Die Sprachlandschaft Marokkos ist äußerst vielseitig, so stehen mehrere Hochsprachen, die hohes Ansehen genießen, einer Vielzahl von Varietäten und Umgangssprachen gegenüber, die von der Elite geringgeschätzt werden. Dazu kommt die unterschiedliche Anwendung der Sprachen in den verschiedenen Bereichen und deren Zusammenspiel- beides muss bei einer soziolinguistischen Untersuchung natürlich beachtet werden. In der hier vorliegenden Arbeit sollen die einzelnen Sprachen und Varietäten, sowie deren Status und Anwendungsbereiche dargestellt werden. Um die Sprachverhältnisse Marokkos zu verstehen ist es unumgänglich auch dessen Geschichte zu betrachten, da Sprache nur in der Zeit besteht und nur in dieser zu verstehen ist. Weiters besteht Sprache nur innerhalb und durch eine sprechende Gesellschaft, was es nötig macht, die Bevölkerung Marokkos in all ihren Facetten zu beschreiben, denn letztendlich ist es nur mit diesem grundlegenden Wissen möglich und sinnvoll, die sprachliche Situation Marokkos zu untersuchen.
Das Einbringen des Französischen als Sprache der herrschenden Elite hat die Sprachlandschaft des Landes sowie die Verhältnisse der Sprachen untereinander stark beeinflusst und wird es wohl auch weiter tun. Aus diesem Grund soll ein besonderes Augenmerk auf die Frankophonisierung gelegt werden, die mit dem Beginn der französischen Kolonisation 1912 begann und 1956 endete, deren Einfluss jedoch bis in die Gegenwart reicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über Marokko
2.1 Grundlegende Fakten
2.1.1 Geographie
2.1.2. Namensgebung und Flagge
2.1.3. Allgemeines über die Bevölkerung
2.1.4. Sprachen
2.2 Die Geschichte
2.3 Die Bevölkerung
2.3.1. Die Berber
2.3.2. Die Araber
2.3.3. Die Haratin
2.3.4. Die Juden
3. Die Sprachen Marokkos
3.1 Die Volkssprachen
3.1.1. Die Berbersprachen
3.1.2. Marokkanisch-Arabisch
3.1.3. Arabische Varietäten
3.2. Die Hochsprachen
3.2.1. Hocharabisch
3.2.2. Modernes Arabisch
3.2.3. Französisch
4. Die Verwendung der Sprachen
4.1. Bildungssystem
4.2. Literatur und Theater
4.3. Medien
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die vielseitige Sprachlandschaft Marokkos zu untersuchen und dabei das komplexe Zusammenspiel zwischen den autochthonen Sprachen und den durch die Kolonialgeschichte etablierten Hochsprachen zu analysieren.
- Soziolinguistische Untersuchung der Sprachverhältnisse
- Historische Einflüsse auf die Entwicklung der marokkanischen Sprachen
- Die Rolle des Französischen als Sprache der Elite und Bildung
- Status und Anwendungsbereiche von Berber- und Arabisch-Varietäten
- Herausforderungen der Frankophonisierung und Demokratisierung
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Die Berbersprachen
Die Berber kämpfen noch heute um die Anerkennung und Unterrichtung des Berberischen, welches von allen Sprechern anderer Sprachen in Marokko geringgeschätzt wird. Die Abwertung und beinahe Unterdrückung der Berbersprachen hat, mehr als rassistische, politische Gründe, denn die Berber machen einen großen Prozentsatz der Bevölkerung aus und deswegen gilt es, ihre Macht einzuschränken. Eine Lösung für dieses Problem kann nur durch eine Änderung des politischen Denkens und etwa eine Demokratisierung erfolgen.
Das Berberische gehört zu den Afroasiatischen Sprachen und wird von 40-60% der Bevölkerung in Marokko und vor allem auf dem Land gesprochen. Es existieren drei große Hauptvarietäten der Berbersprachen in Marokko: a) Tarifit im Nordosten und im Rif-Gebirge, von wo es auch seinen Namen hat. b) Tamazight im Mittleren und Hohen Atlas, sowie im Südosten. „Tamazight“ wird auch als Oberbegriff für alle Berbersprachen verwendet. c) Tachelhit im Hohen Atlas und in der Sus- Ebene, einer Savannenregion im Süden. Die Übergänge zwischen den Sprachgebieten sind fließend (Vincent Boele 2005, 163; Fouzia Benzakour 2000, 65).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Vielseitigkeit der marokkanischen Sprachlandschaft ein und betont die Notwendigkeit, sowohl die Geschichte als auch die demografische Zusammensetzung des Landes für ein tieferes soziolinguistisches Verständnis zu berücksichtigen.
2. Über Marokko: Dieses Kapitel liefert grundlegende geografische, historische und demografische Informationen zu Marokko, wobei insbesondere die verschiedenen ethnischen Gruppen wie Berber, Araber, Haratin und Juden detailliert beleuchtet werden.
3. Die Sprachen Marokkos: Hier erfolgt eine Klassifizierung der Sprachen in Volkssprachen und Hochsprachen, wobei der Status, die Verbreitung und der Einfluss der verschiedenen Berbersprachen, arabischen Varietäten sowie des Hocharabischen und Französischen analysiert werden.
4. Die Verwendung der Sprachen: Der Abschnitt untersucht die praktische Anwendung der Sprachen in zentralen gesellschaftlichen Institutionen wie dem Bildungswesen, der Literatur, dem Theater sowie den Medien.
5. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Auswirkungen der Kolonialgeschichte und der Sprachpolitik auf die heutige Dominanz des Französischen und stellt dessen langfristige Verankerung in der marokkanischen Gesellschaft fest.
Schlüsselwörter
Marokko, Soziolinguistik, Berber, Arabisch, Französisch, Frankophonisierung, Kolonialgeschichte, Sprachpolitik, Hocharabisch, Sprachvarietäten, Bildungssystem, Identität, Mehrsprachigkeit, Maghreb, Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die komplexe soziolinguistische Situation in Marokko unter Berücksichtigung historischer und politischer Einflussfaktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung, die Hierarchisierung der Sprachen sowie deren Anwendung in Bildung und Medien.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, den Status und die Anwendungsbereiche der verschiedenen Sprachen im Kontext von Machtverhältnissen und gesellschaftlicher Entwicklung darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine deskriptive, soziolinguistische Analyse unter Einbeziehung historischer Daten und Sekundärliteratur zur Sprachpolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Landes, eine detaillierte Analyse der gesprochenen Sprachen und Hochsprachen sowie eine Untersuchung der Sprachverwendung in Institutionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachpolitik, Mehrsprachigkeit, Berberidentität und den Einfluss des Französischen bestimmt.
Welche Rolle spielen die Berber in der Sprachlandschaft?
Trotz ihres hohen Bevölkerungsanteils wurden die Berbersprachen lange unterdrückt; sie dienen vorwiegend der Alltagskommunikation und sind ein zentrales Identitätsmerkmal.
Warum konnte das Französische seine Machtposition festigen?
Das Französische ist als Sprache der Bildung, des Handels und der modernen Technik fest in der Elite etabliert und gilt als Zugangsschlüssel zu beruflichem und gesellschaftlichem Aufstieg.
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- MMag. Lisa Pfurtscheller (Author), 2008, Die soziolinguistische Situation in Marokko, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265420