Wie bilden sich soziale Kleingruppen? Kommunikation in der sozialen Kleingruppe


Referat (Ausarbeitung), 2003

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Entwicklung von Gruppen
1.1. Der gemeinsame Nutzen als Ursache der Gruppenbildung
1.1.1. Die Entwicklung der Gruppe aus einer Ansammlung
1.1.2. Die Gruppe als Ergebnis der Kosten- Nutzen- Analyse
1.1.3. Die Bedrohung als Auslösemoment der Gruppenentwicklung
1.2. Bedingungen interpersoneller Attraktivität
1.2.1. Körperliches Aussehen
1.2.2. Ähnlichkeit
1.2.3. Komplementarität
1.2.4. Sympathie
1.3. Phasen der Gruppenentwicklung

2. Kommunikation in der Gruppe
2.1. Begriffe und Funktion der Kommunikation in der Gruppe
2.2. Analyse von Kommunikationsprozessen in Kleingruppen
2.2.1. Analyse der Inhalte
2.2.2. Analyse der Richtung
2.2.3. Das Kommunikationsverhalten wird gelernt
2.3. Der Zusammenhang zwischen Kommunikation und Sympathie
2.4. Kommunikationsnetzforschung
2.5. Nichtverbale Kommunikation

Schlussteil

Literaturverzeichnis

0. Einleitung:

Das Thema der Sitzung am 15.05.03 ist: „Wie bilden sich soziale Kleingruppen? Kommunikation in der sozialen Kleingruppe“. In dieser Arbeit soll das Referat schriftlich ausgearbeitet werden. Der erste Teil wird sich mit der Frage befassen, wie sich soziale Kleingruppen bilden und im zweiten Teil soll die Kommunikation in der sozialen Kleingruppe dargestellt werden. Schließlich soll der Schlussteil dazu dienen, alle Schlüsselbegriffe dieser Arbeit aufzuzeigen, um eine Selbstkontrolle durch Memorieren zu ermöglichen.[1]

1. Die Entwicklung von Gruppen:

Wenn Individuen zu einem Mitglied einer neuen Gruppe werden, so sind sie nicht gruppenunerfahren, denn bereits als Neugeborener werden sie zu einem Mitglied einer Primärgruppe und wachsen in dieser heran. Hier lernen sie grundlegende Verhaltensmuster, die in der gegebenen Kultur von einem Menschen erwartet werden.

Müller versteht die Bestimmung des Menschen durch Aristoteles als „zoon politicon“, als soziales Wesen, so, dass „der Mensch nur im Zusammenhang mit seiner sozialen Umgebung zutreffend zu erkennen und zu bestimmen ist. Der Mensch ist nicht nur abhängig von seiner sozialen Umwelt, sondern er ist ‚sie’ in einem hohen Maße“. Ferner wird als soziale Gruppe der „Beziehungsrahmen von Menschen“ verstanden.[2]

In den folgenden Kapiteln werden zwei Hauptbedingungen zur Kontaktaufnahme, der gemeinsame Nutzen und die interpersonelle Attraktivität, analysiert.

1.1. Der gemeinsame Nutzen als Ursache der Gruppenbildung:

1.1.1. Die Entwicklung der Gruppe aus einer Ansammlung:

Es gibt keinen festen Punkt, von dem an man von „Gruppe" sprechen kann, sondern vielmehr einen weiten Übergangsbereich zwischen der Ansammlung, Menge oder Masse und der Gruppe. Die Gruppe kann nach Wiese (1966) als eine späte Entwicklungsstufe der Masse betrachtet werden, sobald sie sich organisiert und auf Dauer einrichtet oder wenn laut Hofstätter (1957a) die Personen, die sich zur gleichen Zeit am gleichen Ort befinden, durch ein Ereignis gemeinsam betroffen werden und bestimmte Rollen übernehmen. Laut Untersuchungen von Aronson (1970), Berscheid & Walster (1969) erleichtert räumliche Nähe die Gruppenbildung. Zur Gruppenbildung müssen gemeinsame Interessen und Ziele vorhanden sein, durch deren Erreichen die Bedürfnisse der Gruppenmitglieder befriedigt werden. Als Beispiele für die gemeinsamen Ziele könnte man das Bedürfnis nach Nahrung, nach Geselligkeit, Anerkennung, Dominanz oder Leistung heranziehen.

Das kollektive Ziel, das zur Gruppenentwicklung anregt, kann von außen aufgezwungen sein, z. B. bei einer Arbeitsgruppe im Betrieb, durch ein äußeres Ereignis kurzfristig entstehen, z.B. bei Bürgerinitiativen zu Wahlen, oder aber sich allmählich entwickeln, z.B. bei Nachbar-schaftsgruppen in Neubaugebieten.

Catwright & Zander (1968) unterscheiden zwischen absichtlicher und spontaner Gruppenbildung und zwischen Gruppenbildung aufgrund externer Anordnung. Das gemeinsame Merkmal der absichtlichen Gruppenbildung ist die Zweckorientierung, das der spontanen Gruppenbefriedigung ist die Befriedigung des Wunsches nach Geselligkeit und das der externen Anordnung von Gruppen die Möglichkeit der Binnenkontakte. Diese Unterscheidung von Catwright & Zander ist auch bei Müller & Alexander zu finden:

1.Der bewusst geplante Zusammenschluß, um ein Ziel zu erreichen.“
2. „Die spontane Gruppenbildung, die keinen nach außen gerichteten Zweck verfolgt, sondern die den Kontakt selber als ausreichenden Grund für den Zusammenschluss hält.“
3. „Gruppen können durch äußere Einflüsse geschaffen werden, dadurch daß die Gesellschaft einigen Gliedern ein gemeinsames Schicksal gibt.“ Als Beispiel hierfür geben Müller und Alexander die Rekruten bei der Bundeswehr oder Gefangene in der Zelle.[3]

Die Voraussetzung für den Zusammenschluss einer Reihe von Menschen zu einer Gruppe ist jedoch die Möglichkeit der Interaktion.

1.1.2. Die Gruppe als Ergebnis der Kosten- Nutzen- Analyse:

Thibaut & Kelley (1959) gehen davon aus, dass „[j]ede Handlung von dem Verhältnis des erwarteten Nutzens zu den aufzuwendenden Kosten bestimmt wird.“[4] Das Ausüben einer bestimmten Handlung hängt davon ab, ob die Kosten unter dem Nutzen liegen. Doch selbst wenn die Kosten über dem Nutzen liegen, kann das Verhalten ausgeübt werden, falls keine günstigeren Alternativen in Sicht sind. Auch die soziale Interaktion hängt von dem Vergleich der Aufwendungen und Erträge ab.

Anhand einer Tabelle machen Thibaut & Kelley (1959) deutlich, dass die Chancen für die Gruppenbildung stark bis sehr schlecht sind, je nachdem ob der erwartete Nutzen aus dem Zusammenschluss mit anderen Menschen über oder unter der Kosten- Nutzen- Relation und dem kleinsten Ertrag, der gerade noch akzeptiert wird, liegt. Je niedriger der akzeptierte Ertrag eines Partners ist, umso höher kann der Nutzen des anderen Partners sein. Hier kommt die Interdependenz der Gruppenmitglieder zum Ausdruck. Für das Entstehen und die Entwicklung einer Gruppe müssen beide Partner der Gruppe alle Verhaltensmöglichkeiten unterlassen, die den langfristigen Nuten unter den gerade noch akzeptierten Ertrag senken würden.

1.1.3. Die Bedrohung als Auslösemoment der Gruppenentwicklung:

Die Bereitschaft des Menschen, mit Partnern Gruppen zu bilden, ist nach Mc Dougall (1917) auf den Herdeninstinkt zurückzuführen. Es existiert in jedem Menschen das Bedürfnis nach Geselligkeit, das mehr oder weniger ausgeprägt sein kann (Atkinson, 1958). Der Zusammenschluss zu Gruppen wird durch ein Gefühl der Bedrohung gefördert. Um dies zu beweisen, wurden durch Schachter (1959) Laborexperimente durchgeführt, wobei herauskam, dass Personen unter Furchteinflößung viel geselliger waren und eher dazu neigten, eine Gruppe zu bilden, als furchtfreie Personen. Es muss jedoch nach Sarnoff & Zimbardo (1961) „zwischen den Zuständen der Furcht vor einem Objekt oder Ereignis und der Angst, die ohne eindeutig erkennbare Ursache als diffuses Gefühl herrscht“, unterschieden werden. Denn: „[N]ur bei Furcht [sucht]man mit anderen Personen zusammen zu sein“.[5]

Nach Schachter (1959) ist diese Tatsache darauf zurückzuführen, dass eigene Gefühle gerne mit den Reaktionen von Leidensgenossen verglichen werden und somit die furchtvolle Situation gemeinsam überstanden wird. Diese Erklärung beruht auf Festinger’s „Theorie des sozialen Vergleichs“, worauf in Kapitel 1.2.2. näher eingegangen werden soll.

1.2. Bedingungen interpersoneller Attraktivität:

Die Entscheidung, ob man mit einem oder mehreren fremden Menschen in nähere Beziehung treten und mit diesem oder diesen eine Gruppe bilden will, hängt auch davon ab, wie sympathisch man ihn oder sie findet. Es gibt verschiedene Einflüsse, die die Attraktivität einer Person bestimmen, worum es im Folgenden gehen wird.

1.2.1. Körperliches Aussehen:

Die Untersuchungen von Walster, Aronson, Abrahams & Rottmann (1966) und auch zahlreiche andere haben bestätigt, dass man sich zu gut aussehenden Menschen eher hingezogen fühlt als zu hässlichen Menschen. Attraktives Aussehen fließt sogar in die positive Bewertung einer Person mit ein.

Der Grund hierfür könnte das „Nutzen- Konzept“ von von Thibaut & Kelley (1959) sein, wonach hübsche Personen eine gewichtigere Belohnung liefern als wenig hübsche und somit einen hohen Nutzen versprechen. Ein weiterer Grund könnte die „kognitive Dissonanz-theorie“ von Festinger (1957) sein, wonach das Individuum die Übereinstimmung zweier Bewusstseinsinhalte anstrebt, wie z.B. dass eine Person hübsch ist und somit geschätzt wird bzw. umgekehrt.

1.2.2. Ähnlichkeit:

Ein Partner wird nach Versuchen von Byrne (1961) als attraktiv empfunden und anderen vorgezogen, sobald er ähnliche Eigenschaften, Einstellungen, Aufgabenleistungen wie z.B. Schulbildung, Intelligenz, Körpergröße, Alter, Status oder Konfession aufweist. Fünf Theorien sollen im Folgenden dazu dienen, diese Befunde zu erklären.

1. Theorie des sozialen Vergleichs:

„Die Tendenz zur Wahl ähnlicher Personen als Partner ist nach dieser Theorie“ von Festinger (1954) „ein Versuch, die eigenen Einstellungen zu stabilisieren.“[6] Jeder Mensch hat das Bedürfnis, Sicherheit über die Richtigkeit der eigenen Meinungen zu erhalten und ist deshalb auf das Urteil der Umgebung angewiesen. Je ähnlicher die Umgebung ist, desto höher ist die Hoffnung, dass die eigenen Ansichten dort bestätigt werden. „Die Übereinstimmung mit anderen Personen vermittelt“ laut Frey „ein Gefühl der Korrektheit der eigenen Meinung“.[7] „Partner mit abweichenden Meinungen“ jedoch erfordern „eine Neuorientierung der kognitiven Organisation.“[8]

2. Balancetheorie:

Diese Theorie ist auf Heider (1958) zurückzuführen und stellt die Einstellungen zweier Personen zu einem Gegenstand in Beziehung zu ihrer Gefühlsrelation. Personen mit derselben Einstellung werden im Sinne des Gleichgewichtes der Beziehungen geschätzt, wobei unterschiedliche Meinungen eines Partners zur Ablehnung führen. Gleichgewicht oder Ungleichgewicht haben Einfluss auf die Gruppenbildung: „Ähnliche Haltungen mehrerer Personen gegenüber verschiedenen Objekten erleichtern den Zusammenschluss, während unterschiedliche Auffassungen als Hindernis der Gruppenbildung wirken.“[9]

Diese Balancetheorie wurde von vielen Forschern kritisiert. Kritikpunkte waren u. a., dass hier nur von einseitigen Beziehungen ausgegangen wird, dass komplexe Beziehungen nicht berücksichtigt sind, dass die gleichzeitige Wirkung von verschiedenen Dimensionen, wie der wirtschaftlichen, religiösen, politischen oder ästhetischen, nicht diskutiert wird oder dass die Gefühls- und Einheitsbeziehungen nicht klar definiert sind.

3. Verstärkungstheorie:

Die Verstärkungstheorie kann nach Insko & Schoppler (1971) auch als „Theorie der antizipierten Belohnung“ bezeichnet werden. Hier sind die Personen zu „Reizen“ geworden, die durch ihre ähnlichen Einstellungen positive Verstärkungen ermöglichen und somit eine Tendenz zur Gruppenbildung bewirken.[10]

4. Die Equity- Theorie:

Nach dieser Theorie, die von Homans (1968) und anderen untersucht worden ist, müssen Nutzen & Kosten in jeder Beziehung gerecht verteilt werden, damit das Verhältnis aufrechterhalten werden kann. Dies ist auf die Austauschtheorie zurückzuführen. Es wird hier vorausgesagt, dass zwei Partner vor allem dann in Kontakt treten und den begonnenen Kontakt fortsetzen, wenn die wahrgenommenen Erträge und Aufwendungen von beiden im gleichen Verhältnis stehen. Diese Theorie hat viele empirische Bestätigungen erfahren.

5. Die Theorie der impliziten Bewertung:

Diese Theorie ist für Schneider relativ komplex, da sie „[a]nstelle direkter Kausalzusammen-hänge […] eine Kausalkette von der Ähnlichkeit über die implizierte Wertschätzung zur Sympathie“ aufbaut.[11] Hier wird nämlich von Aronson & Worchel (1966) postuliert, dass eine Person vermutet, eine andere mit ähnlichen Einstellungen hege gegenüber ihr positive Gefühle. Da auch die Wertschätzung einer Person die Sympathie ihr gegenüber fördert, findet die erstgenannte Person die andere auch attraktiv. Schneider behauptet, dass diese Theorie für die interpersonelle Attraktivität nicht unbedingt vorzuziehen ist.

[...]


[1] Dieser Arbeit liegt in erster Linie das folgende Werk zugrunde: Schneider, Hans-Dieter: Kleingruppen- forschung, S.49-111.

[2] Müller, Hermann: Sozialpsychologie. Zugänge, Brennpunkte, Aufgaben, S.43.

[3] Müller, Ernst F. und Thomas, Alexander: Einführung in die Sozialpsychologie, S. 95.

[4] Thibaut, J.W., Kelley, H.H.: The social psychology of groups. Wiley, New York 1959, zit. n.: Schneider: Kleingruppenforschung, S. 52.

[5] Sarnoff, I, Zimbardo, P.G.: Anxiety, fear and social affiliation. Journal of Abnormal and Social Psychology. 1961/62, S.356-363, zit. n.: Schneider: Kleingruppenforschung, S. 55.

[6] Schneider: Kleingruppenforschung, S. 59.

[7] Frey, Dieter: Kognitive Theorien der Sozialpsychologie, S. 79.

[8] Schneider: Kleingruppenforschung, S. 59.

[9] Ebd. S. 62.

[10] Ebd.

[11] Ebd. S. 64.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie bilden sich soziale Kleingruppen? Kommunikation in der sozialen Kleingruppe
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Pädagogische Psychologie)
Veranstaltung
Psychologie der Gruppe
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V26639
ISBN (eBook)
9783638289139
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das sollte zwar eine Ausarbeitung sein, ist jedoch zu einer Hausarbeit ausgeartet, mit übersichtlichem Inhaltsverzeichnis und Sekundärliteratur.
Schlagworte
Kleingruppen, Kommunikation, Kleingruppe, Psychologie, Gruppe
Arbeit zitieren
Banu Arslan (Autor), 2003, Wie bilden sich soziale Kleingruppen? Kommunikation in der sozialen Kleingruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26639

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