Die vorliegende Arbeit ist die Verschriftlichung eines Referats zum Aufsatz „Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität..." von Olaf Müller und Detlef Pollack, weshalb sie dessen Aufbau folgt. Zuerst soll der vorliegende Text und seine zentralen Thesen kurz
zusammengefasst und wiedergegeben werden, dann werden die zur Diskussion gestellten Fragen behandelt.
Von diesen betrifft die erste die von den Autoren verwandte Methodik und hinterfragt,
ob die zur Untersuchung herangezogenen Kategorien trennscharfe Ergebnisse liefern.
Die zweite Frage befasst sich mit einer im Text festgestellten Problematik: Zwar wurde
in der Auswertung der Daten des Religionsmonitors eine prinzipielle Offenheit
gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen festgestellt, demgegenüber steht
jedoch eine hoch ausgeprägte Assimilationserwartung gegenüber Minderheiten seitens
der Mehrheit.
Für diese Fragen soll eine kurze Darstellung des Problems vorgenommen, sowie ein
Ansatz zur Beschreitung eines möglichen Lösungswegs gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zusammenfassung und Thesen des Textes
Zur Methode: Wie trennscharf ist die Unterteilung in die Kategorien kirchengebundene und private sowie konventionelle und alternative Religiosität?
Zum Inhalt: Wie plausibel ist die Erklärung für die Spannung zwischen vorhandener Offenheit und weit verbreiteten Assimilationserwartungen gegenüber Minderheitsreligionen?
Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den Interpretationen der Daten des Religionsmonitors 2008 durch Olaf Müller und Detlef Pollack auseinander. Ziel ist es, die zentralen Thesen der Autoren hinsichtlich religiöser Pluralität, Privatisierung und der sogenannten spirituellen Revolution zu hinterfragen sowie methodische Unschärfen und gesellschaftliche Widersprüche im Umgang mit Minderheitsreligionen aufzuzeigen.
- Überprüfung der Säkularisierungs- und Individualisierungsthese auf Basis empirischer Daten.
- Kritische Analyse der methodischen Kategorisierung von kirchengebundener und privater Religiosität.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen behaupteter Offenheit und praktizierter Assimilationserwartung.
- Bedeutung der religiösen Sozialisation für die individuelle religiöse Dimension.
- Diskussion des Konzepts des "undifferenzierten Denkens" zur Erklärung von Intoleranz.
Auszug aus dem Buch
Zur Methode: Wie trennscharf ist die Unterteilung in die Kategorien kirchengebundene und private sowie konventionelle und alternative Religiosität?
Die Autoren entwickeln ein Analyseinstrument, mit dem sie zwischen kirchengebundener und privater sowie konventioneller und alternativer Religiosität unterscheiden wollen. Dazu werden zwei Gegensatzpaare gebildet, einmal die kirchengebundene Religiosität, welche ein Gruppenphänomen ist, und die private Religiosität, welche das Individuum, also den Einzelnen betrifft.
Auf der anderen Seite stehen konventionelle und alternative Religiosität, welche im Verlauf der Arbeit als individuelle Kategorien gedeutet werden. Also geht es auch bei der kirchengebundenen Religiosität um die individuelle Partizipation am Massenphänomen Kirche, nicht etwa um die Entwicklung kirchlicher Gruppen. Schon hier wird ein Zusammenhang erkennbar, der von vornherein zwingend ist: Wie soll sich konventionelle Religiosität äußern, wenn nicht im Rahmen der Kirche? Diese prägt die Konventionen des Glaubens schon vom Wortsinn her, weil sie die Übereinkunft der Gläubigen in Glaubensfragen institutionell darstellt. Die Kirche als Institution bildet also die traditionelle Konvention christlichen Glaubens. Von daher ist von der Gegenüberstellung von kirchengebundener Religiosität und konventioneller/alternativer Religiosität wenig zu erwarten: konventionelle Religiosität ist kirchengebunden, und alternative Religiosität zeichnet sich genau dadurch aus, nicht kirchengebunden zu sein. „Kirchengebunden“ und „konventionell“ können als Synonyme für die traditionelle Form institutionalisierter Religionsausübung gelesen werden.
Von vornherein interessiert zu haben scheint die Autoren hingegen eine unerwartete Entdeckung im Bereich der privaten Religiosität: Im Bereich der privaten Religiosität funktioniert die Entscheidung zwischen konventioneller und alternativer Religiosität nicht nach dem „Entweder- Oder“- Prinzip, sonder ehr im Sinne eines „Sowohl- als auch“. Hätte man hier vor allem auf Seiten der konventionellen Religiosität einen gewissen Dogmatismus und eine prinzipiell ablehnende Haltung gegenüber alternativen Religionsformen erwartet, scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Datengrundlage des Religionsmonitors 2008 ein und verortet die Arbeit im religionssoziologischen Diskurs um Säkularisierung, Individualisierung und die spirituelle Wiederkehr des Religiösen.
Zusammenfassung und Thesen des Textes: Hier werden die Kernthesen der Autoren zur Pluralisierung des Religiösen in Europa dargestellt und die kritischen Fragestellungen der vorliegenden Arbeit zur Methodik und den Assimilationserwartungen formuliert.
Zur Methode: Wie trennscharf ist die Unterteilung in die Kategorien kirchengebundene und private sowie konventionelle und alternative Religiosität?: In diesem Abschnitt wird hinterfragt, ob die von den Autoren gewählten Gegensatzpaare zur Messung von Religiosität methodisch trennscharf sind, da kirchengebundene und konventionelle Religiosität stark ineinandergreifen.
Zum Inhalt: Wie plausibel ist die Erklärung für die Spannung zwischen vorhandener Offenheit und weit verbreiteten Assimilationserwartungen gegenüber Minderheitsreligionen?: Dieser Teil analysiert den Widerspruch zwischen einer gesellschaftlich postulierten Toleranz und einer empirisch beobachtbaren, kritischen Haltung insbesondere gegenüber dem Islam, wobei das Konzept des "undifferenzierten Denkens" zur Erklärung herangezogen wird.
Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, betont die zentrale Rolle der religiösen Sozialisation für die religiöse Zukunftsfähigkeit und reflektiert die pessimistische Prognose hinsichtlich eines schwindenden Verständnisses für die religiöse Dimension.
Schlüsselwörter
Religionsmonitor, Säkularisierung, Individualisierung, religiöse Sozialisation, Pluralisierung, Kirchengebundenheit, Assimilationserwartung, spirituelle Revolution, undifferenziertes Denken, Religionspraxis, Islam, Toleranz, Religionssoziologie, Privatisierung, religiöser Pluralismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch einen religionssoziologischen Aufsatz von Müller und Pollack, die Daten des Religionsmonitors 2008 zur religiösen Lage in Europa interpretierten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Validität der Säkularisierungs- und Individualisierungsthese, die Methodik der Kategorisierung von Religiosität sowie gesellschaftliche Widersprüche im Umgang mit religiöser Vielfalt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, methodische Schwachstellen der Autoren aufzudecken und zu ergründen, warum trotz einer behaupteten Offenheit gegenüber Religionen hohe Assimilationserwartungen gegenüber Minderheiten bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und kritischen Textanalyse, die bestehende religionssoziologische Theorien und empirische Studien heranzieht, um die Argumentation der Originalautoren zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorisierung von Religiosität sowie die psychologischen und soziologischen Hintergründe für die Diskrepanz zwischen öffentlicher Toleranz und faktischer Ausgrenzung diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind religiöse Sozialisation, Assimilationserwartung, Säkularisierung, Privatisierung, Pluralisierung und das Konzept des "undifferenzierten Denkens" nach Allport.
Warum ist die Unterscheidung zwischen konventioneller und kirchengebundener Religiosität problematisch?
Die Arbeit argumentiert, dass diese Kategorien in der Praxis weitgehend synonym sind, da konventionelle religiöse Ausübung institutionell zwingend an die Kirche gebunden ist.
Wie erklären die Autoren das Phänomen, dass hochreligiöse Menschen teilweise intoleranter sind?
Die Arbeit greift hierbei auf das von Allport entwickelte Modell der intrinsischen und extrinsischen religiösen Orientierung sowie den Begriff des "undifferenzierten Denkens" zurück, um Intoleranz als Resultat einer mangelnden Verarbeitung von Kontingenz zu deuten.
- Quote paper
- M. A. Simon Reimann (Author), 2013, Untersuchung des Aufsatzes "Kirchlichkeit, Religiosität und Spiritualität: West- und osteuropäische Gesellschaften in Zeiten religiöser Vielfalt", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266504