Zivilrömische Siedlungstätigkeit und Siedlungsformen im Umfeld von Castra Regina (Regensburg)

Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung neuerer und neuester Grabungen und Funde


Facharbeit (Schule), 2009
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Archäologie zur römischen Besiedlung im Regensburger Umland

2. Castra Regina, das römische Heerlager der III. Legion an der Donau, ein Signal für die umliegende Siedlungstätigkeit

3. Zivilrömische Siedlungstätigkeit und -formen im fruchtbaren Donaubogen
3.1. Topografische Gegebenheiten
3.2. Lagerdörfer (canabae) und Siedlungen (vici)
3.3. Begräbnisplätze - Gräberfelder
3.4. Siedlungsintensität und Straßenverlauf im Dungau
3.5. Römische Gutshöfe (villae rusticae)
3.5.1. Ausstattung der Gutshöfe
3.5.2. Villae Rusticae in Regensburg-Burgweinting
3.5.3. Villa Rustica in Regensburg-Harting
3.6. Streifenhäuser

4. Aktuelle Grabungs- und Forschungsergebnisse zur Römerzeit im Umfeld von Castra Regina
4.1. Burgweinting
4.2. Römische Zivilsiedlung im Osten Regensburgs

5. Das Ende der römischen Besiedlung im Regensburger Umland

6. Zusammenfassung – Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Archäologie zur römischen Besiedlung im Regensburger Umland

Die archäologischen Erkenntnisse über die römische Siedlungstätigkeit und -formen im Regensburger Umland, insbesondere im Bereich Burgweinting sind im wesentlichen der intensiven Ausgrabungs- und Forschungsarbeit des Königlichen Generalkonservators Paul Reinecke zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu verdanken. Daneben konnten wertvolle Erkenntnisse aus den Ausgrabungen engagierter und fachkundiger Laien wie Pfarrer Joseph Dahlem (Gräberfeld Regensburg-Kumpfmühl) oder Konrektor Dr. h.c. Georg Steinmetz (Burgweinting) als Mitglieder des Historischen Vereins der Oberpfalz gewonnen werden.

Industrieansiedlungen in Harting und die Erweiterung von Bauland in Burgweinting führten schließlich in den 1980er und 1990er Jahren zu weiteren gezielten Ausgrabungen durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Regensburg, mit Unterstützung der Stadt Regensburg, Amt für Archiv- und Denkmalpflege. Neben Luftbildaufnahmen wurde zur exakten Positionsbestimmung der römischen Siedlungen und Gutshöfe auch die geophysikalische Prospektion eingesetzt.

Das Ausgrabungsgebiet Burgweinting zählt nach Angaben des Landesamtes zu den archäologisch am besten erforschten zusammenhängenden Ausgrabungsarealen in Deutschland.[1]

Zahlreiche Exponate der Grabungsfunde befinden sich im Historischen Museum in Regensburg und in der Archäologischen Staatssammlung in München.

Im Rahmen dieser Facharbeit sollen an Hand von zahlreichen Publikationen zur Archäologie der Römerzeit im Donaubogen, insbesondere im Bereich Burgweinting und Harting, die Erkenntnisse zur zivilrömischen Siedlungstätigkeit und zu den Siedlungsformen im Zeitraum vom 2. Jahrhundert n. Chr. bis zum Abzug der römischen Bevölkerung Anfang des 5. Jahrhunderts infolge der Germanenüberfälle dargestellt werden. Dabei werden unter Kapitel 4 auch aktuelle Forschungsergebnisse des Landesamtes für Denkmalpflege, Außenstelle Regensburg, sowie des Amtes für Archiv- und Denkmalpflege, Abteilung Denkmalpflege, der Stadt Regensburg zu den Grabungen zur Römerzeit im Umland von Regensburg in die Betrachtung einbezogen. Infolge der Ausweitung von Baugebieten in Burgweinting konnten für die Nachwelt viele interessante römische Bodendenkmäler leider nicht sichtbar erhalten werden.

2. Castra Regina, das römische Heerlager der III. Legion an der Donau, ein Signal für die umliegende Siedlungstätigkeit

Die Stadt Regensburg, am nördlichsten Punkt der Donau und an der Mündung des Flusses Regen in die Donau gelegen, ist noch heute ein wichtiger Knotenpunkt für Transferwege zu Wasser, zu Land und auf Schienen, sei es von Nord nach Süd oder von West nach Ost.

Im Zuge der Ausweitung ihres Herrschaftsbereiches nördlich der Alpen bis zur Donau eroberten die Römer im Jahre 15 v. Chr. unter Führung der Feldherren Drusus und Tiberius unter der Herrschaft von Kaiser Augustus das von Kelten und Germanen dünn besiedelte Alpenvorland. Unter Kaiser Claudius (41 – 54 n. Chr.) wurde die Provinz „Raetia“ mit der späteren Provinzhauptstadt „Augusta Vindelicorum“( Augsburg) errichtet.

Zur Grenzsicherung im Norden gegen germanische Überfälle wurde in den siebziger Jahren [2] des 1. Jh. n. Chr. im Zusammenhang mit der Neuordnung der Grenzverteidi­gung unter Kaiser Vespasian am geostrategisch günstigen Donaubogen gegenüber der Einmündung der Donauzuflüsse Naab, Schwarze Laber und Regen eine militä­rische Befestigungsanlage als Kastell errichtet. Das Kohortenkastell Regensburg-Kumpfmühl (siehe Abbildung 2) wurde zunächst in Erd-Holzbauweise und zu Beginn des 2. Jh. in Steinbauweise verstärkt und diente der Sicherung des Donauübergangs sowie zur Überwachung der Aufmarschwege der Germanen entlang der weit ins Hinterland reichenden Talfurchen und Pfade entlang der Flüsse Laber, Naab und Regen.

Das Kohortenkastell, zu dem auch ein „vicus“ (Lagerdorf) gehörte, wurde während der Kriege Kaiser Marc Aurels gegen die aus Böhmen vordringenden Markomannen in den Jahren 166 bis 180 zerstört.[3]

Im Zuge der Abwehr weiterer Einfälle von germanischen Stämmen im 2. Jh. ver­stärkten die Römer an der Nordgrenze ihre militärische Präsenz durch die Stationie­rung der zusätzlich ausgehobenen „legio III Italica“ [4] im neu errichteten Legionslager „Castra Regina“ (Regensburg) [5], dessen massive Steinbauten im Jahr 179 n.Chr. fertiggestellt wurden und von dem noch heute Teile wie das Nordtor, die „Porta Praetoria“ und Teile der massiven Ostmauer in der Stadt zeugen. Das Legionslager nahm mit seinen Ausmaßen von 542 m x 453 m eine Fläche von 24,5 ha ein.[6]

Die Oberflächenfunde und Ausgrabungen im Regensburger Umland Anfang und Ende des 20. Jahrhunderts lassen erkennen, dass die römische Besiedlung des Donaubogens nach der Stationierung der Legio III Italica deutlich zugenommen hat, wie ein Vergleich der beiden Abbildungen 1 und 3 (S. 9) zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : römische Besiedlung im Donaubogen vor Errichtung des „Castra Regina“[7]

3. Zivilrömische Siedlungstätigkeit und -formen im fruchtbaren Donaubogen

3.1. Topografische Gegebenheiten

Kriterien der Römer für die Auswahl der Standorte der zivilen landwirtschaftlichen Ansiedlungen waren neben der Nähe eines Kastells und guten Straßenverbindungen vor allem fruchtbare Ackerböden und Weideflächen in der Nähe von Donauzuflüssen in überschwemmungsfreien Gebieten. Die wasserreiche Hoch­terrassenlandschaft des östlichen Donaubogens mit seinen äußerst fruchtbaren Lößböden ergab ideale naturräumliche Voraussetzungen zur Errichtung von zahlreichen landwirtschaftlichen Gutshöfen („villae rusticae“) zur Versorgung der römischen Soldaten und der Zivilbevölkerung, wie die umfangreichen Bodenfunde im Donaubogen zu Beginn und gegen Ende des 20. Jahrhunderts zeigen.

Während die Siedlungen („vici“) im Umfeld des Kastells Kumpfmühl bereits mit dessen Errichtung zum Ende des 1. Jh. n. Chr. entstanden, erfolgte die ver­stärkte Ansiedlung der landwirtschaftlichen Gutshöfe an der Kante zwischen dem topografischen Hügelland und der Hochterrasse des heutigen Gäubodens im Donaubogen erst nach der Errichtung des Legionslagers Castra Regina im Jahre 179 n. Chr. (siehe Abb. 3).

3.2. Lagerdörfer (canabae) und Siedlungen (vici)

Im Umkreis des Legionslagers Castra Regina und der Kastelle Kumpfmühl und Großprüfening entstanden im 2. und 3. Jh. zivile Lagerdörfer (sogenannte „canabae legionis“), in denen Veteranen mit ihren Familien, die Lebensgefährtinnen (unverheiratete Frauen) und Kinder der aktiven Legionäre wohnten. Daneben ließen sich in diesen Siedlungen in der Nähe der Legionslager und Kastelle oder entlang der militärischen Verbindungsstraßen Händler, Handwerker und Wirte nieder.

In den in Steinbautechnik errichteten Lagerdörfern und „vici“ gab es neben Wohnbauten Stallungen, Badehäuser mit Fußbodenheizung (sog. „Hypokaustum“) , Markthallen, Rasthäuser, Tempel, öffentliche Gebäude, sowie zum Teil auch Thermen, wie das Beispiel Bad Gögging zeigt.

Das Baumaterial für die Gebäude wurde in Steinbrüchen zwischen Kelheim und Bad Abbach oder in eigens hierfür errichteten Ziegeleien gewonnen, wie Bodenfunde von Ziegelstempeln der römischen Legionsziegeleien in Bad Abbach bezeugen.

In der römischen Zivilsiedlung „canabae Legionis“ (siehe Abbildung 2), westlich an das Legionslager Castra Regina angrenzend, die als „Donausiedlung“ bezeichnet wird, wohnten neben den Angehörigen der Soldaten und Veteranen auch zahlreiche Händler, Handwerker, Wirte und Dienstleister meist in soge­nannten Streifenhäusern (siehe Abbildung 8), wie Grabungsfunde Ende der 1970er Jahre im Bereich des Arnulfs- und Bismarckplatzes zeigen.[8]

Daneben gab es eine Siedlung (vicus) um das nach den Markomannenkriegen im 2. Jh. aufgelassene Kastell in Kumpfmühl sowie bis zur Mitte des 3. Jh. einen vicus um das Kleinkastell in Großprüfening gegenüber der Naabmündung.[9]

In den Jahren 1934/35 wurde auf dem Ziegetsberg in Regensburg eine römische Tempelanlage aus dem Jahr 180 n. Chr. ausgegraben.

Ein zwischen der Donausiedlung und dem großen Gräberfeld von Grabungsexperten vermutetes „Donaukastell“ (siehe gelbe Legende in Abb. 2) konnte bisher anhand von Grabungsfunden nicht bestätigt werden.[10]

Besondere Aufmerksamkeit verdient außerdem die dorfähnliche ländliche Römersiedlung („Vicus“) in Mangolding/Mintraching, Herzogmühle, welche sich an beiden Seiten der Pfatter an einem wichtigen Flussübergang und der Kreuzung der von römischen Legionären angelegten Straßen von Regensburg nach Straubing und nach Landshut befand.[11] Grabungsfunde in der Herzogsmühle weisen auf die Anwesenheit von Töpfern und metallverarbeitenden Handwerkern hin.[12]

Hinzuweisen ist ferner auf den Standort der Legionsziegelei in Bad Abbach.

[...]


[1] Vgl. Stadt Regensburg (Hrsg.), Von der Steinzeit bis zum Mittelalter, Regensburg, 2004, S. 21

[2] Vgl. Fischer, T., 1990, S. 24

[3] Vgl. von Elbe, J., 1984, Seite 245 f.; Fischer, T., 1988, S. 15

[4] Dietz, Kh., Fischer, T., 1996, S. 102: Eine Legion umfasst ca. 6.400 Mann Elitesoldaten

[5] Anmerkung: Das Legionslager „Castra Regina“ wurde am südlichen Donauufer gegenüber der Einmündung des Donauzuflusses Regen in massiver Steinbauweise errichtet.

[6] Vgl. Dietz, Kh., Fischer, T., 1996, S. 84

[7] Fischer, T., 1990, S. 114 (Karte 3)

[8] Vgl., Dietz, Kh., Fischer, T., a.a.O., S. 66

[9] Vgl., Fischer, T., 1990, S 116, Dietz, Kh., Fischer, T., a.a.O., S. 155 ff.

[10] Vgl. Stadt Regensburg, Denkmalpflege in Regensburg, Band 8, S. 153

[11] Vgl., Ebd., S. 109

[12] Vgl., Dietz, Kh., Fischer, T., a.a.O., S. 164

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zivilrömische Siedlungstätigkeit und Siedlungsformen im Umfeld von Castra Regina (Regensburg)
Untertitel
Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung neuerer und neuester Grabungen und Funde
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V265884
ISBN (eBook)
9783656555919
ISBN (Buch)
9783656555957
Dateigröße
1421 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Regensburg, Castra Regina, Latein, Römer, römische Siedlungstätigkeit, Archiologie, Harting, romanische Bevölkerung, legio III Italica, römisches Heerlager, römische Gutshöfe, villa rustica, Römerzeit, Burgweinting, Dungau
Arbeit zitieren
Andreas Hornauer (Autor), 2009, Zivilrömische Siedlungstätigkeit und Siedlungsformen im Umfeld von Castra Regina (Regensburg), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265884

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