Die Kohäsions- und Regionalpolitik der Europäischen Union

Architektur - Funktion - Projekte


Studienarbeit, 2013

39 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Allgemeine Informationen zur Regionalpolitik der EU

1 Einleitung

2 Historischer Rückblick

3 Die Architektur der Kohäsionspolitik

4 Funktionsweise der Regionalpolitik

5 Quartiersmanagement Berlin als Projektbeispiel

6 Zusammenfassung

Anhang
A.1 Historische Zeittafel
A.2 Architekturveränderung der Kohäsionspolitik von 2000-2006 zu 2007-2013
A.3 Architekturveränderung der Kohäsionspolitik von 2007-2013 zu 2014-2020
A.4 Förderungswürdige Regionen in der EU

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Eckdaten zur Regionalpolitik der Europäischen Union

Tabelle 2: Budgetzuweisung für einzelne Jahre (MFR 2014-2020)

Tabelle 3: Finanzierungsübersicht zwischen 1999 und 2012

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allgemeine Informationen zur Regionalpolitik der EU An dieser Stelle soll vorab eine Übersicht über die wesentlichen Eckdaten zur europäischen Regionalpolitik gegeben werden. Damit soll eine Hinführung zu nachfolgenden Themenaspekten dieser Arbeit ermöglicht werden und die Suche nach weiterführender Literatur und offiziellen Webseiten der EU erleichtert werden.

Tabelle 1: Eckdaten zur Regionalpolitik der Europäischen Union

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Eigene Darstellung)

1 Einleitung

Der derzeitige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, äußerte sich in einer Pressekonferenz zu den Bemühungen des Europäischen Rates einen Kompromiss zum EU-Haushalt zu finden. Dabei stellte er die Kohäsionspolitik als eine von drei entscheidenden Positionen hervor. Nicht zuletzt hieraus kann man auf den besonderen Wert schließen den eben dieser Politikbereich für die Europäische Union (EU) bereits errungen hat.[1] Gleichermaßen könnte angeführt werden, da es sich hierbei um ein Drittel des Gesamtbudgets für den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2014-2020 der EU handelt, dass dieser viel zu aufgebläht sei und daher Kürzungen durchaus verkraften könne. Was ist nun richtig und wo ist es sinnvoll zu sparen? Muss das europäische Gesamtbudget überhaupt gekürzt werden, oder müssen nicht doch, durch eine Intensivierung der Anstrengungen, mehr Impulse für Wachstum gesetzt werden? Obgleich kein Widerspruch zwischen diesen beiden Fragen bestehen muss ist es kein leichtes unterfangen, hier Licht ins Dunkel zu bringen. Noch schwieriger ist es, in absoluten Kategorien gedacht, ein Richtig oder Falsch als Antwort zu finden. Daher soll die vorliegende Arbeit von diesen eher Allgemeineren Fragen (im Weiten Sinne) auf einen konkreteren Gegenstand heruntergebrochen werden. Und die Ko- häsions- und Regionalpolitik (die Regionalpolitik ist integrierter Bestandteil der Kohäsionspolitik) der Union, hier in den Vordergrund der Betrachtung gestellt werden. Insofern kann bezugnehmend auf die einleitende Anmerkung prinzipiell festgehalten werden, gehört die Kohäsionspolitik zu den Prioritäten Europäischer Politik insgesamt.

Im Folgenden soll nun der Versuch unternommen werden ein wenig Ordnung in die Verhältnisse zu bringen, um auf diesem Wege dazu beizutragen dem Leser einen Überblick der europäischen Kohäsions- und Regionalpolitik zu geben. Und obgleich sich diese Arbeit als schriftliche Ausarbeitung an das Referat „Europäische Regionalpolitik" anlehnt, soll in dieser Arbeit das Forschungsinteresse auf die Aspekte Historie, Architektur, Funktion und Projekte dieser Politiken gerichtet werden. Im Fokus der Betrachtung (Hauptteil) stehen jedoch die Architektur und Funktion der Kohäsions- und Regionalpolitik.

Der Aufbau meiner Arbeit soll sich entlang der genannten Aspekte orientieren und schließlich ein Bild präsentieren, welches dem Leser die Möglichkeit geben soll, die Kohäsions- und Regionalpolitik der Europäischen Union in Architektur und Funktion zu verstehen. Demzufolge gliedert sich die Arbeit wie folgt.

Im Anschluss an diese Einleitung soll eine historische Rückschau zur Entwicklung der Kohäsions- und Regionalpolitik gegeben werden. Der Dimension wegen wird jedoch auf eine ausführlichere Historie verzichtet und lediglich eine einleitende Übersicht gegeben (Kapitel 2). Hierzu, wie auch zu weiteren Themenaspekten dieser Arbeit, finden sich Abbildungen zur weiteren Erläuterung ausschließlich im Anhang und nicht im laufenden Text um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten. Tabellen sind hingegen in den Text eingebunden. Die Kohäsionspolitik in ihrer Architektur zu präsentieren ist Wesen des dritten Kapitels meiner Arbeit. Hierbei wird insbesondere auf jene Änderungen eingegangen welche seit dem Programmzyklus 2000-2006 bis heute implementiert wurden. Nach diesem Schritt folgt der zweite Hauptteil in Kapitel (4), die Darstellung der Funktionsweise der Regionalpolitik im Zusammenspiel mit der Strategie „Europa 2020". Im nachfolgenden Kapitel (5) soll Regionalpolitik an einem Beispiel konkret erfahrbar gemacht werden und das Berliner Quartiersmanagement Projekt vorgestellt werden, welches in diesem Jahr mit dem RegioStar 2013 in der Kategorie CityStar ausgezeichnet wurde. Dieses Projekt wird bereits seit 2000 mit Mitteln aus dem Entwicklungsfond für Regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt. In Kapitel (6) soll die vorliegende Arbeit mit einer Zusammenfassung abgeschlossen werden.

2 Historischer Rückblick

Im Grunde beginnt die Geschichte der Kohäsionspolitik der heutigen Europäischen Union mit der Unterzeichnung der Verträge von Rom im März 1957 [Vertrag über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und Vertrag über die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM)]. Nach Angaben der Europäischen Kommission (2007) wurden in diesem Vertragstext erstmalig „regionale Unterschiede" erwähnt. Mit der Errichtung und des zeitgleichen Inkrafttretens der Verträge und des Europäischen Sozialfonds (ESF) im Jahre 1958 wurden Absichten formuliert die dem Zweck dienten „innerhalb der Gemeinschaft die berufliche Verwendbarkeit und die örtliche und berufliche Freizügigkeit für Arbeitskräfte zu fördern" (Art. 123 EWG-Vertrag).[2] Die Einführung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Jahre 1975 markiert insofern den eigentlichen Ausgangspunkt für eine „aktive" europäische Regionalpolitik. Zu jener Zeit wurde der EFRE zumeist noch als Refinanzierungsinstrument missbraucht, indem die Nationalstaaten Gelder aus diesem Fond abgerufen haben ohne hier nach Prinzipien einer echten Strukturpolitik vorzugehen. Dies änderte sich dann schlagartig in den Achtziger Jahren (1986) durch die Einheitliche Europäische Akte welche als Rechtsgrundlage für die Kohäsionspolitik betrachtet werden kann. Die regionale ökonomische Heterogenität innerhalb der Gemeinschaft, insbesondere hervorgerufen durch die beiden Süderweiterungsrunden der Europäischen Gemeinschaft 1981 und 1986, führte zu einem Umdenken und die Kohäsionspolitik wird seit jeher kontinuierlich ausgebaut und nimmt einen wichtigen Platz auf der politischen Bühne ein.[3] Während des Ersten Zeitraums (1989-1993) mit gemeinsamen Regeln für die Strukturfonds wurden 68 Mrd. ECU bereitgestellt. Im Jahr 1993 wurde neben den beiden bereits bestehenden Strukturfonds, ESF und EFRE, als weiteres Finanzierungsinstrument der Kohäsionsfond errichtet. Das Budget für die Strukturfonds wurde für den Zweiten gemeinsamen Programmplanungszeitraum 1994-1999 mit 177 Mrd. ECU mehr als verdoppelt.[4] Allerdings handelt es sich hierbei um absolute Zahlen, in Relation zu den aktuellen Problemen gehen die Zahlen zurück (Stand: 2010).[5] Innerhalb des Zweiten Zeitraums fällt die vierte Erweiterungsrunde der Europäischen Union, die sogenannte EFTA- Erweiterung im Jahr 1995. Mit Österreich, Schweden und Finnland bildet sich seinerzeit die EU-15. In Norwegen gab es eine knappe Mehrheit welche sich gegen den Beitritt zur EU aussprach. Eine Besonderheit wurde im Rahmen des Dritten Programmplanungszeitraum (2000-2006) eingeführt. Ausgangspunkt hierfür waren die stetigen Erweiterungen, insbesondere die in diesem Zeitraum fallende Osterweiterung 2004, welche die EU dazu veranlassten ihre Anstrengungen in der Heranführung von Beitrittskandidaten zu intensivieren. Dementsprechend wurden für mittel- und osteuropäische Länder strukturpolitische Instrumente zur Heranführung an den Beitritt geschaffen. Das Budget für die Strukturfonds wurde indes auf 213 Mrd. EUR erhöht.[6]

Um die Architektur der Kohäsionspolitik adäquater darstellen zu können wird an dieser Stelle auf eine Erläuterung des derzeit noch aktuellen Programmplanungszeitraum (2007-2013) verzichtet, denn mit dessen Einführung wurde die Architektur der Kohäsionspolitik, im Vergleich zum vorangegangenen (2000-2006) als auch zum bevorstehenden Programmzyklus (2014-2020) verändert. Diese Architekturveränderungen sind Gegenstand des nachfolgenden Kapitels.

Ein zusammenfassenden Überblick zur historischen Entwicklung der Kohäsions- und Regionalpolitik soll die Abbildung [(A.1) Historische Zeittafel] im Anhang liefern.

3 Die Architektur der Kohäsionspolitik

Nachdem im vorangegangenen Kapitel der historische Abriss der Kohä- sions- und Regionalpolitik vorgestellt wurde, soll sich der Blick nun auf das Konstrukt selbst, also die Architektur der Kohäsionspolitik richten. Demzufolge macht es Sinn, sich zu vergegenwärtigen welche Ziele die Kohäsionspolitik verfolgt. „Die Kohäsionspolitik der Europäischen Union, die seit 1986 vertraglich verankert ist, hat sich das Ziel gesetzt, die Entwicklungsunterschiede zwischen den Regionen zur Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts zu verringern" (KOM 2007). Folglich sind die Anstrengungen der Europäischen Union darauf ausgerichtet, die bestehenden Unterschiede zwischen ihren Mitgliedsstaaten und Regionen abzubauen. Insbesondere nach der Osterweiterung 2004 wonach sich die Entwicklungskluft der Regionen verdoppelt hat wurden die Bemühungen intensiviert. Um die akuten Unterschiede zu beheben, dienen zwei Zielsetzungen.

„Eine harmonische Entwicklung in der Union und wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt, der ihre Solidarität mit den am wenigsten entwickelten Regionen zum Ausdruck bringt. Die neue Kohäsionspolitik wird gezielter auf die strategischen Prioritäten der EU und insbesondere die Strategie für Wachstum und Beschäftigung ausgerichtet und die Förderung auf Bereiche wie Innovation fokussiert." (Europäische Union 2007:2)

Stetige Veränderungen der äußeren und inneren Rahmenbedingungen, wie beispielsweise durch fließende wirtschaftliche Umstrukturierungsprozesse infolge der Globalisierung, die Geschwindigkeit wachsendender Handelsbeziehungen, die Auswirkungen technologischer Fortschritte einhergehend mit wissensbasierter Innovation der Wirtschaft, durch Umwälzungen aufgrund demografischer Entwicklungen und der Anstieg von internationaler Migration, erfordern einen flexiblen Anpassungsprozess um die bevorstehenden Aufgaben in geeigneter Weise zu meistern.[7] Die EU schnürte in diesem Zusammenhang ein Gesetzespaket, für den Programmplanungszeitraum 2007-2013, als Antwort auf die unterschiedlichen Herausforderungen. Dies besteht aus folgenden Elementen:

eine allgemeine Verordnung, die gemeinsame Bestimmungen über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Kohäsionsfonds festlegt. Ausgehend vom Grundsatz der geteilten Verwaltung zwischen der Union, den Mitgliedstaaten und den Regionen werden in der Verordnung ein neues Programmplanungsverfahren sowie gemeinsame Standards für die finanzielle Abwicklung, die Kontrolle und die Prüfung der Projekte aufgestellt. Die Kohäsionspolitik wird auf drei neue Prioritäten bzw. Ziele ausgerichtet: Konvergenz, Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sowie Europäische territoriale Zusammenarbeit;

jeweils eine Verordnung für jedes Finanzinstrument (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, Europäischer Sozialfonds, Kohäsionsfonds und z.T. das Instrument für Heranführungshilfe);

eine Verordnung zur Einrichtung eines grenzüberschreitenden Verbunds für die territoriale Zusammenarbeit.

Auf Deutschland bezogen stellt die Förderung aus den Strukturfonds gerade für die neuen Bundesländer eine ganz entscheidende Rolle ihrer Wirtschafts- und Strukturpolitik dar. In besonderer Weise macht sich dies in deren Ausgestaltung der Beihilfemöglichkeiten bemerkbar.[8] Die Europäische Union ist indes darum bemüht ihr strategisches Potenzial zu steigern und die bedeutendsten Neuerungen sind diesbezüglich für den derzeit noch gültigen Planungszeitraum 2007-2013 die strategischen Leitlinien[9] sowie die Nationalen Strategischen Rahmenpläne (NSRP).

„Durch sie werden die Mitgliedstaaten und die Regionen dazu aufgefordert, die gemeinschaftlichen Prioritäten in nationale Prioritäten umzusetzen, ohne dabei ihre Besonderheiten aufgeben zu müssen. Die finanzielle Hilfe wird nicht mehr so zersplittert, sondern gezielt für Kategorien im Sinne der Strategie der Europäischen Union für Wachstum und Beschäftigung (die so genannte „Lissabon-Strategie") eingesetzt." (KOM2007:6)

In gewisser Weise verfügen die Nationalstaaten seit 2007 über einen größeren Handlungsspielraum beim Gebrauch der operationellen Programme. Die Förderbedürftigkeit wird nach den geltenden Regelungen auf nationaler Ebene ermittelt und nicht wie zuvor auf EU-Ebene. Besonders was die Kontrollmechanismen betrifft, gibt es bedeutende Änderungen wonach Mitgliedsstaaten weniger Verpflichtungen gegenüber der Kommission haben. Allerdings nur, sofern sie vorab belegen, das ihr Kontrollsystem vertrauenswürdig ist, in diesem Fall reicht der Kommission eine Zuverlässigkeitserklärung der Nationalstaaten. Für die Kohäsionspolitik des aktuellen Planungszeitraums 2007-2013 billigten die verantwortlichen Organe ein Budget von 374 Mrd. EUR. Das macht einen Anteil von mehr als einem Drittel des Unionhaushalts aus. Nach Meinung der EU-Kommission ist dieses Budget gerade ausreichend, um eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wachstumspotenzials auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu erreichen. Es ist davon auszugehen, dass die „wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit [...] allen Regionen der EU zugute [kommt], auch den Konvergenzregionen" (KOM 2007:7). Im laufenden Planungszeitraum finden sich Ziele und Finanzinstrumente in folgender Konstitution wieder[10] [11]

das Konvergenzziel beinhaltet die Finanzinstrumente EFRE, ESF und Kohäsionsfond;

die Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung die Finanzinstrumente EFRE und ESF;

die Europäische territoriale Zusammenarbeit das Finanzinstrument EFRE.

Diese hier zuvor aufgezählten Ziele bilden das Prinzip Konzentration (1) und somit das Erste von fünf Förderprinzipien der Strukturfonds. Des Weiteren bietet die mehrjährige Programmplanung (2) einen Handlungsrahmen indem die einzelnen Nationalstaaten, nach den Geboten von Nachhaltigkeit und Kohärenz zwischen den Interventionen der Fonds und den strategischen Kohäsionsleitlinien, ihre Nationalen Strategischen Rahmenpläne (NSRP) erstellen.[12] Die Partnerschaft (3) baut bei der Umsetzung der Fonds auf die Kooperation regionaler und lokaler Behörden sowie Wirtschafts- und Sozialpartner und Akteuren der Zivilgesellschaft und EU-Kommission. Das Prinzip der Kofinanzierung und Zusätzlichkeit (4) erfordert erstens eine Kofinanzierung von 50 Prozent (Ziel: regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung) bzw. von 75 Prozent (Ziel: Europäische territoriale Zusammenarbeit und Konvergenz-Regionen). Zweitens, darf die Zuweisung der Fördermittel nicht mit einer Reduzierung der bisher aufgewendeten nationalen Finanzhilfen einhergehen. Das letzte Prinzip, Begleitung und Evaluation (5), soll die Qualität, Effizienz und Kohärenz der Interventionen der Fonds erhöhen.

Im Grunde unterliegt die Architektur der Kohäsionspolitik seit ihrer Einführung 1986 einem stetigen Wandel - und das ist auch gut so, denn es zeugt davon, dass praktische Erfahrungswerte einerseits und die Notwendigkeit, sich flexibel auf die Erfordernisse der Zeit einzulassen, andererseits, berücksichtigt werden. Obgleich entsprechende Einsichten und Anpassungsprozesse in ihrer Geschwindigkeit nicht immer den Erwartungen einiger Akteure entsprechen. Auch der bevorstehende Programmzyklus 2014-2020 wurde Neuerungen unterworfen. Die Kohäsionspolitik der Europäischen Union wird durch Programme umgesetzt, deren Laufzeit sich an dem siebenjährigen EU-Haushaltszyklus richten. Jene zur Stunde noch laufenden Programme, insgesamt 455 an der Zahl, enden mit Ablauf des Jahres 2013.[13] Insofern war von Seiten der Kommission das Interesse groß, den Entwurf für ein Gesetzgebungspaket, das den Rahmen für die Kohäsionspolitik der EU im Zeitraum 2014-2020 bilden wird, nicht nur anzunehmen sondern auch so zu gestalten, dass sich dieser an die gegenwärtigen Bedürfnisse anzupassen versteht. Die aktuellsten Vorschläge der Kommission sollen daher die strategische Seite der Kohäsionspolitik vermehrt stärken und sicherstellen, dass EU- Investitionen Europas langfristige Wachstums- und Beschäftigungsziele fördern. Letzteres zielt auf die „Europa 2020" Strategie und dessen Fokussierung auf intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum ab. Neben diesen Änderungsvorschlägen durch die Kommission werden fünf weitere Punkte zur Verbesserung angeführt.[14]

Leistungshonorierung;

Unterstützung integrierter Programmplanung;

Ergebnisorientierung - Monitoring der Fortschritte im Hinblick auf die Ziele;

Stärkung des territorialen Zusammenhalts;

Vereinfachte Umsetzung.

Obgleich der EU-Haushalt für den anstehenden Zyklus 2014-2020 noch nicht endgültig „unter Dach und Fach" ist, kann bereits jetzt, insbesondere nach der Einigung des Europäischen Rates vom 7./8. Februar diesen Jahres, davon ausgegangen werden, dass das Budget für die Kohäsionspolitik erstmalig in seiner Geschichte nicht erhöht wird. Die unterschiedlichen Vorschläge für das Gesamtbudget dieser Politik lagen im Groh zwischen 376 Mrd. und 379,5 Mrd. EUR. Nach dem gegenwärtigen Informationsstand jedoch (Stand: 9.3.2013) wird das Budget dieser Spate (Teilrubrik 1b „Wirtschaftlicher, Sozialer und Territorialer Zusammenhalt") mit 325 Mrd. EUR beziffert und somit geringer ausfallen wie vorgeschlagen - als auch im Vergleich zum vorangegangenem Programmzyklus.[15] Jedoch empfiehlt sich an dieser Stelle der Hinweis, dass das Europäische Parlament (EP) hier noch seine Zustimmung geben muss bevor der EU-Haushalt verabschiedet werden kann. Und nach bisherigen Stimmen (vgl. Schulz 2013) sieht es tendenziell eher so aus, als würde das EP seine Zustimmung verweigern.[16] Der nachfolgenden Tabelle (2) können sie die einzelnen Budgetzuweisungen für den Zeitraum 20142020 entnehmen, wie sie vom Europäischen Rat genehmigt wurden.

Tabelle 2: Budgetzuweisung für einzelne Jahre (MFR 2014-2020)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Europäischer Rat (2013:11)

Wie bereits an der Rubrikzuordnung (Teilrubrik 1b) zu entnehmen ist, wurde die Einteilung des bevorstehenden MFR in verschiedene Rubriken gegliedert und gemäß der Schlussfolgerungen vom Rat ergibt sich folgende Aufteilung:

Teilrubrik 1a "Wettbewerbsfähigkeit für Wachstum und Beschäftigung", die die Fazilität "Connecting Europe" beinhalten wird;

Teilrubrik 1b "Wirtschaftlicher, sozialer und territorialer Zusammenhalt";

Rubrik 2 "Nachhaltiges Wachstum: natürliche Ressourcen", die eine Teilobergrenze für marktbezogene Ausgaben und Direktzahlungen beinhalten wird;

Rubrik 3 "Sicherheit und Unionsbürgerschaft";

Rubrik 4 "Europa in der Welt";

Rubrik 5 "Verwaltung", mit Teilobergrenze für Verwaltungsausgaben;

[...]


[1] Vgl. Schulz, Martin (2013): Rede von Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, beim Europäischen Rat in Brüssel vom 7. Februar 2013

[2] Vgl. hierzu und nachfolgend: Europäische Union (2007): Europäische Regio nalpolitik. Die Grundlagen. Brüssel: Europäische Union

[3] Vgl. Bauer, Michael W.; Börzel, Tanja A. (2010): Regions and the European Union. In: Enderlein, Hendrik; Wälti, Sonja; Zürn, Michael (Hrsg.) (2010): Handbook on Multilevel Governance. Cheltenham: Edward Elgar Publishing

[4] Vgl. Europäische Union (2007)

[5] Vgl. Bauer, Michael W.; Börzel, Tanja A. (2010)

[6] Vgl. Europäische Union (2007)

[7] Hierzu und nachfolgend: KOM (2007): Die Kohäsionspolitik. 2007-2013. Erläuterungen und offizielle Texte. Leitfaden. Regionalpolitik. Brüssel: Europäische Gemeinschaften

[8] Vgl. Fester, Thomas; Fuchs, Michaela (2004): EU-Regionalpolitik ab 2007 - Richtungsstreit in Deutschland. In: Im Blickpunkt. Ifo Dresden 4/2004

[9] Den Kern der strategischen Leitlinien bilden folgende drei Prioritäten: (1) Stärkung der Anziehungskraft der Regionen und der Städte in den Mitgliedstaaten; (2) Förderung von Innovation, unternehmerischer Initiative und Wachstum der wissensbasierten Wirtschaft; (3) Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen.

[10] Vgl. hierzu und nachfolgend: KOM (2007)s

[11] Einen Überblick hinsichtlich der Architekturänderungen des Planungszeitraums2000-2006 gegenüber 2007-2013 finden Sie im Anhang unter (A. 2).

[12] Vgl. hierzu und nachfolgend: Hartwig, Ines (2011): Struktur- und Regionalpolitik. In: Weidenfeld, Werner; Wessels, Wolfgang [Hrsg.] (2011): Europa von A bis Z. Taschenbuch der europäischen Integration. Baden-Baden: Nomos

[13] Vgl. Pressemitteilung MEMO/11/663 der Europäischen Kommission vom 6.10.2011

[14] Vgl. KOM (2011a): Kohäsionspolitik 2014-2020. Investieren in Wachstum und Beschäftigung. Brüssel

[15] Vgl. hierzu und nachfolgend: Europäischer Rat (2013): Schlussfolgerungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen. EUCO 37/13. Tagung vom 7./8. Februar 2013 in Brüssel.

[16] Vgl. Bonse, Eric (2012): Sparen oder Wachsen. Das Europaparlament legt sich mit dem Ministerrat an. Es geht um den Etat 2013 und ums Prinzip. In: Das Parlament. Ausgabe 38-39 2012. Berlin: Deutscher Bundestag

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Die Kohäsions- und Regionalpolitik der Europäischen Union
Untertitel
Architektur - Funktion - Projekte
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Fachbereich G)
Veranstaltung
EU-Governance
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
39
Katalognummer
V265688
ISBN (eBook)
9783656553427
ISBN (Buch)
9783656553649
Dateigröße
1527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kohäsions-, regionalpolitik, europäischen, union, architektur, funktion, projekte
Arbeit zitieren
BA André Höllmann (Autor), 2013, Die Kohäsions- und Regionalpolitik der Europäischen Union, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265688

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