Diese Arbeit untersucht die Selbstreferentialität Goethes in seinem Werk "Die Wahlverwandtschaften" in Bezug auf sein 1774 entstandenes Gedicht "Der König in Thule". Entsprechende Textstellen, an denen ein Zusammenhang herzustellen ist, und Parallelen zwischen den Stoffen werden auf ihre werkinternen und werkexternen Effekte untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung der Kelchglas-Szenen in den Wahlverwandtschaften
3. Beschreibung der Becher-Problematik im König von Thule
4. Diverse Bedeutungsebenen des Kelchglases
4.1 Omen des Todes
4.2 Liebessymbol
4.3 religiöse Assoziationen
5. Einordnung in die Goetheschen Schaffensperioden
6. Abschließende Beurteilung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Selbstreferentialität von Johann Wolfgang von Goethe durch einen vergleichenden Blick auf das Motiv des Trinkgefäßes in seinem 1774 entstandenen Gedicht „Der König in Thule“ und seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ von 1809. Ziel ist es, durch die Analyse der Symbolik und der jeweiligen Handlungsfunktionen Rückschlüsse auf Goethes literarische Entwicklung und seinen Umgang mit Symbolen zwischen seiner „Sturm-und-Drang“-Phase und dem Alterswerk zu ziehen.
- Vergleichende Motivik: Becher vs. Kelchglas als zentrales Symbol.
- Selbstreferentialität und Intertextualität bei Goethe.
- Bedeutungsebenen: Tod, Liebe und religiöse Assoziationen.
- Stoffverarbeitung und literarische Funktion im Handlungsverlauf.
- Wandel des symbolischen Verständnisses zwischen Sturm und Drang und Klassik.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Diese Arbeit untersucht die Selbstreferentialität Goethes in seinem Werk Die Wahlverwandtschaften in Bezug auf sein 1774 entstandenes Gedicht Der König in Thule. Entsprechende Textstellen, an denen ein Zusammenhang herzustellen ist, und Parallelen zwischen den Stoffen werden auf ihre werkinternen und werkexternen Effekte untersucht.
Das zentrale Motiv des Der König in Thule ist der Becher, der als Symbol der Liebenden, hier des „Königs“ und seiner „Buhle“, dient. Er ist auch ein Motiv, das sich als roter Faden durch die Wahlverwandtschaften zieht: In den Wahlverwandtschaften steht er vor allen Dingen für Eduard als Symbol der ewigen Liebe und der Schicksalhaftigkeit der Verbindung zwischen ihm und Ottilie. Der Leser hinterfragt dieses Motiv wegen logischer Widersprüche allerdings bald wieder.
Auch andere Bedeutungsebenen, wie etwa die, dass der Verlust des Bechers, freiwillig oder unfreiwillig, den baldigen Tod des männlichen Protagonisten nach sich zieht oder dass der Becher nach dem Tod der Frau Trost spendet, werden in beiden Werken aufgedeckt und entschlüsselt. Jedoch sollen analog zu betrachtende Gegenstände, die in den Wahlverwandtschaften den Bedeutungsgehalt des Symbols noch ausweiten – etwa Charlottes Schuh, der als Trinkgefäß fungiert oder der gläserne Sarg, in dem Ottilie begraben wird, im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande erwähnt werden, da sie zwar die Symbolik innerhalb der Wahlverwandtschaften noch weiter verästeln, aber für einen Vergleich mit dem Der König in Thule kaum neue Erkenntnisse bringen. Durch diesen Umgang Goethes mit der Symbolik werden sowohl Bedeutungsebenen des Handlungsverlaufes erschlossen als auch Einblicke in werkexterne Ansichten Goethes gegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Selbstreferentialität Goethes und Vorstellung der zentralen Motive.
2. Beschreibung der Kelchglas-Szenen in den Wahlverwandtschaften: Analyse der Einführung und Funktion des Kelchglases als schicksalhaftes Symbol innerhalb des Romans.
3. Beschreibung der Becher-Problematik im König von Thule: Untersuchung der volksliedhaften Symbolik des Bechers im Gedicht und dessen Rolle für den König.
4. Diverse Bedeutungsebenen des Kelchglases: Vertiefende Betrachtung des Kelchglases als Todesomen, Liebesbeweis und religiöses Symbol.
5. Einordnung in die Goetheschen Schaffensperioden: Reflexion über den literarischen Wandel Goethes und die Entwicklung seiner Symbolik über die Jahrzehnte.
6. Abschließende Beurteilung: Zusammenfassende Bewertung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit den Symbolen in den zwei Werken.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandtschaften, Der König in Thule, Symbolik, Kelchglas, Becher, Selbstreferentialität, Sturm und Drang, Weimarer Klassik, Liebesmotiv, Todesomen, Literaturanalyse, Abendmahlskelch, Motivvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit analysiert die bewusste Selbstreferentialität Johann Wolfgang von Goethes, indem sie ein zentrales Motiv – das Trinkgefäß – in zwei zeitlich weit auseinanderliegenden Werken vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die literarische Symbolik, den Vergleich zwischen Sturm-und-Drang-Dichtung und klassischem Roman sowie die Frage, wie ein Autor frühere Motive in späteren Werken neu kontextualisiert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung, inwiefern die Übereinstimmungen im Motiv des Gefäßes in den beiden Werken ein bewusstes Gestaltungsmittel Goethes sind und welche Rückschlüsse dies auf seine künstlerische Entwicklung zulässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die durch die Heranziehung von Primär- und Sekundärliteratur sowohl die werkinternen Funktionen als auch die werkgeschichtlichen Kontexte beleuchtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Szenen rund um das Kelchglas bzw. den Becher detailliert beschrieben und in verschiedenen Bedeutungsebenen – als Omen, Liebesbeweis und religiöses Symbol – reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Selbstreferentialität, Motivvergleich, Symbolik und den Wandel zwischen Goethes Schaffensperioden beschreiben.
Warum wird das Kelchglas in den „Wahlverwandtschaften“ als so ambivalent betrachtet?
Das Glas ist deshalb ambivalent, weil der Protagonist Eduard ihm ständig eine schicksalhafte Bedeutung zuschreibt, die jedoch durch logische Widersprüche und eine eher konstruierte Symbolik im Kontrast zur Realität steht.
Welchen Unterschied in der Funktion des Symbols gibt es zwischen dem Gedicht und dem Roman?
Während im Gedicht „Der König in Thule“ das Symbol eine klare, emotionale und mythologische Einheit mit der Figur bildet, dient es in den „Wahlverwandtschaften“ eher als Projektionsfläche für Eduards subjektive Interpretationen und wirkt daher irritierender auf den Leser.
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- Viktoria Freya Weigel (Author), 2013, Das Kelchglas-Motiv in den "Wahlverwandtschaften" (1809) und im "König von Thule" (1774) von Johann Wolfgang von Goethe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265887