„Es ist normal, verschieden zu sein.“
(Richard von Weizsäcker)
Mit diesem Zitat beschreibt Richard von Weizsäcker schon im Jahr 1933 in einer Rede als Bundespräsident gewissermaßen das Inklusionskonzept, welches einen
der beiden Schwerpunkte dieser Thesis darstellt.
Inklusion und Integration – zwei Begriffe die für viele Menschen dasselbe bedeuten, jedoch für andere klar voneinander abzugrenzen sind. In der heutigen Fachdiskussion ist der Begriff der Inklusion immer häufiger zu finden, woraus man schließen könnte, dass Inklusion den Integrationsbegriff ersetzen will. Ein Blick in die Praxis zeigt aber, dass das Inklusionskonzept oftmals so nicht in der Praxis
vorzufinden ist. In den meisten Einrichtungen wird das Konzept der Integration umgesetzt, welches den zweiten Schwerpunkt darstellt.
Die vorliegende Thesis befasst sich mit dem Integrations- und dem Inklusionsbegriff im pädagogischen Sinne. Herauszufinden gilt, ob Inklusion nur ein neues
Synonym für Integration darstellt, diesen Begriff eventuell ersetzt oder als Erweiterung des Integrationsbegriffs gesehen werden soll. Zunächst wird in dieser Arbeit auf den Begriff „Behinderung“ eingegangen und wie dieser Begriff im Integrations- und
Inklusionskonzept gesehen wird. Danach werden beide Konzepte näher erläutert. Hierbei wird ein historischer Einblick bzw. die Entstehung der beiden Begriffe
dargelegt. Im Zusammenhang mit dem Inklusionskonzept wird weiter auf den „Index for Inclusion“ eingegangen und anschließend werden das Integrations- und das Inklusionskonzept miteinander verglichen. Ziel dieser Thesis ist es zu ergründen, mit welchen Problemen die Praxis bei der Umsetzung des Integrations- bzw.
Inklusionskonzeptes zu kämpfen hat und wie damit umgegangen wird. Zudem will die Thesis aufdecken, was Integration und Inklusion in der pädagogischen Arbeit verändert haben oder es gegebenenfalls verändern werden. Hierzu wurden drei aussagekräftige, aus der Theorie abgeleitete, Hypothesen erstellt.[...]
Im zweiten Teil der Thesis wird auf eine selbst durchgeführte Untersuchung eingegangen,
bei der es um die Umsetzung des Integrations- bzw. Inklusionskonzeptes
in frühkindlichen Einrichtungen geht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 „Behinderung“ im Zusammenhang mit Integration/ Inklusion
2.2 Integration im pädagogischen Kontext
2.3 Inklusion im pädagogischen Kontext
2.3.1 Index for Inclusion
2.4 Vergleich des Integrations- und Inklusionskonzeptes
3 Integration/Inklusion in der Praxis
3.1 Kooperationen
3.2 Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit
3.3 Probleme/Lösungen
3.4 Konzepte im Elementarbereich
3.4.1 Montessori-Pädagogik
3.4.2 Reggio-Pädagogik
3.4.3 Der offene Kindergarten – die offene Arbeit
3.4.4 Situationsansatz
3.4.5 Beurteilung der Ansätze im Hinblick auf die Umsetzung des Inklusionsgedanken
3.5 Hypothesen/Annahmen
4 Empirischer Teil
4.1 Art der Befragung
4.2 Fragebogen
4.3 Stichprobe
4.4 Analyse/Ergebnisse
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Integration und Inklusion im Elementarbereich. Das Hauptziel besteht darin zu ergründen, ob Inklusion lediglich als neues Synonym für Integration fungiert oder eine konzeptionelle Erweiterung darstellt, sowie welche spezifischen Probleme und praktischen Herausforderungen bei der Umsetzung in Kindertageseinrichtungen auftreten.
- Historische Entstehung und theoretische Differenzierung der Begriffe Integration und Inklusion.
- Analyse der Auswirkungen beider Konzepte auf die pädagogische Arbeit und die erforderliche interdisziplinäre Kooperation.
- Überprüfung von Hypothesen zur Elternarbeit, räumlichen Anforderungen und der synonymen Begriffsverwendung in der Praxis.
- Vorstellung und Beurteilung verschiedener pädagogischer Konzepte (u.a. Montessori, Reggio) hinsichtlich ihrer Inklusionsfähigkeit.
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews in zwei frühkindlichen Einrichtungen.
Auszug aus dem Buch
2.4 Vergleich des Integrations- und Inklusionskonzeptes
Ginge man nur von der Semantik der beiden Begriffe aus, würde man beide Begriffe miteinander gleichsetzen können, da beide als Eingliederung in ein Ganzes verstanden werden können. Der Unterschied wird deutlich, wenn man sich die Ursprünge der beiden Wörter genauer betrachtet. Bei der Integration („Integratio“) geht es mehr um eine Wiederherstellung eines Ganzen. Hingegen bei der Inklusion („Inclusio“) um ein bereits bestehendes System, dass andere Mitglieder einbindet (Schöler 2007, S. 13).
Nach Albers ist Inklusion mit einem „gesellschaftlichen und bildungspolitischen Paradigmenwechsel verbunden“ (Albers 2011a, S.15). Außerdem sieht er Inklusion als Erweiterung der Ziele der Integration an. Um den Unterschied zwischen den beiden Begriffen klarer zu machen, bezieht sich Albers auf drei wichtige Merkmale die, die Verschiedenheit klar machen:
1. Integration will den Menschen mit Behinderung in ein bestehendes System einpassen, Inklusion hingegen betrachtet den Menschen von Anfang an als Teil der Gesellschaft.
2. Inklusion nimmt keine Unterteilung in Gruppen (Menschen mit Behinderung, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund etc.) vor, sie will das System (z.B. Krippe, Kindergarten, Schule, Arbeit, Wohnen) an die Bedürfnisse der Menschen anpassen.
3. Inklusion basiert auf dem „Diversity“-Ansatz: Die Unterschiedlichkeit aller Menschen ist kein zu lösendes Problem, sondern eine Normalität. An diese Normalität wird das System angepasst und nicht umgekehrt. (Albers 2011a, S. 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die beiden zentralen Konzepte Integration und Inklusion vor und formuliert die Forschungsfrage, ob Inklusion den Integrationsbegriff ersetzt oder erweitert.
2 Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel klärt die theoretischen Grundlagen zu Behinderung sowie die verschiedenen Definitionen und Entstehungsgeschichten von Integration und Inklusion im pädagogischen Kontext.
3 Integration/Inklusion in der Praxis: Hier werden praxisrelevante Aspekte wie Kooperationen, Herausforderungen bei der Umsetzung und pädagogische Konzepte im Elementarbereich beleuchtet.
4 Empirischer Teil: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise und die Auswertung der Experteninterviews mit zwei Kindertageseinrichtungen zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
5 Diskussion: Die Ergebnisse aus Theorie und Empirie werden diskutiert, wobei insbesondere der Stellenwert von Inklusion als stetiger Prozess hervorgehoben wird.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Inklusion als gesamtgesellschaftlichen Entwicklungsprozess zu verstehen.
Schlüsselwörter
Integration, Inklusion, Elementarbereich, Behinderung, Pädagogik der Vielfalt, Kindertagesstätte, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Elternarbeit, Inklusionskonzept, Integrationskonzept, Barrierefreiheit, Bildungsreform, Diversität, frühkindliche Bildung, Experteninterview.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Abgrenzung der Konzepte Integration und Inklusion im Bereich der frühkindlichen Bildung in Kindertageseinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Behinderung, die historische Entwicklung beider Konzepte, die praktische Umsetzung in der Kita, die Bedeutung interdisziplinärer Netzwerke sowie rechtliche Rahmenbedingungen wie die UN-Behindertenrechtskonvention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob Inklusion lediglich ein neues Synonym für Integration darstellt oder eine konzeptionelle Erweiterung bedeutet, sowie die Probleme der Praxis bei der Umsetzung dieser Ansätze aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine qualitative Untersuchung durchgeführt, die auf der Analyse von Literatur und der Auswertung von zwei leitfadenorientierten Experteninterviews mit Einrichtungsleitungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Ansätze (wie die Montessori- oder Reggio-Pädagogik) als auch praktische Herausforderungen, etwa in der Elternarbeit oder bei der räumlichen Gestaltung, detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Inklusion, Integration, Elementarpädagogik, Vielfalt, Ressourcenausrichtung und den pädagogischen Paradigmenwechsel geprägt.
Warum wird die Elternarbeit in der Arbeit als problematisch eingestuft?
Die empirischen Ergebnisse zeigen, dass Eltern oft Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema Behinderung haben und klare Informationen sowie eine offene Kommunikation benötigen, um Vorurteile abzubauen.
Inwiefern beeinflussen Räumlichkeiten die Inklusion?
Eine inklusive Ausrichtung erfordert oft bauliche Anpassungen, etwa Barrierefreiheit oder spezielle Therapieräume, was in der Praxis häufig auf finanzielle oder bürokratische Hürden stößt.
Welche Erkenntnis ziehen die Interviewpartner aus der Inklusion?
Die Leitungen betonen, dass Inklusion kein statisches Ziel, sondern ein stetiger Lern- und Entwicklungsprozess ist, der die Einrichtung und das Team fortwährend verändert.
- Citation du texte
- Nina Friedmann (Auteur), 2013, Integration vs. Inklusion im Elementarbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266501