Waren die türkischen Massaker und Deportationen an den Armeniern ein Völkermord?


Seminararbeit, 2013
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte
2.1. Das Osmanische Reich im frühen 19. Jahrhundert
2.2. Die wachsende Unzufriedenheit unter den Armeniern im späteren 19. Jahrhundert
2.3. Die Jungtürken
2.4. Massaker an den Armeniern von 1914 bis Anfang 1915

3. Die Massenmorde an den Armeniern 1915/1916

4. Waren die türkischen Massaker und Deportationen an den Armenier ein Völkermord?

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Thema, das noch heute, fast 100 Jahre nach der Beendigung, kontrovers diskutiert wird und bei dem die Meinungen weit auseinander gehen, ist die Ermordung der Armenier durch die türkische Regierung des Osmanischen Reiches. Ich habe dieses Thema zum einen wegen der guten Dokumentation der Vorgeschichte und der Vielfalt der überlieferten Quellen gewählt, auf deren Aussagen man sich gut beziehen kann, sowie zum anderen aufgrund der Brisanz des Themas. Warum ist dieses Thema brisant? Viele Historiker haben belegt, dass der Tod vieler Armenier durch die Türken ein Völkermord ist, doch die türkische Regierung bestreitet dies bis heute. Die stete Aktualität des Themas, die man auch am Beispiel der Auseinandersetzung zwischen der türkischen und der französischen Regierung erkennen kann, ist ein weiterer Aspekt meiner Wahl. Anlass dieser Auseinandersetzung war die Verabschiedung eines Gesetzes der französischen Regierung im Januar 2012, welches besagt, dass die Leugnung, dass der Völkermord an den Armeniern kein Völkermord sei, eine Straftat ist und diese mit einem Jahr Haftstrafe oder bis zu 45.000 Euro Strafzahlung geahndet wird. Die türkische Regierung wies diesen Vorwurf zurück und verkleinerte die Opferzahlen von 1,5 Millionen, von denen weltweit einige Wissenschaftler ausgehen, auf 500.000 Armenier. Die türkische Regierung drohte sogar, dass bei einer Verabschiedung des Gesetzes die Beziehung zwischen Frankreich und der Türkei abgebrochen werden würden. Da der Gesetzesentwurf durch das oberste Gericht in Frankreich jedoch aufgrund des Verstoßes gegen die Meinungsfreiheit gekippt wurde, wurden die Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei wieder aufgenommen.[1] Doch das Verhältnis zwischen der türkischen Regierung und Frankreichs damaligem Präsidenten Nicholas Sarcozy könne, laut dem Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, Ibrahim Kalin, nicht wieder normalisiert werden.[2] Diese Spannungen zwischen einer wichtigen Regierung in der EU, nämlich der Frankreichs, und der Regierung eines Landes, das den Eintritt in die EU fordert, sind natürlich schädlich für die innerpolitischen Beziehungen der EU und Europas, sowie der gesamten Welt.

Doch zuerst einmal: Was ist der Völkermord an den Armeniern eigentlich? Der Völkermord umfasst die fast gesamte Ausrottung der armenischen Bevölkerung zwischen 1915 und 1917 durch die jungtürkische Regierung. Die Opferzahlen schwanken zwischen 500.000 und 1.500.000 Armeniern. Es war eines der dunkelsten, aber auch ein totgeschwiegenes Kapitel des Ersten Weltkrieges. Viele Historiker behaupten, dass dieses ein Völkermord sei und auch einige Länder, darunter auch Frankreich, haben dieses Sterben der Armenier als Völkermord anerkannt. Doch die Türkei bestreitet den Völkermord noch heute und plädiert auf fehlende Beweise dafür, als ob es diese ganzen Geschehnisse gar nicht gegeben hätte. Auch in der türkischen Geschichtsschreibung gibt es keine Zeugen für diesen Genozid.[3] Aus dieser Auseinandersetzung zwischen Historikern und der Türkei, sowie, wie zuvor thematisiert, europäischen Ländern und der Türkei ergibt sich meine Problemfrage, welche viele Menschen bzw. Länder beschäftigt, nämlich ob die Ermordung an den Armeniern wirklich ein Völkermord war. Diese wird jedoch später thematisiert.

2. Vorgeschichte

2.1. Das Osmanische Reich im frühen 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts war das Osmanische Reich ein Vielvölkerstaat, der strikt aufgeteilt war. Die absolute Mehrheit in diesem Staat waren die Muslime, die ungefähr 60% der gesamten Bevölkerung ausmachten. Diese Muslime hatten auch die Herrschaft über das Osmanische Reich, ganz zum Leidwesen der Nichtmuslime, welche durch Muslime ausgebeutet und schikaniert wurden. Die Ausbeutung erfolgte durch viel zu hohe und zusätzliche Steuern für die Andersgläubigen, durch die der Staat hohe Einnahmen machte. Doch die Nichtmuslime wurden nicht nur ausgebeutet, sondern auch denunziert, indem diese als Tiere „rayah“ angesehen wurden. Die zweitgrößte religiöse Macht im Osmanischen Reich war das Christentum, welches jedoch, da es nicht den muslimischen Werten entsprach, ebenfalls nicht mit den Muslimen gleichgestellt wurde. Christen durften zum Beispiel in der Stadt Damaskus keine Reittiere benutzen. Im Gegenzug zur ungleichen Behandlung durften die Andersgläubigen ihre Religion ausüben, wurden nicht verfolgt und auch nicht von den Osmanen bekehrt. Aufgrund der gewollten Abgrenzung der Muslime war das Osmanische Reich in verschiedene Millets aufgeteilt. Somit hatte jede religiöse Gruppe ihr eigenes Millet und darin auch ihre eigene Kirche und Religion. Das Millet-System diente den Osmanen, um die ethnische und religiöse Hierarchie zu bekräftigen, brachte aber auch die Nichtmuslime dazu, Klagen zu äußern und einen Kampf gegen die Herrschaft durch die Kirche zu organisieren. Die Unzufriedenheit aller Nichtmuslime brachte dem Osmanischen Reich große Instabilität, die auch in dem darauffolgenden Jahrhundert weiterhin bestehen blieb.[4]

2.2. Die wachsende Unzufriedenheit unter den Armeniern im späteren 19. Jahrhundert

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte das Osmanische Reich große Probleme, mit Europa sowohl wirtschaftlich als auch militärisch mitzuhalten. Zusätzlich verstärkte sich die Unzufriedenheit der untergestellten Völker, was jedoch deren Nationalbewusstsein stärkte. Aufgrund der schwierigen inneren Lage versuchte das Osmanische Reich, einige Reformen zur Verbesserung des Staates durchzusetzen, wobei sie von den Europäern unterstützt wurden. Diese verfolgten dabei jedoch eigene Interessen. Ganz besonders waren die Russen an dem Osmanischen Reich interessiert, da sie dorthin expandieren wollten. Deshalb versuchten sie durch Unterstützung der Armenier, das Reich weiterhin zu destabilisieren.[5] Doch nicht nur die Russen verstärkten die Unzufriedenheit der Armenier, sondern auch einige Auseinandersetzungen mit den im Osmanischen Reich lebenden Kurden. Um die Armenier vor den Kurden zu schützen, verabschiedete der das damalige Osmanische Reich regierende Sultan Abdülhamid II. eine Reform, die den Armeniern einige Autonomierechte bringen sollte.[6] Diese Reform wurde jedoch nie durchgesetzt, da sie aufgrund des Russisch-Türkischen Krieges 1878 unterging. Aus diesem Grund hatten die Armenier nun den starken Drang selbstständig zu werden, welchen sie durch Gründung von Parteien mit radikalen Forderungen nach Unabhängigkeit laut machten.[7] Diese Parteien verloren jedoch rasch wieder an Einfluss.

Die Unzufriedenheit wurde nicht weniger, als die Armenier gezwungen wurden, im Sommer 1894 die ohnehin schon viel zu hohen Steuern doppelt zu zahlen. Die Armenier weigerten sich und legten Beschwerden ein, welche aber abgewiesen wurden. Daraufhin erfasste eine Revolte der Armenier circa 25 armenische Dörfer. Die Osmanische Armee, die diese Revolte eher wie einen blutigen Aufstand behandelte, welches dieser nicht war, kämpfte zwei Wochen lang hart gegen die Revolte an und tötete 900 bis 4.000 Armenier.[8]

Im April 1894 legten dann Großbritannien, Frankreich und Russland einen Reformvorschlag vor, damit sich die Lage im Osmanischen Reich wieder beruhigt. Doch die osmanische Regierung reagierte nicht auf diese Reformvorschläge, woraufhin der Unmut der Armenier weiter wuchs. Somit protestierten einige Armenier am 30. September 1895, mit dem Ausgang, dass dieser Protest erneut niedergeschlagen wurde. Die flüchtigen Armenier wurden durch Kurden verfolgt, die die Armenier ebenfalls töteten.

Im Jahr darauf, am 26. August 1896 drohte eine Gruppe von Armeniern die Osmanische Bank in Konstantinopel mit ihren circa 160 Mitarbeitern in die Luft zu sprengen, wenn nicht auf ihre politischen Forderungen eingegangen würde. Die Regierung beachtete diesen Vorfall aber nicht. Noch am selben Tag wurden jene, die drohten, die Bank zu sprengen, und ungefähr 14.000 Armenier bei einem ausgebrochenen Pogrom getötet. Der Pogrom war ein verstecktes Massaker an den Armeniern durch die Türken, da unter den am Pogrom Beteiligten viele verkleidete Polizisten waren.

[...]


[1] Vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-oberstes-gericht-kippt-umstrittenes-voelkermord-gesetz-a-818202.html [04.03.2013].

[2] Vgl. http://www.welt.de/politik/ausland/article13829270/Tuerkei-droht-Frankreich-wegen-Voelkermord-Gesetz.html [04.03.2013].

[3] Vgl. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/voelkermord-an-den-armeniern-das-letzte-was-ich-von-den-kindern-sah-1582205.html [04.03.2013].

[4] Vgl. Figes, Orlando, Krimkrieg: Der letzte Kreuzzug, Berlin 2011, S. 64/65.

[5] Vgl. Kreiser, Klaus, Kleine Geschichte der Türkei, Ditzingen 2008, S. 371-377.

[6] Vgl. Ternon, Yves, Tabu Armenien, Geschichte eines Völkermordes, o.O. 1981, S. 74-78.

[7] Vgl. Ternon, Tabu Armenien, Geschichte eines Völkermordes, S. 61-65.

[8] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Armeniern; „Massaker der Jahre 1894 bis 1896“.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Waren die türkischen Massaker und Deportationen an den Armeniern ein Völkermord?
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V265642
ISBN (eBook)
9783656552529
ISBN (Buch)
9783656552888
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net schüler-wissen
Schlagworte
Völkermord, Armenier, Armenocide, Genozid, türkische Massaker, 1914, 1915, Türkei, Armenien, Türken, Massaker, Deportationen
Arbeit zitieren
Kai Schweers (Autor), 2013, Waren die türkischen Massaker und Deportationen an den Armeniern ein Völkermord?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265642

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