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Edgar Hilsenraths „Der Nazi und der Frisör“

Die „sozialen Geschlechter“ des Max Schulz. Ein Affront gegen die Erinnerungskultur?

Titel: Edgar Hilsenraths  „Der Nazi und der Frisör“

Hausarbeit , 2013 , 20 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Stefan Sebastian Bahn (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Holocaust gilt bis heute als das größte Verbrechen, welches die Menschheit im Verlauf ihrer kurzen Existenz begangen hat. Da dieses bereits 70 Jahre zurückliegt und der Mensch einer natürlichen Sterblichkeit unterworfen ist, sterben sowohl Opfer als auch Täter, die Zeitzeugen dieses Desasters, langsam aber sicher aus und somit wächst auch die Gefahr, dass ihr Vermächtnis mit ihnen ein Stück stirbt. Damit sich ein solches Verbrechen nicht wiederholt, ist es wichtig, sich an die Ereignisse zu erinnern und daran zu mahnen. Dies schafft man mit der Erinnerungskultur. Diese kann sich in vielen Facetten zeigen. So gibt es neben den Orten der Grausamkeiten, welche größtenteils als Gedenkstätten fungieren, auch Mahnmäler und Museen. Doch auch in der Kunst gab und gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Holocaust bzw. die Shoah in Erinnerung zu behalten, so gibt es neben zahlreichen Filmen, Theater- und Musikstücken auch die Erinnerungskultur in der Literatur. Diese können auf ganz verschiedene Weisen agieren, jedoch besitzen sie alle dieselbe Problematik: „…wie schwer es ist eine angemessene Form der Repräsentation des Genozids zu finden, insbesondere in dem Land, von dem dieser ausging.“(?)

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Der Nazi und der Frisör“, ein Tabubruch in der Holocaustaufarbeitung?

3. Holocaustliteratur, ein kurzer Forschungsüberblick

4. Die sozialen Geschlechter des Max Schulz

4.1. Der deutsche Max Schulz im Vergleich zum Juden Itzig Finkelstein

4.2. Der SS-Mann Max Schulz

4.3. Der Jude Max Schulz als Itzig Finkelstein. Die Verwandlung.

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den fiktionalen Roman „Der Nazi und der Frisör“ von Edgar Hilsenrath unter der Fragestellung, wie die „sozialen Geschlechter“ des Protagonisten Max Schulz im Kontext der Erinnerungskultur und der Shoah-Darstellung zu deuten sind.

  • Analyse der fiktionalen Holocaust-Repräsentation und des Tabubruchs durch den Täter-Ich-Erzähler.
  • Untersuchung der Konstruktion „sozialer Geschlechter“ (Stereotypisierung von „typisch deutsch“ vs. „typisch jüdisch“).
  • Vergleich der Identitätsentwicklungen von Max Schulz und Itzig Finkelstein im Spiegel gesellschaftlicher Klischees.
  • Diskussion der moralischen Provokation und der Funktion der grotesken, satirischen Erzählweise für die Aufarbeitung der NS-Zeit.

Auszug aus dem Buch

4.3. Der Jude Max Schulz als Itzig Finkelstein. Die Verwandlung.

Die nächste, letzte und perfideste Verwandlung des Massenmörders Max Schulz ist die Identitätsübernahme seines ehemals besten Freundes, Itzig Finkelstein. Dies war eine freie Entscheidung der Figur Max Schulz und sicherlich voller Kalkül. Die Nazis hatten den Krieg verloren und nach seiner Ansicht die Juden, trotzt der hohen Opferzahlen, gewonnen. Da der Protagonist alle äußeren Klischeemerkmale eines Juden aufweist und zudem vor der Machtübernahme der Nazis auch von diesen, nämlich der Familie Finkelstein, sozialisiert wurde, ist es für ihn mehr als logisch als Jude ein neues Leben zu beginnen. Hier begeht die Figur nicht nur einen Tabubruch an sich, da er ja schließlich der Mörder seiner „neuen“ Identität ist, sondern auch der Autor begeht hierbei einen noch nie dagewesenen moralischen Tabubruch in der Aufarbeitung und Darstellung des Holocaust. Dieser beginnt zunächst mit den Überlegungen des Protagonisten sein Geschlecht bzw. seine Identität zu wechseln und gipfelt vorerst in der „Umtätowierung“ seiner SS- Nummer zu einer Häftlingsnummer aus Auschwitz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Holocaust-Repräsentation in der Literatur und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der Identitätswechsel des Protagonisten Max Schulz.

2. „Der Nazi und der Frisör“, ein Tabubruch in der Holocaustaufarbeitung?: Analyse der späten Veröffentlichung des Romans in Deutschland und Diskussion der grotesk-satirischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust als Provokation gegenüber etablierten Erinnerungsnormen.

3. Holocaustliteratur, ein kurzer Forschungsüberblick: Überblick über die wissenschaftliche Kategorisierung von Holocaust-Texten, insbesondere die Differenzierung zwischen autobiographischen und fiktionalen Werken sowie die Rolle der Geschlechterrollen.

4. Die sozialen Geschlechter des Max Schulz: Untersuchung der Konstruktion von Identität basierend auf gesellschaftlich zugeschriebenen „sozialen Geschlechtern“ (Stereotypen) statt biologischer Gegebenheiten.

4.1. Der deutsche Max Schulz im Vergleich zum Juden Itzig Finkelstein: Analyse der spiegelverkehrten Rollenzuschreibung, bei der die Hauptfiguren gesellschaftliche Klischees über „Arier“ und „Juden“ verkörpern.

4.2. Der SS-Mann Max Schulz: Betrachtung des Wandels von Max Schulz während der NS-Zeit und wie das politische System seine soziale Rolle als Massenmörder festschreibt.

4.3. Der Jude Max Schulz als Itzig Finkelstein. Die Verwandlung.: Detaillierte Betrachtung der finalen Identitätsübernahme durch Max Schulz als perfides Kalkül zur Selbstsicherung nach dem Krieg.

5. Resümee: Zusammenfassende Einordnung des Romans als provokante, aber notwendige Form der Erinnerungskultur, die durch die Täter-Perspektive und Satire zum Nachdenken anregt.

Schlüsselwörter

Edgar Hilsenrath, Der Nazi und der Frisör, Holocaust, Erinnerungskultur, Soziale Geschlechter, Identität, Antisemitismus, Stereotype, Shoah, Fiktion, Satire, Tabubruch, Max Schulz, Täterperspektive, Nationalsozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Roman „Der Nazi und der Frisör“ von Edgar Hilsenrath im Hinblick auf die Art und Weise, wie die Hauptfigur Max Schulz ihre Identität wechselt und welche Bedeutung dabei gesellschaftliche Klischees und die Erinnerungskultur spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Holocaust-Aufarbeitung durch Literatur, die Konstruktion von Identität durch gesellschaftlich erwartete „soziale Geschlechter“ sowie das Spiel mit antisemitischen und nationalsozialistischen Stereotypen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Max Schulz seine Identität zwischen „typisch deutsch“ und „typisch jüdisch“ manipuliert und wie diese fiktionale Darstellung die damalige deutsche Erinnerungskultur herausfordert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mittels diskursiver Ansätze zur Holocaust-Literatur und Identitätskonstruktion untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Holocaust-Literatur, einen Vergleich der Identitäten von Max Schulz und Itzig Finkelstein sowie eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Verwandlungsphasen des Protagonisten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erinnerungskultur, soziale Geschlechter, Identitätswechsel, Täterperspektive, Groteske und Holocaust-Repräsentation charakterisiert.

Inwiefern spielt die Perspektive des Täters eine Rolle?

Die Perspektive des Täters ist für den Autor zentral, da sie eine ungewohnte und provokante Sicht auf die NS-Verbrechen bietet, die den Leser zwingt, sich kritisch mit der Täterschaft und der Rolle der Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Wie definiert der Autor das „soziale Geschlecht“ in diesem Kontext?

In dieser Arbeit ist das „soziale Geschlecht“ nicht als biologisches Geschlecht (gender) zu verstehen, sondern als ein gesellschaftlich erzwungenes Rollenmodell, das sich in stereotyper Weise als „typisch deutsch“ oder „typisch jüdisch“ äußert.

Warum wählt Max Schulz die Identität seines Opfers?

Dies geschieht aus reinem Kalkül. Nach Kriegsende erkennt Max Schulz, dass er mit der jüdischen Identität – basierend auf seinem Aussehen und seiner Sozialisation durch die Familie Finkelstein – bessere Überlebenschancen hat, was einen moralischen Tabubruch darstellt.

Welche Rolle spielt die Satire in Hilsenraths Roman?

Die Satire dient als Instrument, um die Absurdität der damaligen Rassenlehre und das „Schubladendenken“ der Gesellschaft bloßzustellen, indem die Figuren die ihnen zugeschriebenen Klischees spiegelverkehrt erfüllen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Edgar Hilsenraths „Der Nazi und der Frisör“
Untertitel
Die „sozialen Geschlechter“ des Max Schulz. Ein Affront gegen die Erinnerungskultur?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Germanistik NDL)
Veranstaltung
Shoah und Geschlecht
Note
1,7
Autor
Stefan Sebastian Bahn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V266340
ISBN (eBook)
9783656567370
ISBN (Buch)
9783656567332
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hilsenrath Nazi und Frisör Shoah Gender
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Sebastian Bahn (Autor:in), 2013, Edgar Hilsenraths „Der Nazi und der Frisör“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266340
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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