Die psychologische Diagnostik bietet scheinbar unendliche Möglichkeiten. Ob in der Persönlichkeitsentwicklung, der Therapie oder auch der Begutachtung von StraftäterInnen, überall kommen Diagnostikmodelle zum Einsatz.
Diese Arbeit beleuchtet die ethischen Aspekte der Diagnostik und betrachtet die Chancen und Möglichkeiten, aber auch die Risiken solcher Methoden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Quantitative Persönlichkeitsdiagnostik
3. Kritische Würdigung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen der quantitativen psychologischen Persönlichkeitsdiagnostik. Dabei wird analysiert, unter welchen Bedingungen diagnostische Verfahren einen tatsächlichen Erkenntnisgewinn in Bereichen wie der Personalauswahl oder Therapie bieten können und welche ethische Verantwortung Anwender gegenüber Testpersonen tragen.
- Methodische Gütekriterien psychologischer Testverfahren (DIN 33430)
- Die Problematik von Testanbietern und mangelnder Transparenz („Black-Box“)
- Ethische Aspekte und die Verantwortung bei der Testdurchführung
- Kritische Reflexion der Eignung von Persönlichkeitstests für Entscheidungsprozesse
Auszug aus dem Buch
Quantitative Persönlichkeitsdiagnostik
Auch wenn die Verlockung groß ist, an dieser Stelle auf einzelne Testverfahren einzugehen, soll hier aus Platzgründen nur auf die allgemeinen Gütekriterien von Testverfahren eingegangen werden.
Nach Nerdinger, Blickle und Schaper (2011, S. 233) definiert die DIN 33430 verschiedene Gütekriterien, zur Beurteilung psychologischer Tests. Um die Anforderungen der DIN zu erfüllen, muss ein Test zuerst einmal dokumentiert sein. Gerade bei kommerziellen Tests ist diese Dokumentation gerade nicht verfügbar, sondern der Testanbieter bietet lediglich eine „Black-Box“, bei der er die Testeingaben auswertet. Wie das geschieht oder welche Testvalidität es gibt, ist für den/die AnwenderIn aber nicht erkennbar.
Neben der Dokumentation sind auch die klassischen Testgütekriterien nicht bei jedem Test gegeben. Als Hauptkriterien vorausgesetzt werden die Objektivität, Reliabilität und Validität der Tests (Moosbrugger, & Kelava, 2007). Objektivität bedeutet dabei, dass der Test so durchgeführt wird, dass er bei einem/einer anderen Durchführenden das gleiche Ergebnis bringt. Reliabilität meint, dass der Test bei einer Wiederholung durch den/die TeilnehmerIn ein vergleichbares Ergebnis bringt. Valide ist ein Test dann, wenn in der Tat die Kriterien geprüft werden, die er vorgibt abzufragen.
Daneben gibt es noch wesentliche Nebenkriterien. Die Skalierung definiert, dass eine Testperson dann bessere Ergebnisse erzielt, wenn sie auch objektiv besser ist. Eine gelungene Skalierung führt zum nächsten Kriterium, der Normierung, einem Bezugssystem, in dem die Testpersonen im Verhältnis zu anderen Personen eindeutig eingeordnet werden können.
Die Kriterien der Ökonomie, der Zumutbarkeit und Nützlichkeit benennen grundethische Betrachtungen über die Notwendigkeit eines Tests. Ist beispielsweise die einer Uni vorliegende Abiturnote von Studierenden geeignet um eine zuverlässige Aussage über den Studienerfolg zu treffen, dann ist ein zusätzlicher Test nicht notwendig und verletzt damit diese Kriterien (Nerdinger et al., 2011, S. 238).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die ethische Verpflichtung von Psychologen gemäß der Richtlinien des Berufsverbandes und führt in die Problematik ein, dass psychologische Testverfahren kritisch hinterfragt werden müssen.
2. Quantitative Persönlichkeitsdiagnostik: Dieser Abschnitt beschreibt die wissenschaftlichen Gütekriterien wie Objektivität, Reliabilität und Validität sowie die Anforderungen der DIN 33430 für die Beurteilung psychologischer Tests.
3. Kritische Würdigung: Die Anwendung von Persönlichkeitstests in der Praxis wird kritisch analysiert, wobei insbesondere auf die Gefahr der Testgläubigkeit und mangelnde wissenschaftliche Fundierung kommerzieller Modelle hingewiesen wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Testverfahren nur unter strenger Einhaltung von Situationsadäquanz und ethischer Verantwortung als unterstützendes Instrument in Beratung und Personalauswahl dienen können.
Schlüsselwörter
Persönlichkeitsdiagnostik, Psychologische Tests, Gütekriterien, DIN 33430, Testvalidität, Reliabilität, Objektivität, Personalauswahl, Ethik, Testgläubigkeit, Diagnostik, Persönlichkeitstest, Normierung, Skalierung, Testverfahren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz quantitativer psychologischer Testverfahren, ihren methodischen Grundlagen sowie den damit verbundenen ethischen Herausforderungen für Anwender.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die wissenschaftlichen Gütekriterien, die Dokumentation von Testverfahren, die Problematik kommerzieller „Black-Box“-Tests sowie die kritische Reflexion des Nutzens von Persönlichkeitstests.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, sowohl die Möglichkeiten der psychologischen Diagnostik aufzuzeigen als auch den Blick auf die Grenzen dieser Verfahren und die ethische Verantwortung bei deren Anwendung zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Testtheorie, psychologischen Gütekriterien und ethischen Richtlinien sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit gängigen diagnostischen Praktiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Gütekriterien und eine kritische Würdigung des Praxiseinsatzes, inklusive einer Betrachtung von Fehlern bei der Testanwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Persönlichkeitsdiagnostik, Gütekriterien, Validität, Reliabilität und ethische Verantwortung charakterisiert.
Warum stellt der Autor die Verwendung von „Black-Box“-Tests in Frage?
Da bei solchen kommerziellen Tests die Dokumentation fehlt und die Auswertung für den Anwender nicht nachvollziehbar ist, kann die Validität der Ergebnisse nicht objektiv beurteilt werden.
Welche Rolle spielt das Persolog-Modell (DISG) in der Argumentation?
Das Modell dient als Fallbeispiel für einen beliebten, aber kritisch zu betrachtenden Test, der aufgrund seiner Anschaulichkeit weit verbreitet ist, obwohl er wesentliche wissenschaftliche Gütekriterien oft nicht erfüllt.
Wann ist nach Ansicht des Autors ein zusätzlicher Test ethisch nicht zulässig?
Ein Test ist dann nicht zulässig, wenn die notwendigen Daten bereits durch andere Quellen (z.B. Abiturnoten bei Studierenden) vorliegen und der Test somit keine zusätzlichen Erkenntnisse liefert, sondern die Testperson nur unnötig belastet.
- Quote paper
- Alexander Mehnert (Author), 2013, Vorteile, Chancen und Risiken der quantitativen psychologischen Diagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266023