Aktuell wird in der Konzeption diverser Curricula und deren konzeptionelle Gestaltung ein Diskurs zwischen den Vertretern zweier Bildungskonzepte eröffnet.
Dabei beanspruchen beide Seiten das beste Konzept zu vertreten und treten teilweise mit einer ausgedehnten privaten Lobby auf, um das jeweilige Konzept zu vermarkten.
Dabei versuchen die Unterstützer der ökonomischen Bildung das Unterrichtsfach "Wirtschaft" im Schulkanon zu etablieren und weisen dafür bereits ein detailliertes Konzept mit Zielen und Kompetenzerwartungen aus.
Dieses Konzept führte bei den Vertretern der integrativen sozialwissenschaftlichen Bildung zu massiver Kritik und brachte mehrere kritische Schriften hervor, die sich mit obigen Konzept auseinandersetzten.
In meiner vorliegenden Hausarbeit stelle ich die Ansätze jeweils in Grundzügen vor und vergleiche diese. Dies geschieht unter dem Aspekt der "Mündigkeit", da beide Aspekte dies als Hauptziel ihres Konzepts verstehen.
Dafür muss freilich erst dieser Begriff erklärt werden, um im Anschluss die Konzepte in ihrer Zulänglichkeit bewerten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der ökonomischen Bildung
3. Die integrative sozialwissenschaftliche Bildung
4. Der Begriff der "Mündigkeit"
5. Die Bildungskonzepte im Vergleich anhand einer Abituraufgabe des GEW
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht kritisch die Debatte um die Einführung eines eigenständigen Schulfachs "Wirtschaft" und stellt das Konzept der "ökonomischen Bildung" dem Ansatz einer "integrativen sozialwissenschaftlichen Bildung" gegenüber, um zu prüfen, welcher Weg Schülerinnen und Schüler besser auf komplexe Lebensrealitäten vorbereitet.
- Vergleich zwischen rein ökonomischen und integrativen sozialwissenschaftlichen Bildungskonzepten.
- Analyse des Begriffs der Mündigkeit in beiden Bildungsansätzen.
- Evaluation anhand eines konkreten Praxisbeispiels (Abituraufgabe der GEW).
- Diskussion über die Gefahr einer einseitigen Interessenvertretung durch Lobbyverbände in der Schule.
- Plädoyer für einen multiperspektivischen Unterricht zur Förderung kritischer Urteilsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
2. Das Konzept der ökonomischen Bildung
Die Befürworter dieses Konzepts beobachten eine zunehmende Ökonomisierung der Lebenswelt und immer komplexer und vielfältiger werdende ökonomische Herausforderungen, die sich an den Einzelnen richten, wodurch diese gezwungen sind auf ökonomische Kompetenzen zurückzugreifen, um "[...] die Chancen zur persönlichen Entfaltung [...]" wahren zu können. Die Vermittlungspotentiale ökonomischer Kompetenzen werden demnach im gängigen Schulkanon nicht gänzlich ausgeschöpft, da zwar singuläre Inhalte wie "[...] Preiskalkulation in Mathe, Globalisierung in Deutsch [und] Wirtschaftsgeographie in Erdkunde [...]" vermittelt werden und deshalb die "[...] erforderliche systematische Vermittlung [...]" fehlt. Des Weiteren bezeichnen die Befürworter des Konzepts das informelle Lernen über Sozialisierungsprozesse in ökonomischen Fragen als unzureichend, da sich die wirtschaftliche Realität gegenwärtig tiefgreifend und rasant verändere, sodass die Schule die Rolle des Vermittlers von systematischem Wissens einnehmen müsse.
Mit Hilfe ökonomischer Bildung sollen die SuS auf die progressiv ökonomisierte Gesellschaft vorbereitet werden, indem sie "[...] zur individuellen Lebensführung, zur gesellschaftlichen Teilhabe sowie zur politischen Mitwirkung [...]" befähigt werden und wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen erkennen und mitgestalten können. Die zu Grunde liegende Idee ist hierbei in der Metapher eines Kreislauf gefasst, wobei ökonomisch geprägte Lebenssituationen bestimmte Anforderungen an die Akteure stellen, die situationsübergreifende, domänenspezifische (hier also ökonomische) Kompetenzen für deren Bewältigung benötigen, welche wiederum in neuen Lebenssituationen aktualisiert und überprüfbar werden. Jene Kompetenzen werden als individuelles Potenzial betrachtet, die "[...] als die Fähigkeit und Bereitschaft einer Person verstanden werden, die Denk- und Argumentationsweisen, Erkenntnismethoden, Entscheidungsverfahren und Handlungsweisen in einer bestimmten Domäne anzuwenden, um situationsangemessen zu urteilen, zu handeln und Probleme zu lösen".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Debatte um die Etablierung eines eigenständigen Schulfachs "Wirtschaft" vor dem Hintergrund einer zunehmend ökonomisierten Lebenswelt und globaler wirtschaftlicher Herausforderungen.
2. Das Konzept der ökonomischen Bildung: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der ökonomischen Bildung, das auf den Leitideen Mündigkeit, Tüchtigkeit und Verantwortung basiert und versucht, SuS durch ein Kompetenzmodell auf marktkonformes Handeln vorzubereiten.
3. Die integrative sozialwissenschaftliche Bildung: Hier wird der Gegenentwurf zur ökonomischen Bildung dargestellt, der Wirtschaft als Teil gesellschaftlicher Systeme begreift und einen interdisziplinären Ansatz mit Soziologie und Politikwissenschaft fordert.
4. Der Begriff der "Mündigkeit": Dieses Kapitel analysiert das zentrale Bildungsziel "Mündigkeit" und zeigt auf, wie beide Ansätze unterschiedliche Schwerpunkte bei der Vorbereitung auf individuelle Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe setzen.
5. Die Bildungskonzepte im Vergleich anhand einer Abituraufgabe des GEW: Anhand einer konkreten Abituraufgabe wird die Anwendung beider Konzepte illustriert und kritisch geprüft, inwiefern sie Schülern helfen, komplexe ökonomische und politische Sachverhalte zu durchdringen.
6. Fazit: Das Fazit bewertet die ökonomische Bildung als zu dogmatisch und befürwortet den integrativen Ansatz, da dieser durch seine multiperspektivische Struktur besser in der Lage ist, Schüler zu kritischen und reflektierten Bürgern zu erziehen.
Schlüsselwörter
Ökonomische Bildung, integrative sozialwissenschaftliche Bildung, Mündigkeit, Schulfach Wirtschaft, Kompetenzmodell, kritische Urteilsfähigkeit, Multiperspektivität, politisches Handeln, ökonomische Lebenswelt, Bildungspolitik, Didaktik, Gesellschaftssysteme, Interessenvertretung, globale Finanzkrise, soziale Marktwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die kontroverse Frage, ob an allgemeinbildenden Schulen ein eigenständiges Fach "Wirtschaft" sinnvoll ist oder ob eine integrative sozialwissenschaftliche Bildung die bessere Wahl darstellt, um Schüler auf die Anforderungen der modernen Gesellschaft vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der Vergleich zwischen dem fachspezifischen Ansatz der ökonomischen Bildung und dem fachübergreifenden, integrativen Ansatz sowie die Analyse des Begriffs der Mündigkeit in diesem Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis einer theoretischen Gegenüberstellung und einer exemplarischen Analyse (Abituraufgabe) zu erörtern, welcher Bildungsansatz Schüler besser zur kritischen Teilhabe in einer komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwelt befähigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der jeweiligen Bildungskonzepte sowie eine vergleichende Untersuchung anhand eines konkreten Praxisbeispiels (Abituraufgabe der GEW), um die didaktische Tauglichkeit der Ansätze zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der beiden konkurrierenden Bildungskonzepte, eine vertiefende Analyse des Mündigkeitsbegriffs und eine vergleichende Anwendung beider Modelle auf eine spezifische Abituraufgabe zum Thema Hartz IV.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ökonomische Bildung, integrative sozialwissenschaftliche Bildung, Mündigkeit, Multiperspektivität und kritische Urteilsfähigkeit geprägt.
Warum wird das Konzept der ökonomischen Bildung im Fazit kritisch hinterfragt?
Der Autor kritisiert, dass das Konzept der ökonomischen Bildung zu einseitig auf Effizienz und eine ökonomische Verhaltenslogik ausgerichtet sei und somit wichtige gesellschaftliche und soziale Interdependenzen ausblende.
Was spricht laut der Arbeit für den integrativen sozialwissenschaftlichen Ansatz?
Der integrative Ansatz wird bevorzugt, da er Wirtschaft als Teilbereich gesellschaftlicher Systeme begreift und durch seine interdisziplinäre Ausrichtung (Politik, Soziologie, Wirtschaft) Schüler besser dazu befähigt, komplexe Lebenssituationen zu bewerten und mündig mitzugestalten.
- Quote paper
- Sascha Pliske (Author), 2013, Ökonomisches vs. integratives Konzept in der sozialwissenschaftlichen Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266565