In der folgenden Arbeit werde ich die beiden klassischen Vertragstheoretiker Thomas Hobbes und John Locke mit dem eher moderneren Vertragstheoretiker John Rawls vergleichen, insbesondere in ihren Vorstellungen vom Menschen, vom Natur- bzw. Urzustand und der Bildung des Staates durch Vertrag bzw. die Theorie der Gerechtigkeit von Rawls. Thomas Hobbes (1588-1679) gilt als Begründer der modernen politischen Philosophie und der neuzeitlichen Politik und damit des neuzeitlichen politischen Denkens. Hobbes führt zu einem Paradigmenwechsel in der Politik, was zum Ende des klassischen aristotelischen Politikverständnisses führte. (vgl. Kersting 2008, S. 10 ff.) Aufgrund seiner Erfahrungen im englischen Bürgerkrieg entwickelte Hobbes ein eher absolutistisches Staatsmodell. (vgl. Euchner 1996, S. 81) John Locke (1632-1704) gilt als Begründer der aufklärerischen Erkenntniskritik und beeinflusste die Philosophie des 17.-18. Jahrhunderts. Durch seine Vorstellung von der staatlichen Gewaltenteilung, prägte er das Bild des bürgerlich-liberalen Verfassungsstaates, noch im Grundrechtsteil des deutschen Grundgesetzes von 1949 ist sein Einfluss sichtbar. Des Weiteren trat Locke für die Religionsfreiheit ein und beschäftigte sich mit Pädagogik. (vgl. Brockhaus Online Enzyklopädie 2013a) Locke entwickelte ein Modell für eine liberale konstitutionelle Monarchie, das bereits Ähnlichkeiten mit dem modernen Verfassungsstaat aufweist. (vgl. Euchner 1996, S. 81) John Rawls (1921-2002) war ein amerikanischer Philosoph, er begründete ein vertragstheoretisches Modell von Gerechtigkeit als Fairness, beruhend auf den Prinzipien von gleichen Grundrechten bzw. Freiheiten, der Chancengleichheit und der Rechtfertigung von Ungleichheiten. (vgl. Brockhaus Online Enzyklopädie 2013b)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vertragstheorie (Kontraktualismus)
3. Thomas Hobbes
3.1 Menschenbild
3.2 Naturzustand
3.3 Vertrag und die Bildung des Staates
4. John Locke
4.1 Menschenbild
4.2 Naturzustand
4.3 Vertrag und die Bildung des Staates
5. John Rawls
5.1 Menschenbild
5.2 Urzustand
5.3 Eine Theorie der Gerechtigkeit
6. Zentrale Unterschiede
6.1 Menschenbild
6.2 Naturzustand
6.3 Vertrag und die Bildung des Staates/Eine Theorie der Gerechtigkeit
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die vertragstheoretischen Konzepte von Thomas Hobbes, John Locke und John Rawls, um deren unterschiedliche Vorstellungen vom menschlichen Naturzustand sowie die daraus resultierenden Notwendigkeiten zur Staatsbildung und Gerechtigkeitsfindung gegenüberzustellen.
- Vergleichende Analyse des Menschenbildes bei Hobbes, Locke und Rawls.
- Untersuchung des Natur- bzw. Urzustandes als theoretisches Konstrukt der Staatsbegründung.
- Darstellung der Mechanismen zur Bildung politischer Gemeinschaften.
- Herausarbeitung der Kernunterschiede bezüglich Souveränität, Widerstandsrecht und Gerechtigkeitsprinzipien.
Auszug aus dem Buch
3.2 Naturzustand
Im Naturzustand stehen sich die Menschen völlig herrschaftslos gegenüber, keine Macht hindert die Menschen daran ihre Interessen und Leidenschaften zu verfolgen, niemand setzt ihnen Grenzen, was zu einem Kriegszustand führt. Im Naturzustand ist somit jeder der Feind eines jeden. Hobbes zufolge herrscht im Naturzustand also der Krieg eines jeden gegen jeden. (vgl. Münkler 2001, S. 94 f.) Der Naturzustand ist aber nicht als historische Epoche zu verstehen, sondern als ein Gesellschaftszustand ohne souveräne Macht, die die Menschen zwingt ihre Interessen und Leidenschaften auf sozialverträgliche Art und Weise durchzusetzen. Darum besteht die Gefahr, dass die Menschen wenn sie die bestehenden Herrschaftsverhältnisse anzweifeln, wieder in den Naturzustand zurückfallen. (vgl. ebd., S.97) Im Naturzustand nach Hobbes sind alle Menschen gleich. (vgl. ebd., S. 102)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die drei Vertragstheoretiker kurz vor und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, ihre Konzepte zur Staatsbegründung miteinander zu vergleichen.
2. Vertragstheorie (Kontraktualismus): Das Kapitel definiert den Kontraktualismus als Versuch, die Legitimität staatlicher Herrschaft auf einer rationalen Grundlage zu begründen, statt sie auf göttliche Ordnung zu stützen.
3. Thomas Hobbes: Hier wird Hobbes' pessimistisches Menschenbild und sein Konzept des Naturzustands als Kriegszustand dargelegt, welches in die Forderung nach einem absolutistischen Souverän mündet.
4. John Locke: Dieses Kapitel behandelt Lockes liberales Modell, in dem das Privateigentum zentral ist und das Volk das Recht zum Widerstand gegen eine nicht legitim handelnde Staatsgewalt behält.
5. John Rawls: Fokus liegt auf dem "Urzustand" und dem "Schleier des Nichtwissens", durch die Rawls eine faire Basis für die Grundsätze der Gerechtigkeit schafft.
6. Zentrale Unterschiede: In diesem Kapitel werden die behandelten Autoren direkt gegenübergestellt, insbesondere hinsichtlich ihrer Annahmen über das Menschenbild und die Beschaffenheit des Naturzustandes.
7. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sich das Menschenbild der Autoren im Zeitverlauf positiv entwickelt und betont die theoretische Relevanz der konstruierten Urzustände.
Schlüsselwörter
Vertragstheorie, Kontraktualismus, Thomas Hobbes, John Locke, John Rawls, Naturzustand, Urzustand, Menschenbild, Souveränität, Selbsterhaltung, Eigentum, Gerechtigkeit als Fairness, Schleier des Nichtwissens, Gewaltenteilung, Widerstandsrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Theorien von Hobbes, Locke und Rawls zur Entstehung staatlicher Ordnung durch einen Gesellschaftsvertrag.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Menschenbild, dem Naturzustand (bzw. Urzustand) und den spezifischen Bedingungen der Staatsbildung bei den drei Philosophen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich, um herauszufinden, wie die unterschiedlichen Annahmen der Denker über den Menschen die jeweilige Ausgestaltung von Herrschaft und Gerechtigkeit beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende ideengeschichtliche Analyse der zentralen Werke und Konzepte der genannten Vertragstheoretiker.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Modellen von Hobbes, Locke und Rawls, gefolgt von einem direkten Vergleich ihrer Positionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vertragstheorie, Naturzustand, Menschenbild, Souveränität und Gerechtigkeit.
Warum betrachtet Hobbes den Naturzustand als Kriegszustand?
Aufgrund seines Menschenbildes, in dem der Mensch nur nach Selbsterhaltung und Macht strebt, führt die Abwesenheit eines Souveräns bei Hobbes zwangsläufig zum Konflikt.
Was unterscheidet Rawls' "Schleier des Nichtwissens" von Lockes Naturzustand?
Während Locke einen herrschaftslosen Zustand beschreibt, in dem das Eigentum bereits existiert, ist Rawls' Urzustand ein rein theoretisches, hypothetisches Konstrukt, das absolute Unwissenheit über die eigene soziale Position zur Voraussetzung hat.
Welche Rolle spielt das Privateigentum bei Locke?
Für Locke ist Privateigentum die Voraussetzung für die Selbsterhaltung und zugleich der zentrale Grund, warum Menschen einen Staat bilden, um dieses Eigentum zu schützen.
- Citation du texte
- Sebastian Lindinger (Auteur), 2013, Vertragstheoretiker im Vergleich. Thomas Hobbes, John Locke und John Rawls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265752