Die Selbstständigkeit bedeutet für viele Gründer und Gründerinnen vor allem Freiheit. Das Ziel ist es, unabhängig und erfolgreich die eigenen Ideen zu verfolgen und umzusetzen (BMWi, Februar 2012, S. 1). Diesen Schritt wagten im Jahr 2012 in Deutschland mehr als 346000 Existenzgründer (BMWi, Juni 2013, S. 4). Doch auch für die gesamte Volkswirtschaft sind die Gründer von großer Bedeutung. So schaffen sie Arbeitsplätze und Wettbewerb, führen zu Strukturwandel und Innovationen und tragen zur Stabilität der demokratischen Gesellschaftsordnung bei (BMWi, Februar 2012, S. 1).
Allerdings scheitern viele gegründete Unternehmen in den ersten fünf Jahren (Egeln, Falk, Heger, Höwer & Metzger, 2010). Hintergründe dieses Scheiterns sind zum Beispiel zu wenig Startkapital, falsche strategische Entscheidungen oder hohe Belastungen (BMWi, Februar 2012, S. 10f.). Vor diesem Hintergrund erscheinen Gründungen im Team erfolgversprechender als Einzelgründungen. So geht mit einer Gründung im Team in der Regel eine höhere finanzielle Ressourcenausstattung einher (Egeln et al., 2010, S. 25). Auch die Wahrscheinlichkeit des Treffens falscher strategischer Entscheidungen ist in einem Team geringer, da mehrere Personen an den Entscheidungen beteiligt sind und diese über mehr Wissen und Fähigkeiten verfügen als der Einzelne (Chowdhury, 2003, S. 730f.; Pearce & Ravlin, 1987, S. 757; Hackman,1987, S. 326f.; Bantel & Jackson, 1989, S. 109). Zusätzlich kann eine zu hohe Belastung vermindert werden, wenn ein oder mehrere Teampartner zur Verfügung stehen (Lechler & Gemünden, 2003, S. 31). Ein weiterer Vorteil von Team- gegenüber Sologründungen ist, dass das menschliche Bedürfnis nach sozialer Interaktion befriedigt wird (Griese, 1977, S. 123ff.).
Wie auf Basis der Darstellung der Vorteile von Gründerteams gegenüber
Einzelgründern zu vermuten, werden immer mehr Unternehmen in Teams gegründet.
So stieg der Anteil der Teamgründer ohne Mitarbeiter in Deutschland von 2011 bis 2012 von 7,8 % auf 8,2 %. Der Anteil der Teamgründer mit Mitarbeitern nahm zwischen 2010 und 2011 von 9 % auf 11,8 % zu. 2012 sank der Wert auf 10 % (Metzger & Ullrich, 2013, S. 14).
Allerdings gibt es auch bei Gründerteams große Erfolgsunterschiede. Als eine mögliche Ursache dieser Unterschiede wird die Gründerteamzusammenstellung diskutiert. So beschreibt zum Beispiel Klönne (2009), dass viele Gründerteams "stümperhaft" zusammengesetzt seien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Unternehmensgründungen
2.2. Erfolgsfaktoren von Gründungen
2.2.1. Unternehmen/Organisation
2.2.2. Umfeld
2.2.3. Personen
2.2.3.1. Demografische Merkmale
2.2.3.2. Kognitive Merkmale
2.3. Gründerteams und Teamzusammensetzung
3. Demografisch optimale Gründerteamzusammensetzung
3.1. Alter
3.1.1. Heterogene Teamzusammensetzung
3.1.2. Homogene Teamzusammensetzung
3.1.3. Zusammenfassung
3.2. Geschlecht
3.2.1. Sologründung
3.2.2. Angestellte
3.2.3. Teamzusammensetzung
3.2.4. Gründerteamzusammensetzung
3.2.5. Zusammenfassung
3.3. Ethnischer Hintergrund
3.3.1. Angestellte
3.3.2. Teamzusammensetzung
3.3.3. Gründerteamzusammensetzung
3.3.4. Zusammenfassung
3.4. Bildungsniveau
3.4.1. Angestellte
3.4.2. Teamzusammensetzung
3.4.3. Zusammenfassung
4. Kritische Zusammenfassung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der demografischen Zusammensetzung von Gründerteams auf deren unternehmerischen Erfolg. Das Ziel besteht darin, durch die Synthese empirischer Forschungsergebnisse aufzuzeigen, inwieweit Merkmale wie Alter, Geschlecht, ethnischer Hintergrund und Bildungsniveau die Leistung von Gründerteams beeinflussen und welche Teamkonfigurationen am vielversprechendsten sind.
- Bedeutung von Gründerteams vs. Einzelgründungen für den Unternehmenserfolg
- Einfluss der Altersdiversität auf Innovation und Teamdynamik
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in Führung und Risikoverhalten bei Gründungen
- Wirkung von ethnischem Hintergrund und interkultureller Zusammensetzung
- Bedeutung des Bildungsniveaus für strategische Entscheidungen und Performance
Auszug aus dem Buch
3.1. Alter
Bis jetzt liegen noch keine gesonderten Studien bezüglich der optimalen Alterszusammenstellung von Gründerteams vor. Aus diesem Grund muss auf die Auswirkungen von Teams zurückgegriffen werden.
Die Studie von Jackson, Brett, Sessa, Cooper, Julin und Peyronnin (1991, S. 675) über 93 Top-Management-Teams in Bank Holding Companies; die von O'Reilly III, Caldwell und Barnett (1989, S. 21) über 20 Work-Units mit 79 Arbeitnehmern; die von Wagner, Pfeffer und O'Reilly III (1984, S. 74) über Top-Management-Groups von 31 Firmen und die von Wiersema und Bird (1993, S. 996) über 220 Führungskräfte, die in den Vorständen von 40 Unternehmen sind; identifizieren alle, dass Gruppen mit einer größeren Altersvielfalt höhere Umsatzraten entwickeln (Milliken & Martins, 1996, S. 408).
Pelled, Eisenhardt und Xin (1999, S. 10ff.) untersuchten 45 Teammitglieder von Elektronikabteilungen der drei führenden Unternehmen. Sie erkannten in ihrer Untersuchung, dass die Altersgleichheit emotionale Konflikte erhöht. Durch emotionale Konflikte, beruhend auf Homogenität, entsteht Rivalität innerhalb des Teams, da sich die Individuen untereinander stärker vergleichen. Bantel und Jackson (1989, S. 107ff.) erforschten Top-Management-Teams von 199 Banken in sechs Staaten. Es wurde entdeckt, dass Innovationen und Teamheterogenität bezogen auf das Alter positiv miteinander korrelieren. Zusätzlich erkannten sie, dass je höher das Durchschnittsalter der Teammitglieder ist, desto weniger innovativ die Teams sind. Diese drei Aspekte sprechen für eine heterogene Teamzusammenstellung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung von Existenzgründungen und begründet, warum Teamgründungen aufgrund von Ressourcen- und Kompetenzvorteilen oft erfolgversprechender als Sologründungen sind.
2. Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe definiert und Erfolgsfaktoren für Gründungen in unternehmens-, umfeld- und personenbezogene Dimensionen unterteilt, wobei der Fokus auf demografischen Merkmalen liegt.
3. Demografisch optimale Gründerteamzusammensetzung: Dieses Kapitel analysiert systematisch die Auswirkungen von Alter, Geschlecht, Ethnie und Bildung auf die Team-Performance, basierend auf vorhandener empirischer Literatur.
4. Kritische Zusammenfassung: Diese Sektion fasst die Erkenntnisse zusammen und schlussfolgert, dass trotz einzelner Vorbehalte eine heterogene Zusammensetzung des Gründerteams in der Regel vorteilhaft für den Erfolg ist.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit empfiehlt eine heterogene Gründerteamzusammensetzung, weist jedoch auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin, da viele Studien auf Top-Management-Teams und nicht explizit auf Gründerteams basieren.
Schlüsselwörter
Gründerteams, Teamzusammensetzung, Unternehmenserfolg, demografische Merkmale, Heterogenität, Innovation, Entrepreneurship, Altersdiversität, Geschlechterzusammensetzung, ethnischer Hintergrund, Bildungsniveau, Existenzgründung, Performance, Start-up, Teamdynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welchen Einfluss die demografische Zusammensetzung von Gründerteams – wie Alter, Geschlecht, ethnischer Hintergrund und Bildungsniveau – auf den Erfolg von neu gegründeten Unternehmen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Vergleich zwischen homogenen und heterogenen Teamkonstellationen sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf Innovationsfähigkeit, Umsatzraten und Konfliktpotenziale innerhalb von Gründerteams.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis existierender empirischer Studien zu ermitteln, ob es eine optimale demografische Zusammensetzung für Gründerteams gibt, um den Unternehmenserfolg zu maximieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende empirische Forschungsergebnisse zusammenfasst, synthetisiert und kritisch auf die Spezifika von Gründerteams überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Unternehmertums erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der einzelnen demografischen Merkmale und deren Wirkung auf die Teamzusammensetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gründerteams, Heterogenität, Unternehmenserfolg, Innovation und demografische Merkmale charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Geschlecht bei der Teamzusammensetzung?
Die Arbeit zeigt, dass geschlechterheterogene Teams oft die beste Performance liefern, während rein weibliche Teams laut mancher Studien seltener den höchsten Profit erzielen, jedoch stark von männlicher Expertise in gemischten Teams profitieren können.
Warum wird trotz der Vorteile von Heterogenität oft homogen gegründet?
Die Analyse weist darauf hin, dass Menschen aus psychologischen Gründen (Homophilie) dazu tendieren, Gleichgesinnte zu wählen, was zu einer Überzahl homogener Teams führt, obwohl dies langfristig Innovationsnachteile mit sich bringen kann.
- Citation du texte
- Anne Schmied (Auteur), 2013, Demografische Merkmale und der Erfolg von Gründerteams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266273