Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Politik - Grundlagen und Allgemeines

Auf Wiedersehen Gestern! Die Suche nach dem „Königsweg“ im politischen Umgang mit Vergangenheit

Erinnern oder Vergessen?

Titel: Auf Wiedersehen Gestern! Die Suche nach dem „Königsweg“ im politischen Umgang mit Vergangenheit

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2013 , 21 Seiten , Note: 1

Autor:in: Johannes Stekeler (Autor:in)

Politik - Grundlagen und Allgemeines
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen.“
Franz Josef Strauß, 1969.
Arbeit scheint auch zwanzig Jahre nachdem die Tore der NS-Vernichtungslager geschlossen wurden, „frei“ zu machen. Sich auf den Wiederaufbau und in die Arbeit zu stürzen, den Blick immer geradeaus gen Zukunft, die „fetten“ Wirtschaftswunderjahre genießen und bei allem stets den Blick über die Schulter, den in die Vergangenheit vermeiden - dies kann auch eine Methode sein, Vergangenes hinter sich zu lassen und sich deren Last zu entledigen. Doch ist dies der beste Weg eine schlimme Vergangenheit zu „bewältigen“? Kann die Schuld aus vergangenen Tagen einfach unreflektiert durch „wirtschaftliche Leistungen“ abgegolten werden? Kommt diese fragwürdige Aussage des ehemaligen CSU-Politikers nicht einer Ohrfeige für alle Opfer des Genozids gleich? Denn genau die Opfer sind es, gegenüber denen sich Täter, Volk und Staat für die ihnen angetanen Verbrechen zu verantworten haben. Sie und nicht zuletzt die, die in ihrem Namen sprechen, stehen zwischen der Unabweisbarkeit der Erinnerung und dem Drang zu vergessen. Aber nicht nur diejenigen, die auf der Seite der Täter und Verlierer stehen, äußern den Wunsch nach Vergessen. Auch auf Seiten der Opfer und Sieger kann Nicht-Erinnern eine Alternative sein. Amnestie und gewollte Amnesie, so zeigt der Verlauf der Geschichte, waren zu allen Zeiten willkommene Werkzeuge im Umgang mit unrühmlicher Vergangenheit. Die Geschichte zeigt aber auch, dass bloßes Verdrängen oder Erlassen von Schuld den Nährboden für noch mehr Schuld (z.B. Rache) bieten kann und die Zukunft damit auf wackelige Beine stellt. Es stellt sich also die Frage, welches wohl die beste Art ist mit Vergangenheit umzugehen und ob es vielleicht so etwas wie einen „Königsweg“ für die schuldbeladenen Staaten und Menschen gibt? Und wenn ja, was steht auf dessen Wegweiser - Vergessen oder Erinnern?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anker oder Last? - Motivationen für staatl. Vergangenheitsumgang

3. Schuldig gemacht… - Erinnern oder Vergessen?

3.1. Vergangenheit vergessen – Amnesie & Amnestie

3.2. Vergangenheit erinnern – Aufarbeitung, Wiedergutmachung und „Bewältigung“

4. Erinnern, eine demokratische Pflicht? – Demokratisierung und Vergangenheit

Resümee

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Erinnern und Vergessen im politischen Umgang mit einer belastenden Vergangenheit. Dabei wird analysiert, unter welchen Bedingungen staatliche Akteure sich für das Vergessen (z.B. durch Amnestien) oder das Erinnern (z.B. durch Aufarbeitung) entscheiden und ob es einen universellen „Königsweg“ für den Umgang mit historischen Verbrechen gibt.

  • Motivationen für staatliche Strategien im Umgang mit Geschichte.
  • Die historische Rolle von Amnesie und Amnestie als Instrumente zur Friedenssicherung.
  • Der Wandel von der Straflosigkeit zur „strafenden Gerechtigkeit“ nach den Weltkriegen.
  • Die Bedeutung der deutschen Erinnerungskultur seit 1945.
  • Die Verknüpfung von Demokratisierungsprozessen und der Pflicht zur Erinnerung.

Auszug aus dem Buch

3.1. Vergangenheit vergessen – Amnesie & Amnestie

Stabilität bedeutet Frieden. Dessen war sich auch Cicero bewusst und versuchte daher im Jahr 44 v. Chr. (nach der Ermordung Julius Caesars) durch ewiges Vergessen die „Fundamente des Friedens“ zu legen und die Römische Republik vor einem erneuten Bürgerkrieg bzw. dem Untergang zu bewahren. Er, der (vorläufige) „Retter Roms“ (Ehrentitel pater patriae - Vater des Vaterlandes) folgte dabei nach eigenen Angaben dem Beispiel der Athener ca. 350 Jahre zuvor. Diese zeigten sich nach der Beendigung eines blutigen Bürgerkrieges im Jahr 403 v. Chr. recht milde in der Ahndung von Verbrechen am attischen Staat und dessen Bürger. Dreißig Oligarchen, deren Ziel es war die Demokratie in Athen zu stürzen, errichteten in kürzester Zeit ein Terrorregime - „die Tyrannis der Dreißig“ –, welches bis dato in Athen seinesgleichen suchte. 1500 bis 2500 politische Gegner und wohlhabende Bürger (ca. 5% der attischen Bevölkerung) wurden im Zuge einer „Säuberungsaktion“ durch die Tyrannen verfolgt und ermordet. Ein Ausmaß staatlichen Terrors, für das sich nur wenige Entsprechungen in anderen historischen Zeiten finden lassen.

Die exilierten Demokraten konnten jedoch letztendlich die Terrorherrschaft der Oligarchen beenden und die staatliche Einheit Athens wiederherstellen. Das besondere dieses innerathenischen Friedensabkommens war das Versprechen an die Oligarchen, keine Ansprüche auf Rückerstattung von Eigentum geltend zu machen und eine garantierte allgemeine Amnestie für ihre verübten Straftaten. Einzig die Amtsträger der Oligarchie - sprich die „Dreißig“- waren davon ausgenommen, konnten aber durch ein förmliches Rechenschaftsverfahren die Chance auf Amnestie ebenfalls erhalten. Nicht nur in Anbetracht der Brutalität und des Ausmaßes der verübten Verbrechen unter den Oligarchen, sondern auch der üblichen Vorgehensweise nach Bürgerkriegen in den griechischen Poleis stellt die außerordentliche Mäßigung in der Bestrafung eine Besonderheit dar.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, ob eine belastende Vergangenheit durch wirtschaftliche Leistung verdrängt werden kann oder ob eine aktive Auseinandersetzung notwendig ist.

2. Anker oder Last? - Motivationen für staatl. Vergangenheitsumgang: Dieses Kapitel erläutert, warum Staaten sich überhaupt mit ihrer Vergangenheit befassen und welche Rolle Traditionalismus oder ideologische Manipulation dabei spielen.

3. Schuldig gemacht… - Erinnern oder Vergessen?: Hier werden die zwei grundlegenden Strategien – das Vergessen zur Befriedung und das Erinnern zur moralischen Aufarbeitung – gegenübergestellt.

3.1. Vergangenheit vergessen – Amnesie & Amnestie: Der Abschnitt beleuchtet historische Beispiele für Amnestie als politisches Instrument zur Stabilisierung nach Konflikten.

3.2. Vergangenheit erinnern – Aufarbeitung, Wiedergutmachung und „Bewältigung“: Dieses Kapitel analysiert den Bruch mit der Tradition des Vergessens nach 1918 und 1945 sowie die Entwicklung der deutschen Erinnerungskultur.

4. Erinnern, eine demokratische Pflicht? – Demokratisierung und Vergangenheit: Der Autor diskutiert hier, warum neue Demokratien heute eher zum Erinnern verpflichtet sind als historische Vorgängerregime.

Resümee: Das Fazit stellt fest, dass es keinen perfekten „Königsweg“ gibt, sondern eine ausgewogene Balance zwischen notwendigem Vergessen für den Neuanfang und notwendigem Erinnern für die moralische Integrität gefunden werden muss.

Schlüsselwörter

Erinnerungskultur, Vergangenheitsbewältigung, Amnesie, Amnestie, Demokratisierung, Aufarbeitung, NS-Verbrechen, Schuld, kollektives Gedächtnis, politische Stabilität, Wiedergutmachung, Identitätsstiftung, Systemwechsel, NS-Diktatur, Moral.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Staaten politisch mit einer belastenden und schuldbehafteten Vergangenheit umgehen sollten – durch Verdrängung (Vergessen) oder durch eine aktive Auseinandersetzung (Erinnern).

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die politische Ethik, der staatliche Umgang mit historischen Traumata, die Transformation von politischen Systemen und die Funktion von Erinnerungskultur.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die politischen Motivationen hinter verschiedenen Vergangenheitsbewältigungs-Strategien zu durchleuchten und zu hinterfragen, ob es eine ideale Vorgehensweise für den Umgang mit begangenen Untaten gibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung von Fallbeispielen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Betrachtung der Motivationen, eine historische Exkursion zu Amnestie-Praktiken (von der Antike bis 1648) und eine Analyse der deutschen Aufarbeitung nach 1945.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Erinnerungskultur, Amnestie, Vergangenheitsbewältigung, Demokratisierung und kollektives Gedächtnis.

Warum spielt der Westfälische Friede von 1648 eine Rolle?

Er dient als historisches Exempel für die Strategie, durch explizites „immerwährendes Vergessen“ (Amnestie) in Friedensverträgen politische Stabilität nach langen Konflikten wiederherzustellen.

Wie unterscheidet sich die Situation nach 1918 von der vorherigen Geschichte?

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte ein Bruch mit der Tradition der Amnestie; erstmals wurde von einer unterlegenen Macht explizit Wiedergutmachung eingefordert, was den Beginn eines neuen politischen Umgangs mit Schuld markierte.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Auf Wiedersehen Gestern! Die Suche nach dem „Königsweg“ im politischen Umgang mit Vergangenheit
Untertitel
Erinnern oder Vergessen?
Hochschule
Universität Konstanz  (FB Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Vertiefungsseminar "Politische Ethik"
Note
1
Autor
Johannes Stekeler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V265797
ISBN (eBook)
9783656554752
ISBN (Buch)
9783656554851
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wiedersehen gestern suche königsweg umgang vergangenheit erinnern vergessen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johannes Stekeler (Autor:in), 2013, Auf Wiedersehen Gestern! Die Suche nach dem „Königsweg“ im politischen Umgang mit Vergangenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265797
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  21  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum