Vergleich von BILD und FAZ hinsichtlich umfassender Berichterstattung und Manipulativität


Hausarbeit, 2010

32 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung - Festlegung des Forschungsinteresses 1 und Methodenwahl

2 Planungsphase
2.1 BestimmungderForschungsfrage
2.2 Hypothesenbildung
2.3 Bestimmung von Grundgesamtheit und Stichprobe
2.4 Selektion von Textmaterial innerhalb der Stichprobe - 4 Anwendung des Generalthemas

3 Entwicklungsphase
3.1 TheoriegeleiteteKategorienbildung
3.1.1 Hypothesenexplikation/ dimensionale Analyse und Messvorschriften zu Hypothese 1
3.1.2 Hypothesenexplikation/ dimensionale Analyse 11 und Messvorschriften zu Hypothese
3.1.3 Grobkonzeption des Kategoriensystems
3.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung

4 Testphase
4.1 ProbecodierungundCodiererschulung
4.2 Codierungmit Reliabilitätstest

5 Anwendungsphase - Auswertung & Zusammenfassung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

I Hypothesenkatalog

II Codebuch

III Kategoriensystem und Kategoriendefinitionen

IV Allgemeine Codieranweisungen

V Tabellen mit Codierergebnissen (auszugsweise)

1 Einleitung - Festlegung des Forschungsinteresses und Methodenwahl

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Thematik der öffentlichen Aufgabe der Presse, wie sie im Spiegel-Urteil des Bundesverfassungsgerichts postuliert wurde.

Da die Erfüllung der öffentlichen Aufgabe eine demokratisch intendierte Meinungs- und Willensbildung ermöglicht, erscheint eine Untersuchung dieses Gegenstandes ausgesprochen bedeutsam für eine funktionierende Demokratie.

Es erscheint unmöglich, die Erfüllung der öffentlichen Aufgabe anhand der gesamten Zeitungslandschaft in Deutschland zu untersuchen, daher wurden konkreterweise zwei in Deutschland angebotene Tageszeitungen ausgewählt, die unter dem Aspekt der Erfüllung der öffentlichen Aufgabe miteinander verglichen werden sollen. Die Wahl fiel auf die BILD sowie auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung, im Folgenden kurz FAZ genannt; beide dürfen aufgrund ihrer hohen Auflagen- und Absatzzahlen für die öffentliche Meinungsbildung als einflussreich gelten.

Die empirische Methode, mithilfe welcher der Vergleich vorgenommen werden soll, ist die Inhaltsanalyse. Die Inhaltsanalyse ist eine „empirische Methode zur systematischen und intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen“ (Früh 2001, S. 25). Die Verfasserin wird auf die einzelnen Schritte zur Durchführung der Inhaltsanalyse genauer eingehen und diese begründet auf den Untersuchungsgegenstand anwenden. Folglich orientiert sich die formale Gliederung dieser Arbeit an der grundsätzlichen Vorgehensweise einer Inhaltsanalyse.

Erkenntnisinteresse dieser Inhaltsanalyse und Hausarbeit ist also die Frage, welche der beiden Tageszeitungen die öffentliche Aufgabe der Presse besser erfüllt und damit in höherem Maße zur öffentlichen Meinungsbildung beiträgt.

An dieser Stelle sind zwei grundlegende Begrifflichkeiten zu klären, die in dieser Hausarbeit durchgängig im folgend angeführten Sinne verwendet werden: Zeitung bezeichnet in dieser Inhaltsanalyse keine konkrete Ausgabe, sondern die Gesamtheit aller bisher erschienenen Ausgaben der BILD oder der FAZ. Zeitungsausgabe oder Ausgabe ist ein Einzelexemplar der BILD oder der FAZ, dieser Ausdruck beschreibt die Gesamtheit aller Artikel an einem Tag, die zu einem Printmedium zusammengefasst wurden.

2 Planungsphase

2.1 Bestimmung der Forschungsfrage

Als Ausgangspunkt aller weiteren Untersuchungen ist die Bestimmung einer Forschungsfrage unabdingbar, denn sie dient als Orientierungsrahmen für das weitere Vorgehen. Die Forschungsfrage wird aus dem oben aufgeführten Erkenntnisinteresse abgeleitet und ergibt sich damit folgendermaßen: Welche Zeitung erfüllt die öffentliche Aufgabe gemäß Spiegel-Urteil des Bundesverfassungsgerichts besser - die BILD oder die FAZ?

Es bedarf zunächst einer genaueren Klärung der durch das Bundesverfassungsgericht (folgend BVerfG genannt) im Rahmen des Spiegel-Urteils am 5. August 1966 formulierten öffentlichen Aufgabe der Presse, die vor allem der demokratisch intendierten Willensbildung dient.

Zur Erfüllung ihr öffentlichen Aufgabe in einem demokratischen Staat muss die Presse unter anderem umfassend informieren; viele Meinungen aufführen, damit der Leser sie gegeneinander abwägen kann; eine ständige Diskussion im Gang halten; Informationen beschaffen und dazu Stellung nehmen; als orientierende Kraft in der öffentlichen Auseinandersetzung wirken; Argumente pro und contra liefern und dem Bürger somit sein Urteil erleichtern; als Verbindungs­und Kontrollorgan zwischen Volk und seinen gewählten Vertretern stehen; die sich in der Gesellschaft und ihren Gruppen sich neu bildenden Meinungen und Forderungen kritisch zusammenfassen und sie zur Erörterung stellen.

2.2 Hypothesenbildung

Unter Zuhilfenahme dieser Konkretisierung der Forschungsfrage kann die Hypothesenbildung vorgenommen werden; die Überführung der Forschungsfrage in Hypothesen ist ein grundlegender Schritt, denn nur damit ergeben sich einzeln intersubjektiv prüfbare Aussagen, die im weiteren Verlauf der Untersuchung verifiziert oder falsifiziert werden können und mithife derer sich schlussendlich die Forschungsfrage beantworten lässt. Hypothesen „präzisieren [...] rückwirkend die Forschungsfrage. [...] Der Hypothesenkatalog übersetzt die allgemeine Forschungsfrage in einzelne, prüfbare Behauptungen“ (Früh 2001, S. 77).

Zu unterscheiden sind die theorie- und die empiriegeleitete Vorgehensweise bei der Hypothesenbildung, wobei die erstere theoretische Vorüberlegungen nutzt, um daraus Hypothesen abzuleiten; letztere erfolgt, indem man eine Stichprobe der zu analysierenden Texte durchliest und dabei entstandene Auffälligkeiten mit in die Hypothesenbildung einbezieht (vgl. Früh 2001, S. 136). Eine Demokratie sieht vor, dass der Bürger politische Entscheidungen treffen soll mittels einer freien, regelmäßig erscheinenden politischen Presse. Die Presse hat damit eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen, um diese politischen Entscheidungen durch den Bürger zu ermöglichen. Dafür muss der Bürger unter anderem laut Spiegel-Urteil des BVerfG (a) umfassend informiert sein und (b) wissen, was er als gegebenen Fakt hinnehmen kann und was vorherrschende Meinungen sind, auf deren Basis er sich eine eigene bilden kann. Anhand dieser Auswahl von Anforderungen an die Presse steht der Kern der Hypothesen fest: Umfasstheit der Information (a) sowie Trennung von Faktum und Meinung (b). Insofern eine Trennung von Faktum und Meinung nicht evident ist, kann man von einer mainpulativen Berichterstattung sprechen.

Als Vertreter der Presse wurden die Zeitungen FAZ und BILD ausgewählt. Aufgrund von Erfahrungen beim Lesen der Zeitungen und Vorwissen aus dem Studium über die Berichterstattung und die Zielgruppen beider Zeitungen lässt sich bereits vermuten, dass die FAZ oben genannte Aspekte der öffentlichen Aufgabe besser als die BILD erfüllt. Das Attribut „besser“ beschreibt in diesem Zusammenhang, dass in Artikeln zu politischen Themen unter anderem umfassender und weniger manipulativ berichtet wurde im Vergleich zurjeweils anderen Zeitung.

Aus diesen Informationen heraus können nun die folgenden Hypothesen aufgestellt werden, wobei die Hypothesen durch beide der oben genannten Vorgehensweisen gestützt werden.

Hypothese 1: Die BILD berichtet im Vergleich zurFAZ überpolitische Themen weniger umfassend. Hypothese 1.1) Die BILD spricht im Vergleich zur FAZ bei politischen Themen eine geringere Themenvielfalt an.

Hypothese 1.2) Die BILD hat in Artikeln zu politischen Themen durchschnittlich einen geringeren Artikelumfang als die FAZ.

Hypothese 1.3) Die BILDführt zu einem konkreten politischen Thema weniger verschiedene Meinungen an als die FAZ.

Hypothese 2: Die BILD berichtet im Vergleich zur FAZ über politische Themen manipulativer.

Es ist in diesem Falle keine ausführlichere oder gar erschöpfende Hypothesenbildung notwendig, da die Aufgabenstellung lediglich zwei erforderte.

2.3 Bestimmung von Grundgesamtheit und Stichprobe

Im Rahmen der Projektplanung muss auch das Untersuchungsmaterial ausgewählt werden. Zu unterscheiden sind dabei die Bestimmung von Grundgesamtheit und Stichprobe; dieser Vorgang muss sich auf die Forschungsfrage sowie die Hypothesen beziehen (vgl. Früh 2001, S. 137).

Die Grundgesamtheit dieser Inhaltsanalyse bezieht alle Ausgaben der FAZ und der BILD seit ihrer jeweils ersten Ausgabe bis zum aktuellen Datum ein, denn es geht um eine generelle Untersuchung der Berichterstattung beider Zeitungen.

Bei der Auswahl der Stichprobe wurde auf eine künstliche Woche zurückgegriffen, denn diese kommt dem Prinzip der Zufallsauswahl bei der Stichprobenbildung am nächsten, da unzusammenhängend Ausgaben miteinander kombiniert und Verzerrungen (durch mögliche regelmäßige Beiträge in einer Zeitung an gleichen Wochentagen) reduziert werden. Die Wahrscheinlichkeit, einen repräsentativen Querschnitt zu bilden, ist am höchsten, wenn verschiedene Wochen und verschiedene Wochentage der Ausgaben zu einer Stichprobe zusammengestellt werden.

Der Analysezeitraum bewegt sich von Oktober bis Dezember 2005, in etwa dem Zeitraum des Seminars, da die Zeitungen erst erworben werden mussten.

Die Anzahl der zu analysierenden Zeitungsausgaben wurde vom Seminarleiter festgelegt, sie entspricht derer von zwei Wochen, demzufolge werden je zwölf Ausgaben der BILD und der FAZ untersucht, da Sonntagsausgaben eine Art Zusatzausgabe, mit teils andersartigen und thematisch völlig verschieden Berichten, darstellen.

Die Erscheinungsdaten der Ausgaben wurden im Rahmen der künstlichen Woche willkürlich ausgewählt, da kein bestimmtes Ereignis zugrunde lag; die ausgewählte Stichprobe ist dem im Anhang angefügten Codebuch zu entnehmen, genauso wie die Festlegung formaler Identifikationskennzahlen, die den Codiervorgang erleichtert und keiner weiteren Erklärung bedarf.

2.4 Selektion von Textmaterial innerhalb der Stichprobe - Anwendung des Generalthemas

Da sich die Hypothesen nur auf politische Themen beziehen, müssen zunächst die politischen Artikel aller Ausgaben, die die Stichprobe darstellen, selektiert werden. Dazu sind Definitionen der Begriffe Artikel und politische Themen vonnöten, die wiederum weitere Bestimmungen der in der Definition enthaltenen zentralen Termini verlangen, solange sie für die Inhaltsanalyse von Bedeutung sind.

Als Artikel gilt ein umbruchtechnisch abgesetzer Beitrag, der keine Werbung (gekennzeichnet durch das Wort „Anzeige“), kein Inserat (z.B. Todes-, Stellen- oder Kontaktanzeigen) und keine Fernsehvorschau darstellt. Zitierte Artikel(-ausschnitte) aus anderen Zeitungen und Leserbriefe werden wie Artikel der FAZ oder der BILD behandelt.[1] Bildillustrationen werden nicht verschlüsselt, Bildbetextungen werden dem redaktionellen Teil zugeschlagen. Insofern ein Verweis, wie z.B. „Fortsetzung siehe Seite...“, angegeben ist, zählt sowohl der Teil mit dem Verweis als auch der Teil, auf den verwiesen wurde, zu ein- un demselben Artikel. Zwei umbruchtechnisch abgesetze Beiträge, die auf einer Seite, d.h. mit der gleichen Seitenzahl, abgedruckt sind, und sich inhaltlich auf denselben Sachverhalt beziehen, sind als ein Artikel zu behandeln.[2]

Als politische Themen gelten alle Themen, die sich auf Politik[3] beziehen, womit Politik als Generalthema und Selektionskriterium gilt, dieser Begriff allerdings nicht in der Artikelüberschrift stehen muss. Artikel sind für die Fortführung der Inhaltsanalyse nur dann relevant, wenn sie politische Themen behandeln, die für einen Teil oder die gesamte Gesellschaft Deutschlands gegenwärtig bedeutsam sind, d.h. ein verhältnismäßig großer Teil in irgendeiner Weise (potenziell) betroffen ist. Diese Betroffenheit kann emotional, direkt oder indirekt sein. Der mündige Bürger muss vor allem gegenüber ihn potenziell betreffenden politischen Themen poltische Entscheidungen treffen durch einen Meinungsbildungsprozess mithilfe der Presse. Diese Inhaltsanalyse konzentriert sich daher nur auf die für den Untersuchungszeitraum aktuellen politischen Ereignisse oder Fragestellungen; so finden beispielsweise Artikel mit polit-historische Rückblenden keine Berücksichtigung, insofern sie keinen Einfluss auf aktuelle politische Diskussionen haben.

Politik ist die Bezeichnung für alle Handlungen3, die auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens3, insbesondere der Staatstätigkeit (in diesem Fall besonders in Deutschland), abzielen und die das Verhältnis zwischen Staat3 und Gesellschaft3 z.B. über Gesetze und Verfassungen regeln; Handlungsträger können dabei der Staat selbst sein, aber auch Individuen, Parteien,Verbände, etc.; Ziel politischen Handelns ist es, bestimmte Interessen durchzusetzen, was den Kampfcharakter der Politik verdeutlicht.

Als Handlung giltjede Form von Tun oder Reagieren.

Als öffentliches Leben werden sämtliche Ereignisse und Vorgänge in einer Gesellschaft zur Gestaltung der ökonomischen, politischen und kulturellen Bedingungen bezeichnet; jeder kann potenziell aktiv daran teilnehmen, teilhaben oder passiv involviert sein, denn sie sind offen zugänglich und damit gesamtgesellschaftlich relevant (vgl. Neidhardt nach Averbeck 2002).

Staat beschreibt die politische Ordnung einer Gesellschaft3, die aus Institutionen der Exekutive, Legislative und Judikative besteht (= ausführende, gesetzgebende, richterliche Gewalt) und in Wechselbeziehung zur Gesellschaft steht.

Gesellschaft ist eine Anzahl von Menschen, deren soziale Beziehungen von den jeweiligen ökonomischen, politischen und kulturellen Verhältnissen abhängen, unter denen sie leben; eine Gesellschaft differenziert sich in Gruppen.

Um die Selektion der für diese Inhaltsanalyse relevanten Artikel nachzuvollziehen, müssen Indikatoren für das Generalthema Politik aufgelistet werden, die für die Verfasserin als Richtlinie bei der Selektion fungierten: Indikatoren für Politik können z.B. sein der Wortlaut „Politik“, „politisch“, „Politiker/in“ usw.; „Staat“ und seine (Staats-)Organe bzw. Funktionäre (z.B. „Bundestag“, „Bundesrat“, „Minister/in“, „Kanzler/in“, „Staatssekretär/in“, „Abgeordnete/r“, „Parlament“, „Regierung“ etc.); „Wahl/en“ und damit verbunde Begriffe (z.B. „Legislaturperiode“, „Wahlkampf“, „Landtagswahl“, „Mandat“, „Wähler“, „Legitimation“); Namen politscher Systeme (z.B. „Demokratie“, „Dynastie“); Interessengruppen einer Gesellschaft (z.B. „Bürger/Volk“, „Gewerkschaft/en“, alle politischen Parteien wie „CDU“, „FDP“ etc. und ihre Vertreter, „Opposition“, „Koalition“, „Fraktion“); Ergebnisse von Politik („Reform/en“, „Gesetz/e“, „Steuer/n“) usw.

Zu betonen ist, dass das alleinige Auftreten eines solchen Wortes noch nicht dazu veranlasste, den Artikel als einen Artikel über ein politisches Thema einzustufen, sondern lediglich einen Hinweis bot, dass es sich um einen politischen Artikel handeln könnte. Allein der Kontext und Zusammenhang gab Aufschluss darüber, wann ein Artikel im oben beschriebenen Sinne als politisch und damit für diese Inhaltsanalyse als relevant gelten durfte.

3 Entwicklungsphase

3.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung

Nun erfolgt mit dem Ziel der theoriegeleiteten Kategorienbildung die Hypothesenexplikation und damit gleichzeitig eine erste Maßnahme zur Operationalisierung. Die Operationalisierung bezeichnet eine prinzipielle Vorgehensweise, wie die „in der Problemstellung anvisierten Konstrukte in Datenformat überführt werden“ (Früh 2001, S. 78).

Dazu bedient man sich der sogenannten dimensionalen Analyse, bei der die in den Hypothesen enthaltenen theoretischen Konstrukte bzw. Bedeutungsdimensionen beschrieben werden (vgl. Früh 2001, S. 121). Die dazu verwendeten Begriffe werden ihrerseits wieder definiert, insofern sie erklärungsbedürftig sind. Dabei spiegelt dieses Netz von Beschreibungen relativ eindeutige Bedeutungen der theoretischen Konstrukte wider (vgl. Früh 2001, S.78). Die dimensionale Analyse mit ihren Begriffsexplikationen liefert wichtige Vorarbeiten für die Bildung des Kategoriensystems: Man sollte sich bei der Bildung der Hauptkategorien des Kategoriensystems nach den extrahierten Dimensionen der Hypothesen richten (vgl. Früh 2001, S. 144). Außerdem ist im Rahmen der theoriegeleiteten Kategorienbildung eine Bestimmung der Messvorschriften vorzunehmen, was die Festlegung des Kategorientypus' sowie des Skalenniveaus einschließt. Mit Festlegung der Art und Struktur der zu erhebenden Daten ist auch deren Bedeutungsgehalt zu klären, d.h. die Fragestellung zu klären, welchen Einfluss erhobene Daten auf die Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothesen ausüben. Diese Arbeitsschritte sollen anschließend fortlaufend durchgeführt werden.

3.1.1 Hypothesenexplikation/ dimensionale Analyse und Messvorschriften zu Hypothese 1

Die Hypothese 1 untergliedert sich in drei Subhypothesen, die als Untersuchungsgesichtspunkte bzw. Dimensionen des Merkmals umfassend zu verstehen sind: Themenvielfalt, Artikelumfang und Meinungsvielfalt. Fürjede Dimension der Umfasstheit wird festgestellt, welche Zeitung ihn besser erfüllt. Nur, wenn eine Zeitung alle drei Gesichtspunkte besser als die andere erfüllt, kann sie als umfassender eingestuft werden, da sich die Umfasstheit einer Zeitung aus mehreren Merkmalen konstituiert. Ansonsten ist die Art der Berichterstattung einer Zeitung nur in Teilen umfassender als die andere. An dieser Stelle sollen die einzelnen Gesichtspunkte näher untersucht und operationalisiert werden.

Zu 1.1 Themenvielfalt: Themenvielfalt bedeutet, dass Nachrichten oder Meldungen aus einem möglichst breiten Themenspektrum stammen. Es muss demzufolge erschlossen werden, welche Zeitung breiter über politische Themen berichtet, d.h. welche Zeitung generell mehr verschiedene politische Probleme, Ereignisse und Fragestellungen innerhalb einer Zeitungsausgabe anspricht. Ein Leser muss nämlich auch dann, wenn er sich nur eine Ausgabe der Zeitung kauft, umfassend über verschiedene politische Themen unterrichtet werden.

Es soll also ein Kategoriensystem zu politischen Themen erstellt werden, was in Abschnitt 3.1.3 ausgeführt wird. Eine Zeitung erfüllt die öffentliche Aufgabe umso besser, je mehr Themenkategorien sie abdeckt.

Fürjede einzelne Zeitungsausgabe wird die Anzahl der belegten Themenkategorien festgehalten, im Anschluss daran werden diese Zahlenergebnisse der verschiedenen Ausgaben einer Zeitung addiert und das Ergebnis durch zwölf dividiert, was der Anzahl der untersuchten Ausgaben pro Zeitung entspricht. So ergibt sich ein Mittelwert der Anzahl der angesprochenen Kategorien pro Ausgabe jeweils für die BILD und die FAZ. Dieser ermöglicht, beide Zeitungen miteinander zu vergleichen. Durch diese Rechnung wird automatisch einer höheren Artikelanzahl über politische Themen Rechnung getragen, da eine Zeitung, die generell viele Artikel über politische Themen verfasst, höhere Chancen hat, viele verschiedene Themen anzusprechen. Eine höhere Anzahl von Artikeln über politische Themen impliziert schließlich auch eine umfangreichere Berichterstattung.

Die Zeitung, deren Mittelwert größer ist, spricht durchschnittlich mehr Themen innerhalb einer Ausgabe an und erfüllt damit das Kriterium der Themenvielfalt besser.

Der Kategorientypus der Dimension Themenvielfalt ist der Thematisierungstyp; das Skalenniveau entspricht einer Nominalskalierung.

Zu 1.2 Artikelumfang·. Zudem muss herausgefunden werden, welche Zeitung generell innerhalb ihrer politischen Artikel tiefer berichtet, d.h. mehr Fakten bzw. Informationen zu einem Thema oder Sachverhalt liefert. Dies soll anhand des Umfangs der Artikel untersucht werden, d.h. der durchschnittlichen Wortanzahl pro Artikel. Die Verfasserin geht davon aus, dass eine Prämisse jeder journalistischen Arbeit eine kurze und prägnante Berichterstattung ist, die aber dennoch möglichst viele Informationen liefern soll. Gemäß dieser Annahme sind in längeren Artikeln offensichtlich mehr Informationen enthalten als in kürzeren.

Zum Auszählen der Wörter ist eine Definition des Begriffs Wort obligatorisch· Es ist die kleinste selbständige Lautgruppe mit einer bestimmten Bedeutung (vgl. Der kleine Wahrig 2002, S. 845). Ein Wort ist eindeutig von anderen Wörtern durch ein Leerzeichen abgetrennt, daher gilt· mit Bindestrichen gekoppelte Lautgruppen werden als ein Wort betrachtet. Eigennamen gelten auch als Wort, jede abgetrennte Lautgruppe für sich. Bei Abkürzungen gilt die ausgeschriebene Form, wobei jede durch Leerzeichen abgetrennte Lautgruppe einzeln gezählt wird. Kürzel für Presseagenturen zählen nicht als Wort, ebensowenig wie Daten, Zahlen oder Uhrzeiten.

Der Umfang wird untersucht, indem die Wortanzahl jedes Artikels separat für die BILD bzw. FAZ festgehalten wird. Fürjede Zeitungsausgabe einzeln werden dann alle Wortanzahlen addiert und durch die Anzahl der untersuchen Artikel dividiert. Der sich ergebende Mittelwert sagt etwas über die durchschnittliche Wortanzahl pro Artikel in einer Zeitungsausgabe aus. Im Anschluss werden die Wertejeder Zeitungsausgabe addiert und durch zwölf dividiert, was der Anzahl der untersuchten Ausgaben einer Zeitung entspricht. Es ergibt sich somit ein Mittelwert der durchschnittlichen Wortanzahl pro Artikel einer Zeitung, der ermöglicht, beide Zeitungen miteinander zu vergleichen. Mit dieser Rechnung wird man automatisch der Zeitung gerecht, die tendenziell längere Artikel (also Berichte, Kommentare etc.) zu politischen Themen verfasst im Gegensatz zu einer Zeitung, die zu politisch relevanten Sachverhalten nur kurze Meldungen herausgibt. Bei derartigen Artikeln ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die eigentliche Auseinandersetzung mit der Problematik fehlt oder unzureichend ist, obwohl sie vom BVerfG intendiert ist, weil der Bürger politische Entscheidungen treffen soll.

Durch die Gruppierung nebeneinander stehender und das gleiche Thema behandelnder Artikel zu einer formalen Codier- bzw. Messeinheit Artikel (siehe Definition Artikel in Abschnitt 2.4 sowie Festlegung von Codier- und Messeinheit in Abschnitt 3.2) wird gewährleistet, dass jede Zeitung die

[...]


[1] Die jeweilige Zeitung veröffentlicht und billigt den Inhalt durch ihren Abdruck. Es handelt sich zwar nicht um eine eigene Berichterstattung nach individuellen journalistischen Prämissen, dennoch kann eine Wiedergabe für die Meinungsbildung des Lesers relevant sein; des Weiteren kann die herausgebende Zeitung durch Auswahl oder Kürzung inhaltlichen Einfluss nehmen.

[2] Die Begründung, warum - formal gesehen - mehrere Artikel gleichen Themas in der Definition zu einem Artikel zusammengefasst werden, erfolgt im Gliederungspunkt 3.1.

[3] Definition folgend

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Vergleich von BILD und FAZ hinsichtlich umfassender Berichterstattung und Manipulativität
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Inhaltsanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
32
Katalognummer
V266602
ISBN (eBook)
9783656594567
ISBN (Buch)
9783656594550
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Projektbericht einer Inhaltsanalyse zum Vergleich zweier ausgewählter Zeitungen in Hinblick auf ihre Erfüllung der öffentlichen Aufgabe der Presse
Schlagworte
vergleich, bild, berichterstattung, manipulativität, projektbericht, inhaltsanalyse, zeitungen, hinblick, erfüllung, aufgabe, presse
Arbeit zitieren
Julia Klapczynski (Autor), 2010, Vergleich von BILD und FAZ hinsichtlich umfassender Berichterstattung und Manipulativität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266602

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