Die soziolinguistische Situation in Marokko


Seminararbeit, 2008

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über Marokko
2.1 Grundlegende Fakten
2.1.1 Geographie
2.1.2. Namensgebung und Flagge
2.1.3. Allgemeines über die Bevölkerung
2.1.4. Sprachen
2.2 Die Geschichte
2.3 Die Bevölkerung
2.3.1. Die Berber
2.3.2. Die Araber
2.3.3. Die Haratin
2.3.4. Die Juden

3. Die Sprachen Marokkos
3.1 Die Volkssprachen
3.1.1. Die Berbersprachen
3.1.2. Marokkanisch-Arabisch
3.1.3. Arabische Varietäten
3.2. Die Hochsprachen
3.2.1. Hocharabisch
3.2.2. Modernes Arabisch
3.2.3. Französisch

4. Die Verwendung der Sprachen
4.1. Bildungssystem
4.2. Literatur und Theater
4.3. Medien

5. Schlusswort

Bibliographie

1. Einleitung

Die Sprachlandschaft Marokkos ist äußerst vielseitig, so stehen mehrere Hochsprachen, die hohes Ansehen genießen, einer Vielzahl von Varietäten undUmgangssprachen gegenüber, die von der Elite geringgeschätzt werden. Dazu kommt die unterschiedliche Anwendung der Sprachen in den verschiedenen Bereichenund deren Zusammenspiel- beides muss bei einer soziolinguistischen Untersuchung natürlich beachtet werden. In der hier vorliegenden Arbeit sollen dieeinzelnen Sprachen und Varietäten, sowie deren Status und Anwendungsbereiche dargestellt werden. Um die Sprachverhältnisse Marokkos zu verstehen ist esunumgänglich auch dessen Geschichte zu betrachten, da Sprache nur in der Zeit besteht und nur in dieser zu verstehen ist. Weiters besteht Sprache nurinnerhalb und durch eine sprechende Gesellschaft, was es nötig macht, die Bevölkerung Marokkos in all ihren Facetten zu beschreiben, denn letztendlich istes nur mit diesem grundlegenden Wissen möglich und sinnvoll, die sprachliche Situation Marokkos zu untersuchen.

Das Einbringen des Französischen als Sprache der herrschenden Elite hat die Sprachlandschaft des Landes sowie die Verhältnisse der Sprachen untereinanderstark beeinflusst und wird es wohl auch weiter tun. Aus diesem Grund soll ein besonderes Augenmerk auf die Frankophonisierung gelegt werden, die mit demBeginn der französischen Kolonisation 1912 begann und 1956 endete, deren Einfluss jedoch bis in die Gegenwart reicht.

2. Über Marokko

2.1. Grundlegende Fakten

2.1.1. Geographie

Marokko liegt im Nordwesten Afrikas und wird durch die Straße von Gibraltar von Europa getrennt. Es grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Westen an denAtlantik, im Osten an Algerien und im Süden an Mauretanien bzw. an die Westsahara. Die Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko ist umstritten, und dieDemokratische Arabische Republik Sahara ist heute von 77 Staaten weltweit anerkannt. Die Hauptstadt ist Rabat mit mehr als 1,6 Mio. Einwohnern. Marokkogilt als das westlichste der drei Maghrebländer (von arab. maghrib, dt. Westen) zusammen mit Algerien und Tunesien, deren Geschichten engmiteinander verknüpft sind (power-labels 2006).

2.1.2. Namensgebung und Flagge

Marokko, der Name des Landes, leitet sich aus dem Namen der einstigen Hauptstadt Marrakesch, von arab. Marrukusch,ab. Diese wurde von denPortugiesenMarocosgenannt und in Deutsch mitMarokkoübersetzt. Marrakeschist wahrscheinlich eine Bezeichnung aus einerBerbersprache und bedeutet „Das Land Gottes“. In der eigenen Staatsbezeichnung heißt Marokkoal-Mamlaka al-Maghribiya(dt. MaghrebinischesKönigreich). Vom Volk wird es auchMaghrib al-aqsagennant, was „äußerster Westen“ heißt (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 16). Die Flagge Marokkosist rot mit einem grünen, fünfeckigen Stern, einem Pentagramm in der Mitte. Rot steht für die Nachkommen des Propheten Mohammed und wird häufig als Farbein islamischen Flaggen verwendet. Der grüne Stern ist ein Symbol für die Gerechtigkeit und steht auch für das Siegel Salomons. Die Flagge wurde 1915eingeführt.

2.1.3. Allgemeines über die Bevölkerung

Der Großteil der Marokkaner ist berberisch. Die Berber machen ca. 80% der Bevölkerung aus, davon sind 60% arabisiert, was eine Anpassung an die arabischeKultur sowie die Übernahme der arabischen Sitten und Schrift bedeutet. Die restlichen 20% der Marokkaner sind reine Araber. Der Norden Marokkos mit dergroßen Stadt Fes ist eher arabisch, während der Süden mit der großen Stadt Marrakesch eher berberisch ist. Weiters lebt eine Minderheit von Europäern,Tunesiern und Algeriern, Juden und Haratin im Land. In Frankreich leben dafür beinahe eine Million Marokkaner.

Die Lebenserwartung liegt bei 69 Jahren, beinahe die Hälfte der Bevölkerung von Marokko lebt auf dem Land. Die größten Städte sind: Casablanca (2.933.700Einwohner), Rabat (1.622.900 Einwohner), Fes (946.800 Einwohner) und Marrakesch (823.200 Einwohner). Die Gesamtbevölkerungszahl liegt bei ca. 34,3 Mio.Einwohnern.

Die allgemeine Schulpflicht besteht zwar bis zum Alter von 13 Jahren, jedoch hat nur ca. die Hälfte der Kinder die Möglichkeit eine Schule zu besuchen, undso sind beinahe 40% aller Männer und 60 % aller Frauen Analphabeten.

Etwa 99% der Bevölkerung bekennt sich zum Islam, der Rest sind jüdische und christliche Minderheiten (power-labels 2006; Columbus Travel Publishing Ltd2005).

2.1.4. Sprachen

Die marokkanische Amtssprache ist Arabisch, es werden aber auch unterschiedliche Berbersprachen gesprochen. Französisch wird in ganz Marokko als Sprachedes Handels, der Politik und Bildung verwendet. Im Norden wird auch etwas Spanisch und in den Städten Englisch gesprochen (Columbus Travel Publishing Ltd2005).

2.2. Die Geschichte

Marokko bildet auf Grund seiner Lage eine natürliche Brücke zwischen Afrika, Europa und den arabischen Ländern. Durch Jahrhunderte hindurch war es dieHeimat verschiedenster Völker, die sich vermischten und neue Zivilisationen gründeten (Vincent Boele 2005,18).

Das Land war wahrscheinlich lange nur von Nomaden bewohnt, bevor es erstmals durch die Phönizier um 1100 v. Chr. besiedelt wurde. Diese hauptsächlich ausdem Libanon stammenden Seefahrer gründeten die ersten Städte auf marokkanischem Boden. Die Berber, die autochthonen Einwohner Nordafrikas, lebten inStädten oder in Konföderationen ethnischer Gruppen. Über ihre ursprüngliche Herkunft ist kaum etwas bekannt. Mauretanien, „Das Land der Dunklen“, wurde 25v. Chr. zu einem römischen Kaiserreich mit Yuba II als ersten Kaiser. Das Reich erblühte bis es zu heftigen Berberaufständen kam. Diese wurdenniedergeschlagen und das Land wurde in zwei römische Provinzen geteilt. Im Küstengebiet kam es erneut zum Aufschwung, während das Landesinnere weitgehendunerreicht blieb. Ende des 5. Jahrhunderts kam es auf Grund von Überfällen der Berber und germanischen Stämmen auf römische Siedlungen zum Ende derrömischen Herrschaft. Nach einer kurzen Herrschaft der Vandalen glaubten die Berber erneut herrschen zu können. Doch dann begann die islamische Eroberungder Araber. Über Ägypten und Tunesien kamen sie von der Arabischen Halbinsel im Jahr 698 n. Chr. nach Marokko. Die vorwiegend berberische Bevölkerungleistete jedoch unter Kahina, einer jüdischen Seherin, Widerstand. Muriel Brunswig-Ibrahim zu der äußerst interessanten und einflussreichen Kriegerin:

„Um Kahina winden sich Legenden. Diese erzählen von der Königin eines verwüsteten Landes, der Herrscherin über dreißigtausend Soldaten, die aus den Bergenzu ihr kamen um mit ihr gemeinsam gegen die fremden Reiterhorden zu kämpfen. Sie soll eine Nachfahrerin der libyschen Amazonen sein, eine ungewollteTochter, die nur aus Liebe zu ihrem Vater das Bogenschießen erlernte.“ (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 17)

Die Herkunft und wahre Geschichte Kahinas wird wohl immer ein Rätsel bleiben, doch es ist wahr, dass die Berber durch ihr Geschick die Eroberer bisTripolis zurückdrängen konnten. Als Kahina jedoch ermodert wurde, eroberten die Araber auf Grund der Unorganisiertheit der Berber das heutige Marokkozurück. Die Berber begannen zwar den Islam zu übernehmen, auf Grund interner Kämpfe zwischen Arabern und Berbern zerfiel das heutige Marokko jedoch in dreiReiche: Barghawata, Sidjilmasa und Idrisden, wobei letzteres das größte Reich darstellte, von dem aus die Arabisierung stattfand. Idrisden ging jedochunter und bald herrschte Chaos in Marokko. Zwei ethnische Arabergruppen aus dem heutigen Saudi-Arabien sollten das Land zurückerobern und arabisieren.Diese zwei ethnischen Gruppen breiteten sich im Land aus, vermischten sich mit der Bevölkerung und drängten die Berber nach und nach in Randregionen. Dochdann kam es zu einem gewaltigen Berberwiderstand, dem der Almoraviden. Sie erbauten ein Reich und gründeten die erste berberische Hauptstadt, Marrakesch.1092 hatten sie alle Kleinkönigreiche erobert und der Staat Marokko war entstanden (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 24). Unter dem Herrscher Ibn Tashfinerblühte das Land, doch nach seinem Tod fiel Marokko an die streng islamischen Almohaden, die das Reich weiter ausbreiteten, zu einer kulturellen Blüteführten und Rabat zur neuen Hauptstadt machten. Dann wurden die Portugiesen stärker und Tripolis und Algerien wurden an sie verloren. Das Reich zerfiel undversank in Anarchie. Ein neue ethnische Gruppe von Berbern wurde stark: die vom Norden kommenden Meriniden. Sie waren die dritte regierende ethnischeBerbergruppe. „Ihre Herrschaft beschränkte sich stets auf einen kleinen Raum, ihnen gelang nie ein ähnlicher Eroberungserfolg wie den ersten beidenDynastien“ (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 27). Trotz der einheitlichen Religion fehlte das historische Zusammenhörigkeitsgefühl, so war das Reich uneinigund bröckelte, was das Ende der Herrschaft der Meriniden 1420 herbeiführte. Die Wattasiden, die schon seit Jahrzehnten die eigentlichen Machthaber waren,kamen 1465 offiziell an die Macht. Die Wattasiden hatten mit einem neuen Problem zu kämpfen: Der Präsenz der Europäer in Nordafrika, denn die Portugieseneroberten nach und nach Teile des Nordens. Die Saadier, arabische Scherifen, die Städte zurückeroberten und die Osmanen abwehrten, zogen unter Jubel inMarrakesch ein, wo sie ab 1549 herrschten (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 31). Marokko war fortan Boden für Kämpfe zwischen Saadiern, Europäern und Osmanen.Das Reich wurde ausgeweitet, zerfiel nach dem Tod Ahmad al-Mansurs 1603 jedoch in ein Nord- und Südreich, mit je einem seiner Söhne als Herrscher. 1659 kamdie Macht an die Alawiden, ebenfalls arabische Scherifen, doch deren Regierung funktionierte nicht, im Norden herrschte beinahe Anarchie. Die Gefahr fürdas Land kam weiterhin aus Europa, wo die Industrialisierung den Bau besserer Waffen ermöglicht hatte. Im Gegensatz zum 15. und 16 Jh, in welchenhauptsächlich Küstengebiete erobert worden waren, erwarben nun französische Siedler weite Gebiet im Landesinneren und breiteten sich zusehends aus. Es kamzu einer wirtschaftlichen Kolonialisierung. Die Franzosen begannen den Markt zu beherrschen, da Marokko unter einem großen Handelsdefizit stand. Schon 1844erlitt Marokko eine Niederlage gegen die Franzosen, die 1850 Algerien und 1881 Tunesien besiegten (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 36). Es war vorhersehbar,dass Marokko als das letzte noch freie Maghrebland ebenfalls unter französische Kontrolle kommen würde, vor allem da seine Politik aufgrund derMarktsituation bereits in Frankreich gemacht wurde. Die Franzosen bekamen bei ihren Plänen der Eroberung Unterstützung von Seiten der Glawis - eineberberische und großgrundbesitzende ethnische Gruppe im Süden Marokkos. Sie schlossen sich den Franzosen an, während alle anderen Einwohner des Landeserbittert gegen die Franzosen kämpften. Mit ihrer Hilfe wurde Marokko 1912 zu einem französischen Protektorat erklärt. Bis in die 1940er kämpften einigeBerbergruppen, vor allem im Süden, regelmäßig gegen die französische Herrschaft an. Alle Widerstände waren jedoch ergebnislos. Das Ziel der Franzosen war,vielmehr als die Beherrschung des Landes, eine Verbesserung der Infrastruktur für eine bessere Wirtschaft und den Export, wodurch die Städte wuchsen und esmehr freie Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung gab. Marokko stieg auf und machte einen sozialen Wandel durch, trotzdem wurde der Wunsch nachUnabhängigkeit größer, so wurde bereits 1943 die Unabhängigkeitspartei und, da Frankreich Marokko nicht wie geglaubt nach dem 2. Weltkrieg freigab, 1955die Nationale Befreiungsarmee gegründet. „Durch Demonstrationen, Volksaufstände und bewaffnete Aktionen wurden die Franzosen in der folgenden Zeit so unterDruck gesetzt, dass sie am 2. März 1956 Marokkos Unabhängigkeit anerkennen mussten“ (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 40). Muhammad V., ein ins Exilgeschickter Bekämpfer des Protektorats, wurde nach seiner Rückkehr der erste König der konstitutionellen Monarchie des Landes. Marokko war jedoch nurformell unabhängig, erst 1961 zogen die spanischen, französischen und auch amerikanischen Truppen ab. Zu den außenpolitischen Problemen kamen auchWiderstände im Land, die der König niederschlagen ließ. Daraufhin schränkte er die Macht der Unabhängigkeitspartei ein, sein Sohn Hassan II beendete nachdessen Tod die konstitutionelle Monarchie endgültig und machte sich zum alleinigen Herrscher. Auf Grund seiner Härte gegenüber politisch anders Gesinnten,Menschenrechtsverletzungen und Entzug der Pressefreiheit kam es zu mehreren Attentaten. Nach seinem Tod im Jahr 1999 trat sein Sohn Muhammad VI dieHerrschaft an. Eine neue Ära begann, denn der reformfreudige Muhammad VI. hat es sich zum Ziel gesetzt, das Land aus der Unterentwicklung herausführen unddie Menschrechte zu achten. Er hat die Pressefreiheit wieder eingeführt und versucht politische Verbrechen seines Vaters wieder gut zu machen- so entließer kurz nach seiner Thronbesteigung 8000 Häftlinge, die für eine Demokratie gekämpft hatten. Seitdem er an der Macht ist, ist die Korruptionzurückgegangen, die Wirtschaft verbessert sich, weiters wurde das Gesetz geändert sodass Männer und Frauen wenigstens theoretisch gleichgestellt sind. DieModernisierung des Landes geht zwar langsam voran, doch „dass Marokko hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten schon sehr viel weiter ist, als seineNachbarstaaten, ist dem jungen König zu verdanken, in den man – zu Recht – große Hoffnungen setzen darf“ (Muriel Brunswig-Ibrahim 2007, 49).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die soziolinguistische Situation in Marokko
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V265420
ISBN (eBook)
9783656549185
ISBN (Buch)
9783656548850
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
situation, marokko
Arbeit zitieren
MMag. Lisa Pfurtscheller (Autor:in), 2008, Die soziolinguistische Situation in Marokko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265420

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