Untersuchung des Aufsatzes "Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität: West- und osteuropäische Gesellschaften in Zeiten religiöser Vielfalt"


Referat (Ausarbeitung), 2013
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Zusammenfassung und Thesen des Text

Zur Methode: Wie trennscharf ist die Unterteilung in die Kategorien kirchengebundene und private sowie konventionelle und alternative Religiosität?

Zum Inhalt: Wie plausibel ist die Erklärung für die Spannung zwischen vorhandener Offenheit und weit verbreiteten Assimilationserwartungen gegenüber Minderheitsreligionen?

Schlus

Literaturverzeichni

Einleitung

In ihrem Aufsatz „Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität: West- und osteuropäische Gesellschaften in Zeiten religiöser Vielfalt“[1] interpretieren die Autoren Olaf Müller und Detlef Pollack die Daten des Religionsmonitors 2008 der Bertelsmann- Stiftung für ausgewählte Staaten Ost- und Westeuropas. Für Osteuropa sind dies Russland, Polen und Ostdeutschland; für Westeuropa Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Westdeutschland und die Schweiz. Empirische Daten aus dem World Economic Forum[2] zu anderen Ländern (Dänemark, Schweden, Spanien, Belgien und die Niederlande) werden ebenfalls herangezogen, um Trends wie die Einstellung gegenüber dem Islam quantifizieren zu können[3].

Den religionssoziologischen Hintergrund des Aufsatzes bildet die Säkularisierungs-debatte: War man anfangs davon ausgegangen, dass die Säkularisierung in den westlichen Staaten ursächlich für den Rückgang von Kirchlichkeit und Religiosität ist, hatten in den 90er Jahren Autoren wie J. Casanova[4] herausgearbeitet, dass dem nicht so ist. Gerade westliche Staaten wie die USA, welche sowohl als hochsäkulär als auch als hochreligiös zu bezeichnen sind, verdeutlichten dies. Auch schien eine zunehmende Pluralisierung am Religionsmarkt ehr die These zu nähren, dass zwar von einem Bedeutungsrückgang der traditionellen Kirchen gesprochen werden kann, sich die Religiosität stattdessen in neuen Formen im privaten Bereich ausbildet. Dies führte Anfang des Jahrtausends zur optimistischen These von einer Wiederkehr[5] bzw. Revitalisierung[6] der Religiosität, welche nicht von einer bloßen Rückkehr traditioneller Religionsformen ausging, sondern eine pluralisierte, private Religiosität vor Augen hatte, und unter dem Namen Individualisierungsthese bekannt wurde.

Die Autoren Müller und Pollack befinden sich sowohl theoretisch wie zeitlich auf der nächsten Stufe der Theoriebildung: Zwar finden sich empirische Beweise für eine weitere Zunahme der religiösen Pluralität und Durchmischung[7], eine Bedeutungs-zunahme privater Religiosität lässt sich jedoch am Datenmaterial nicht erhärten. Die optimistische These von einer Wiederkehr der Religion- egal in welcher Gestalt- bedarf also der Modifikation, welche Müller und Pollack unter anderem in ihrem Aufsatz zu leisten beabsichtigen.

Die vorliegende Arbeit ist die Verschriftlichung eines Referats, weshalb sie dessen Aufbau folgt. Zuerst soll der vorliegende Text und seine zentralen Thesen kurz zusammengefasst und wiedergegeben werden, dann werden die zur Diskussion gestellten Fragen behandelt.

Von diesen betrifft die erste die von den Autoren verwandte Methodik und hinterfragt, ob die zur Untersuchung herangezogenen Kategorien trennscharfe Ergebnisse liefern. Die zweite Frage befasst sich mit einer im Text festgestellten Problematik: Zwar wurde in der Auswertung der Daten des Religionsmonitors eine prinzipielle Offenheit gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen festgestellt, demgegenüber steht jedoch eine hoch ausgeprägte Assimilationserwartung gegenüber Minderheiten seitens der Mehrheit.

Für diese Fragen soll eine kurze Darstellung des Problems vorgenommen, sowie ein Ansatz zur Beschreitung eines möglichen Lösungswegs gegeben werden.

Zusammenfassung und Thesen des Textes

Nach der Einleitung, in welcher der oben zusammengefasste theoretische Hintergrund angeschnitten wird, widmen sich die Autoren dem Phänomen der religiösen Pluralisierung.

Neben neuen Strömungen innerhalb des Christentums, wie Freikirchen, breiten sich auch zunehmend außerreligiöse Phänomene wie New Age und Esoterik aus, so dass von einer Pluralisierung der religiösen Landschaft Europas gesprochen werden kann. Da mit dem Instrumentarium des Religionsmonitors auch die Bedeutung der Religion für die Menschen untersucht werden kann, sollen die Thesen der Privatisierung des Religiösen bzw. der spirituellen Revolution hiermit abgeglichen werden. Dazu wird zwischen kirchengebundener und privater Religiosität, sowie zwischen konventionellen und alternativen Formen der Religionspraxis unterschieden, womit neben den institutionellen Formen kirchlicher Religiosität auch die Formen außerkirchlicher Religionspraxis erfasst werden sollen[8].

Zur Messung der traditionellen kirchlichen Religiosität wird die Häufigkeit bzw. Regelmäßigkeit des Kirchbesuchs herangezogen, wobei die Extrempositionen auf der einen Seite von Polen und Italien, auf der anderen von Russland und Ostdeutschland besetzt sind. Außer in Polen (mit 71%)[9] geben nur die Italiener mit mehr als 50% (55%) an, den Gottesdienst monatlich oder öfter zu besuchen. In der Kategorie der äußerlichen Partizipation am Gottesdienst schneidet Russland am schlechtesten ab, als einziges der untersuchten Länder erreicht es mit 9% nur einen einstelligen Wert.

Im nächsten Schritt vergleichen die Autoren diese Daten mit Aussagen zur privaten Religiosität, zuerst mit der Frage nach dem Glauben an Gott. Hier fällt auf, dass in Ostdeutschland (69%) noch wesentlich mehr diese Frage mit „Nein“ beantworten, als in Russland (39%)[10], so dass die Charakterisierung Ostdeutschlands als „Extremfall einer Gesellschaft mit weitgehend säkularisierter Bevölkerung“[11] als durchaus zutreffend zu bezeichnen ist.

Die von den Autoren gewählte Gegenüberstellung erlaubt noch eine weitere Beobachtung: Auch in einem Land wie der Schweiz, in dem sich 59% der Befragten als „ziemlich/sehr“ gläubig verstehen, motiviert diese Selbsteinschätzung nur schwach zum regelmäßigen Kirchgang, dieser wird nur von 24% praktiziert. Zwar lässt sich für alle Länder der Trend feststellen, das mit steigender Selbstverortung als „ziemlich/sehr gläubig“ auch die Häufigkeit des Kirchbesuchs steigt, aber wenn man allein die Spitzenreiter Italien und Polen vergleicht, fällt auf, dass obwohl sich je 81% in die Kategorie der Hochreligiösen einordnen, der Gottesdienstbesuch mit 55% respektive 71% doch recht unterschiedlich besucht wird. Da für diesen Fall als Erklärung nicht einmal konfessionelle Unterschiede geltend gemacht werden können, müssen die Ursachen an anderer Stelle zu finden sein, evtl. in einer unterschiedlichen gesellschaftlichen Partizipationskultur.

Generell finden die Autoren für Europa innerhalb der privaten Religiosität den Trend bestätigt, der sich auch aus der Betrachtung des Kirchbesuchs ergibt: Die Zahl der Nicht- Gläubigen ist bis auf die Fälle Polen und Italien höher als die der Gläubigen, und eine Selbstverortung als gläubig führt nicht zwingend zur Teilnahme an institutionellen Formen der Religionsausübung.

Im nächsten Kapitel widmen sich die Autoren der Frage nach dem religiösen Pluralismus und wie diese Entwicklung in den verschiedenen Länder bewertet wird. Hierbei werden zuerst die im Rahmen des Religionsmonitors erhobenen Daten ausgewertet und dann mit anderen Studien[12] verglichen. Aus den Daten des Religionsmonitors ergibt sich „ein beeindruckend klares Bild von Aufgeschlossenheit und Liberalität“[13], lediglich in Russland findet sich mit 46% keine klare Mehrheit für Offenheit und Liberalität. Dies findet aber schnell seine Erklärung darin, dass sich der generelle Trend ausmachen lässt, dass diejenigen, welche sich selbst als „gar nicht religiös“ bezeichnen, (anderen) Religionen gegenüber auch weniger aufgeschlossen sind. Diese sind in Russland die Mehrheit, was auch die Werte bei der Frage, ob jede Religion einen wahren Kern hat, erklärt: Wer Religion generell ablehnt, ist oft der Meinung, dass keine Religion einen wahren Kern hat. Vielleicht ist dieser Nichtreligiöse aber allen Religionen gegenüber soweit aufgeschlossen, dass er jedem seinen Glauben und die Ausübung seiner Religion selbstverständlich zubilligt, seine Antwort würde trotzdem in die Richtung einer Unaufgeschlossenheit gewertet werden. Würde man die Frage so stellen, dass entweder alle Religionen einen richtigen Kern haben oder alle Religionen daneben liegen, dann könnte man die Antworten in der Auswertung so filtern, dass man Religiöse und Nichtreligiöse getrennt nach ihrer Offenheit für andere Weltanschauungen betrachten könnte.

Die Einstellung, nur die eigene Religion habe einen wahren Kern, ist auch unter Hochreligiösen nur selten zu finden, lediglich die (wenigen) Hochreligiösen Großbritanniens bilden hier eine Ausnahme.[14]

[...]


[1] Müller, O., Pollack, D.: Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität: West- und osteuropäische Gesellschaften in Zeiten religiöser Vielfalt. In: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Woran glaubt die Welt? Analysen und Kommentare zum Religionsmonitor 2008, Gütersloh 2009, S. 411- 430.

[2] World Economic Forum. Islam and the West. Annual report on the State of the Dialogue. Genf 2008.

[3] Müller/Pollack: Kirchlichkeit, S. 419.

[4] Casanova, J.: Public Religions in the modern World. London /Chicago 1994. Diese Schrift wird auch von Müller und Pollack rezipiert. Interessant, da ebenfalls mit einem ähnlichen Vergleich arbeitend, auch der Aufsatz: Religion und Öffentlichkeit. Ein Ost-Westvergleich,Goldmann, C. (Übers.) in: Transit - Europäische Revue 8 (1994), 21-41.

[5] Polak, R.: Religion kehrt wieder. Handlungsoptionen in Kirche und Gesellschaft. Ostfildern 2006.

[6] Graf, F.-W.: Die Wiederkehr der Götter. Religion in der modernen Kultur. München 2004.

[7] Gemeint ist an dieser Stelle vor allem die zunehmende, migrationsbedingte Durchmischung von ehemals stärker räumlich getrennten Religionsgemeinschaften durch Krieg und Verfolgung sowie weltweite Arbeitsmigration.

[8] Müller/Pollack: Kirchlichkeit, S. 412.

[9] Ebd, Tab. 1, S. 414.

[10] Ebd, die Autoren addieren die Werte der Extrempositionen „ziemlich und sehr“ sowie „wenig und gar nicht“ um zu klareren Aussagen kommen zu können. An dieser Stelle auch auffällig ist, dass die addierten Werte der „ziemlich bis sehr“ Gläubigen in Ostdeutschland nur die Hälfte des russischen Wertes erreichen.

[11] Ebd, S. 415.

[12] Hierunter fallen die oben bereits erwähnte Studie des World Economic Forums, und Veröffentlichungen an denen einer oder beide Autoren beteiligt waren: Pollack, D., Pickel, G., Müller, O.: Church and Religion in an enlarged Europe. Cumulated Codebook, Frankfurt/Oder, 2006. Pollack, D.: Die Pluralisierung des Religiösen und ihre religiösen Konsequenzen, in: Gabriel, K., Höhn, H.-J. (Hrsg): Religion heute- öffentlich und politisch. Provokationen, Kontroversen, Perspektiven. Paderborn 2008, S. 9-36. Für den speziellen Fall der Einstellung gegenüber Muslimen: Leibold, J., Kühnel, S.: Islamophobie. Differenzierung tut Not, in: Heitmeyer (Hrsg) W.: Deutsche Zustände, Folge 4. Frankfurt/Main 2006, S. 135- 155.

[13] Pollack/Müller, Kirchlichkeit, S. 417.

[14] Ebd., s.S.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Untersuchung des Aufsatzes "Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität: West- und osteuropäische Gesellschaften in Zeiten religiöser Vielfalt"
Hochschule
Universität Rostock  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
HS Religionsmonitor
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V266504
ISBN (eBook)
9783656565406
ISBN (Buch)
9783656565376
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, aufsatzes, kirchlichkeit, religiosität, spiritualität, west-, gesellschaften, zeiten, vielfalt
Arbeit zitieren
M. A. Simon Reimann (Autor), 2013, Untersuchung des Aufsatzes "Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität: West- und osteuropäische Gesellschaften in Zeiten religiöser Vielfalt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266504

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