol entwickelt: « Nous pensons qu’il s’agit toujours d’un pidgin et que l’hypothèse de la créolisation à terme est à rejeter compte tenu du fait que le français populaire n’a pas encore fait reculer, en tant que langues maternelles, les langues ivoiriennes » (Kouadio 2007, 81). Darüber hinaus gibt es auch keine Muttersprachler des FPI, denn die Nachkommen der ersten FPI–Sprecher haben das Nouchi als Verkehrsmittel entdeckt, sodass die ältere Generation heute FPI spricht, die jüngere Generation, die über sehr viel bessere Französischkenntnisse verfügt, hingegen das Nouchi dem FPI vorzieht (vgl. Kube 2005, 103f.). Lafages Vermutung, dass das FPI mit einer Verbesserung des Französischerwerbs verschwinden würde, hat sich somit also im Grunde bestätigt.

2.4.4.5. Entstehung und Ausbreitung des lokalen Französisch

Neben dem FPI gibt es auch das „ivoirien cultivé“ auch „français de Côte d’Ivoire“ genannt (vgl. Simard 1994, 31), welches wir in dieser Arbeit forthin als „lokales Französisch“ bezeichnen[25]. Wie auch das in Kanada gesprochene Französisch hat Französisch in afrikanischen Kolonien eine gewisse Transformation durchgemacht, die bedingt ist durch die Lösung von der Norm, den starken Einfluss einheimischer Sprachen und der Anpassung der Sprache an die ivorische Kultur[26] (vgl. Simard 1994, 31). Im Grunde besteht ein Einfluss durch das Französisch Frankreichs nur noch in Form von Fernsehsendungen (vlg. Kube 2005, 108), denn die Studenten müssen, um einen Doktortitel zu erhalten, heutzutage nicht mehr das Land verlassen. Auch Universitätsprofessoren werden im Land ausgebildet und stehen daher nicht mehr direkt unter dem Einfluss des Standardfranzösischen durch ein Studium im Mutterland (vgl. Simard 1994, 24). Eine endogene, ivorisierte Norm konnte sich somit als Sprache des landesweiten Bildungswesens durchsetzen und wird an die Schüler weitergegeben: « C’est-à-dire qu’il y a une norme locale, endogène qui y régit maintenant les usages » (Barbier 2011, 49), sodass man sagen kann, dass es sich bei dem lokalen Franösisch der Côte d’Ivoire um eine autonome Varietät handelt, die sich beträchtlich von der Standardnorm Frankreichs unterscheidet (vgl. Kouadio 2007, 77). Erfreulich ist, dass in der Côte d’Ivoire zu dieser afrikanischen Varietät des Französischen geforscht wird:

„Zahlreiche Magister- und DEA-Arbeiten werden an der Universität Abidjan der Beschreibung des in der Côte d’Ivoire geschriebenen und gesprochenen Französisch gewidmet. Sie unterstützen die These von der Herausbildung

einer endogenen Norm des Französischen in der Côte d’Ivoire.“ (Kube 2005, 103)

Nach Simard gibt es einen sehr engen Zusammenhang zwischen dem FPI und der Entstehung des lokalen Französisch, da ersteres für die Schüler und Studenten in den 80ern ein wichtiges Mittel der Identifikation war und diese Studenten die Lehrer der 90er geworden sind, und somit lokales Französisch mit FPI–Einflüssen weitergaben (vgl. 1994, 31). Weiters sind beide dank einer „mode de conceptualisation propre à une civilisation de l’oralité“ (Simard 1994, 29) auf Grund des starken Einflusses ivorischer Sprachen entstanden. Im Unterschied zum FPI wird das lokale Französisch jedoch ausschließlich in der Schule erlernt. Seine Verbreitung steht also in direktem Zusammenhang mit dem Bildungssystem, weswegen Lafage es auch als « une forme relativement peu régionalisée de la langue commune, presqu’entièrement acquise en milieu scolaire et d’autant mieux maitrisée que les études ont atteint un niveau plus élevé (fin du secondaire ou supérieur) » (Lafage 1991, 96) bezeichnet. Darüber hinaus sei gesagt, dass die Sprecher des lokalen Französisch auch über Kompetenzen im FPI verfügen und ein breites Spektrum an französischen Varietäten, je nach Individuum und Sprechsituation, einsetzen können, während Sprecher des FPI meist über keine Kompetenzen des lokalen Französisch verfügen[27] (vgl. Lafage 1991, 96).

2.4.4.6. Linguistische Merkmale des lokalen Französisch

Die Merkmale des lokalen Französisch sind so zahlreich und detailliert in verschiedenen linguistischen Arbeiten zur sprachlichen Situation der Côte d’Ivoire beschrieben worden, dass eine genaue Darstellung derselben an dieser Stelle nicht möglich ist, denn in unserer Arbeit soll nicht das lokale Französisch, sondern das Nouchi im Mittelpunkt stehen. Wir wollen nur einige konkrete Beispiele geben, indem wir mit dem Standardfranzösischen vergleichen[28]:

- Einen der größten Unterschiede zwischen dem Standardfranzösischen und dem lokalen Französisch der Côte d’Ivoire findet man in der Phonetik, so erfolgt etwa eine Delabialisierung der Vokale. Besonders jene Sprecher des lokalen Französisch, die schon etwas älter sind, aber auch junge Leute, welche weniger Ausbildung haben und daher weniger mit der Norm konfrontiert waren, ersetzen die labialen, palatalen Vokale durch nicht–labiale Vokale (vgl. Simard 1994, 32), so heißt es im lokalen Französisch der Côte d’Ivoire zum Beispiel [ɛ̃pe] statt [œ̃pø], Fr. un peu, ‚ein bisschen‘ (Kube 2005, 229 ff.). Weiters wird /ə/ systematisch durch /e/ ersetzt, zum Beispiel [sékre] statt [səkʀɛ], Fr. secret, ‚Geheimnis‘, oder [debu] statt [dəbu], Fr. debout, ‚stehend‘, oder [peti] statt [pəti], Fr. petit, ‚klein‘ (vgl. Kouadio 2008, 8).

- Einen Verlust der Stimmhaftigkeit und eine Alveolarisierung der Sibilanten beobachten wir zum Beispiel bei [bagas] für [bagaʒ], Fr. bagage, ‚Gepäck‘ (Barbier 2011, 50).

- Noch größere, phonetische Abweichungen findet man in der Satzmelodie und dem Sprachrhythmus. Nach Simard besteht der Tonverlauf des lokalen Französisch aus einer Abfolge von hohen und tiefen Tönen, zusätzlich zu einer sehr starken Rhythmisierung. Grund für die spezielle Intonation findet man in der Tatsache, dass die meisten der westafrikanischen Sprachen Tonsprachen sind und hierin ein starker Einfluss auf das Französische besteht (vgl. Simard 1994, 31). Wenngleich ähnliche, im Vergleich zum Standardfranzösichen extreme Intonationen wahrscheinlich in den anderen frankophonen afrikanischen Ländern genauso zu verzeichnen sind, so scheint dieses Phänomen bei den Ivorern ausgeprägter zu sein (vgl. Kouadio 2007, 80).

- Ein weiterer Einfluss der Tonsprachen ist durch die Präsenz eines tonalen Morphems gegeben, welches die Steigerung ausdrückt. Das Morphem besteht aus einem hohen, langen, einen Hochton tragenden Vokal, welcher in Konkurrenz zu dem lexikalischen, französischen très, ‚sehr‘, steht. Das tonale Morphem wird dabei nach Simard verwendet, um einen persönlichen Inhalt auszudrücken, das lexikalische Morphem hingegen um einen sachlichen Inhalt auszudrücken (vgl. Simard 1994, 32f.).
- Man beobachtet auch syntaktische Veränderungen in der Konstruktion bestimmter Verben, wie zum Beispiel bei exiger, ‚verlangen‘: Paul exige quelque chose à Pierre, statt Paul exige quelque chose de Pierre, ‚Paul verlangt etwas von Pierre‘. Dementsprechend wird das zweite Komplement bei der Promonominalisierung zu lui oder leur: Paul lui exige quelque chose, ‚Paul verlangt etwas von ihm‘. Weitere Beispiele für solche Verben wären zum Beispiel régler, accoucher oder danser , ‚ regeln‘, ‚entbinden‘ und ‚tanzen‘ (vgl. Kouadio 2008, 9).
- Ein weiteres Merkmal des lokalen Französisch stellt das fakultative Fehlen des Artikels dar, wobei jedoch ein nachgestelltes oft die Funktion eines Artikels übernimmt, wie zum Beispiel in folgendem Zitat: « Dioula là moi même je comprends pas même (I 2) » (Kube 2005, 230). Darüber hinaus fällt der Artikel vorwiegend weg, wenn ein persönlicher Inhalt vermittelt werden soll, wenn es sich hingegen um einen objektiven, wissenschaftlichen Inhalt handelt, werden die definiten Artikel verwendet (vgl. Simard 1994, 33).
- Eine weitere Eigenheit des lokalen Französisch ist der Wegfall von Präpositionen, zum Beispiel: « On a pas fini [d‘]apprendre » (Kube 2005, 229). Man beobachtet auch den Wegfall von que, ‚dass‘ zur Einleitung eines Relativsatzes: « En Côte d’Ivoire c’est Nouchi [qu‘]on parle précisement » (I 2), oder die Verwendung der Präposition dedans, ‚drinnen‘, statt des im Standardfranzösischen verwendeten y, zum Beispiel: « Ma mère, quand elle parle français, elle va mettre sa langue dedans (I 2) » (Kube 2005, 230).
- Man findet im lokalen Französisch der Côte d’Ivoire noch Ausdrücke, die im Französisch von Frankreich während des vergangenen halben Jahrhunderts aus der Mode gekommen sind. So spricht man in der Côte d’Ivoire zum Beispiel von accoutrement, wenn man von ‚Kleidung‘ spricht (Fr.: vêtement). Außerdem werden in der Côte d’Ivoire Wörter in der Alltagssprache verwendet, die in Frankreich nur in der Fachsprache vorkommen, wie etwa pian, ‚Frambösie‘, eine Tropenkrankheit, oder onchocercose, Onchozerkose‘, eine Fadenwurmart (Barbier 2011, 50).
- Auch semantische Spezialisierungen sind zahlreich, wie etwa die Bedeutungserweiterung: affaires, ‚Angelegenheiten‘, wird in der Côte d’Ivoire auch für ‚Beschäftigung‘ oder ‚Unternehmen‘ verwendet; procès, ‚Prozess‘, bedeutet auch ‚Streitigkeiten‘, ‚Probleme‘ und ‚Geschichten‘; gâter, ‚ verderben‘, wird auch in der Bedeutung ‚zerbrechen‘, ‚beschädigen‘ und ‚kaputtgehen‘ verwendet. Änderungen der Konnotation gewisser Wörter sind gängig, wie zum Beispiel dialecte, was nicht ‚Dialekt‘ sondern ‚afrikanische Sprache‘ bedeutet; ventre, ‚Bauch‘, ein Wort, das mit dem Sitz der Gefühle assoziiert wird, oder hyène, ‚Hyäne‘, welche als Symbol für Dummheit gilt. Änderungen der Denotation sind ebenfalls zu beobachten, so bedeutet tablier nicht ‚Schürze‘ wie im Standardfranzösischen, sondern ‚Händler‘ (Barbier 2011, 51).
- Auch lexematische Variationen sind häufig, so wechseln manche französische Wörter im lokalen Französisch der Côte d’Ivoire die lexikalische Kategorie: das Nomen acharnement, ‚Verbissenheit‘, wird zum Adverb, das Nomen façon, ‚Art‘ wird zu einem Adjektiv und bedeutet ‚eigenartig‘ oder zu einem Adverb, das ‚in einer lustigen Art und Weise‘ bedeutet. Weiters werden Abkürzungen vermerkt, wie etwa palu, als Abkürzung von paludisme, ‚Malaria‘; po als Abkürzung von policier; ‚Polizist; sowie Verdoppelungen mit Bedeutungsveränderung, etwa combien combien?, wörtlich: ‚wieviel wieviel?‘, mit der Bedeutung von ‚wieviel für jedes?‘, oder vrai vrai!, wörtlich ‚wahr wahr!‘, mit der Bedeutung von ‚Das ist ganz sicher!‘. Weiters findet man neue Derivationen, wie etwa von marabout: maraboutal, maraboutique, marabouter, maraboutage, maraboutisme, démarabouter, démaraboutage[29]. Die Derivationen können auch regressif sein, so wurde das Verb compétir, ‚wettkämpfen‘ von compétition, ‚Wettkampf‘ deriviert, oder alphabète, ‘Alphabetisierter‘, von analphabète‘, ‚Analphabet‘ (Barbier 2011, 51).
- Ein weiteres, wichtiges Phänomen sind die Lehnübersetzungen, bei denen zusammengesetzte Begriffe aus den afrikanischen Ursprungssprachen wörtlich ins Französische übersetzt werden. So bedeutet refroidir son coeur, wörtlich ‚sein Herz abkühlen‘ in der Côte d’Ivoire ‚sich beruhigen‘, da diese Redewendung im Gur gängig ist; demander la route, wörtlich ‚nach dem Weg fragen‘, bedeutet ‚um die Erlaubnis bitten, sich zurückziehen zu dürfen‘, da es sich um eine Lehnübersetzung aus den Mandesprachen handelt (Barbier 2011, 51).
- Syntaktische Besonderheiten wären zum Beispiel Änderungen bei Verben, die zu Intransitiva werden, wie etwa préparer, ‚bereiten‘, das zum intransitiven ‚kochen‘ wird. Weiters kann die Präposition de, ‚von / aus / für‘, einen Fragesatz einleiten, der nur aus dem Infinitiv des Verbs besteht: De sortir? bedeutet soviel wie ‚Kann ich ausgehen ?‘ (Barbier 2011, 51).

2.4.5. Konklusion

Man liest: « Le français tel qu’il est pratiqué en Côte d’Ivoire aujourd’hui est le résultat d’un long processus qui a commencé aux premières heures de la colonisation du pays et qui se poursuit de nos jours » (Kouadio 2008, 2), und auf Grund dieser langandauernden, stetigen Entwicklung ist es wohl auch gänzlich unmöglich, die französischen Varietäten der Côte d’Ivoire völlig voneinander zu trennen. So sind etwa Elemente des FPI in das lokale Französisch übergegangen, Elemente des lokalen Französisch ins Nouchi etc. (vgl. Simard 1994, 20). Die Situation des Französischen in der Côte d’Ivoire ist folglich sehr viel komplexer, als wir hier erläutern konnten. Fakt ist jedoch, dass eine Ivoirisierung des Französischen stattgefunden hat, was bedeutet, dass das Französische der ivorischen Gesellschaft und Kultur angepasst worden ist. Simard beurteilt die Situation folgendermaßen:

« Ceci signifie que la langue française a épousé tous les contours de la société ivoirienne, aussi bien dans son organisation sociale que comme expression et reflet de sa spécificité culturelle. Nous en voulons pour preuve non seulement l'existence des deux grandes variétés, l'ivoirien cultivé et le FPI, mais également la présence d'une variété à caractère plus argotique, baptisée ‘nouchi’. » (1994, 24)

Das Nouchi ist also ebenfalls ein Ergebnis der zunehmenden Vernakularisierung des Französischen, und da wir einen Einblick in die Sprachlandschaft der Côte d’Ivoire und besonders in die Situation des Französischen im Land vermitteln konnten, wollen wir uns nun völlig dieser Varietät widmen.

3. Soziolinguistische Aspekte des Nouchi

3.1. Einleitung

In diesem Kapitel wollen wir uns mit verschiedenen soziolinguistischen Aspekten des Nouchi, der « variété la plus récente du français ivoirien » (Aboa 2011, 45) befassen. Zuerst wollen wir der Frage nachgehen, warum es überhaupt zur Entstehung des Nouchi kam, wobei wir sowohl einige geographische als auch soziolinguistische Gründe beleuchten werden. Die folgenden Kapitel (3.3. – 3.6.) sind chronologisch geordnet, beginnend mit einem Kapitel zur Entstehung des Nouchi, in welchem die wichtigen Fragen nach dem Zeitpunkt und dem Ort der Entstehung, nach der Sprechergruppe und der Entstehung des Begriffs so genau wie möglich beantwortet werden sollen. Es folgen Kapitel zur weiteren Verbreitung im Land, zu der aktuellen Situation und zu der möglichen Zukunft des Nouchi, wobei wir unter Rücksichtnahme der Einstellungen der Sprecher untersuchen werden, in wie weit das Nouchi als potenzielle nationale offizielle Landessprache in Frage kommt.

3.2. Gründe für die Entstehung des Nouchi

Auf die Fragen, warum das Nouchi überhaupt entstanden sei, antwortete eine Schülerin von 15 Jahren: « Le nouchi est né parce que tous les habitants ne pouvaient pas parler le français soutenu et parce qu’il n’y a pas de langue commune » (Kube 2005, 257). Diese Aussage zeigt, dass für die Entstehung und Verbreitung einer Mischsprache wie dem Nouchi einige wichtige Kriterien Voraussetzung sind. Im Folgenden wollen wir sieben dieser notwendigen Bedingungen auflisten und stets darauf hinweisen, dass sie in der Côte d’Ivoire erfüllt waren. Die ersten drei Bedingungen sind dabei « contextes géolinguistiques » (Queffélec 2004, 47), welche als allgemein zu betrachten sind, die restlichen vier sind « contextes sociolinguistiques » (Queffélec 2004, 49), welche sich sehr direkt auf die Situation in der Côte d’Ivoire beziehen.

3.2.1. Geolinguistische Kontexte

3.2.1.1. Allgemeine Mehrsprachigkeit

Eine der wichtigsten Bedingungen für das Entstehen einer Mischsprache ist ein staatlich bedingter Plurilinguismus, denn nur in einem Staat, in welchem mehrere Sprachen gesprochen werden, kann ein Mischungsprozess derselben stattfinden. In der Côte d’Ivoire, wie auch in allen anderen westafrikanischen Ländern, ist dies der Fall (Queffélec 2007, 47).

3.2.1.2. Keine afrikanische Verkehrssprache mit nationaler Ausbreitung

Eine weitere Bedingung ist, dass es keine afrikanische Verkehrssprache gibt, welche im ganzen Land Verwendung findet. Sobald dies der Fall ist – etwa im Senegal (Wolof), in Mali (Bambara), Zentralafrika (Sango), Ruanda (Kinyaruanda) bzw. in Burundi (Kirundi), deckt die Verkehrssprache die informelle, mündliche Kommunikation ab, und für das Französische, die offizielle Sprache, bleibt der formelle Sektor als geschriebene Sprache (Queffélec 2007, 47f).

In der Côte d’Ivoire gibt es mehrere Sprachen mit regionaler Ausbreitung, doch keine von ihnen übernimmt die Rolle einer nationalen Verkehrssprache. So ist das Dioula zwar die am meisten gesprochene Sprache im Norden des Landes und wird von ungefähr 60% der Bevölkerung verstanden (vgl. Simard 1994, 21), die im Süden lebenden Ivorer, die Großteils Christen oder Animisten sind, lehnen diese Sprache der im Norden lebenden Muslime und Immigranten von Burkina Faso oder Mali jedoch ab (vgl. Queffélec 2007, 47f.). Dioula ist trotzdem die wichtigste Sprache des Handels und die zweite Verkehrssprache in Abidjan neben dem FPI. Auch wenn es sich angesichts der soziokulturellen Umstände in naher Zukunft sicher nicht landesweit ausbreiten wird, ist es jene Sprache, aus welcher für die Bildung des Nouchi am meisten entlehnt wurde[30]. Es wird geschätzt, dass zu Beginn mehr als 50% des Vokabulars des Nouchi auf dem Dioula beruhten (vgl. Kouadio 2005, 183).

3.2.1.3. Zweisprachigkeit: Französisch / afrikanische Verkehrssprache mit regionaler Ausbreitung

In der Republik Kongo und in Gabon sind bisher keine Mischsprache entstanden. In der Republik Kongo gibt es zwei regionale Landessprachen, welche von der Konstitution anerkannt sind: Das Lingala, welches vor allem im Norden gesprochen wird, sowie das Kituba, das vor allem im Süden gesprochen wird. In der Hauptstadt Brazzaville steht das Französische diesen zwei afrikanischen Verkehrssprachen mit regionaler Ausbreitung gegenüber. Darüber hinaus wird in Brazzaville auch Lari gesprochen, eine Sprache, deren Sprecher ihre Wurzeln im Süden der Hauptstadt haben. Somit gibt es in Brazzaville vier Sprachen: Französisch, Lingala, Kituba, und Lari, welche alle sehr ähnliches Prestige und einen ähnlichen Status genießen.

In Gabon ist Französisch die einzige Verkehrssprache geworden, die um die 50 Landessprachen sind auf das Familienleben beschränkt. Somit steht dem Französischen keine afrikanische Verkehrssprache mit regionaler Ausbreitung gegenüber.

Queffélec schlussfolgert aus diesen Tatsachen: « Pour que naisse une langue mixte, il faut que coexistent sur un même territoire deux et seulement deux langues véhiculaires concurrentes et de poids statutaire voisin » (2007, 49.). In der ivorischen Großstadt Abdijan war genau die von Queffélec erläuterte Situation gegeben, da eine Konkurrenz zwischen Französisch und der regional verbreiteten afrikanischen Verkehrssprache Dioula bestand.

3.2.2. Soziolinguistische Kontexte

3.2.2.1. Unsicherheit der Sprecher

Obwohl das Französische in frankophonen Ländern prestigeträchtig ist, wurde es lange nur in der Schule erlernt, sprich in einem Rahmen der Bildung und Leistungserbringung. Durch die selektive Situation unterlag der Spracherwerb Einschränkungen und war weiters auch nicht jedem Bürger zugänglich. Auch in der Côte d’Ivoire war das der Fall, bis in den 80ern die Schulbildung für eine breite Masse zugänglich gemacht wurde. Ermöglicht wurde dies unter anderem durch die Einstellung zahlreicher Lehrer, welche jedoch selbst nicht ausreichend ausgebildet worden waren und Standardfranzösisch nicht beherrschten. Sie konnten die exogene Norm folglich nicht lehren, und entwickelten zusammen mit ihren Schülern eine endogene Norm. Bald gab es eine Unterscheidung zwischen dem Französisch Frankreichs, welches nur noch von den Akademikern in der Côte d’Ivoire beherrscht wurde, und dem lokalen Französisch, welches in der Schule und zwischen Schülern auch auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Markt und später auch am Arbeitsplatz etc. Einsatz fand[31]. Grund für diese Entwicklung war, dass die Jungen nie vollständig Standardfranzösisch erlernt hatten und den Mangel an Kenntnissen durch Einführen endogenen Materiales wettmachten. Trotzdem wussten und merkten sie, dass sie nicht „korrekt“ Französisch sprechen konnten, dass ihr Französisch anders war, als das der Akademiker und Franzosen (vgl. Queffélec 2007, 50f.). Die Unsicherheit im Bezug auf die Praxis des Französischen entstand und entsteht vor allem auch durch eine permanente Bewertung der Sprecher durch Angehörige der sprachlichen Elite, durch Lehrer, aber auch durch andere Schüler (vgl. Kube 2003, 148). Generell ist es in den frankophonen Ländern weit verbreitet, die Sprachpraxis anderer zu beurteilen, was Teil der sozialen Positionsbestimmung ist. Erfurt nennt dies einen „innerfrankophonen Konflikt“ (Erfurt 2005, 179): „Sprachlich taxieren und taxiert zu werden, ist der Teil [] der Grenzziehung zwischen den Sprechern. Wie auch in anderen Regionen der Frankophonie ist die Attitüde der Bewertung bzw. der Abwertung eine Seite von sozialer Distinktion besonders der Elite“ (Erfurt 2005, 179). Schlussendlich führte der innerfrankophone Konflikt bei vielen zu einem starken Gefühl der Frustration, weil der Sprecher sich dazu gezwungen fühlt, die sprachlichen Anforderungen des Gegenübers zu befriedigen, was ihm aber oft schlechtweg unmöglich ist (vgl. Lafage 1991, 96). Die sprachliche Positionierung und Frustration bedingte schlussendlich die Ablehnung der Norm seitens jener, deren Bildungschancen begrenzt waren und die sich durch ihre mangelnden Sprachkenntnisse benachteiligt und ständig negativ bewertet fühlten. In der Côte d’Ivoire wurde das Französisch der Elite von den wenig bis gar nicht Gebildeten deswegen schon früh sehr abschätzig als « gros français » (Queffélec 2007, 49) bezeichnet, und eine Identifikation mit Varietäten des Französischen war das direkte Resultat dieser Einstellung (vgl. Erfurt 2005, 179). So liest man über die ersten Sprecher des Nouchi: « Le nouchi apparait donc comme le parler-signe d‘appartenance à un groupe marginal cohérent, replié sur lui-même et qui affiche sa différence et son mépris, voire son hostilité, à l’égard de tout ce qui n’est pas lui » (Lafage 1991, 99).

Die Unsicherheit der wenig bis gar nicht Gebildeten betrifft jedoch nicht nur das Französische, denn auch die afrikanischen Sprachen wurden oft nicht so vermittelt, dass die Kinder sich in ihr „zuhause“ fühlten. Viele Eltern entschlossen sich dazu, ihren Kindern von klein auf Französisch beizubringen, um ihnen bessere Chancen für die Zukunft zu gewähren, und vernachlässigten dabei die Weitergabe ihrer eigenen Muttersprache an ihre Kinder. In den Großstädten wie Abidjan, wo der Ausländeranteil und die Vermischung ethnischer Gruppen besonders hoch ist, kam und kommt es auch sehr häufig zu Mischehen, so gaben 41 (25,6%) der 156 von Kube befragten Schülern 2004 an, bei ethnisch gemischten Eltern aufzuwachsen. 12 jener Kinder gaben Französisch als Muttersprache an, 17 die Sprache der Mutter, 10 die Sprache des Vaters und zwei Kinder gaben eine Sprache an, die weder die Erstsprache des Vaters noch der Mutter waren (vgl. Kube 2005, 201). Gerade Kinder aus Mischehen erlernen oft keine afrikanische Sprache mehr oder sie erlernen sie nicht einwandfrei und sind daher stark von sprachlicher Unsicherheit betroffen[32].

Auf Grund verschiedener Umstände kam es also, dass die Kinder auch keine afrikanische Sprache einwandfrei erwarben, entweder weil sie von den Eltern garnicht vermittelt wurde, oder auf Grund der Tatsache, dass „die Überlieferung von afrikanischen Sprachen über die Generationen hinweg brüchig wird“ (Erfurt 2005, 178). Es entstand eine „insécurité bilinguistique“ (Bretegnier, 1996[33]), was für die jungen Leute einen sehr unangenehmen Zustand, nämlich den der Entwurzelung, der Entfremdung und des Identitätsverlusts bedeutet: « Bon, quand tu comprends pas ton ethnie ou bien tu parles pas ton ethnie, on te considère pas comme un Ivoirien (I 10) » (Kube 2005, 291). Eine andere Schülerin meint:

« Le problème, c’est que il y a une certaine crainte d’arriver au village et puis ils vont me prendre pour une déracinée, ils ne vont pas trop me considérer comme une ressortissante du village: Parce que je parle français. Quoi toi, ton père et ta mère sont d’ici et tu parles seulement le français? C’est un peu dur pou moi (I 24) » (Kube 2005, 291).

Diese unangenehme zweisprachige Unsicherheit hat merklich dazu beigetragen, dass das Nouchi entstanden ist. Man kann jedoch sagen, dass die „insécurité bilinguistique“ für die Verbreitung des Nouchi noch in viel weiterem Ausmaß von Bedeutung war, als für dessen Entstehung[34]: « l’une des raisons de leur succès [der Mischsprachen] est l’absence des contraintes normatives qui rendent insécure l’emploi des langues officielles » (Queffélec 2007, 53).

3.2.2.2. Wunsch nach einer nationalen Identität

In afrikanischen Staaten ist der Wunsch nach einer gemeinsamen Identität trotz des Multiethnizismus vorhanden. Er wird vor allem in den Schulen der großen Städte, wo Kinder, deren Ursprünge in den verschiedensten Regionen des Landes liegen, in derselben Klasse aufeinandertreffen. In der Côte d’Ivoire ist dies besonders in Abidjan der Fall. Die Kinder befreunden sich, sie teilen die gleiche Lebensweise, die gleichen Gedanken, das gleiche Weltbild, die gleiche Landesherkunft. Es ist nur natürlich, dass sie auch eine gemeinsame Sprache teilen wollen. Der Vorteil von Französisch ist, dass es von keiner ethnischen Gruppe des Landes ausgeht, sondern aus dem Ausland kommt und somit in gewisser Weise „neutral“ ist. Die Regierungen gingen davon aus, dass ethnische Rivalitäten auch innerhalb der Schule entstehen würden, wenn eine lokale Sprache dominant würde, und selbiges ist auch den Schülern bewusst. So meinte eine 21-jährige, von Kube befragte Schülerin: « Mais il y aura quand même contradiction parce que pour choisir trois langues dans ces 60 ethnies, tu vas choisir quelles langues? Tout le monde va vouloir imposer » (Kube 2005, 307). Diese Überlegung war, wie bereits unter 2.4.2. erläutert, nach der Unabhängigkeit in allen ehemaligen französischen Kolonien südlich der Sahara die Hauptmotivation dafür gewesen, Französisch als offizielle Landessprache einzusetzen:

„Der Hauptgrund für das Festhalten an europäischen Sprachen ist die Befürchtung, die Entscheidung für eine einheimische, offizielle Sprache führe zu separatistischen Bestrebungen und Tribalismus. In erhöhtem Stammesbewusstsein, durch das die Loyalität zur eigenen Gruppe über der Loyalität zum Gesamtstaat steht, verbergen sich Gefahren. Afrikanische Regierungen glauben, die nationale Einheit durch eine neutrale europäische Sprache besser wahren können.“ (Stellamanns 2005, 17)

Man meinte also, Rivalitäten vor allem dadurch vermeiden zu können, wenn man eine von außen kommende Sprache wählte, die als neutral erachtet werden kann, weil sie nicht einheimisch ist und keiner Ethnie zu eigen ist (vgl.Simard 1994, 23). Dabei wurde jedoch erstens vergessen, „dass die europäische Sprache in sozialer Hinsicht nicht neutral ist“ (Stellamanns 2005, 17), da sie im direkten und konkreten Zusammenhang mit der Kolonisationszeit steht, und zweitens wurde nicht berücksichtigt, dass es ja gerade wichtig wäre, dass es sich bei der offiziellen Landessprache um eine einheimische Sprache handelt, denn nur mit einer solchen kann eine Identifikation stattfinden.

[...]


[1] Vgl. Kapitel 3.3.

[2] Die französische Kolonialpolitik und Sprachpolitik könnte an dieser Stelle zwar ausführlich erläutert werden, doch dies ist im Rahmen dieser Arbeit leider nicht möglich. Vgl. auch Kapitel 2.4.4.2.

[3] Laut Ethnologue sind es 79 Sprachen, davon 77 lebende (Lewis 2009a). Da die Abgrenzung von Sprachen und Varietäten jedoch schwierig ist, meint Kouadio: « Donc, en l’état actuel de nos connaissances, il serait hasardeux de dire avec précision combien de langues sont parlées dans ce pays » (2007, 78).

[4] Bei Boutin findet man die Aussage, dass mindestens 25% der Ivorer Französisch als ihre Erstsprache ansehen (vgl. 2002, 280).

[5] Vgl. Kapitel 3.2.1.2.

[6] Thematische Überschneidungen sind in den folgenden drei Unterkapiteln unausweichlich. Für den interessierten Leser wollen wir die detaillierte Beschreibung des Französischen und seiner ivorischen Varietäten von Tavernier empfehlen (2005).

[7] Vgl. Kapitel 3.2.2.2.

[8] Über Félix Houphouët-Boigny, seine Politik und Sprachpolitik wurden viele Bücher verfasst, und bis heute gilt er als bedeutendster Politiker der Côte d’Ivoire, sodass er von den Ivorern respektvoll „Le Vieux“ genannt wird. Wir können in unserer Arbeit nicht auf seine Persönlichkeit und Bedeutung für die Anfänge des unabhängigen Staates, besonders für die Verbreitung des Französischen, eingehen.

[9] In diesem Rahmen können wir nicht weiter auf die Entstehung und den Einfluss der Frankophonie als Konzept eingehen.

[10] Es kam zu keiner Zeit zu einer fruchtbaren Förderung der indigenen Sprache in Bezug auf eine Verschriftlichung oder Veröffentlichungen seitens des Staates (vgl. Tavernier 2005, 31).

[11] Vgl. Kapitel 3.3.3.

[12] Vgl. Kapitel 2.4.4.5.

[13] Vgl. Kapitel 3.2.2.1.

[14] Vgl. Kapitel 2.4.4.

[15] Die geringsten Französischkenntnisse findet man unter Bauern, Fischern und Jägern, die besten unter Politikern, Technikern und Lehrern (vgl. Reh et al. 1982, 131).

[16] Dieser Umstand geht natürlich Hand in Hand mit der Schulbildung, welche für die arme Landbevölkerung und für Ältere schwieriger zugänglich ist als für die Stadtbevölkerung und für Kinder.

[17] Vgl. Kapitel 2.4.4.2. und 2.4.4.3., wo wir genauer auf diese Varietät eingehen werden.

[18] Wir referieren uns in dieser Arbeit auf diese Varietät als dem „lokalen Französisch“ der Côte d’Ivoire.

[19] Siehe 2.4.4.5.

[20] Zitiert nach Djité 2011, 17.

[21] Vgl. Kapitel 3.3.3.

[22] Auf Grund dieses Comics wird das FPI von der Elite sarkastisch auch als „Français de Moussa“ (Lafage 1991, 96) bezeichnet.

[23] Über die linguistischen Merkmale des FPI könnte sehr viel gesagt werden, doch da wir dem FPI nicht das Hauptaugenmerk dieser Arbeit widmen, sei der Leser an dieser Stelle auf Lafages Artikel (2002) verwiesen, indem sie unter anderem auf die Phonetik, Morphosyntax und das Lexikon des FPI eingeht.

[24] Für diese und diverse weitere französische Übersetzungen in dieser Arbeit haben wir PONS (2007) konsultiert.

[25] Vgl. Kapitel 2.4.4.1., Fußnote 18, S. 16.

[26] Simard spricht deswegen von einem „francais de Cote d’Ivoire“, wie man auch von einem „francais du Québec“ spricht (vgl. 1994, 20). Vgl. auch Kapitel 2.4.4.1.

[27] Die Entstehung des lokalen Französisch wird auch unter 2.4.4.5. behandelt.

[28] Für den interessierten Leser seien zur Vertiefung Boutins syntaktische Analyse (2002), Lafages lexikalische Daten (2002), sowie die Untersuchungen von Kube (2004) und Barbier (2011) genannt.

[29] Leider können wir die einzelnen Bedeutungen dieser Derivationen nicht wörtlich wiedergeben, da wir diesbezüglich keine Angaben in der Quelle vorfanden (vgl. Barbier 2011, 51).

[30] Vgl. Kapitel 3.3.4. und 3.2.1.2.

[31] Vgl. Kapitel 2.4.4.5.

[32] Vgl. Kapitel 2.4.2., Seite 12.

[33] Zitiert nach Queffélec 2007, 50.

[34] Vgl. Kapitel 3.4.

Ende der Leseprobe aus 159 Seiten

Details

Titel
Soziolinguistische Aspekte des Nouchi, einer Mischsprache der Côte d’Ivoire
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
159
Katalognummer
V265412
ISBN (eBook)
9783656549215
ISBN (Buch)
9783656548997
Dateigröße
1820 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziolinguistische, aspekte, nouchi, mischsprache, côte, Elfenbeinküste, Soziolinguistik
Arbeit zitieren
Lisa Pfurtscheller (Autor), 2013, Soziolinguistische Aspekte des Nouchi, einer Mischsprache der Côte d’Ivoire, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265412

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