Transmedialität im Star Wars-Universum und die Rolle des Animationsfilms

Ein modernes Märchen


Hausarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Transmedialität
2.1. Intermedialität- Intramedialität-Transmedialität
2.2. Transmedia Storytelling

3 Die transmediale Welt des Star Wars Universums
3.1. Die Entstehung der Saga
3.2. Transmedialität und Intertextualität in Star Wars

4 Der Animationsfilm im Star Wars Universum
4.1. Die Bedeutung derAnimation für das Transmedia Storytelling
4.2. Star Wars: The Clone Wars: Analyse der Serie

5... Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Filmverzeichnis

1. Einleitung

„A long time ago in a galaxy far, far away..." - einer der berühmtesten Filmanfänge aller Zeiten und gleichzeitig ein Widerspruch in sich. Der ikonographische Schriftzug zu Beginn jeder Episode der Star Wars Saga bereitet den Zuschauer auf ein Märchen aus der Vergangenheit vor und leitet dennoch einen Science Fiction Film ein. Doch Star Wars ist mehr als nur ein Genrefilm. Kein anderes Franchise hat die Grenzen des Films so transzendiert wie die Marke Star Wars. Seit dem ersten Film der Reihe im Jahre 1977 hat sich ein popkulturelles Phänomen ausgebreitet, das seines Gleichen sucht: Zwei Filmtrilogien, unzählige Bücher, Comics, Videospiele, Actionfiguren, T-Shirts, Stofftiere und Bettwäsche. Seit nun mehr 30 Jahren trotzt Star Wars allen Krisen und zählt im Zeitalter der Medienkonvergenz zu den erfolgreichsten medienübergreifen­den Erzählungen. Doch was ist das Besondere an der transmedialen Star Wars Saga? Und welche Rolle spielt der Animationsfilm in einem filmischen Universum, dessen Macher seit Beginn der Reihe zu den Trendsettern in Sachen Spezialeffekte und Ani­mation zählen? In der vorliegenden Arbeit wird zunächst der Begriff der Transmediali- tät untersucht, bevor er dann auf das Star Wars Universum angewandt und zur nähe­ren Beleuchtung des Franchise aus einer historischen Perspektive herangezogen wird. Veranschaulicht wird die Transmedialität des Star Wars Universum abschließend durch eine filmische Analyse der aktuellen Animationsserie Star Wars: The Clone Wars.

2.Transmedialität

2.1.Intermedialität - Intramedialität -Transmedialität

Seit Mitte der 90er ist ein Begriff aus dem geisteswissenschaftlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken: Intermedialität. Jede Literaturverfilmung, jeder filmische Verweis, jede Adaption eines Themas in unterschiedlichen Medien und jede groß angelegte Vermarktungsstrategie wirft diesen oder ähnliche Begriffe auf. Allgegenwärtig ist das Phänomen der Intermedialität im postgenerischen und postmodernen Zeitalter, das geprägt ist von Hybridisierung und Multimedialität, doch ist Intermedialität keineswegs eine Erfindung der letzten Jahre. Schon die Bibel kann mit ihren Verweisen auf weitaus ältere Texte und den mündlichen Überlieferungen der Evangelien als intermedíales Phänomen gelten. Die Eröffnung eines solch großen Zeitraums unterstreicht das größ-te Problem der Intermedialitätsforschung: die genaue Abgrenzung der Begriffe. In den letzten Jahren wurden unzählige Begriffe geprägt und verwendet, teilweise synonym, teilweise konträr. Diese Uneinigkeit erschwert einen Diskurs der intermedialen Phä­nomene.

Irina Rajewsky präsentiert eine trennscharfe Unterscheidung der verschiedenen intermedialen Phänomene: Der Terminus Intermedialität umfasst ihrer Meinung nach „die Gesamtheit aller Mediengrenzen überschreitenden Phänomene, die [...] in ir­gendeiner Weise zwischen Medien anzusiedeln sind."1 Laut Rajewsky sind hierfür min­destens zwei konventionell als distinkt wahrgenommene Medien notwendig.2 Der logi­schen Konsequenz folgend steht der Begriff der Intramedialität dazu im Gegensatz. Er beschreibt alle Phänomene, die innerhalb eines Mediums auftreten, ohne dabei die Grenzen des Mediums zu überschreiten. Somit lässt sich der oft verwendete Begriff der Intertextualität, der die Bezugnahme eines literarischen Stoffes auf einen anderen literarischen Text meint, dem Begriff der Intramedialität unterordnen. Auch der Ver­weis eines Filmes auf einen anderen Film fällt aufgrund der Involvierung eines einzigen Mediums in diese Kategorie. Neben dieser grundlegenden Differenzierung erkennt Rajewsky eine weitere Gruppe von Phänomenen, die sie unter dem Begriff der Trans- medialität zusammenfasst:

Gemeint sind alle Phänomene, die man als ,Wanderphänomene' bezeichnen könnte, wie z.B. das Auftreten desselben Stoffes oder die Umsetzung einer be­stimmten Ästhetik bzw. eines bestimmten Diskurstyps in verschiedenen Medi­en, ohne dass hierbei die Annahme eines kontaktgebenden Ursprungsmediums wichtig [...] ist.3

Die Umsetzung dieser medienunspezifischen Phänomene soll außerdem in jedem Me­dium „mit den dem jeweiligen Medium eigenen Mitteln ausgetragen werden kön­nen."4

Rajewskys Definition von Transmedialität führt im filmwissenschaftlichen Ge­brauch und auch in dieser Arbeit, die sich mit dem transmedialen Bezugsgeflecht des Star Wars Universums beschäftigt, zu Problemen. Der Bereich des Transmedialen defi­niert sich laut Rajewsky über die Unwichtigkeit oder sogar die Unmöglichkeit der An­nahme eines Ursprungsmediums. Star Wars ist ein transmediales Phänomen, da seine gemeinsamen Strukturen und seine besondere Ästhetik verschiedene Medien involvie­ren. Doch lassen sich diese Elemente nicht von ihrem filmischen Ursprungsmedium lösen. Nach Rajewsky handelt es sich hier also um ein intermedíales Phänomen, da die medienunspezifischen Strukturen der Reihe (Hintergrundgeschichte, Figurentypen) einem bestimmten Medium (dem Film) zugehörig wahrgenommen werden.5

2.2. Transmedia Storytelling

Ein besonderes Phänomen der Transmedialität findet sich in Geschichten, die über die Grenzen eines bestimmten Mediums hinaus erzählt werden. Henry Jenkins bezeichnet diese Erscheinung als Transmedia Storytelling. Seine Definition von Transmedialität unterscheidet sich jedoch leicht von der Irina Rajewskys. Anstatt die Annahme eines Ursprungsmediums vollkommen zu verwerfen, betont Jenkins den freien Einstieg in die transmediale Welt und modifiziert so die Vorstellung des Ursprungsmediums:

Each franchise entry needs to be selfcontained so you don't need to have seen the film to enjoy the game, and vice versa. Any given product is a point of entry into the franchise as a whole.6

Am Beispiel von The Matrix (USA 1999, R: Andy & Larry Wachowski) erklärt Henry Jen­kins das Konzept des Transmedia Storytellings. Viele unterschiedliche Texte, manife­stiert in den drei Filmen der Reihe, den Videospielen und der animierten Kurzfilm­sammlung The Animatrix (USA 2003, R: Peter Chung, Andy Jones, Yoshiaki Kawajiri u.a.), bilden eine große Erzählung, deren Ausmaße die Grenzen eines Mediums über­schreiten.7 Die einzelnen beteiligten Medien ergänzen sich und liefern eine Fülle von Informationen die klassisches Storytelling zu Transmedia Worldbuilding werden lassen. In der Größe der entstandenen Welt, liegen aber auch Probleme. Je größer und kom­plexer ein Franchise ist, desto mehr Zeit muss der Nutzer investieren. Eine allzu kom­plexe Welt wirkt demnach abschreckend. Auf der anderen Seite muss ein Franchise jedoch auch genügend Abwechslung und Tiefe bieten, um den Rezipienten bei Laune zu halten. Nicht zu unterschätzen ist natürlich auch der wirtschaftliche Faktor, da ein erfolgreiches in verschiedenen Medien verwurzeltes Franchise eine Goldgrube für je­des Unternehmen darstellt.

Wie bereits erwähnt ist Tiefe und Komplexität ein wichtiger Faktor im Trans­media Storytelling. Doch wie erreicht man diese Vielschichtigkeit? Umberto Eco hat sich in seinem Aufsatz Casablanca oder die Wiedergeburt der Götter mit der durch In- tertextualität bedingten Tiefe des Kultfilms beschäftigt. Laut Eco handelt es sich bei Casablanca (USA 1942, R: Michael Curtiz) um „ein Knäuel von Ewigen Archetypen [...][, um] Grundsituationen aller Geschichten aus allen Zeiten."8 Darin liegt auch der Grund für den Erfolg des Films: „Wenn alle Archetypen schamlos hereinbrechen, erreicht man homerische Tiefen. Zwei Klischees sind lächerlich, hundert [...] sind ergreifend."9 Inter- textualität ist der wichtigste Faktor beim Aufbau einer komplexen transmedialen Welt. Neben den großen Mythen der Menschheit wie die Odyssee oder der Kampf um Troja, finden sich in Casablanca unzählige Mythen des Kinos, d.h. Standardsituationen ver­schiedener Genres oder Figurentypologien.10 Auch Star Wars weist alle von Umberto Eco aufgezählten Kennzeichen eines Kultfilms auf und beweist damit ausreichend Tiefe für ein erfolgreiches Transmedia Worldbuilding. George Lucas ließ die großen Mythen vieler Kulturen in sein Werk einfließen und kombinierte sie mit klassischen Figurenty­pologien.11 So wie Ingrid Bergman in Casablanca zugleich die Rätselhafte Frau und die Femme Fatale darstellt, mimt Carrie Fisher in Star Wars Episode IV sowohl die emanzi­pierte Kämpferin, als auch die Prinzessin, die aus den Fängen des Bösen befreit werden muss. Das Star Wars Universum lebt wie Casablanca oder auch The Matrix von seinen unterschiedlichen intertextuellen Bezügen, die von der Odyssee über die Samurai bis zum Western reichen und den Grundstein für das umfangreiche Transmedia Storytel­ling des Franchise legen.

3. Die transmediale Welt des Star Wars Universums

3.1. Die Entstehung der Saga

Wie Henry Jenkins feststellt, entsprangen die erfolgreichsten Transmedia Franchises den Köpfen Einzelner.12 Das wohl überzeugendste Beispiel für diese Aussage ist George Lucas. Der gebürtige Nordkalifornier drehte nach seinem Studium an der Universtiy of Southern California zunächst zwei Filme mit Francis Ford Coppola als Produzent. THX 1138 (USA 1969, R: George Lucas), ein Remake von Lucas' Abschlussfilm und erste Auseinandersetzung mit dem Science Fiction Genre, und American Graffiti (USA 1973, R: George Lucas) entstanden im Dunstkreis des New Hollywood. Inspiriert durch Jo­seph Campbells Hero with a Thousand Faces13, Akira Kurosawas Samuraifilme und die Science Fiction Literatur seiner Jugend14, wollte George Lucas zunächst ein Remake der Flash Gordon - Serials drehen.15 Nachdem dieses Projekt aufgrund der schwierigen Rechtslage scheiterte, versuchte er sich an einer noch ehrgeizigeren Idee: Star Wars. Dazu Lucas in einem Interview:

In Star Wars wollte ich nun all das, was nie zuvor in einer einzigen Geschichte erzählt oder verfilmt worden war, kompilieren. Er [, der Film,] verdankt vieles dem Western, der Mythologie und den Samuraifilmen. Alles was gut ist, kommt hier zusammen [...].16

Universal lehnte das Projekt des jungen Regisseurs ab, doch es kam zur Einigung mit 20th Century Fox. Außergewöhnlich an diesem Vertrag waren die Abgabe der Fortset- zungs- und Verwertungsrechte an Lucas eigene Produktionsfirma Lucasfilm.17 Beson­ders die Verwertungsrechte, die das Merchandising beinhalteten, sollten Lucasfilm Ende der 70er einen Gewinn von 10 Millionen US Dollar jährlich nur durch den Verkauf von Spielzeug bescheren18 und den Grundstein für das ausufernde Star Wars Franchise legen.

[...]


1 Rajewsky, Irina (2002): Intermedialität. Tübingen/Basel: A. Francke Verlag, S. 12.

2 Vgl. ebd., S. 13.

3 Ebd., S.12-13.

4 Ebd., S. 13.

5 Vgl. ebd., S. 104.

6 Jenkins, Henry (2006): Searching for the Origami Unicorn. The Matrix and Transmedia Storytelling, in: Jenkins, Henry (Hg.): Convergence Culture. Where Old and New Media Collide. New York: New York Uni­versity Press, S. 95-134, S. 98.

7 Vgl. ebd., S. 97.

8 Eco, Umberto (1995): Casablanca oder die Wiedergeburt der Götter, in: Franz, Michael (Hg.): Im Laby­rinth der Vernunft: Texte über Kunst und Zeichen. Leipzig: Reclam Verlag, S. 295-300, S. 296.

9 Ebd., S. 300.

10 Vgl. ebd., S. 298.

11 Vgl. Henderson, Mary (1998): Star Wars. Magie und Mythos. Köln: vgs Verlag, S. 10.

12 Vgl. Jenkins (2006), S. 108.

13 Vgl. Salewicz, Chris (1998): Nahaufnahme. George Lucas. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 47.

14 Vgl. ebd., S. 42.

15 Vgl. Rauscher, Andreas (2007): Krieg der Sterne/Star Wars, in: Koebner, Thomas (Hg.): Filmgenres Science Fiction. Stuttgart: Reclam Verlag, S. 300-323, S. 309.

16 Vgl. Salewicz (1998), S. 42.

17 Vgl. Rauscher (2007), S. 310.

18 Vgl. Salewicz (1998), S. 74.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Transmedialität im Star Wars-Universum und die Rolle des Animationsfilms
Untertitel
Ein modernes Märchen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Genreformen: Animationsfilm
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V266001
ISBN (eBook)
9783656560128
ISBN (Buch)
9783656560111
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
transmedialität, star, wars-universum, rolle, animationsfilms, märchen
Arbeit zitieren
Julian Dörr (Autor), 2011, Transmedialität im Star Wars-Universum und die Rolle des Animationsfilms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266001

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